Coxa saltans
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Coxa saltans
Die Coxa saltans ist eine Erkrankung aus dem Bereich der Orthopädie. Sie tritt meist nach Überlastungen im Oberschenkelbereich auf. Betroffen sind vorwiegend junge, sportlich aktive Menschen.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist Coxa saltans?
Die Coxa saltans wird auch als schnappende Hüfte bezeichnet. Sie wird zumeist bei jungen, sportlich aktiven Menschen diagnostiziert – etwa bei Tänzerinnen, Läufern und Turnern, weshalb das Bild im Englischen auch „dancer's hip“ heißt.
Fachlich werden drei Formen unterschieden. Bei der häufigen äußeren Form schnappt der hintere Rand des Tractus iliotibialis über den Trochanter major; dieses Schnappen ist von außen sichtbar und tastbar. Bei der inneren Form gleitet die Sehne des Musculus iliopsoas ruckartig über die Eminentia iliopubica oder den Hüftkopf. Selten liegt eine intraartikuläre Form vor, etwa durch einen freien Gelenkkörper oder einen Riss der Gelenklippe.
Ein bloßes Schnappen ohne Schmerzen hat keinen Krankheitswert und muss nicht behandelt werden. Von einer Erkrankung spricht man erst, wenn Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen hinzukommen.
Die Coxa saltans ist eine Erkrankung, die in der Medizin zu dem orthopädischen Bereich sortiert wird. Sie betrifft Beschwerden im seitlichen Hüft- und Oberschenkelbereich. Die Erkrankung kann beidseitig oder auch einseitig auftreten. Es kommt zu Schmerzen in der Region des Oberschenkels, die bis zu Ausfallerscheinungen der Beine führen können. Bei den Patienten wird ein Schnappen der Sehne über den Knochen insbesondere beim Gehen beobachtet.
Darüber hinaus treten bei Dehnungsvorgängen im Bereich der Hüfte Beschwerden auf. Das Schnappen wird von den Patienten dann als besonders schmerzhaft empfunden. Die Ursachen einer Coxa saltans sind Verletzungen im Hüftbereich. Darüber hinaus können die Beschwerden bei einer Überbeanspruchung der Extremitäten auftreten.
Ursachen
Die Forschung hat bei der Suche nach Ursachen einer Coxa Saltans noch keine vollständige Aufklärung betreiben können. Bei vielen Patienten wurde festgestellt, dass sie nach Verletzungen wie Unfällen oder Stürzen über Schmerzen der Hüfte klagten. Bei anderen Patienten ließ sich feststellen, dass die Ursache auf eine Überbeanspruchung der gesamten Hüftregion zurückzuführen ist.
Dies kann beim Tragen schwerer Lasten oder einer Hyperaktivität verbunden mit einer Körperfehlstellung erfolgen. Finden Körperbewegungen in der Form statt, dass sie zu einer Mehrbelastung einer Körperhälfte führen, kann dies die Schmerzen verursachen. Ebenso kann ein falsches Schuhwerk dazu beitragen, dass die Hüfte mehr Gewicht tragen muss als unter normalen Bedingungen.
Findet dies dauerhaft statt, treten die Schmerzen auf. Die Ursache der Coxa saltans kann bei vielen Patienten jedoch nicht ausreichend geklärt werden. Das kann verschiedene Gründe haben. Die Selbsteinschätzung der körperlichen Möglichkeiten des Patienten kann unzureichend oder fehlerhaft sein.
Mögliche Verletzungen könnten nicht erkannt worden sein. Dazu gehört, dass sie gar nicht wahrgenommen werden konnten oder durch andere Erkrankungen überschattet waren. Die Symptome könnten anderen Krankheiten zugeordnet werden und später nicht mehr ausreichend differenziert werden.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Zu den Beschwerden zählen Schmerzen im seitlichen Hüftbereich. Insbesondere beim Gehen kommt es dazu, dass eine Sehne über den Knochen schnappt. Dies betrifft den Tractus iliotibialis sowie den Trochanter major. Der Tractus iliotibialis ist ein Faserzug, der sich entlang der Oberschenkel befindet.
Der Trochanter major ist zwischen dem Oberschenkelkörper und dem -hals lokalisiert. Beide gleiten bei Bewegungen der Hüfte oder der Beine beim Erkrankten ruckartig übereinander. Dieses Schnappen wird als schmerzhaft und unangenehm empfunden. Es kann auch durch eine Dehnung oder Drehung der Hüfte sowie eines Oberschenkels ausgelöst werden.
Darüber hinaus können beugende Bewegungen beim Patienten Schmerzen auslösen. Betroffene Patienten fühlen sich nicht mehr in der Lage, alltägliche Bewegungen schmerzfrei ausführen zu können. Es kommt zu einem ruckartigen Überspringen. Dabei springt der Tractus gut hörbar über den Trochanter.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch die klinische Untersuchung. Das Schnappen kann gehört und auch gefühlt werden. Daher ist es für einen Mediziner auf diesem Weg möglich, nach Ausschluss anderer Erkrankungen, eine Coxa saltans zu diagnostizieren. Mit einer Ultraschalluntersuchung lässt sich das Schnappen der Sehne über den Trochanter zusätzlich in Bewegung darstellen.
Bei zu starker Belastung der Hüfte werden sich die Beschwerden verschlimmern und die Schmerzen steigen. Sollte jedoch eine Entlastung bei den ersten Anzeichen erfolgen, kann es auch zu einer Spontanheilung kommen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Ein Arztbesuch ist notwendig, sobald Hüftbeschwerden verschiedenster Art auftreten. Lösen Bewegungen der Hüfte Geräusche aus, die mit Schmerzen einhergehen, sollte eine ärztliche Untersuchung eingeleitet werden. Schmerzhafte Veränderungen im Hüftbereich müssen abgeklärt werden, damit keine dauerhaften Schäden entstehen. Ein schmerzloses Schnappen der Hüfte hat dagegen keinen Krankheitswert und erfordert keine Behandlung.
Treten Beschwerden bei der Fortbewegung oder normalen Bewegungsabläufen auf, gilt dies als ungewöhnlich und sollte medizinisch versorgt werden. Setzen Schmerzen ein, können die Bewegungen nicht mehr ohne Unterbrechungen ausgeführt werden oder kommt es zu einer dauerhaft veränderten Knochenposition, ist ein Arzt zu konsultieren. Um bleibende Schäden des Skelettsystems zu vermeiden, werden ärztliche Untersuchungen nötig. Sinkt die gewohnte Leistungsgrenze und kommt es zu einer Beeinträchtigung im Alltag, ist es ratsam, dass die Beschwerden mit einem Arzt besprochen werden.
Eine Einschränkung von Lebensgewohnheiten und Freizeitaktivitäten führt zu einer verminderten Lebensqualität, der nachgegangen werden sollte. Breiten sich Beschwerden aus, kommt es aufgrund mangelnder Bewegung zu einem Übergewicht oder einer emotionalen Belastung, wird ein Arzt benötigt. Sind die Beschwerden so stark, dass sie zu einer Einschränkung der Berufstätigkeit führen, muss ein Arzt aufgesucht werden, um keine unnötigen Risiken einzugehen. Ein Arztbesuch ist auch dann notwendig, wenn die Beschwerden nur sporadisch oder in Verbindung mit bestimmten Tätigkeiten auftreten.
Behandlung & Therapie
Die Behandlung der Coxa saltans ist zunächst immer konservativ. Im Vordergrund stehen dabei regelmäßiges Dehnen des Tractus iliotibialis und der Hüftbeugemuskulatur sowie eine vorübergehende Anpassung der Belastung. Ergänzend wird von den Ärzten eine Krankengymnastik empfohlen. In dieser lernt der Patient, wie er optimale Körperbewegungen durchführen kann. Sie sind darauf ausgerichtet, möglichst den Hüftbereich zu entlasten und eine Schiefhaltung des Körpers zu vermeiden. Das bedeutet, dass Vorgänge wie das Einsteigen und Hinsetzen in ein Fahrzeug ebenso trainiert werden wie eine allgemeine Vorwärtsbewegung durch Laufen oder Gehen.
Da Schmerzen beim Treppensteigen gleichfalls wie beim Hinsetzen und Aufstehen entstehen können, werden diese alltäglichen Abläufe trainiert. Ziel der Krankengymnastik ist es, die Muskulatur zu stärken und gleichzeitig den Bewegungsablauf zu analysieren und zu korrigieren. Mit kleinen Hinweisen und Tipps kann für den Patienten im Alltag oft eine Verbesserung erzielt werden.
In einigen Fällen kann es zur Gabe von Medikamenten kommen. Hierbei handelt es sich zumeist um entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen; bei hartnäckigen Beschwerden kann zusätzlich eine örtliche Injektion mit einem Betäubungsmittel und einem Kortisonpräparat erfolgen. Sollten die Beschwerden trotz konsequenter konservativer Behandlung andauern oder sich verschlimmern, so ist zu prüfen, ob ein operativer Eingriff vorgenommen werden sollte. Bei diesem werden die Muskelfasern durch Doppelung stabilisiert oder der Trochanter major fixiert. Beides soll verhindern, dass der Tractus iliotibialis über den Trochanter major springt.
Aussicht & Prognose
Die Prognoseaussicht der Coxa saltans ist abhängig von der Schwere der Erkrankung. Bei leichten Beeinträchtigungen findet eine konservative Behandlungsmethode Einsatz. Durch die Gabe von Arzneien oder der Teilnahme an einer Physiotherapie sollen die Schmerzen gelindert werden. Mit den richtigen Bewegungsabläufen und einer Entlastung des Körpers kann es zu einer deutlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes kommen.
Wichtig ist die Mitarbeit des Patienten. Übergewicht ist zu vermeiden, ebenso wie Überbeanspruchungen des Skelettsystems durch zu intensives Training in der akuten Phase. In einer Physiotherapie erlernt der Patient in verschiedenen Trainings, wie er sich im Alltag optimal bewegt, welches Schuhwerk er tragen sollte und wie er Herausforderungen begegnet.
Das Schnappen selbst bleibt häufig bestehen. Dennoch kann eine Linderung der Beschwerden erreicht werden und der Krankheitsfortschritt aufgehalten werden. Die meisten Betroffenen werden mit Dehnübungen, Physiotherapie und angepasster Belastung wieder beschwerdefrei. Erst bei therapieresistenten Beschwerden ist ein operativer Eingriff notwendig. Dieser ist mit den üblichen Risiken und Nebenwirkungen verbunden.
Es besteht eine erhöhte Gefahr vor Infektionen sowie Verletzungen der Sehnen oder Nerven. Im Anschluss berichten Patienten von einer Minderung der vorhandenen Kraft. Durch gezielte Trainings wird diese aufgebaut. Dennoch kann es zu lebenslangen Minderungen der gewohnten Leistungsfähigkeiten kommen. Durch die Operation wird dennoch insgesamt eine Besserung der Gesundheit erreicht.
Vorbeugung
Vorbeugend könnte verstärkt auf erste Warnzeichen geachtet werden. Dazu gehört das Beobachten der eigenen Körperbewegungen. Bei einer gesunden Selbstreflexion und einer guten Einschätzung der eigenen körperlichen Möglichkeiten kann bei falschen Bewegungsabläufen die Wahrscheinlichkeit des Auftretens bevorstehender Schmerzen gut eingeschätzt werden.
Eine rechtzeitige Schonung dieser Körperregion kann dazu beitragen, dass die Schmerzen nicht erneut auftreten, sich verringern oder vollends verschwinden. Als Folge von Verletzungen sollte ebenfalls vorbeugend vor weiteren Beschwerden auf die Schonung der Knochen geachtet werden.
Nachsorge
Dem Betroffenen stehen bei Coxa saltans in den meisten Fällen nur wenige Maßnahmen einer direkten Nachsorge zur Verfügung. Dabei muss die Krankheit in erster Linie von einem Arzt diagnostiziert und weiterhin behandelt werden, damit weitere Komplikationen und Beschwerden vermieden werden können. Bei anhaltenden Beschwerden ist der Betroffene in der Regel auf eine Behandlung angewiesen.
Der Patient sollte dabei schon bei den ersten Anzeichen und Symptomen der Erkrankung einen Arzt aufsuchen. Die Behandlung erfolgt meist durch Krankengymnastik oder durch Physiotherapie, wodurch die meisten Beschwerden gelindert werden können. Dabei können viele Übungen aus diesen Therapien auch im eigenen Zuhause durchgeführt werden, um die Heilung zu beschleunigen.
Ebenso sind viele der Betroffenen auf eine intensive Pflege und Unterstützung durch die Familie oder Freunde angewiesen, sodass sich auch diese positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung auswirken kann. In einigen Fällen sind die Patienten bei Coxa saltans auch auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen. Dabei ist auf eine regelmäßige Einnahme und auch auf die richtige Dosierung zu achten. In der Regel verringert die Krankheit nicht die Lebenserwartung des Betroffenen.
Das können Sie selbst tun
Im Alltag ist es bei einer Coxa Saltans besonders hilfreich, wenn die Sensibilität für die eigene Körperwahrnehmung umfassend geschult wird. Im Hauptaugenmerk sollten dabei die ersten Anzeichen einer Überlastungsreaktion stehen. Je eher der Betroffene bemerkt, unter welchen Bedingungen er an seine körperlichen Grenzen stößt, desto frühzeitiger kann er reagieren und damit die Beschwerden minimieren. Einigen Betroffenen gelingt es bei einer ausreichenden Selbstdisziplin, auf diesem Weg das Auftreten der schnappenden Hüfte vollständig zu vermeiden.
Darüber hinaus ist es ratsam, wenn regelmäßig sportlichen Aktivitäten nachgegangen wird. Dies stärkt die Muskulatur und verbessert die allgemeine Belastbarkeit. Bei einer Coxa Saltans ist es förderlich, wenn der Bereich des Normalgewichts nicht überschritten wird. Bei Übergewicht oder Fettleibigkeit kommt es häufiger zu ungewollten Beschwerden der Hüfte. Eine ausgewogene und vitaminreiche Kost ist daher anzuraten, die eine dem eigenen Körpergewicht angepasste Kalorienzahl enthält.
Schiefhaltungen des Körpers beim Sitzen, Stehen oder Laufen sind vollständig zu vermeiden. Treten sie ungewollt auf, sollte die Körperhaltung unverzüglich korrigiert und optimiert werden. Krankengymnastische Übungen beugen einer Fehlhaltung vor und können täglich eigenverantwortlich ohne großen Aufwand durchgeführt werden. Schonend für die Gelenke der Hüfte sind regelmäßige Pausen und Ruhephasen. Eine ausreichende Wärmezufuhr und Bäder helfen ebenfalls, um Beschwerden zu lindern.
Quellen
- Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783132443150
- Grifka, J., Kuster, M. (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783662716083
- Wülker, N. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783132444393
- Buckup, J., Hoffmann, R. (Hrsg.): Klinische Tests an Knochen, Gelenken und Muskeln.
ISBN: 9783131009968
- Wirth, C. J., Mutschler, W., Kohn, D., et al. (Hrsg.): Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783131406439

