Anästhetika

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Ein Anästhetikum dient der Erzeugung eines Zustandes der Empfindungslosigkeit, um chirurgische oder diagnostische Maßnahmen durchführen zu können. Der Begriff umfasst viele Substanzen mit jeweils unterschiedlichen Wirkspektren.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Anästhetika?

Anästhetika
Der Begriff des Anästhetikums ist sehr allgemein und wird für viele Wirkstoffe angewendet, die lokal oder den ganzen Körper betreffend eine Empfindungslosigkeit auslösen.

Der Begriff des Anästhetikums ist sehr allgemein und wird für viele Wirkstoffe angewendet, die lokal oder den ganzen Körper betreffend eine Empfindungslosigkeit auslösen. Ein Lokalanästhetikum findet Einsatz bei einer örtlichen Betäubung. Es dient fast ausschließlich zur Schmerzausschaltung bei Operationen oder Schmerztherapien.

Dabei enthält es mit den eigentlichen Lokalanästhetika nur eine einzige Wirkstoffgruppe; sie unterbinden die Schmerzweiterleitung vor Ort und sind nicht mit den innerlich wirkenden Analgetika zu verwechseln. Ein Allgemeinanästhetikum wiederum wird bei einer Allgemeinanästhesie (Narkose) angewendet. Allgemeinanästhetika enthalten neben Schmerz ausschaltenden Mitteln auch Substanzen, welche das Bewusstsein ausschalten, die Motorik dämpfen und die vegetativen Reaktionen hemmen. Entsprechend bestehen sie aus einem Gemisch aus Hypnotika (Schlafmittel), Analgetika (Schmerzmittel) und Relaxantien (für die Muskelrelaxation).

Narkosemittel können inhaliert oder intravenös injiziert werden. Aufgrund der Vielzahl der enthaltenden Substanzen gibt es keinen einheitlichen Wirkungsmechanismus. Zwar können die heute verwendeten Anästhetika nach der Meyer-Overton-Korrelation beschrieben werden, aber die ihr zugrunde liegenden Annahmen über den Wirkmechanismus sind veraltet.

Funktion, Wirkung & Ziele

Grundsätzlich werden zwei Gruppen von Anästhetika unterschieden. Das sind zum einen lokal wirkende und zum anderen den gesamten Körper beeinflussende Medikamente. Lokalanästhetika müssen so appliziert werden, dass sie sich im Körper nicht verteilen können, sondern an Ort und Stelle bleiben. Deshalb dürfen sie bei der Injektion nicht in die Blutbahn gelangen.

Neben einer Injektion kann ein Lokalanästhetikum auch in Form von Gels, Salben, Sprays oder Pflastern angewendet werden. Alle Lokalanästhetika enthalten als Wirkstoffe Aminoamide oder Aminoester. Diese Substanzen entfalten ihre Wirkung durch die Blockade der Natriumkanäle an den Membranen von Nervenzellen. Damit unterbinden sie die Reizweiterleitung und betäuben diese Stelle. Im Gegensatz zu den Lokalanästhetika ist die Anwendung von Narkotika mit größeren Herausforderungen verbunden. Narkosemittel bestehen immer aus einem Gemisch von mehreren Substanzen, die ganz unterschiedliche Wirkungen aufweisen.

So müssen Schlafmittel, Schmerzmittel und Muskelrelaxantien wirksam miteinander kombiniert werden. Die Wirkstoffkombination ist so zu wählen, dass es nicht zu unerwünschten Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Substanzen kommt. Vor der Anwendung des Narkotikums muss zunächst eine präoperative Abschätzung des individuellen Risikos über die sogenannte ASA-Risikoklassifikation durch den Anästhesisten vorgenommen werden. Nach der ASA-Risikoklassifikation wird das perioperative Risiko in sechs Schweregrade eingeteilt. Die Zusammenstellung des Narkotikums richtet sich dann nach dieser Bewertung. Des Weiteren muss der Anästhesist auch entscheiden, wie die Narkose eingeleitet werden soll.

Dazu gibt es zwei Methoden. Die Narkoseeinleitung kann sowohl durch Inhalation als auch durch Injektion erfolgen. Auch das ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Für beide Formen der Narkoseeinleitung werden unterschiedliche Wirkstoffe eingesetzt. Bei der Inhalation finden gasförmige Anästhetika wie Isofluran oder Sevofluran Anwendung. Außerdem werden zur Erleichterung der Intubation meist Relaxantien zur Muskelrelaxation eingesetzt. Die Narkoseeinleitung über eine intravenöse Injektion erfolgt mit injizierbaren Wirkstoffen wie Propofol oder Ketamin. Die Wirkungsweise der verschiedenen Substanzen basiert nach heutigem Kenntnisstand auf ihrem komplexen Zusammenwirken mit Rezeptoren und Ionenkanälen.

Dabei spielen die GABA-, NMDA- und Opioid-Rezeptoren eine herausragende Rolle. Wie die Anästhetika auf die Rezeptoren einwirken, ist derzeit noch Gegenstand der Forschung. In der Vergangenheit wurde im Rahmen der Meyer-Overton-Hypothese angenommen, dass die Inhalationsanästhetika unspezifisch auf die Lipidbestandteile des zentralen Nervensystems einwirken. Obwohl die Wirkung der Anästhetika auch heute noch gut nach der sogenannten Meyer-Overton-Korrelation beschrieben werden kann, ist diese Hypothese nicht mehr vorbehaltlos aufrechtzuerhalten. Ausgeschlossen ist sie allerdings nicht.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Sowohl bei der Anwendung von Lokalanästhetika als auch von Narkosemitteln können Nebenwirkungen und Komplikationen auftreten. Wenn durch eine unbemerkte intravenöse Injektion von Lokalanästhetika größere Mengen dieser Substanz in das Blut gelangen, kommt es zu einer Intoxikation des Körpers, die bis zum tödlichen Kreislaufkollaps führen kann. Außerdem können besonders Lokalanästhetika vom Ester-Typ zuweilen Allergien hervorrufen. Das sollte vor ihrer Anwendung geklärt werden.

Die Durchführung einer Narkose stellt den Arzt jedoch vor höhere Herausforderungen. Deshalb darf sie nur im Beisein eines speziell ausgebildeten Anästhesisten vorgenommen werden. Zunächst ist es wichtig, den Patienten umfassend über die Narkose und ihre eventuellen Auswirkungen aufzuklären. Zur Risikoabschätzung fließen die allgemeinen Operationsrisiken, Probleme bei der Anästhesiedurchführung und Vorerkrankungen des Patienten in die Beurteilung mit ein. Der ASA-Status (ASA-Risikoklassifikation) sollte ermittelt werden. Bei der Risikobetrachtung nehmen besonders fortgeschrittenes Alter und mögliche weitere Erkrankungen des Patienten einen hohen Stellenwert ein.

Die speziell durch Anästhesieverfahren induzierte Sterblichkeit spielt jedoch insgesamt nur eine untergeordnete Rolle. Sie liegt heute bei 0,001 bis 0,014 Prozent, wobei diese große Spanne die sehr unterschiedlichen Patientengruppen widerspiegelt: Bei zuvor gesunden Patienten ist das Risiko deutlich geringer als bei alten oder schwer vorerkrankten. Hauptsächliches Augenmerk muss bei der Anästhesie auf die Überwachung der Atmung gelegt werden. Die Hauptursachen für die anästhesiebedingte Sterblichkeit sind bei Problemen der Atemsicherung, falschen Handlungsweisen bei Herz-Kreislauf-Problemen, ungenügender Narkosebetreuung oder fehlerhafter Medikamentengabe zu suchen. Die wichtigste Herausforderung besteht jedoch in der Atemwegssicherung.

Wenn die Sauerstoffversorgung des Patienten trotz aller vorgenommenen Maßnahmen nicht gelingen sollte, müssen als letztes Mittel der Wahl die Atemwege eröffnet werden. Probleme können entstehen durch Eindringen von Fremdkörpern in die Atemwege, akute Verengung der Bronchien oder Krämpfe der Kehlkopfmuskulatur. Als weitere anästhesiebedingte Komplikationen können Herz-Kreislauf-Störungen, intraoperative Wachzustände, allergische Reaktionen oder eine maligne Hyperthermie auftreten. Auch nach der Operation ist durch die Anwendung von Anästhetika noch Übelkeit, Erbrechen, postoperatives Zittern oder Störungen der kognitiven Hirnfunktionen möglich.

Gruppen der Anästhetika

Der Sammelbegriff Anästhetikum umfasst Substanzen mit sehr unterschiedlichem Angriffspunkt. Für den praktischen Gebrauch werden sie in mehrere Gruppen geordnet, die innerhalb einer Narkose jeweils einen anderen Anteil der gewünschten Wirkung beisteuern.

Die Inhalationsanästhetika werden über die Atemluft zugeführt und über die Lunge überwiegend unverändert wieder abgeatmet. Zu ihnen zählen die leicht flüchtigen Wirkstoffe Isofluran, Sevofluran und Desfluran, die in einem Verdampfer der Atemluft beigemischt werden, sowie das Distickstoffmonoxid, im Alltag Lachgas genannt. Da sich ihre Konzentration in der Ausatemluft messen lässt, ist die Tiefe der Wirkung vergleichsweise gut abzuschätzen.

Die Injektionsanästhetika gelangen über eine Vene in den Körper. Am häufigsten verwendet wird Propofol; daneben stehen Etomidat, das den Kreislauf wenig belastet, das Barbiturat Thiopental und das Benzodiazepin Midazolam zur Verfügung. Eine Sonderstellung nimmt Ketamin ein: Es wirkt anders als die übrigen Mittel zugleich stark schmerzstillend, hält den Kreislauf eher in Gang und lässt die Atmung weitgehend unbeeinträchtigt, weshalb es vor allem in der Notfallmedizin und bei Verletzten im Schock eingesetzt wird.

Die Opioide liefern innerhalb einer Narkose den schmerzstillenden Anteil. Verwendet werden vor allem rasch anflutende und kurz wirkende Vertreter wie Fentanyl, Sufentanil und Remifentanil, deren Wirkung sich dem Verlauf des Eingriffs eng anpassen lässt.

Die Muskelrelaxanzien lassen die Skelettmuskulatur erschlaffen und erleichtern so das Einführen des Beatmungsschlauchs sowie Eingriffe im Bauchraum. Unterschieden werden das rasch und kurz wirksame Succinylcholin und die nicht depolarisierenden Wirkstoffe, deren Wirkung länger anhält und sich durch Gegenmittel aufheben lässt. Sie nehmen weder Schmerz noch Bewusstsein und dürfen deshalb niemals ohne ausreichende Narkose gegeben werden – ein Grundsatz, dessen Missachtung zu den gefürchtetsten Zwischenfällen des Fachgebiets zählt.

Die Lokalanästhetika schließlich bilden eine eigene Gruppe, die nicht auf das Gehirn, sondern auf den Nerv am Ort der Anwendung wirkt. Nach ihrem chemischen Aufbau werden die Aminoamide wie Lidocain und Bupivacain von den Aminoestern wie Procain und Benzocain unterschieden. Die Amide sind heute gebräuchlicher, weil sie seltener Allergien auslösen. Häufig wird dem Mittel ein gefäßverengender Zusatz beigegeben, damit es länger an Ort und Stelle bleibt und langsamer in die Blutbahn übertritt.

Geschichte der Anästhetika

Die Geschichte der Anästhetika beginnt mit Substanzen, die zunächst als Kuriosität galten. Diethylether und Distickstoffmonoxid waren längst bekannt, ehe man ihre Verwendbarkeit für die Medizin erkannte; Lachgas wurde auf Jahrmärkten wegen seiner heiteren Wirkung vorgeführt. Der Durchbruch kam 1846 mit der öffentlichen Vorführung einer Äthernarkose in Boston. Kurz darauf folgte das Chloroform, das sich rasch verbreitete, wegen seiner Giftigkeit für Herz und Leber aber wieder verlassen wurde.

Die örtliche Betäubung nahm ihren Ausgang 1884, als Kokain zur Betäubung des Auges verwendet wurde. Da der Stoff abhängig macht und giftig ist, wurde nach Ersatz gesucht; so entstanden zunächst die Lokalanästhetika vom Ester-Typ und später die heute vorherrschenden Amide.

Im 20. Jahrhundert wurde die Narkose gleichsam in ihre Bestandteile zerlegt. An die Stelle eines einzigen Mittels, das alles zugleich bewirken sollte, trat die Kombination von Schlafmittel, Schmerzmittel und Muskelrelaxans – ein Vorgehen, bei dem von jedem Bestandteil weniger benötigt wird und das die unerwünschten Wirkungen verringert. Die Einführung der Muskelrelaxanzien, deren Vorbild ein Pfeilgift südamerikanischer Ureinwohner war, machte Eingriffe möglich, die zuvor an der Anspannung der Muskulatur gescheitert waren. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts kamen besser steuerbare Inhalationsanästhetika hinzu sowie Wirkstoffe für die Gabe in die Vene, die rasch anfluten und ebenso rasch wieder abgebaut werden. Die Entwicklung zielt seither weniger auf stärkere als auf besser steuerbare und verträglichere Substanzen.

Steuerung & Überwachung der Wirkung

Anästhetika sind stark wirksame Stoffe, bei denen der Abstand zwischen der erwünschten und einer gefährlichen Menge gering ist. Ihre Anwendung ist deshalb untrennbar mit der fortlaufenden Beobachtung des Patienten verbunden.

Wie viel eines Wirkstoffs nötig ist, hängt vom einzelnen Menschen ab: Alter, Körpergewicht, Vorerkrankungen, der gewohnheitsmäßige Gebrauch von Alkohol oder Medikamenten und die übrige Dauermedikation verändern den Bedarf zum Teil erheblich. Bei den Inhalationsanästhetika dient als Maß diejenige Konzentration, bei der ein festgelegter Anteil der Patienten auf den Hautschnitt nicht mehr mit Abwehr reagiert; dieser Wert sinkt mit zunehmendem Lebensalter. Bei den in die Vene gegebenen Wirkstoffen wird die Zufuhr über Pumpen gesteuert, teils mit Hilfe von Rechenmodellen, welche die zu erwartende Konzentration im Blut abschätzen.

Ob die Narkose tief genug ist, lässt sich nicht unmittelbar messen. Beurteilt werden deshalb mehrere Zeichen gemeinsam: Blutdruck und Herzfrequenz, Tränenfluss und Schwitzen, die Weite der Pupille sowie – bei den Inhalationsanästhetika – die in der Ausatemluft gemessene Konzentration. Ergänzend werden Geräte eingesetzt, die aus der Ableitung der Hirnströme (Elektroenzephalographie) einen Zahlenwert für die Narkosetiefe errechnen. Diese Überwachung soll verhindern, dass die Narkose zu flach gerät und der Patient Anteile des Eingriffs wahrnimmt, ohne sich bemerkbar machen zu können; unter Muskelrelaxanzien fehlt ihm dafür jede Möglichkeit.

Am Ende der Narkose ist entscheidend, dass die Wirkung wieder vollständig abklingt. Die Inhalationsanästhetika werden überwiegend abgeatmet, die übrigen Wirkstoffe in Leber und Nieren abgebaut und ausgeschieden. Für einzelne Gruppen stehen Gegenmittel bereit, mit denen sich die Wirkung gezielt aufheben lässt – so für die Opioide, für die Benzodiazepine und für die nicht depolarisierenden Muskelrelaxanzien. Da manche dieser Gegenmittel kürzer wirken als der aufgehobene Stoff, wird der Patient anschließend weiter überwacht.

Anästhetika bei besonderen Patientengruppen

Die Auswahl der Wirkstoffe richtet sich nicht allein nach dem geplanten Eingriff, sondern ebenso nach dem Patienten.

Bei Kindern ist der Umsatz vieler Wirkstoffe im Verhältnis zum Körpergewicht höher als bei Erwachsenen, während die Sicherheitsspielräume enger sind. Die Einleitung erfolgt häufig über eine Atemmaske mit einem gut verträglichen Inhalationsanästhetikum, weil sie ohne vorherigen Nadelstich auskommt.

Im höheren Lebensalter genügen deutlich geringere Mengen. Herz und Kreislauf reagieren empfindlicher auf die blutdrucksenkende Wirkung vieler Narkosemittel, und der Abbau in Leber und Nieren verläuft langsamer, sodass die Wirkung länger anhält. Nach der Narkose treten in dieser Altersgruppe häufiger vorübergehende Verwirrtheit und Störungen des Gedächtnisses auf.

Bei Erkrankungen des Herzens, der Lunge, der Leber oder der Nieren werden Wirkstoffe bevorzugt, die das betroffene Organ wenig belasten oder unabhängig von ihm abgebaut werden. Ausgeprägtes Übergewicht (Adipositas) erschwert die Bemessung, weil sich fettlösliche Substanzen im Fettgewebe anreichern und von dort verzögert wieder abgegeben werden; hinzu kommt, dass die Atmung bei diesen Patienten empfindlicher auf dämpfende Mittel reagiert.

Eine Gruppe eigener Art bilden Menschen mit einer erblichen Veranlagung zur malignen Hyperthermie. Bei ihnen können bestimmte Inhalationsanästhetika und das Muskelrelaxans Succinylcholin eine lebensbedrohliche Entgleisung des Stoffwechsels auslösen. Sind solche Fälle in der Familie bekannt, wird die Narkose ohne diese Substanzen geführt; für den Notfall steht ein Gegenmittel bereit, das in jedem Operationsbereich vorgehalten wird. Auch bei Vorerkrankungen der Nerven und Muskeln sowie in Schwangerschaft und Stillzeit gelten besondere Einschränkungen.

Abgrenzung zu Analgetika, Sedativa & Anxiolytika

Weil Anästhetika mehrere Wirkungen zugleich hervorrufen, werden sie leicht mit benachbarten Arzneimittelgruppen verwechselt. Die Unterscheidung folgt der Frage, was jeweils ausgeschaltet wird.

Analgetika nehmen den Schmerz und lassen Bewusstsein und Berührungsempfindung unberührt; sie werden zur Analgesie eingesetzt und sind auch außerhalb von Eingriffen gebräuchlich. Sedativa dämpfen die Wachheit, ohne den Schmerz zu nehmen. Anxiolytika lösen Angst und werden zur Anxiolyse verwendet. Die Anästhetika im engeren Sinn zielen dagegen auf die Empfindung selbst: Das Lokalanästhetikum unterbricht die Weiterleitung des Reizes am Nerv, das Allgemeinanästhetikum hebt Empfindung und Bewusstsein gemeinsam auf.

Die Grenzen sind dabei nicht scharf, weil dieselbe Substanz je nach Menge Verschiedenes bewirkt: Ein Benzodiazepin löst in geringer Menge Angst, dämpft in höherer die Wachheit und kann Teil einer Narkoseeinleitung sein. Aus demselben Grund wird ein Allgemeinanästhetikum in der Praxis nicht als einzelner Stoff, sondern als Zusammenstellung mehrerer Wirkstoffe verstanden, von denen jeder einen Anteil beisteuert – das Schlafmittel das Bewusstsein, das Opioid die Schmerzstillung, das Relaxans die Erschlaffung der Muskulatur.

Nicht zu den Anästhetika zählen schließlich die Mittel, die begleitend gegeben werden, ohne selbst zu betäuben: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen, kreislaufstützende Substanzen wie Adrenalin, Mittel zur Hemmung der Magensäure vor der Narkoseeinleitung sowie die genannten Gegenmittel. Auch sie gehören zum Handwerkszeug der Anästhesie, erzeugen aber keine Empfindungslosigkeit.

Quellen

  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Lüllmann, H., Mohr, K., Wehling, M., Hein, L.: Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783133685184
  • Larsen, R.: Anästhesie.
    ISBN: 9783437225123
  • Hein, L., Fischer, J. W., Lüllmann, H., Mohr, K.: Taschenatlas Pharmakologie.
    ISBN: 9783132426146
  • Rossaint, R., Werner, C., Zwißler, B. (Hrsg.): Die Anästhesiologie.
    ISBN: 9783662545058

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