Wartenberg-Syndrom

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das Wartenberg-Syndrom ist ein Komplex aus Symptomen, der durch eine Kompression des Nervus radialis am Unterarm hervorgerufen wird. Das Syndrom beschränkt sich auf Kompressionen des sensiblen Nervenasts und ruft daher keine motorischen Störungen, sondern nur Störungen der Sensibilität hervor. Die Behandlung hängt von der Ausprägung ab.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Wartenberg-Syndrom?

Wartenberg Syndrom
Das Wartenberg-Syndrom kann in seinem Verlauf verschiedene Komplikationen hervorrufen.
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Der Nervus radialis ist ein Nerv des Armgeflechts. Als gemischter Nerv ist er für die motorische Innervation verschiedener Armmuskeln und die sensible Innervation verschiedener Hautareale verantwortlich. Er teilt sich in einen motorischen und einen sensiblen Ast. Der sensible Ast ist auch als Ramus superficialis bekannt. Das Wartenberg-Syndrom tritt auf, wenn der Nervus radialis komprimiert wird.

Das Nervenkompressionssyndrom ist auch als Cheiralgia paraesthetica bekannt und mit Sensibilitätsstörungen in den Hautarealen der streckseitigen Daumen und Zeigefinger sowie Gefühlsstörungen des Intermetacarpalraums assoziiert. Das Wartenberg-Syndrom wurde in den 30er Jahren erstmals beschrieben. Als Erstbeschreiber gilt Robert Wartenberg.

Das Wartenberg-Syndrom ist von der Radiuslähmung zu unterscheiden, die nicht zwingend peripher mechanische Nervenschädigungen, sondern auch zentrale Nervenläsionen als Ursache haben kann und somit das Gehirn, das Rückenmark oder den motorischen Ast des Nervus radialis betrifft.

Ursachen

Das Wartenberg-Syndrom entsteht durch eine Verletzung des Ramus superficialis des Nervus radialis. Es handelt sich um eine isolierte Schädigung, die nicht etwa den gesamten Nervus radialis betrifft, sondern ausschließlich dessen sensiblen Ast. Einer isolierten Läsion des Ramus superficialis gehen in den meisten Fällen Schlagverletzungen oder Schnittverletzungen voraus, die dorsal und radial am distalen Vorderarm gelegen sind.

In Einzelfällen handelt es sich bei den Schädigungen um mechanische Kompressionsverletzungen durch Fesseln, Armbänder oder Handschellen. Manchmal ist die Ursache der Läsion auch eine intravenöse Injektion oder eine Shunt-Operation im Zwischenbereich von Vena cephalica und Arteria radialis.

Auch zu fest angelegte Gipsversorgungen können den Ramus superficialis am Nervus radialis komprimieren und so das Wartenberg-Syndrom hervorrufen. Durch die ursächliche Verbindung mit Fesseln ist das Syndrom auch als Fesselungssyndrom bekannt. In Einzelfällen ist der Symptomkomplex mit Diabetes mellitus assoziiert.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit Wartenberg-Syndrom leiden an einem Komplex aus verschiedenen Symptomen. Leitsymptomatisch imponiert das Syndrom durch Gefühlsstörungen wie Hypästhesie, Hypalgesie und Dysästhesie, die vorwiegend in der Region des Spatium interosseum I auftreten und damit eindeutig im sensiblen Versorgungsgebiet des Nervus radialis liegen. Das Wartenberg-Syndrom muss nicht zwingend mit subjektiv nennenswerten Beschwerden assoziiert sein.

Viele Patienten empfinden sich als annähernd asymptomatisch. Motorische Symptome wie Bewegungsstörungen oder gar Lähmungen der Armmuskeln sind mit dem Syndrom niemals assoziiert, da der motorische Ast des Nervus radialis vollständig intakt ist. Im Einzelfall kann das Syndrom mehr oder weniger starke Schmerzen verursachen, die in den gesamten Arm ausstrahlen können. Falls das Wartenberg-Syndrom durch Fesseln verursacht worden ist, können weitere Symptome vorliegen.

Auch die Durchblutung im komprimierten Bereich kann zum Beispiel von Kompressionen betroffen sein. Solche Kompressionen von Blutgefäßen können eine Minderdurchblutung begünstigen und bei längerem Bestehen das Gewebe schädigen. In einigen Fällen beschränken sich die Beschwerden des Wartenberg-Syndroms auf Schmerzen. In einem solchen Fall liegen keine Sensibilitätsstörungen vor und die Symptome ähneln einer Tendovaginitis stenosans de Quervain.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose auf das Wartenberg-Syndrom stellt der Arzt auf Basis der klinischen Symptome. Er untersucht den Patienten auf das sogenannte Hoffmann-Tinel-Zeichen, das im Fall des Wartenberg-Syndroms positiv ausfällt. Auch der Finkelstein-Test kann im Einzelfall positiv ausfallen. Ein positiver Finkelstein-Test ist allerdings kein zwingendes Charakteristikum der Erkrankung. Im Rahmen der Diagnostik kann eine Elektroneurografie sinnvoll sein.

Über dieses Verfahren lässt sich ein Wartenberg-Syndrom differentialdiagnostisch sowohl vom Karpaltunnelsyndrom als auch von einer andersartigen Schädigung des Nervus radialis abgrenzen. Die Prognose für Patienten mit Wartenberg-Syndrom ist deutlich günstiger als die von Patienten mit Läsionen des zentralen Nervensystems. Periphere Nerven können sich unter Umständen vollumfänglich von einer Schädigung erholen.

Komplikationen

Das Wartenberg-Syndrom kann in seinem Verlauf verschiedene Komplikationen hervorrufen. Typischerweise auftretende Gefühlsstörungen wie die Hypästhesie können den Betroffenen im Alltag einschränken, da alltägliche Reize nicht mehr richtig aufgenommen werden. Taubheitsgefühle sind eine typische Begleiterscheinung und können den sicheren Gebrauch der Hand erschweren, etwa beim Greifen kleiner Gegenstände.

In Einzelfällen verursacht das Syndrom starke, meist chronische Schmerzen, die das Wohlbefinden weiter herabsetzen. Wurde das Syndrom durch Fesseln, Handschellen oder einen zu engen Verband ausgelöst, können zusätzlich Blutgefäße abgedrückt werden; eine anhaltende Minderdurchblutung kann dann das Gewebe schädigen.

Eine operative Behandlung kann dazu führen, dass die betroffenen Nerven zusätzlich geschädigt werden. Außerdem besteht die Gefahr einer Nervenentzündung. Wird die Wunde nach dem Eingriff nicht sachgemäß versorgt, können Wundheilungsstörungen auftreten.

Daraus resultieren wiederum Narben und Verwachsungen. Die begleitend stattfindende medikamentöse Therapie kann Beschwerden hervorrufen, wenn der Patient auf eines der verordneten Präparate allergisch reagiert. Im Allgemeinen können auch verschiedene Neben- und Wechselwirkungen auftreten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wer beim Wartenberg-Syndrom anhaltende Beschwerden bemerkt, sollte einen Arzt aufsuchen. Leichte Schädigungen des Nervenasts bilden sich zwar häufig von selbst zurück; ob das im Einzelfall zu erwarten ist, kann jedoch nur ein Arzt beurteilen. Je früher ein Mediziner kontaktiert wird, desto besser ist meist auch der weitere Verlauf der Erkrankung, sodass der Betroffene mit dem Arztbesuch nicht zu lange warten sollte.

Anlass für einen Arztbesuch sind beim Wartenberg-Syndrom Taubheit, Kribbeln oder Schmerzen am Handrücken über Daumen und Zeigefinger. Besonders aufmerksam sollten Betroffene sein, wenn diese Beschwerden auftreten, während eine Uhr, ein Armband, eine Fessel oder ein Gipsverband auf den Unterarm drückt. Halten die Missempfindungen über einen längeren Zeitraum an oder nehmen sie zu, so sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Werden die Finger dabei zusätzlich blass oder kalt, sitzt ein Verband zu eng und muss umgehend ärztlich kontrolliert werden.

Bei diesem Syndrom kann in erster Linie ein Allgemeinarzt oder ein Nervenarzt aufgesucht werden. Die weitere Behandlung selbst richtet sich stark nach der Ursache und nach der Ausprägung der Beschwerden, sodass dabei keine allgemeine Voraussage erfolgen kann.

Behandlung & Therapie

Die Therapie des Wartenberg-Syndroms hängt von der Schwere der Ausprägung im Einzelfall ab. Eine wenig ausgeprägte Schädigung des Ramus superficialis am Nervus radialis muss nicht zwingend eine Behandlung erfordern. Der Nervenast wird sich vermutlich von selbst regenerieren. Wenn der Patient subjektiv kaum Beschwerden oder Beeinträchtigungen wahrnimmt, erfolgt daher keine Therapie. Therapeutisch interveniert wird ausschließlich bei ausgeprägten Beschwerden oder einer kompletten Unterbrechung der Nervenkontinuität, wie sie zum Beispiel durch Schnittverletzungen entstehen kann.

In einem solchen Fall erfolgt in der Regel eine operative Intervention. Der Arzt muss die beiden Enden des Ramus superficialis am Nervus radialis wieder zusammenfügen, damit sie zusammenwachsen können. Nach der Operation kann eine Stabilisierung durch eine dorsale Unterarmgipsschiene erforderlich sein. Der Arm wird durch die Schiene ruhiggestellt, damit die beiden Nervenenden in Ruhe miteinander verwachsen können.

Zur Behandlung des Wartenberg-Syndroms kommen außerdem einige konservativ medikamentöse Therapieschritte infrage. Zu den wichtigsten konservativen Schritten zählen Steroidinjektionen und die Gabe von nicht-steroidalen Antirheumatika. Nachdem die Nerven zusammengewachsen sind, können im Einzelfall minimale Gefühlsstörungen zurückbleiben. Diese Überbleibsel halten sich in der Regel aber soweit in Grenzen, dass sie der Patient subjektiv kaum noch bemerkt.


Vorbeugung

Eine Vorbeugemaßnahme für das Wartenberg-Syndrom ist die überlegte Auswahl von Armbändern, Uhren und anderem Schmuck des Unterarms. Zu enge Schmuckstücke können den sensiblen Ast des Nervus radialis komprimieren und auf diese Weise das Wartenberg-Syndrom hervorrufen. Auch ein Gipsverband darf am Unterarm nicht zu eng sitzen; zunehmende Missempfindungen sollten Betroffene dem behandelnden Arzt melden.

Nachsorge

Eine aufwendige Nachsorge ist beim Wartenberg-Syndrom in der Regel nicht erforderlich; wichtig sind vor allem Verlaufskontrollen. Eine frühzeitige Diagnose hilft, das Auftreten von weiteren Komplikationen und Beschwerden zu verhindern.

Ob sich der geschädigte Nervenast von selbst erholt, hängt vom Ausmaß der Schädigung ab; der behandelnde Arzt beurteilt im Verlauf, ob eine weitere Behandlung nötig wird. Das Wartenberg-Syndrom wird nicht vererbt; es entsteht in aller Regel durch Druck oder Verletzungen von außen. Eine genetische Untersuchung bei Kinderwunsch ist deshalb nicht angezeigt. Vorbeugend kommt es vielmehr darauf an, erneuten Druck auf den Unterarm zu vermeiden.

Eine dauerhafte Einnahme von Medikamenten ist beim Wartenberg-Syndrom in der Regel nicht erforderlich. Werden zeitweise Schmerzmittel oder entzündungshemmende Mittel verordnet, ist auf die vom Arzt festgelegte Dosierung und Einnahmedauer zu achten.

Auch die Pflege und die Unterstützung durch die eigene Familie kann bei dieser Krankheit sehr sinnvoll sein und dabei auch Depressionen und andere psychische Krankheiten verringern. Dabei ist der weitere Verlauf stark vom Zeitpunkt der Diagnose abhängig, sodass eine allgemeine Voraussage nicht erstellt werden kann. Die Lebenserwartung wird durch das Wartenberg-Syndrom nicht beeinflusst.

Das können Sie selbst tun

Ein schwach ausgeprägtes Wartenberg-Syndrom muss nicht unbedingt behandelt werden. Bei starken Einschränkungen oder Schmerzen kann der Arzt Schmerzmittel oder entzündungshemmende Mittel verordnen. Die Einnahme der Arzneimittel muss genau kontrolliert und festgehalten werden. Patienten sollten zudem auf etwaige Neben- und Wechselwirkungen achten und den Arzt darüber informieren.

Ein stark ausgeprägtes Wartenberg-Syndrom muss operativ behandelt werden. Nach einer Operation gelten Schonung und die Ruhigstellung des Arms. Wiederum müssen die ärztlichen Vorgaben genau eingehalten werden, um Komplikationen auszuschließen. Außerdem gilt es, die Ursache für das Wartenberg-Syndrom zu ermitteln. Oftmals sind enge Uhren oder Schmuckarmbänder ursächlich für die Nervenschädigung. Bei unbekannter Ursache besteht die wichtigste Maßnahme darin, die Beschwerden zu beobachten und bei einer Verstärkung der Symptome den Arzt zu konsultieren.

Bei dem Wartenberg-Syndrom sollte auf sportliche Aktivität verzichtet werden, die den Nerv zusätzlich belasten könnte. Welche Maßnahmen sich eignen, um trotz körperlicher Einschränkung fit zu bleiben, wird am besten mit einem Physiotherapeuten abgesprochen. Der Physiotherapeut kann spezielle Übungen nennen, mit denen sich die Schmerzen zu Hause lindern lassen. Unter Umständen helfen auch Massagen oder eine Behandlung mittels Akupunktur.

Quellen

  • Müller-Vahl, H., Tegenthoff, M. (Hrsg.): Läsionen peripherer Nerven und radikuläre Syndrome.
    ISBN: 9783132416147
  • Sauerbier, M., Eisenschenk, A., Krimmer, H., Langer, M. F. (Hrsg.): Die Handchirurgie.
    ISBN: 9783437236365
  • Spies, C. K., Quadlbauer, S., Unglaub, F., et al. (Hrsg.): Expertenwissen Handchirurgie.
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  • Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
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  • Bassetti, C., Sturzenegger, M., Mumenthaler, M.: Neurologische Differenzialdiagnostik.
    ISBN: 9783132416109

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