Beckenbodentraining
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Das Beckenbodentraining wird auch Kegeltraining genannt, benannt nach seinem Begründer Arnold H. Kegel. Bei diesem Training wird die Muskulatur rund um den Beckenboden trainiert. Ist der Beckenboden nicht optimal trainiert, entstehen oft Probleme. Ein Beispiel dafür ist die Harninkontinenz. Ein Beckenbodentraining kann Abhilfe schaffen.
Was ist Beckenbodentraining?
Experten nennen den Beckenboden die Begrenzung des Beckenkanals. Anatomisch ist es die Beckenbodenmuskulatur, die im Fachjargon perineale (Damm) Muskulatur genannt wird.
Das Beckenbodentraining hilft, die Muskulatur straff zu halten. Durch diese Muskulatur wird der Verschluss der Urethra (Harnröhre) und des Anus unterstützt.
Eine weitere Funktion ist eine optimale Muskulatur für die Lage der Bauch- und Beckenorgane. Ist die Muskulatur des Beckenbodens schlaff, empfehlen Experten ein Beckenbodentraining. Es wird nicht nur bei bereits bestehenden Beschwerden angewandt, sondern auch zur Vorbeugung.
Geschichte & Entwicklung
Die Geschichte des Beckenbodentrainings lässt sich bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zurückverfolgen. Der amerikanische Gynäkologe Dr. Arnold Kegel war einer der ersten, der die Bedeutung des Beckenbodens und seiner Muskulatur erkannte. In den 1940er Jahren entwickelte Kegel spezielle Übungen, um Frauen zu helfen, die nach der Geburt an Harninkontinenz litten. Diese Übungen wurden später als "Kegel-Übungen" bekannt und zielten darauf ab, die Muskeln des Beckenbodens zu stärken und die Blasenkontrolle zu verbessern.
Vor Kegels Zeit wurde der Beckenboden und seine Rolle bei der Kontinenz und sexuellen Gesundheit kaum erforscht oder beachtet. Kegels Entdeckung, dass das gezielte Training der Beckenbodenmuskulatur Beschwerden wie Inkontinenz lindern kann, führte zu einer Welle neuer Forschung und Anwendung in der Gynäkologie und Urologie.
In den folgenden Jahrzehnten wurde das Beckenbodentraining weiterentwickelt und verfeinert, insbesondere durch neue Erkenntnisse über die Funktion der Muskulatur im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Geburt und im Alter. Mit der Zeit fand das Training auch Anwendung in der Behandlung von Männern, insbesondere nach Prostataoperationen, zur Verbesserung der Blasen- und Darmfunktion sowie der sexuellen Gesundheit. Heute ist Beckenbodentraining ein fester Bestandteil der Physiotherapie und Präventivmedizin.
Einsatz & Indikation
Beckenbodentraining wird durchgeführt, wenn die Muskulatur des Beckenbodens geschwächt ist oder Beschwerden auftreten, die mit einer mangelnden Beckenbodenfunktion in Verbindung stehen. Eine der häufigsten Situationen, in denen Beckenbodentraining notwendig wird, ist nach einer Schwangerschaft und Geburt, da die Muskulatur durch das Tragen des Kindes und den Geburtsvorgang stark beansprucht wird. Das Training hilft, die Muskeln zu stärken und Inkontinenzprobleme zu verhindern oder zu lindern.
Es wird auch bei Harn- und Stuhlinkontinenz angewendet, da der Beckenboden eine zentrale Rolle bei der Kontrolle von Blase und Darm spielt. Männer, die sich einer Prostataoperation unterzogen haben, profitieren ebenfalls vom Beckenbodentraining, um die Blasenfunktion wiederherzustellen und Kontinenzprobleme zu verbessern.
Bei chronischen Rückenschmerzen kann Beckenbodentraining ebenfalls helfen, da die Beckenbodenmuskulatur mit den Bauch- und Rückenmuskeln interagiert und eine stabile Körpermitte unterstützt.
Frauen in den Wechseljahren können vom Beckenbodentraining profitieren, da hormonelle Veränderungen die Muskelspannung im Beckenboden verringern können, was zu Inkontinenz oder Senkungsbeschwerden führt.
Schließlich kann Beckenbodentraining bei sexuellen Funktionsstörungen, wie vermindertem Empfinden oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, hilfreich sein, da eine starke Beckenbodenmuskulatur die sexuelle Gesundheit und das Wohlbefinden verbessern kann.
Vorteile & Nutzen
Beckenbodentraining bietet zahlreiche Vorteile gegenüber anderen Behandlungs- und Untersuchungsmethoden, da es eine nicht-invasive und risikoarme Therapieform ist. Im Gegensatz zu chirurgischen Eingriffen oder medikamentösen Behandlungen, die potenzielle Nebenwirkungen und Komplikationen mit sich bringen können, ist das Beckenbodentraining eine schonende Methode, um die Muskulatur gezielt zu stärken und Symptome zu lindern. Es kann bequem zu Hause oder unter Anleitung eines Physiotherapeuten durchgeführt werden und erfordert keine teuren Geräte oder spezielle medizinische Verfahren.
Ein weiterer Vorteil ist, dass sich der Nutzen bei regelmäßigem Training über längere Zeit halten lässt. Die Muskulatur wird gekräftigt, was zur Verbesserung von Inkontinenz, Rückenschmerzen oder anderen Beschwerden beitragen soll; wird das Training beendet, bildet sich die gewonnene Kraft allerdings wieder zurück. Im Vergleich zu kurzfristigen Maßnahmen wie Medikamenten, die oft nur Symptome lindern, zielt das Training darauf ab, die Ursache der Beschwerden – die Schwäche der Beckenbodenmuskulatur – direkt zu behandeln.
Zusätzlich fördert Beckenbodentraining das Körperbewusstsein. Patienten lernen, die Muskulatur bewusst anzuspannen und zu entspannen, was auch präventiv wirkt und hilft, zukünftigen Problemen vorzubeugen. Es ist auch eine gute Ergänzung zu anderen Therapieformen und kann mit wenig Aufwand in den Alltag integriert werden, wodurch es eine flexible und nachhaltige Lösung für viele gesundheitliche Probleme darstellt.
Anwendungsgebiete
Eine schlaffe Beckenbodenmuskulatur kann Rückenschmerzen verursachen, sexuelle Probleme machen oder es kann eine Harninkontinenz entstehen, sogar bis hin zur Stuhlinkontinenz.
Deshalb ist das Beckenbodentraining wichtig. Nach der Geburt haben Frauen oft eine ausgedehnte und schlaffe Beckenmuskulatur. Aber auch Blasen- und Gebärmuttersenkungen, das Älterwerden und Übergewicht, können zu einer schlaffen Muskulatur rund um den Beckenboden führen. Ein Beckenbodentraining stärkt nach einer Geburt die beanspruchte Muskulatur.
Männer sind anatomisch anders aufgebaut als Frauen und leiden deshalb seltener unter einer schlaffen Beckenbodenmuskulatur. Wichtig ist ein Beckenbodentraining aber auch für sie. Hat ein Mann eine Prostatakrebsoperation hinter sich, ist ein Beckenbodentraining wertvoll, weil nach diesen Operationen eine Harninkontinenz entstehen kann.
Die Muskulatur rund um den Beckenboden ist eher nicht zu spüren. Sie wird im Alltag selten bewusst angesteuert. Hat eine Frau einen Orgasmus, wird die Beckenbodenmuskulatur automatisch aktiviert. Der beteiligte Muskel wird auch Liebesmuskel genannt. Das Beckenbodentraining unterstützt nicht nur die Ausscheidungsorgane, sondern auch die Orgasmusfähigkeit. Auch die vorzeitige Ejakulation des Mannes soll sich mit dem Beckenbodentraining hinauszögern lassen. Kegels eigene Veröffentlichungen von 1948 bis 1952 betrafen dagegen die weibliche Beckenbodenmuskulatur.
Anwendungsverfahren - Funktion, Wirkung & Ziele
Es gibt einige konservative Anwendungsverfahren für das Beckenbodentraining. Beim Beckenbodentraining werden von Experten auch Hilfsmittel genutzt. Dazu gehören sogenannte Ring- oder Würfelpessare sowie Schaumstofftampons. Diese Hilfsmittel werden individuell angepasst. Der Patient muss dieses selbst wechseln. Ebenfalls gibt es als Beckenbodentraining Vaginalkegel, die ein unterschiedliches Gewicht haben. Wie ein Tampon wird der Kegel in die Scheide eingesetzt. Die Patientin muss diese Kegel aktiv in der Scheide halten.
Als ein weiteres Anwendungsverfahren für das Beckenbodentraining gibt es eine spezielle Beckenbodenmaschine in einem Fitnesscenter. Geschultes Personal gibt dem Anwender Instruktionen für die richtige An- und Entspannung der Beckenbodenmuskulatur während des Beckenbodentrainings.
Ein sogenanntes EMS-Gerät (elektrische Muskelstimulation) gilt bei Experten ebenfalls als ein Anwendungsverfahren für ein Beckenbodentraining. Dieses Gerät hat eine Sonde, die entweder rektal oder vaginal eingeführt wird. Das Gerät erzeugt Reizstromimpulse. Durch diese Impulse erfolgen automatisierte Kontraktionen.
Es gibt qualifizierte Physiotherapeuten, die gezielt das Beckenbodentraining durchführen. Nach einer Einweisung des Physiotherapeuten können die Übungen auch zu Hause durchgeführt werden. Dazu gehören die An- und Entspannung im Wechsel, die vor dem Fernseher, im Auto oder beim Bügeln als Beckenbodentraining ausgeführt werden können.
Durchführung & Ablauf
Ein Beckenbodentraining beginnt mit dem Bewusstsein für die Beckenbodenmuskulatur. Viele Menschen wissen nicht genau, wo sich diese Muskeln befinden oder wie sie aktiviert werden. Ein einfacher Weg, die Beckenbodenmuskulatur zu spüren, ist, so zu tun, als wolle man den Harnfluss anhalten oder das Gesäß zusammenkneifen. Dabei sollten nur die inneren Muskeln angespannt werden, ohne die Bauch-, Gesäß- oder Oberschenkelmuskeln zu benutzen.
Das eigentliche Training besteht aus verschiedenen Übungen zur Anspannung und Entspannung der Beckenbodenmuskulatur. Eine typische Übung ist das wiederholte Anspannen der Muskeln für etwa 5 Sekunden, gefolgt von einer Entspannung für 5 Sekunden. Dies wird oft in Sets von 10 bis 15 Wiederholungen durchgeführt und mehrmals täglich wiederholt. Wichtig ist, die Muskulatur gleichmäßig und ohne Ruck zu aktivieren und dabei ruhig und tief zu atmen.
Es gibt auch fortgeschrittene Übungen, bei denen die Muskulatur in unterschiedlichen Intensitäten angespannt wird, um die Kraft und Ausdauer zu steigern. Zusätzlich können Übungen in verschiedenen Positionen – im Sitzen, Stehen oder Liegen – ausgeführt werden, um die Muskulatur unter verschiedenen Bedingungen zu trainieren.
Insgesamt ist das Beckenbodentraining eine sanfte, aber wirkungsvolle Methode, die mit zunehmender Übung mehr Kontrolle und Stärke in der Beckenbodenmuskulatur ermöglicht.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Experten empfehlen Patienten, das Beckenbodentraining zunächst bei einem Physiotherapeuten oder einer Hebamme durchzuführen. Geschultes Personal ist von Vorteil, um das Beckenbodentraining richtig zu erlernen.
Nur wenn das Beckenbodentraining richtig durchgeführt wird und regelmäßig kann die Beckenbodenmuskulatur gestrafft werden. Das Beckenbodentraining hat mehr Vor- als Nachteile, birgt aber auch Gefahren. Wird das Beckenbodentraining nicht optimal durchgeführt, können die Muskeln gezerrt werden oder es werden die "falschen" Muskeln in Anspruch genommen. Dann kann die Beckenbodenmuskulatur nicht gestrafft werden.
Je länger Hilfsmittel wie Vaginalkegel in der Scheide verbleiben, desto eher können Druckstellen entstehen. Auch Keime können in die Vagina eindringen und zu Harnwegsinfektionen führen. Daneben gibt es erwünschte Nebeneffekte. Wird das Beckenbodentraining optimal durchgeführt, werden die inneren Organe gestützt.
Es ist wichtig, das Beckenbodentraining täglich durchzuführen und dafür Zeit und Selbstdisziplin aufzubringen.
Alternativen
Wenn Beckenbodentraining nicht möglich oder nicht ausreichend wirksam ist, stehen verschiedene alternative Verfahren zur Verfügung. Eine Möglichkeit ist die Elektrostimulation, bei der elektrische Impulse gezielt die Beckenbodenmuskulatur stimulieren und so Kontraktionen auslösen. Dieses Verfahren ist besonders für Patienten geeignet, die Schwierigkeiten haben, die Muskulatur selbstständig zu aktivieren. Es kann in einer Praxis oder zu Hause mit speziellen Geräten durchgeführt werden.
Eine weitere Option ist das Biofeedback, bei dem Sensoren verwendet werden, um die Aktivität der Beckenbodenmuskulatur zu überwachen. Der Patient erhält visuelles oder akustisches Feedback über die Stärke der Muskelkontraktionen, was hilft, die richtige Technik zu erlernen und die Muskulatur besser zu steuern.
In schwereren Fällen, bei denen konservative Methoden nicht ausreichen, können chirurgische Eingriffe notwendig werden. Eine Möglichkeit ist die Sakralnervenstimulation, bei der ein kleines Gerät implantiert wird, das elektrische Impulse an die Nerven sendet, die die Blasen- und Beckenbodenfunktion steuern. Dies kann bei schweren Formen der Inkontinenz eingesetzt werden.
Zusätzlich können medikamentöse Behandlungen in Erwägung gezogen werden, insbesondere bei Dranginkontinenz. Medikamente können helfen, die Blasenmuskulatur zu entspannen und die Symptome zu lindern.
In manchen Fällen werden auch Pessare verwendet, kleine Hilfsmittel, die in die Vagina eingeführt werden, um den Beckenboden mechanisch zu unterstützen und die Blase zu entlasten.
Anatomie des Beckenbodens
Der Beckenboden ist keine einzelne Muskelplatte, sondern ein Verbund aus mehreren Muskel- und Bindegewebsschichten, der den knöchernen Beckenring nach unten abschließt. Aufgespannt ist er zwischen Schambein, Sitzbein und Steißbein. Anatomisch werden üblicherweise drei Lagen unterschieden. Die innere, tiefste Schicht ist die kräftigste; sie trägt die Hauptlast der Organe. Die mittlere Schicht spannt sich quer zwischen den Sitzbeinen aus. Die äußere Schicht liegt unmittelbar unter der Haut des Damms und umschließt schlingenförmig die Öffnungen.
Diese Öffnungen sind die Besonderheit des Beckenbodens: Er muss zugleich tragen und durchlässig sein. Bei der Frau treten Harnröhre, Scheide und Enddarm hindurch, beim Mann Harnröhre und Enddarm. Weil die weibliche Beckenbodenmuskulatur zusätzlich die Scheidenöffnung umschließt und das Becken der Frau breiter angelegt ist, gilt ihr Beckenboden als stärker beanspruchbar, aber auch als anfälliger für Schwächungen.
Der Beckenboden arbeitet nicht isoliert. Er bildet zusammen mit dem Zwerchfell, der tiefen Bauchmuskulatur und den rückenstabilisierenden Muskeln eine funktionelle Einheit, die den Druck im Bauchraum reguliert. Deshalb spannt sich der Beckenboden bei Husten, Niesen, Lachen oder beim Heben normalerweise reflexartig mit an, ohne dass dies bewusst gesteuert wird. Bleibt diese reflexartige Anspannung aus oder ist sie zu schwach, kann bei plötzlicher Druckerhöhung Urin ungewollt abgehen.
Wissenschaftliche Einordnung
Das Beckenbodentraining ist eine der wenigen Behandlungen aus dem Bereich der Bewegungstherapie mit vergleichsweise guter Studienlage. Bei Frauen mit Harninkontinenz durch Belastung wird ein angeleitetes Beckenbodentraining in Fachleitlinien als Behandlung der ersten Wahl geführt, also vor einem operativen Eingriff und vor medikamentösen Maßnahmen. Übersichtsarbeiten beschreiben hier eine Besserung von Symptomen und Lebensqualität gegenüber unbehandelten Vergleichsgruppen.
Als entscheidend gilt dabei die fachliche Anleitung. Untersuchungen weisen darauf hin, dass ein angeleitetes Training besser abschneidet als eine bloße schriftliche oder mündliche Empfehlung, sich zu Hause selbst zu üben. Ein Grund dafür ist, dass viele Menschen die gemeinte Muskulatur zunächst gar nicht ansteuern und stattdessen Bauch-, Gesäß- oder Oberschenkelmuskeln anspannen oder die Luft anhalten. Auch bei Männern nach einer Operation an der Prostata wird Beckenbodentraining regelhaft eingesetzt; hier gilt es als etablierter Bestandteil der Nachbehandlung, wobei die Aussagen zum langfristigen Nutzen weniger einheitlich ausfallen als bei der Belastungsinkontinenz der Frau.
Weniger gut untersucht sind die Anwendungen jenseits der Kontinenz, etwa der Einfluss auf sexuelles Empfinden oder auf Rückenbeschwerden. Hier stützen sich die Aussagen überwiegend auf kleinere Untersuchungen und auf Erfahrungsberichte. Gemeinsam ist allen Anwendungsgebieten, dass der Nutzen an die Regelmäßigkeit gebunden ist: Wird das Training beendet, bildet sich die aufgebaute Muskelkraft wie bei jeder anderen Muskulatur zurück.
Wann eine ärztliche Abklärung vorangehen sollte
Beckenbodentraining ist keine Behandlung für jede Form der Blasenschwäche, und nicht jede Beschwerde im Beckenbereich beruht auf einer zu schwachen Muskulatur. Bevor ein Training aufgenommen wird, sollte deshalb geklärt sein, worauf die Beschwerden zurückgehen. Ein ungewollter Urinverlust kann auch durch einen Harnwegsinfekt, durch eine Senkung der Beckenorgane, durch neurologische Erkrankungen oder als Nebenwirkung von Medikamenten entstehen; in diesen Fällen greift ein Training zu kurz oder ist nicht die vorrangige Maßnahme.
Bestimmte Zeichen sprechen für eine zügige ärztliche Abklärung, statt zunächst selbst zu üben. Dazu gehören Blut im Urin, Schmerzen beim Wasserlassen, Fieber, ein plötzlich einsetzender Urinverlust ohne erkennbaren Anlass, das Gefühl, die Blase nicht vollständig entleeren zu können, sowie ein Druck- oder Fremdkörpergefühl in der Scheide. Auch Stuhlverlust und anhaltende Schmerzen im Beckenbereich gehören abgeklärt.
Ein besonderer Fall ist ein dauerhaft überspannter Beckenboden. Auch eine zu hohe Grundspannung kann Beschwerden verursachen – etwa Schmerzen, Schwierigkeiten beim Entleeren von Blase oder Darm oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. In dieser Situation ist ein reines Anspannungstraining nicht angezeigt und kann die Beschwerden verstärken; im Vordergrund steht dann das Lösen der Spannung. Ob eine Schwäche oder eine Überspannung vorliegt, lässt sich von außen nicht zuverlässig beurteilen und gehört deshalb in fachliche Hände. Aus demselben Grund wird nach einer Geburt oder nach einer Operation im Beckenbereich empfohlen, den Zeitpunkt des Beginns ärztlich oder mit der Hebamme abzustimmen.
Angebote und Kostenübernahme
In Deutschland gibt es mehrere Wege zu einem angeleiteten Beckenbodentraining. Nach einer Geburt ist die Rückbildungsgymnastik der übliche Rahmen; sie wird von Hebammen und von Physiotherapeutinnen angeboten, und die Leistung der Hebammenhilfe wird von den gesetzlichen Krankenkassen im vorgesehenen Umfang übernommen.
Außerhalb dieses Rahmens kann Beckenbodentraining als Teil einer physiotherapeutischen Behandlung ärztlich verordnet werden; dann handelt es sich um ein Heilmittel, und für gesetzlich Versicherte fällt der übliche Eigenanteil an. Daneben bieten Volkshochschulen, Sportvereine und Fitnesseinrichtungen Kurse an. Für Kurse, die als Präventionsangebot anerkannt sind, erstatten die Krankenkassen häufig einen Teil der Gebühr, sofern der Kurs regelmäßig besucht wurde; die Bedingungen unterscheiden sich je nach Kasse. Da sich die Regelungen ändern können, empfiehlt sich eine Rückfrage bei der eigenen Krankenkasse, bevor ein Kurs gebucht wird.
Quellen
- Tanzberger, R., Kuhn, A., Baumgartner, U.: Der Beckenboden - Funktion, Anpassung und Therapie.
ISBN: 9783437451287
- Bossert, F.-P., Müller, P., Vogedes, K. (Hrsg.): Leitfaden Physikalische Therapie.
ISBN: 9783437481017
- Schultz-Lampel, D. (Hrsg.): Urodynamik.
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- Kaufmann, M., Costa, S. D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie.
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- Michel, M. S., Thüroff, J. W. (Hrsg.): Die Urologie.
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