Zervixdystokie

Von einer Zervixdystokie spricht man, wenn der Geburtsvorgang durch eine unzureichende Erweiterung des Muttermundes verzögert wird. Die Zervixdystokie wird in der Regel durch funktionelle Störungen ausgelöst. Durch die unzureichende Öffnung trotz ausreichender Wehentätigkeit kommt es zu schmerzhaften Krämpfen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Zervixdystokie?

Die Zervixdystokie stellt eine Komplikation beim Geburtsvorgang dar. Normalerweise öffnet sich der Muttermund mit Einsetzen der Wehen schrittweise. Bei den frühen Wehen sollte er sich auf einen Durchmesser von drei bis fünf Zentimetern weiten. Ist der Muttermund ungefähr acht bis neun Zentimeter geöffnet, so beginnt die Phase der Presswehen. Bei einem Durchmesser des Muttermundes von circa zehn Zentimetern kann das Köpfchen des Kindes geboren werden. Öffnet sich der Muttermund nicht oder zu langsam, liegt eine Zervixdystokie vor.

Ursachen

Einer Zervixdystokie liegen entweder funktionelle oder pathologisch-anatomische Störungen zugrunde. In den meisten Fällen wird die Zervixdystokie durch funktionelle Störungen verursacht. Diese begründen sich meist auf Spasmen des Muttermundes oder des unteren Teils der Gebärmutter. Diese Spasmen werden wiederum in der Regel durch unkoordinierte oder zu heftige Wehentätigkeit ausgelöst.

Normalerweise treten die Eröffnungswehen etwa dreimal in zehn Minuten mit einem Druck von 10 bis 50 mmHg auf. Ungezielte und unkoordinierte Wehen führen im Gegensatz zu normalen Eröffnungswehen nicht zur Öffnung des Muttermundes. Die Verkrampfung des Muttermundes kann aber auch psychisch bedingt sein. Vor allem Erstgebärende ab einem Alter von 38 bis 40 Jahren sind von diesem psychisch bedingten Spasmus betroffen. Zudem sprechen bei späten Erstgebärenden die sogenannten endogenen Prostaglandine schlechter an als bei jüngeren Gebärenden.

Prostaglandine sind Lokalhormone, die unter anderem eine Rolle bei der Wehentätigkeit spielen. Durch diese hormonelle Störung bleibt der Gebärmutterhals inklusive des Muttermundes rigide. Dies führt dann zu einem funktionell gestörten Geburtsverlauf. Pathologisch-anatomische Ursachen für eine Zervixdystokie liegen vor, wenn die Muskulatur des Gebärmutterhalses pathologisch verändert ist. Ursache für diese pathologischen Veränderungen sind zum Beispiel Operationen, die zu Vernarbungen am Gebärmutterhals führen können.

Solche Vernarbungen treten beispielsweise nach einer Konisation auf. Bei einer Konisation wird ein Teil des Gebärmutterhalses im Bereich des Muttermundes entfernt. Auch eine Emmet-Plastik oder eine Cerclage sowie Entzündungen können zu Vernarbungen führen. In seltenen Fällen kann der Muttermund durch Bindegewebe verklebt sein. Diesen Zustand bezeichnet man als Conglutinatio orificii externi uteri.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Zervixdystokie äußert sich durch eine unzureichende Öffnung des Muttermundes während der Geburt. Die Wehentätigkeit ist nicht beeinträchtigt. Bei der Palpation, also bei der Abtastung, fühlt sich der Muttermund derb oder eventuell sogar krampfhaft verhärtet an. Die betroffenen Frauen spüren jede der schmerzhaften Wehen, der Muttermund öffnet sich aber nicht oder nur unzureichend. Meist ist bei fünf bis acht Zentimetern die Grenze erreicht, ab der der Muttermund sich nicht mehr weiter öffnet. Erforderlich für die Geburt wären aber zehn Zentimeter. Eine Zervixsdystokie kann sich über Stunden hinziehen. Der Vorgang ist sehr kräfteraubend und erschöpft die Gebärende komplett.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose erfolgt über Inspektion und Palpation des Muttermundes. Bei der Inspektion ist der geringe Durchmesser der Muttermundöffnung ersichtlich. Bei der Palpation erscheinen Muttermund und Gebärmutterhals derb und hart.

Komplikationen

Die Zervixdystokie stellt eine ernste Komplikation während des Geburtsvorgangs dar. Wenn der Muttermund sich während der Geburt nicht weit genug öffnet, kommt es zu schmerzhaften Wehen und mitunter auch zu Blutungen. Im Allgemeinen ist die Geburt bei einer Zervixdystokie sehr kräfteraubend und erschöpfend für die werdende Mutter.

Beim Kind kann es während der Geburt zu Hämatomen und anderweitigen Verletzungen kommen, die aber selten schwerwiegend sind. Größere Komplikationen können auftreten, wenn der Muttermund sich nur wenige Zentimeter öffnet. Dann ist eine natürliche Geburt meist nicht möglich und es muss ein Kaiserschnitt eingeleitet werden.

Ein solcher Eingriff ist für die Gebärende und das Kind immer mit Risiken verbunden. So kann es passieren, dass das Ungeborene sich ungünstig verdreht oder durch die Operationswerkzeuge verletzt wird. Für die Mutter ist ein Kaiserschnitt mit dem Risiko von Infektionen, Verletzungen und Wundheilstörungen verbunden. Der kosmetische Makel kann seelische Beschwerden hervorrufen.

Die Therapie der Zervixdystokie mittels Hausmitteln kann, abhängig von Methode und Präparat, Komplikationen hervorrufen. So bergen vor allem alternativmedizinische Verfahren wie Akupunktur oder Mittel aus der Homöopathie gewisse Risiken. Konservative Arzneimittel können Nebenwirkungen hervorrufen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Geburt eines Kindes erfolgt in Europa meist unter Betreuung eines Arztes und einer Hebamme. Weniger ratsam ist es, dass eine Frau ein Kind ohne die Anwesenheit von medizinisch ausgebildeten Personal gebären. Die Niederkunft kann in einem stationären Umfeld, in einem Geburtshaus oder im häuslichen Rahmen stattfinden. An allen Orten ist die Zusammenarbeit mit Geburtshelfern oder Hebammen möglich. Weit vor dem errechneten Geburtstermin sollte sich die schwangere Frau um eine entsprechende Versorgung bemühen.

Treten Komplikationen oder Widrigkeiten während des Geburtsprozesses auf, kann so schnellstmöglich auf die Situation reagiert werden. Darüber hinaus sollte sich die werdende Mutter ausreichend über den Ablauf eines Geburtsvorgang informieren. Spätestens mit dem Einsetzen der Wehen sollte ein Geburtshelfer gerufen werden oder ein Krankenhaus aufgesucht werden. Kommt es zu einer ungeplanten und plötzlichen Geburt, ist ein Rettungsdienst zu alarmieren. Zur Vermeidung von gesundheitsgefährdenden Entwicklungen für das ungeborene Kind sowie die Mutter sollte unverzüglich gehandelt werden.

Therapie & Behandlung

Im Fokus steht zunächst die Schmerzlinderung. Insbesondere bei Spasmen der Gebärmuttermuskulatur und des Muttermundes leiden die betroffenen Frauen unter starken Schmerzen. Um das Ungeborene zu schützen, werden die Schmerzen vorrangig auf konservative Art gelindert. Dafür kann beispielsweise ein entspannendes Bad in der Badewanne dienen. Unterstützend kann die Hebamme ausführliche Anleitungen und Tipps zur besseren Verarbeitung der Wehen und der Wehenschmerzen geben.

Der Partner kann im Kreißsaal eine wertvolle Unterstützung sein. Auch alternativmedizinische Verfahren wie Akupunktur, Homöopathie oder Aromatherapie können Besserung bringen. Falls diese konservativen Maßnahmen zur Schmerzlinderung keinen Erfolg haben, können Schmerzmittel eingesetzt werden. Entkrampfende Medikamente (Spasmolytika) können als Zäpfchen oder Infusion verabreicht werden. Sie sorgen für eine Entkrampfung des Muttermundes, wodurch die Öffnung desselben vorangetrieben wird.

In den Gesäßmuskel können zudem Opiate injiziert werden. Diese wirken schmerzstillend und beruhigend. Sie haben aber den Nachteil, dass der Atemantrieb der Gebärenden und eventuell auch der Atemantrieb des Neugeborenen unterdrückt werden. Vor allem bei sehr starken Schmerzen und einem langen Geburtsverlauf kann eine Periduralanästhesie hilfreich sein. Hierbei wird durch einen kleinen Schlauch ein lokales Betäubungsmittel im Bereich des Rückenmarks abgegeben. Ist der Muttermund sehr rigide, kann die lokale Gabe von Prostaglandinen unterstützend wirken. Eventuell muss der Muttermund manuell gedehnt werden, damit das Kind auf die Welt kommen kann.

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Vorbeugung

Vor allem der funktionell bedingten Zervixdystokie lässt sich am besten durch eine gründliche Vorbereitung auf die Geburt vorbeugen. Ein Geburtsvorbereitungskurs kann dabei sehr hilfreich sein. Er nimmt die Angst vor der Geburt und vor den Wehenschmerzen und stärkt zudem das Vertrauen in die eigene Gebärfähigkeit. Während des Kurses erlernt die Schwangere Atemübungen, die die Geburt erleichtern und Schmerzen abmildern.

Falsches Atmen während der Wehen kann zu Verkrampfungen im Muttermund führen. Mithilfe von den im Kurs erlernten Entspannungsübungen kann die Gebärende während der Geburt neue Kraft schöpfen. Frauen die bereits ein Kind auf natürlichem Weg zur Welt gebracht haben, brauchen keine Angst vor einer Zervixdystokie zu haben. Diese tritt tatsächlich fast ausschließlich nur bei Erstgebärenden auf.

Nachsorge

Bei einer Zervixdystokie stehen Betroffenen in der Regel nur wenige und meist auch nur eingeschränkte Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung. Daher sollten diese schon bei den ersten Symptomen dieser Krankheit einen Arzt aufsuchen, damit es im weiteren Verlauf nicht zu Komplikationen oder zu anderen Beschwerden kommt. Eine frühe Diagnose mit einer anschließenden Behandlung wirken sich in der Regel sehr positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus.

Die meisten Patienten sind auf einen operativen Eingriff angewiesen, welcher die Beschwerden lindern kann. Die Zeit danach ist von körperlichen Anstrengungen und stressigen Tätigkeiten abzusehen. Viele der Betroffenen sind aufgrund der Zervixdystokies auch auf die Hilfe und die Unterstützung der eigenen Familie angewiesen.

Dabei ist eine Unterstützung im Alltag sehr wichtig, wobei auch eine psychologische Hilfe die Entstehung von Depressionen und anderen psychischen Beschwerden verhindern kann. Der weitere Verlauf der Zervixdystokie ist allerdings stark vom Zeitpunkt der Diagnose und auch von der Ausprägung der Krankheit abhängig, sodass eine allgemeine Voraussage nicht möglich ist. Im Vordergrund steht daher die frühe Diagnose und Erkennung der Erkrankung.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Zervixdystokie sind die Maßnahmen und die Möglichkeiten zur einer Selbsthilfe deutlich eingeschränkt. In einigen Fällen stehen sie der Patientin dabei gar nicht erst zur Verfügung. Daher ist in aller erster Linie eine schnelle und vor allem eine frühzeitige Diagnose der Krankheit notwendig, damit diese auch schnell behandelt werden kann, da es dabei nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen kann.

In vielen Fällen ist bei der Zervixdystokie auch die Unterstützung und die Hilfe der eigenen Familie sehr wichtig. Dadurch können Depressionen und auch andere psychische Krankheiten verhindert oder eingeschränkt werden. Auch der Partner benötigt dabei nicht selten eine Unterstützung. Häufig wirkt sich dabei auch der Kontakt zu anderen Betroffenen der Zervixdystokie positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus und kann dabei den Alltag etwas erleichtern, da es dadurch zu einem Austausch an Informationen kommt.

Durch Maßnahmen der Akupunktur oder der Aromatherapie können die Beschwerden ebenso gelindert werden, wobei diese Therapien eine vollständige medizinische Behandlung nicht ersetzen können. Es sollten auch regelmäßige Kontrollen durch einen Arzt durchgeführt werden, damit es nicht zu weiteren Komplikationen oder Beschwerden kommt.

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 30. April 2019

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