Ästhesioneuroblastom

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei einem Ästhesioneuroblastom handelt es sich um einen seltenen Tumor im Inneren der Nase. Das Ästhesioneuroblastom ist auch unter der Bezeichnung Olfactorius-Neuroblastom bekannt und zählt zu den Krebskrankheiten der Nasenschleimhaut. Die Häufigkeit des Ästhesioneuroblastoms schätzen Mediziner auf weniger als 1:1.000.000.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Ästhesioneuroblastom?

Aesthesioneuroblastom
Die typischen Beschwerden des Ästhesioneuroblastoms machen sich zunächst im Bereich der Nase und im Zusammenhang mit ihren Funktionen bemerkbar. So verstopfen die Nasenwege durch das Ästhesioneuroblastom und es kommt häufig zu Nasenbluten.
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Eine erstmalige wissenschaftliche Beschreibung des Ästhesioneuroblastoms erfolgte im Jahr 1924 durch die Ärzte Luc und Berger. Das Ästhesioneuroblastom entwickelt sich ausgehend von der Riechschleimhaut und dabei insbesondere vom Neuroepithel. Die Riechschleimhaut befindet sich hauptsächlich auf der sogenannten Lamina cribrosa.

Mitunter bildet sich das Ästhesioneuroblastom auch auf dem Septum der Nase oder im oberen Bereich der Nasenmuscheln. Grundsätzlich kommen Ästhesioneuroblastome in der Bevölkerung enorm selten vor, wobei Forscher von einer Prävalenz von unter 1:1.000.000 ausgehen. Dabei ist unbekannt, ob das Ästhesioneuroblastom bei Männern oder Frauen gehäuft auftritt. Neue Erkenntnisse weisen darauf hin, dass der maligne Tumor aus einer Stammzelle der Riechschleimhaut infolge einer Entartung hervorgeht.

Trotz der Namensähnlichkeit hat das Ästhesioneuroblastom nichts mit dem Neuroblastom des Kindesalters zu tun, das vom sympathischen Nervensystem ausgeht und meist im Bauchraum entsteht. Das Ästhesioneuroblastom geht von der Riechschleimhaut im oberen Nasenraum aus und betrifft überwiegend Erwachsene; daher trägt es auch den Namen Olfaktoriusneuroblastom.

Im gleichen Abschnitt der Nase kommen auch andere Krankheiten wie Sarkome, Karzinome oder Lymphome vor. Allerdings ist das Ästhesioneuroblastom von diesen Erkrankungen durch feingewebliche Untersuchungen differenzierbar. Das Ästhesioneuroblastom entwickelt sich in verschiedenen Stadien, die durch einen zunehmenden Schweregrad gekennzeichnet sind.

Im Frühstadium wächst das Ästhesioneuroblastom im Inneren der Nasenhöhle. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung geht der Tumor von der Nasenhöhle in mindestens eine Nasennebenhöhle über. Im Endstadium des Ästhesioneuroblastoms breitet sich der Tumor auch außerhalb der Nasennebenhöhlen aus, beispielsweise in die Schädelbasis, das Gehirn oder die Lymphknoten des Halses. Zudem entwickeln sich mitunter Fernmetastasen. Diese Stadieneinteilung geht auf Kadish zurück und unterscheidet die Stadien A (auf die Nasenhöhle begrenzt), B (mit Befall der Nasennebenhöhlen) und C (Ausbreitung darüber hinaus).

Ursachen

Die genauen Ursachen des Ästhesioneuroblastoms sind derzeit noch nicht geklärt. Moderne medizinische Forschungsstudien weisen darauf hin, dass sich das Ästhesioneuroblastom womöglich aus einer olfaktorischen Stammzelle heraus entwickelt, nachdem diese Zelle entartet ist. Grundsätzlich besteht beim Ästhesioneuroblastom ebenso wie bei zahlreichen anderen Arten von Tumoren noch Forschungsbedarf bezüglich der Pathogenese.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die typischen Beschwerden des Ästhesioneuroblastoms machen sich zunächst im Bereich der Nase und im Zusammenhang mit ihren Funktionen bemerkbar. So verstopfen die Nasenwege durch das Ästhesioneuroblastom und es kommt häufig zu Nasenbluten. Typisch ist, dass die Nase über Wochen und Monate nur auf einer Seite verstopft bleibt und das Nasenbluten immer wieder auftritt; der Riechverlust stellt sich meist erst später ein. Die Patienten mit Ästhesioneuroblastom leiden an verstärktem Ausfluss aus der Nase, empfinden Schmerzen und verlieren zunehmend ihren Geruchssinn.

Grundsätzlich geht das Ästhesioneuroblastom von den Riechzellen aus. Der Tumor tritt gehäuft bei Menschen um das 20. und das 50. Lebensjahr auf. Das Ästhesioneuroblastom zeichnet sich durch ein langsames Wachstum aus und bleibt vorerst meist örtlich begrenzt. Mit fortschreitendem Stadium des Ästhesioneuroblastoms entwickeln sich mitunter Fernmetastasen in Organen wie den Lungen, Knochen, im Gehirn und den Halslymphknoten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose des Ästhesioneuroblastoms stellt beispielsweise ein Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Im anfänglichen Patientengespräch thematisiert der Arzt die Symptomatik und den Anfang der Beschwerden. Bei der klinischen Untersuchung der erkrankten Person nutzt der Facharzt hauptsächlich bildgebende Verfahren.

Eine CT- oder MRT-Untersuchung stellen das Ästhesioneuroblastom bildlich dar und zeigen Größe und Lokalisation des Tumors. Zudem kommen bei der Diagnose des Ästhesioneuroblastoms histologische Analysen zum Einsatz. Die Diagnose des Tumors findet durchschnittlich sechs Monate nach dem Beginn der Beschwerden des Ästhesioneuroblastoms statt. Grund für diese Verzögerung ist, dass die ersten Anzeichen einer verstopften Nase und Nasenbluten harmlos wirken und lange für einen hartnäckigen Schnupfen oder eine Nasennebenhöhlenentzündung gehalten werden.

Dabei ist eine rasche Diagnosestellung enorm wichtig für eine günstige Prognose des Ästhesioneuroblastoms. Denn dann ist eine rechtzeitige Entfernung des Tumors möglich. Wichtig ist eine Unterscheidung des Ästhesioneuroblastoms von anderen malignen Erkrankungen des Naseninneren, etwa Sarkomen, Karzinomen oder Lymphomen. Die Differentialdiagnose erfolgt meist mittels lichtmikroskopischer Untersuchungen. Zur sicheren Abgrenzung von anderen kleinzelligen Tumoren dieser Region sind zusätzlich immunhistochemische Untersuchungen erforderlich. Dabei ist das Ästhesioneuroblastom auch von der benignen Polyposis nasi abzugrenzen.

Komplikationen

In vielen Fällen kommt es beim Ästhesioneuroblastom erst relativ spät zu einer Behandlung, sodass der Tumor bereits über die Nasenhöhle hinausgewachsen ist oder die Lymphknoten des Halses befallen hat; Fernmetastasen sind auch dann noch selten. In diesem Fall ist mit einer deutlich verringerten Lebenserwartung bei dem Patienten zu rechnen. Wird der Tumor allerdings schon früh diagnostiziert, kann dieser entfernt werden.

Die Betroffenen leiden durch das Ästhesioneuroblastom sehr häufig an Nasenbluten, welches ohne einen besonderen Grund und ohne Verletzungen auftreten kann. Auch ein starker Ausfluss aus der Nase kann dabei auftreten und sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten auswirken. Die meisten Betroffenen leiden auch an Schmerzen in der Nase und an einem veränderten Geruchssinn.

Die Nase selbst wirkt dabei häufig verstopft, sodass es auch zu Beschwerden bei der Atmung kommen kann. Das Ästhesioneuroblastom wird in der Regel operativ entfernt und anschließend bestrahlt. Die Bestrahlung im Bereich der Nase und der Schädelbasis kann dabei Entzündungen der Schleimhäute, Mundtrockenheit und Geschmacksstörungen und in seltenen Fällen Schäden an Augen und Sehnerv nach sich ziehen. Der weitere Verlauf hängt allerdings stark vom Zeitpunkt der Diagnose des Ästhesioneuroblastoms ab. Da der Tumor erneut auftreten kann, sind die meisten Patienten auf weitere regelmäßige Untersuchungen bei einem Arzt angewiesen, um ein erneutes Wachstum frühzeitig zu erkennen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Kommt es wiederholt oder in kürzeren Zeitabständen zu Nasenbluten, besteht Anlass zur Besorgnis. Ein Arztbesuch ist dann notwendig, wenn es keinerlei äußere Einwirkungen gab, die auslösend für die Blutungen waren. Verliert der Betroffene seinen Geruchssinn oder bemerkt er Einschränkungen der olfaktorischen Wahrnehmung, ist eine medizinische Untersuchung anzuraten. Es kann sich bei dieser Entwicklung um eine Erkrankung handeln, bei der Handlungsbedarf besteht. Bei einem Ausfluss aus der Nase, Schwellungen im Bereich der Nase und Störungen der Atemtätigkeit ist ebenfalls ein Arzt zu konsultieren. Schnarchen, eine Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit und Beschwerden bei der Ausführung sportlicher Aktivitäten deuten auf eine gesundheitliche Störung hin.

Zur Klärung der Ursache ist ein Arzt aufzusuchen, da nur über verschiedene medizinische Tests eine Diagnosestellung erfolgen kann. Werden bei einem Schnupfen Unregelmäßigkeiten oder Schmerzen wahrgenommen, ist unverzüglich ein Arztbesuch notwendig. Veränderungen des Hautbildes, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen sind weitere Anzeichen für eine Erkrankung. Da es unbehandelt zu schweren gesundheitlichen Entwicklungen und Komplikationen kommen kann, ist bereits bei den ersten Unregelmäßigkeiten ein Arzt aufzusuchen. Eine verstopfte Nase hat meist harmlose Ursachen; bleibt sie jedoch über Wochen einseitig bestehen, sollte sie ärztlich abgeklärt werden. Da die Krebserkrankung in schweren Fällen zu einem vorzeitigen Ableben führen kann, wird bereits im Frühstadium eine Behandlung benötigt.

Lässt sich eine Nasenblutung auch nach etwa 20 Minuten anhaltendem Zusammendrücken der Nasenflügel nicht stillen, oder treten Schwäche, Blässe und Schwindel durch den Blutverlust auf, ist sofort der Notruf 112 zu wählen.

Behandlung & Therapie

Bei der Therapie des Ästhesioneuroblastoms steht die vollständige Entfernung des Tumors im Rahmen einer chirurgischen Intervention im Mittelpunkt. Im Anschluss an die Operation unterziehen sich die Patienten üblicherweise einer Strahlentherapie. Zudem findet die Behandlung des Ästhesioneuroblastoms teilweise in der umgekehrten Reihenfolge statt.

Die Heilungsrate liegt beim Ästhesioneuroblastom zwischen 50 und 80 Prozent. Während Fernmetastasen relativ selten sind, besteht das Risiko einer Rezidivbildung am ursprünglichen Ort des Ästhesioneuroblastoms. Bei Menschen, die eine erstmalige Operation eines Ästhesioneuroblastoms erhalten, gilt die Krankheit in etwa 50 Prozent der Fälle als geheilt.

Die Prognose des Ästhesioneuroblastoms verbessert sich, je jünger der Patient bei der Ersterkrankung ist. Zudem wirken sich die Ausdehnung des Ästhesioneuroblastoms auf die Nasennebenhöhlen sowie der histologische Befund auf die Prognose der Krankheit aus. Infolge der chirurgischen Entfernung des Ästhesioneuroblastoms verlieren die Patienten ihren Geruchssinn ganz oder teilweise. Die mittelfristige Überlebenswahrscheinlichkeit liegt beim Ästhesioneuroblastom bei circa 70 Prozent und bezieht sich auf ein Zeitfenster von zwei bis fünf Jahren nach der Stellung der Diagnose.

Treten örtliche Rezidive des Tumors auf, sind weitere therapeutische Interventionen notwendig. Insgesamt erfordert das Ästhesioneuroblastom auch nach erfolgreicher Resektion und Strahlentherapie eine kontinuierliche ärztliche Überwachung. Auf diese Weise erkennen Ärzte mögliche Rezidivbildungen des Ästhesioneuroblastoms im Inneren der Nase rasch, sodass entsprechende Gegenmaßnahmen möglich sind.


Vorbeugung

Dem Ästhesioneuroblastom lässt sich nicht wirkungsvoll vorbeugen, da die Ursachen des Tumors unklar sind. Eine rasche Diagnose und Behandlung verbessern die Prognose des Ästhesioneuroblastoms, die bei jungen Patienten und vollständiger Resektion des Tumors am günstigsten steht.

Das können Sie selbst tun

Je nach Verlauf und Ausprägung kann ein Ästhesioneuroblastom in einigen Fällen den Alltag des Erkrankten erheblich einschränken. So leiden viele Betroffene etwa unter starken Schlafstörungen und einer verstopften Nase. Oft ist es daher nicht möglich, einer beruflichen Tätigkeit und sonstigen Verpflichtungen nachzukommen.

Zumeist kommt es zu starken und unerwarteten Blutungen. Die Betroffenen sollten daher immer darauf achten, dass sie stets Taschentücher mit sich führen. Zudem erleben die Patienten üblicherweise durch die Behandlung des Ästhesioneuroblastoms erhebliche Einschränkungen. Aus diesem Grund sind sie häufig auf die Hilfe von Familienmitgliedern oder Angehörigen angewiesen. Während der Therapie können die Betroffenen in der Regel nicht ihrem Beruf nachgehen. In seltenen Fällen verursacht die Krebserkrankung jedoch keinerlei Beschwerden, sodass sie zunächst gänzlich unbemerkt bleibt. Wird der Tumor dadurch erst spät entdeckt, verschlechtern sich die Heilungsaussichten deutlich.

Vor allem während der Therapie ist es wichtig, dass die Betroffenen sich gesund und ausgewogen ernähren. Es empfiehlt sich, zu diesem Zweck eine Ernährungsberatung aufzusuchen. Außerdem sollten Menschen mit einem Ästhesioneuroblastom das Rauchen und den Konsum alkoholhaltiger Getränke einstellen. Da die Krebserkrankung in der Regel eine starke Belastung darstellt, ist manchmal der Besuch einer Selbsthilfegruppe zum Austausch mit anderen Erkrankten anzuraten.

Quellen

  • Franzen, A., Coordes, A.: Kurzlehrbuch Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
    ISBN: 9783837416336
  • Mast, G. (Hrsg.): Kopf-Hals-Malignome.
    ISBN: 9783863711337
  • Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
    ISBN: 9783662606742
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Füeßl, H.S., Middeke, M.: Anamnese und klinische Untersuchung.
    ISBN: 9783132443099

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