Zervixdystokie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Von einer Zervixdystokie spricht man, wenn der Geburtsvorgang durch eine unzureichende Erweiterung des Muttermundes verzögert wird. Die Zervixdystokie wird in der Regel durch funktionelle Störungen ausgelöst. Durch die unzureichende Öffnung trotz vorhandener, oft kräftiger Wehen kommt es zu schmerzhaften Krämpfen.
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Was ist eine Zervixdystokie?
Die Zervixdystokie stellt eine Komplikation beim Geburtsvorgang dar. Normalerweise öffnet sich der Muttermund mit Einsetzen der Wehen schrittweise. Bei den frühen Wehen sollte er sich auf einen Durchmesser von drei bis fünf Zentimetern weiten. Erst wenn der Muttermund vollständig eröffnet ist, also einen Durchmesser von etwa zehn Zentimetern erreicht hat, beginnt die Phase der Presswehen und das Köpfchen des Kindes kann geboren werden. Zu frühes Pressen kann den Muttermund anschwellen lassen und den Geburtsverlauf verschlechtern – bei einer Zervixdystokie ist das besonders ungünstig. Öffnet sich der Muttermund nicht oder zu langsam, liegt eine Zervixdystokie vor.
Ursachen
Normalerweise treten die Eröffnungswehen etwa dreimal in zehn Minuten mit einem Druck von 10 bis 50 mmHg auf. Ungezielte und unkoordinierte Wehen führen im Gegensatz zu normalen Eröffnungswehen nicht zur Öffnung des Muttermundes. An der Verkrampfung des Muttermundes können auch Angst und starke Anspannung beteiligt sein; selbst verschuldet ist eine Zervixdystokie deswegen nicht. Beschrieben wird ein solcher Spasmus vor allem bei Erstgebärenden und dabei besonders bei späten Erstgebärenden. Bei ihnen sprechen zudem die sogenannten endogenen Prostaglandine schlechter an als bei jüngeren Gebärenden.
Prostaglandine sind Lokalhormone, die unter anderem eine Rolle bei der Wehentätigkeit spielen. Durch diese hormonelle Störung bleibt der Gebärmutterhals inklusive des Muttermundes rigide. Dies führt dann zu einem funktionell gestörten Geburtsverlauf. Pathologisch-anatomische Ursachen für eine Zervixdystokie liegen vor, wenn die Muskulatur des Gebärmutterhalses pathologisch verändert ist. Ursache für diese pathologischen Veränderungen sind zum Beispiel Operationen, die zu Vernarbungen am Gebärmutterhals führen können.
Solche Vernarbungen treten beispielsweise nach einer Konisation auf. Bei einer Konisation wird ein Teil des Gebärmutterhalses im Bereich des Muttermundes entfernt. Auch eine Emmet-Plastik oder eine Cerclage sowie Entzündungen können zu Vernarbungen führen. In seltenen Fällen kann der Muttermund durch Bindegewebe verklebt sein. Diesen Zustand bezeichnet man als Conglutinatio orificii externi uteri.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Zervixdystokie äußert sich durch eine unzureichende Öffnung des Muttermundes während der Geburt. Wehen sind dabei vorhanden und oft sogar kräftig, häufig jedoch unkoordiniert. Bei der Palpation, also bei der Abtastung, fühlt sich der Muttermund derb oder eventuell sogar krampfhaft verhärtet an. Die betroffenen Frauen spüren jede der schmerzhaften Wehen, der Muttermund öffnet sich aber nicht oder nur unzureichend. Meist ist bei fünf bis acht Zentimetern die Grenze erreicht, ab der der Muttermund sich nicht mehr weiter öffnet. Erforderlich für die Geburt wären aber zehn Zentimeter. Eine Zervixdystokie kann sich über Stunden hinziehen. Der Vorgang ist sehr kräfteraubend und erschöpft die Gebärende komplett.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Die Diagnose erfolgt über Inspektion und Palpation des Muttermundes. Bei der Inspektion ist der geringe Durchmesser der Muttermundöffnung ersichtlich. Bei der Palpation erscheinen Muttermund und Gebärmutterhals derb und hart. Gestellt wird die Diagnose während der Geburt, wenn sich der Muttermund über einen längeren Zeitraum trotz regelmäßiger Wehen nicht weiter öffnet. Der Geburtsfortschritt wird dazu in festen Abständen kontrolliert und dokumentiert.
Der weitere Verlauf hängt davon ab, wie der Muttermund auf krampflösende Medikamente und eine wirksame Schmerzlinderung anspricht. Löst sich der Spasmus, kann die Geburt auf natürlichem Weg weitergehen. Öffnet sich der Muttermund trotz Behandlung nicht weiter oder zeigt die Herztonüberwachung, dass das Kind den langen Verlauf nicht gut verträgt, wird die Geburt durch einen Kaiserschnitt beendet. Mit der Geburt des Kindes ist die Zervixdystokie beendet; sie hinterlässt keine bleibende Erkrankung.
Komplikationen
Die Zervixdystokie stellt eine ernste Komplikation während des Geburtsvorgangs dar. Wenn der Muttermund sich während der Geburt nicht weit genug öffnet, kommt es zu schmerzhaften Wehen und mitunter auch zu Blutungen. Im Allgemeinen ist die Geburt bei einer Zervixdystokie sehr kräfteraubend und erschöpfend für die werdende Mutter.
Beim Kind kann es während der Geburt zu Hämatomen und anderweitigen Verletzungen kommen, die aber selten schwerwiegend sind. Die wichtigste Gefahr für das Kind geht von der Dauer der Geburt aus: Zieht sich der Verlauf lange hin, kann die Sauerstoffversorgung des Kindes leiden. Bei einer Zervixdystokie wird die kindliche Herzfrequenz deshalb durchgehend mit dem CTG überwacht; zeigen sich Auffälligkeiten, wird die Geburt zügig beendet. Größere Komplikationen können auftreten, wenn der Muttermund sich nur wenige Zentimeter öffnet. Dann ist eine natürliche Geburt meist nicht möglich und es muss ein Kaiserschnitt eingeleitet werden.
Ein solcher Eingriff ist für die Gebärende und das Kind immer mit Risiken verbunden. In seltenen Fällen kann sich das Kind dabei ungünstig drehen oder eine oberflächliche Hautverletzung davontragen. Für die Mutter ist ein Kaiserschnitt mit dem Risiko von Infektionen, Verletzungen und Wundheilungsstörungen verbunden. Manche Frauen empfinden die Narbe oder den ungeplanten Verlauf der Geburt zudem als seelische Belastung.
Wird auf die notwendige geburtshilfliche Behandlung verzichtet und stattdessen auf Hausmittel oder alternativmedizinische Verfahren gesetzt, kann sich der Geburtsverlauf verzögern und das Risiko für Mutter und Kind steigen. Konservative Arzneimittel können Nebenwirkungen hervorrufen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Die Geburt eines Kindes erfolgt in Europa meist unter Betreuung eines Arztes und einer Hebamme. Weniger ratsam ist es, dass eine Frau ein Kind ohne die Anwesenheit von medizinisch ausgebildetem Personal gebärt. Die Niederkunft kann in einem stationären Umfeld, in einem Geburtshaus oder im häuslichen Rahmen stattfinden. An allen Orten ist die Zusammenarbeit mit Geburtshelfern oder Hebammen möglich. Weit vor dem errechneten Geburtstermin sollte sich die schwangere Frau um eine entsprechende Versorgung bemühen.
Treten Komplikationen oder Widrigkeiten während des Geburtsprozesses auf, kann so schnellstmöglich auf die Situation reagiert werden. Darüber hinaus sollte sich die werdende Mutter ausreichend über den Ablauf eines Geburtsvorgangs informieren. Spätestens mit dem Einsetzen der Wehen sollte ein Geburtshelfer gerufen werden oder ein Krankenhaus aufgesucht werden. Kommt es zu einer ungeplanten und plötzlichen Geburt, ist über den Notruf 112 der Rettungsdienst zu alarmieren. Zur Vermeidung von gesundheitsgefährdenden Entwicklungen für das ungeborene Kind sowie die Mutter sollte unverzüglich gehandelt werden.
Behandlung & Therapie
Im Fokus steht zunächst die Schmerzlinderung. Insbesondere bei Spasmen der Gebärmuttermuskulatur und des Muttermundes leiden die betroffenen Frauen unter starken Schmerzen. Um das Ungeborene zu schützen, werden die Schmerzen vorrangig auf konservative Art gelindert. Dafür kann beispielsweise ein entspannendes Bad in der Badewanne dienen. Unterstützend kann die Hebamme ausführliche Anleitungen und Tipps zur besseren Verarbeitung der Wehen und der Wehenschmerzen geben.
Der Partner kann im Kreißsaal eine wertvolle Unterstützung sein. Manche Frauen empfinden begleitende Verfahren wie Akupunktur oder Aromatherapie als entlastend; ein gesicherter Nachweis, dass sie den Geburtsverlauf verbessern, fehlt für sie ebenso wie für die Homöopathie. Keines dieser Verfahren ersetzt krampflösende Medikamente, eine wirksame Schmerzlinderung oder die übrige geburtshilfliche Behandlung. Falls diese konservativen Maßnahmen zur Schmerzlinderung keinen Erfolg haben, können Schmerzmittel eingesetzt werden. Entkrampfende Medikamente (Spasmolytika) können als Zäpfchen oder Infusion verabreicht werden. Sie sorgen für eine Entkrampfung des Muttermundes, wodurch die Öffnung desselben vorangetrieben wird.
In den Gesäßmuskel können zudem Opiate injiziert werden. Diese wirken schmerzstillend und beruhigend. Sie haben aber den Nachteil, dass der Atemantrieb der Gebärenden und eventuell auch der Atemantrieb des Neugeborenen unterdrückt werden. Vor allem bei sehr starken Schmerzen und einem langen Geburtsverlauf kann eine Periduralanästhesie hilfreich sein. Hierbei wird durch einen kleinen Schlauch ein lokales Betäubungsmittel im Bereich des Rückenmarks abgegeben. Ist der Muttermund sehr rigide, kann die lokale Gabe von Prostaglandinen unterstützend wirken. Eventuell muss der Muttermund manuell gedehnt werden, damit das Kind auf die Welt kommen kann.
Vorbeugung
Einer Zervixdystokie lässt sich nicht sicher vorbeugen. Eine gründliche Geburtsvorbereitung kann jedoch Angst und Anspannung verringern, die an der Verkrampfung beteiligt sein können. Ein Geburtsvorbereitungskurs kann dabei hilfreich sein. Er nimmt die Angst vor der Geburt und vor den Wehenschmerzen und stärkt zudem das Vertrauen in die eigene Gebärfähigkeit. Während des Kurses erlernt die Schwangere Atemübungen, die die Geburt erleichtern und Schmerzen abmildern.
Eine Zervixdystokie entsteht jedoch nicht durch „falsches“ Atmen und lässt sich auch durch Atemtechniken nicht sicher verhindern. Mithilfe von den im Kurs erlernten Entspannungsübungen kann die Gebärende während der Geburt neue Kraft schöpfen. Eine Zervixdystokie tritt überwiegend bei Erstgebärenden auf. Frauen, die bereits ein Kind auf natürlichem Weg zur Welt gebracht haben, sind seltener betroffen. Ausgeschlossen ist sie bei ihnen jedoch nicht, vor allem nicht nach Eingriffen am Gebärmutterhals wie einer Konisation, einer Cerclage oder einer Emmet-Plastik.
Nachsorge
Die Zervixdystokie ist ein Ereignis während der Geburt und keine dauerhafte Erkrankung. Mit der Geburt des Kindes ist sie beendet, eine Nachsorge im engeren Sinn gibt es deshalb nicht. Im Vordergrund steht die übliche Betreuung im Wochenbett durch Hebamme und Frauenarzt, bei der auch die Rückbildung und – nach einem Kaiserschnitt – die Heilung der Wunde kontrolliert werden. In den ersten Wochen sind körperliche Schonung und Entlastung im Haushalt sinnvoll.
Wichtiger ist die seelische Nachsorge. Eine sehr lange, schmerzhafte oder ungeplant im Kaiserschnitt endende Geburt wird von vielen Frauen als schwer und mitunter als traumatisch erlebt. Es hilft, den Ablauf in Ruhe mit der Hebamme oder der Ärztin nachzubesprechen und sich erklären zu lassen, warum welche Entscheidung getroffen wurde. Halten Grübeln, Schlafstörungen, Angst oder sich aufdrängende Erinnerungen an die Geburt an, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
Vor einer weiteren Geburt ist ein Beratungsgespräch sinnvoll, in dem der Verlauf der vorangegangenen Geburt berücksichtigt und das Vorgehen gemeinsam geplant wird. Eine erneute Zervixdystokie ist möglich, aber keineswegs zwangsläufig.
Das können Sie selbst tun
Während der Geburt selbst sind die Möglichkeiten der Selbsthilfe begrenzt, denn die Zervixdystokie wird im Kreißsaal von Hebamme und Ärztin behandelt. Hilfreich ist alles, was die Anspannung verringert: ein Wechsel der Gebärposition, ein warmes Bad, Wärme im Kreuzbein-Bereich, ruhiges Atmen und die Begleitung durch eine vertraute Person. Wer starke Schmerzen hat, sollte offen danach fragen. Eine wirksame Schmerzlinderung bis hin zur Periduralanästhesie kann den Spasmus lösen und den Geburtsverlauf verbessern.
Nach der Geburt stehen Ruhe und Entlastung im Vordergrund. Unterstützung durch Partner, Familie oder Freunde im Haushalt und bei der Versorgung des Kindes hilft der Mutter, sich zu erholen. Wer die Geburt als belastend erlebt hat, sollte darüber sprechen – mit der Nachsorgehebamme, in der Frauenarztpraxis oder in einem Gesprächsangebot zur Geburtsverarbeitung. Halten Niedergeschlagenheit, Ängste oder Schlafstörungen über die ersten Wochen hinaus an, ist ärztliche Hilfe angezeigt.
Quellen
- Kaisenberg, C. von, Klaritsch, P., Hösli-Krais, I. (Hrsg.): Die Geburtshilfe.
ISBN: 9783662635056
- Kainer, F. (Hrsg.): Facharztwissen Geburtsmedizin.
ISBN: 9783437210976
- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783132411012
- Feige, A., Rath, W., Schmidt, S. (Hrsg.): Kreißsaal-Kompendium.
ISBN: 9783132451346
- Goerke, K., Steller, J., Valet, A. (Hrsg.): Klinikleitfaden Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783437211348

