Desinfektion

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Behandlungen Desinfektion

Auf die Tatsache, dass Sauberkeit und Desinfektion wesentlich zur Verhütung von Krankheiten beitragen, wurde schon im Alten Testament hingewiesen, die praktische Umsetzung dieser Erkenntnis hat sich jedoch in den westlichen Industrienationen erst seit dem späten 19. Jahrhundert durchgesetzt. Davor waren nicht nur Privathaushalte, sondern v. a. auch Krankenhäuser Orte, in denen Menschen häufig aufgrund von eigentlich vermeidbaren Infektionskrankheiten ums Leben kamen. Ein wesentliches Mittel zur Verhinderung der Ausbreitung von Krankheitserregern ist die Desinfektion.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Desinfektion?

Desinfektion
Vor jeder Operation wird die Operationsstelle gründlich desinfiziert, um Keime abzutöten.

In den letzten 200 Jahren ist die Zahl der Todesfälle durch Infektionskrankheiten massiv zurückgegangen und Infektionen zählen heute zu den eher seltener vorkommenden Todesursachen.

Neben der allgemeinen Erhöhung der Sauberkeit ist v. a. die Desinfektion maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt. Unter Desinfektion versteht man eine spezielle Maßnahme, die dazu dient, Keime wie Viren, Bakterien, Sporen und Pilze, die sich auf einem Gegenstand oder auf lebendem Gewebe befinden, abzutöten oder zumindest inaktiv zu machen, und so ihre Anzahl bzw. ihre Aktivität drastisch zu verringern, sodass die Gefahr des Ausbruchs einer Infektionskrankheit bei Menschen und Tieren unwahrscheinlicher wird.

Anders als die Sterilisation, die auf völlige Keimfreiheit zielt, senkt die Desinfektion die Keimzahl nur so weit, dass von dem Gegenstand oder der Fläche keine Infektion mehr ausgeht; die einfache Reinigung wiederum entfernt Schmutz und mit ihm einen Teil der Keime, ohne sie gezielt abzutöten. Um den angestrebten Zustand zu erreichen, werden chemische und physikalische Methoden zur Desinfektion angewendet.

Medizinische Anwendung, Wirkung, Ziele

Beim Einsatz von Maßnahmen zu Desinfektion muss zwischen privaten Haushalten und einer medizinischen Umgebung unterschieden werden, denn es können durchaus auch Probleme im Zusammenhang mit Desinfektionsmitteln auftreten.

In Privathaushalten sollten Desinfektionsmittel grundsätzlich nicht gewohnheitsmäßig angewendet werden. Die in Supermärkten und Drogerien frei verkäuflichen Substanzen sind nämlich meist nicht stark genug und werden auch nicht immer sachgemäß angewendet (z. B. durch zu geringe Einwirkzeit), sodass es, ohne dass es den Anwendern bewusst ist, zu einer Selektion besonders widerstandsfähiger Viren- und Bakterienstämme kommen kann und diese in Zukunft immer schwieriger zu bekämpfen sind.

Ein weiteres Problem der privaten Verwendung von Desinfektionsmitteln ist, dass durch die ständige Anwendung der saure Hautschutzmantel, der ja eigentlich die Aufgabe hat, die Haut vor dem Eindringen von Krankheitserregern zu schützen, zerstört wird. Da Privathaushalte nicht über angemessene Entsorgungsmechanismen für Desinfektionsflüssigkeiten verfügen, gelangen für die Umwelt schädliche Substanzen in die Kläranlagen und stören dort das empfindliche Gleichgewicht derjenigen Bakterienarten, die der Wasseraufbereitung dienen.

Damit Desinfektionsmittel nicht zu einer nachhaltigen Schädigung von Haut und Umwelt sowie der Heranzüchtung widerstandsfähiger Keime führen, sollten Desinfektionsmittel in erster Linie von ausgebildeten Kräften und nur auf strategische Weise eingesetzt werden. Die Reinigung von Privathaushalten sollte daher nicht auf Desinfektion abzielen, sondern auf die Minimierung der Mikroorganismen auf eine für den gesunden Menschen ungefährliche Zahl.

Formen, Typen & Arten

Es gibt unterschiedliche Mittel und Verfahren, um die Desinfektion von Gegenständen und lebenden Geweben zu erreichen. Im medizinischen, pharmazeutischen, Wasseraufbereitungs- und Lebensmittelbereich gehören dazu physikalische Verfahren (z. B. Luftentfernung, damit heißer Dampf alle Oberflächen erreicht, Verbrennung, Abkochen oder Bedampfen mit mindestens 100 °C heißem Wasser, Bestrahlung mit UV-Licht, Herausfilterung von Erregern und radioaktive Bestrahlung) sowie der Einsatz chemischer Mittel zur Desinfektion von Händen, Wäsche, Räumen, Oberflächen und medizinischen Instrumenten. Ein Teil dieser Verfahren – etwa die Verbrennung oder die radioaktive Bestrahlung – geht über die Desinfektion hinaus und dient der Sterilisation.

Zu den chemischen Mitteln gehören u. a. Alkohol, Silber, Quecksilber, Ammoniumsalz, Tenside, Peroxyessigsäure, Iod, Chlor, Wasserstoffperoxid und Formaldehyd.

Die genannten Mittel und Verfahren haben im Wesentlichen drei Ziele:

1. Die Beschädigung der äußeren Zell-Membran der Erreger durch das Herauslösen von bestimmten Lipiden (Fetten).

2. Die Schädigung der Raumstruktur ihrer Proteine.

3. Die Zerstörung des Erbguts durch einen Angriff auf ihre Nukleinsäuren.

Für die Reinigung im Haushalt genügen in aller Regel normale Haushaltsreiniger auf Tensidbasis. Daneben werden Alkohol, Salzwasser, Essigessenz, Zitronensäure und Teebaumöl als „natürliche“ Desinfektionsmittel angeboten; eine zuverlässige keimtötende Wirkung ist davon jedoch nur für Alkohol in ausreichend hoher Konzentration belegt.


Risiken, Gefahren & Nebenwirkungen beim Unterlassen

Obwohl sich im Vergleich mit vorherigen Epochen, in denen Desinfektion unbekannt war, die Zahl der Infektionserkrankungen insgesamt deutlich verringert hat, sterben allein in Deutschland jedes Jahr immer noch zwischen 7.500 und 15.000 Patienten an Infektionen, die sie sich im Krankenhaus zugezogen haben.

Jährlich erkranken im Zusammenhang mit einer medizinischen Intervention zwischen 400.000 und 600.000 Patienten an Infektionen. Es stellt sich also die Frage, wie man diese Zahlen reduzieren kann und ob ausreichende Maßnahmen zur Hygiene geplant und auch eingehalten werden. Experten vermuten, dass bis zu einem Drittel dieser Infektionen durch die Einhaltung von Hygieneregeln vermeidbar wären.

Eine besondere Problematik gerade in deutschen Krankenhäusern ist jedoch, dass resistente Erreger auf Patienten mit geschwächtem Immunsystem treffen. Dieser Umstand führt zu einem durchschnittlich längeren Krankenhausaufenthalt, höheren Behandlungskosten und höheren Sterbeziffern als in den Nachbarländern.

Resistente Krankheitserreger nehmen jedoch zahlenmäßig immer mehr zu. Ursachen hierfür sind sowohl im ambulanten als auch stationären Bereich nach wie vor eine unsachgemäße Verschreibung und Einnahme von Antibiotika, wodurch die Erreger selektiert und ungewollt herangezüchtet werden sowie ein Mangel an Desinfektion, wodurch die Erreger weiterverbreitet werden.

Geschichte der Desinfektion

Dass Sauberkeit vor Krankheit schützt, war lange eine Erfahrungsregel ohne Erklärung. Zur medizinischen Methode wurde die Desinfektion erst, als der Zusammenhang zwischen unsichtbaren Erregern und Erkrankungen greifbar wurde.

Ein Wendepunkt war die Arbeit von Ignaz Semmelweis, der 1847 an der Wiener Geburtsklinik die auffällig hohe Sterblichkeit an Kindbettfieber untersuchte. Ihm fiel auf, dass die Sterblichkeit dort besonders hoch war, wo Ärzte und Studenten unmittelbar von Sektionen zu den Gebärenden wechselten. Er ordnete an, die Hände vor der Untersuchung in Chlorkalklösung zu waschen, woraufhin die Zahl der Todesfälle deutlich zurückging. Eine Erklärung konnte Semmelweis nicht liefern – die Erreger waren noch unbekannt –, und seine Anordnung stieß bei den Kollegen auf erheblichen Widerstand.

Zwei Jahrzehnte später übertrug Joseph Lister die Idee auf die Chirurgie. Er behandelte ab 1867 Wunden, Instrumente und das Operationsfeld mit Karbolsäure und begründete damit die antiseptische Wundbehandlung. Mit den Arbeiten von Louis Pasteur und Robert Koch wurde in den folgenden Jahrzehnten sichtbar, worauf die Wirkung beruhte, und aus dem Bekämpfen von Keimen im Operationsfeld wurde die Aseptik: der Versuch, Keime von vornherein fernzuhalten, unter anderem durch Dampfsterilisation von Instrumenten, keimarme Kleidung und Handschuhe. Die heutige Krankenhaushygiene ist die Fortsetzung dieser Entwicklung.

Wirkungsspektrum und Einwirkzeit

Ein Desinfektionsmittel wirkt nicht gegen alles gleich gut. Deshalb wird für jedes Präparat angegeben, gegen welche Gruppen von Keimen es geprüft ist: gegen Bakterien, gegen Pilze, gegen Viren und gegebenenfalls gegen die besonders widerstandsfähigen Dauerformen, die Sporen.

Bei den Viren wird weiter unterschieden. Behüllte Viren – zu ihnen zählen die Grippeviren – tragen eine fetthaltige Außenhülle und sind gegenüber Alkoholen empfindlich. Unbehüllte Viren wie das Norovirus besitzen diese Hülle nicht und sind deutlich robuster; gegen sie sind nur eigens dafür geprüfte Mittel verlässlich. Ähnliches gilt für sporenbildende Bakterien: Alkohol tötet ihre Dauerformen nicht ab. In solchen Situationen tritt neben oder anstelle der Desinfektion wieder das gründliche Waschen, weil dabei Keime mechanisch entfernt statt abgetötet werden.

Entscheidend für den Erfolg ist außerdem, dass die Bedingungen eingehalten werden, unter denen ein Mittel geprüft wurde. Dazu gehören die richtige Konzentration, die vollständige Benetzung der Fläche oder der Hände und vor allem die Einwirkzeit: Verdunstet ein Mittel zu früh oder wird zu früh abgewischt, bleibt die Wirkung unvollständig. Grobe Verschmutzung, insbesondere Blut und Eiweiß, kann Wirkstoffe binden und die Wirkung mindern – deshalb steht im medizinischen Bereich die Reinigung regelhaft vor der Desinfektion. Manche Mittel verlieren zudem bei falscher Verdünnung, bei ungeeigneter Wassertemperatur oder nach zu langer Standzeit einer angesetzten Lösung ihre Wirksamkeit.

Händedesinfektion im medizinischen Bereich

Die Hände des Personals gelten als der wichtigste Übertragungsweg von Erregern zwischen Patienten. Die Händedesinfektion ist deshalb die zentrale Einzelmaßnahme der Krankenhaushygiene.

Unterschieden werden zwei Formen. Die hygienische Händedesinfektion mit einem alkoholischen Mittel gehört zum Ablauf jeder Patientenversorgung. Die Weltgesundheitsorganisation hat die Situationen, in denen sie erfolgen soll, zu fünf Gelegenheiten zusammengefasst: vor dem Kontakt mit einem Patienten, vor einer Tätigkeit mit Infektionsrisiko, nach dem Kontakt mit Körperflüssigkeiten, nach dem Patientenkontakt sowie nach dem Kontakt mit der unmittelbaren Umgebung des Patienten. Die chirurgische Händedesinfektion vor einer Operation ist aufwendiger, erfasst zusätzlich die Unterarme und dauert erheblich länger.

Dass die alkoholische Einreibung das Händewaschen im medizinischen Alltag weitgehend abgelöst hat, hat zwei Gründe: Sie erreicht die Keime auf der Haut zuverlässiger, und sie belastet die Haut bei entsprechender Pflege weniger als häufiges Waschen mit Seife. Zur Wirksamkeit gehören auch scheinbare Nebensächlichkeiten – Ringe, Armbanduhren, lackierte oder künstliche Fingernägel behindern die vollständige Benetzung und sind bei der Patientenversorgung deshalb nicht vorgesehen. Da alkoholische Mittel die Haut austrocknen, gehört ein Pflegekonzept zum Hygieneplan dazu; Rissen und Ekzemen soll damit vorgebeugt werden, denn geschädigte Haut lässt sich schlechter desinfizieren.

Antiseptik an Haut, Schleimhaut und Wunden

Wird lebendes Gewebe behandelt, spricht man von Antiseptik. Sie unterliegt anderen Anforderungen als die Desinfektion von Gegenständen, weil das Mittel das Gewebe möglichst wenig schädigen soll.

Vor jeder Injektion, jeder Blutentnahme und jedem operativen Eingriff wird die Haut an der vorgesehenen Stelle antiseptisch behandelt; vor größeren Eingriffen wird das Operationsfeld großflächig behandelt und anschließend steril abgedeckt. Für die intakte Haut werden vor allem alkoholische Präparate verwendet. Auf Schleimhäuten und in Wunden sind Alkohole ungeeignet, weil sie brennen und Gewebe schädigen; hier kommen andere Wirkstoffgruppen zum Einsatz, unter anderem jodhaltige Präparate sowie Substanzen aus der Gruppe der Biguanide und der Bispyridine. Welches Mittel geeignet ist, hängt von der Körperstelle, von der Art der Wunde und von Vorerkrankungen ab. Jodhaltige Mittel etwa sind bei Erkrankungen der Schilddrüse nicht in jedem Fall geeignet. Die Auswahl trifft deshalb der behandelnde Arzt; ein Übertragen der Mittel auf andere Anwendungen in Eigenregie ist nicht sinnvoll.

Ein verbreiteter Irrtum betrifft die Wundbehandlung zu Hause: Eine gewöhnliche kleine Schürfwunde braucht in der Regel kein Antiseptikum, sondern Sauberkeit und Ruhe. Wundantiseptik hat ihren Platz bei Wunden mit erhöhtem Infektionsrisiko und bei bereits infizierten Wunden – und dann als Teil einer ärztlich begleiteten Wundversorgung.

Flächen, Instrumente, Wäsche

Im Krankenhaus wird die Desinfektion nach Bereichen und Risiko geplant. Flächen in unmittelbarer Patientennähe, Griffe, Bedienelemente und Sanitärbereiche werden häufiger behandelt als etwa Fußböden in Verwaltungsbereichen. Fachlich empfohlen ist die Scheuer-Wisch-Desinfektion, bei der die Fläche mit einem getränkten Tuch mechanisch abgerieben wird; das Versprühen von Mitteln gilt als weniger zuverlässig und erzeugt zudem Aerosole, die die Atemwege reizen können.

Für Instrumente gilt eine feste Reihenfolge: Reinigung, Desinfektion und – wo nötig – anschließende Sterilisation. Dieser Ablauf, im Fachjargon Aufbereitung genannt, findet in dafür eingerichteten Abteilungen statt und wird dokumentiert, damit im Nachhinein nachvollziehbar bleibt, welches Instrument welchen Prozess durchlaufen hat. Wo es das Material zulässt, werden thermische Verfahren bevorzugt, weil Hitze zuverlässiger wirkt und keine Rückstände hinterlässt; hitzeempfindliche Geräte wie flexible Endoskope durchlaufen dagegen aufwendige chemische Verfahren in speziellen Automaten. Krankenhauswäsche wird in Verfahren gewaschen, die Temperatur und chemische Zusätze so kombinieren, dass die Wäsche am Ende als desinfiziert gilt.

Regelwerke und Zuständigkeiten

Welches Mittel für welchen Zweck geeignet ist, entscheidet in der Praxis nicht die Werbung auf der Flasche, sondern die Prüfung nach anerkannten Verfahren. Fachgesellschaften und Behörden führen dazu Verzeichnisse geprüfter Mittel: Für die vorbeugende Desinfektion im Alltag der Einrichtungen wird auf die Liste des Verbundes für Angewandte Hygiene zurückgegriffen, für behördlich angeordnete Entseuchungen – etwa bei bestimmten meldepflichtigen Erkrankungen – auf die Liste des Robert Koch-Instituts. Für den Veterinärbereich gibt es ein eigenes Verzeichnis.

Medizinische Einrichtungen sind nach dem Infektionsschutzgesetz verpflichtet, Hygienepläne zu führen, in denen festgelegt ist, wer wann was womit desinfiziert. Fachliche Grundlage sind die Empfehlungen der beim Robert Koch-Institut angesiedelten Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention. Desinfektionsmittel selbst unterliegen je nach Verwendungszweck unterschiedlichen Regelwerken – als Biozidprodukt, als Arzneimittel oder als Medizinprodukt –, was auch erklärt, warum die Angaben auf den Verpackungen unterschiedlich ausführlich ausfallen.

Unerwünschte Wirkungen der Mittel selbst

Desinfektionsmittel sind nicht harmlos, denn was Zellen von Erregern schädigt, kann auch menschliche Zellen schädigen.

Häufigste Folge des beruflichen Umgangs sind Hautprobleme an den Händen. Sie entstehen überwiegend nicht durch Allergie, sondern durch Reizung: Wiederholtes Waschen, Feuchtarbeit unter Handschuhen und austrocknende Substanzen schädigen die Hautbarriere, bis es zu Rötung, Rissen und einem Kontaktekzem kommt. Seltener liegt eine echte Allergie gegen einen Inhaltsstoff vor, wobei häufig nicht der Wirkstoff selbst, sondern Duft- oder Konservierungsstoffe verantwortlich sind. Der Verdacht wird beim Hautarzt abgeklärt, unter anderem mit einem Allergietest.

Aldehydhaltige Mittel und das Einatmen versprühter Lösungen können die Schleimhäute von Augen und Atemwegen reizen; Menschen mit Asthma reagieren darauf mitunter empfindlich. Alkoholische Zubereitungen sind entzündlich und dürfen nicht auf noch feuchter Haut mit Wärmequellen oder elektrischen Geräten in Berührung kommen. Für Kinder gilt der gleiche Grundsatz wie für die Aufbewahrung von Reinigungsmitteln: außerhalb der Reichweite lagern, da das Verschlucken gefährlich ist.

Ein weiteres Problem ist die zunehmend beschriebene verminderte Empfindlichkeit von Bakterien gegenüber Bioziden. Sie entsteht besonders dann, wenn Mittel dauerhaft in zu geringer Konzentration einwirken – ein weiterer Grund, weshalb Fachleute vom gewohnheitsmäßigen Einsatz im Privathaushalt abraten.

Desinfektion außerhalb der Medizin

Auch außerhalb von Kliniken und Praxen ist Desinfektion verbreitet. In der Trinkwasseraufbereitung dient sie dazu, das Wasser bis zur Entnahmestelle keimarm zu halten; in Schwimmbädern soll sie die Übertragung von Erregern über das Beckenwasser verhindern. In Lebensmittelbetrieben ist die Desinfektion von Flächen und Geräten Teil eines Hygienekonzepts, das der Vermeidung von Lebensmittelvergiftungen dient. Im Rettungsdienst werden Fahrzeug und Ausrüstung nach dem Einsatz aufbereitet, in Zahnarztpraxen gehört die Aufbereitung der Handstücke zum Ablauf zwischen zwei Patienten.

In der privaten Küche dagegen sind chemische Desinfektionsmittel selten der richtige Weg. Der Übertragung von Salmonellen und ähnlichen Erregern begegnet man wirksamer durch getrennte Brettchen für rohes Fleisch, durch ausreichendes Erhitzen der Speisen, durch das heiße Waschen von Küchentüchern und durch das Händewaschen zwischen den Arbeitsschritten. Wo eine ansteckende Erkrankung im Haushalt auftritt oder ein Angehöriger mit geschwächtem Immunsystem gepflegt wird, kann eine gezielte Desinfektion sinnvoll sein – dann aber abgestimmt mit dem behandelnden Arzt und beschränkt auf die Situation, die sie erfordert.

Quellen

  • Kramer, A., Assadian, O., Exner, M., et al. (Hrsg.): Krankenhaus- und Praxishygiene.
    ISBN: 9783437223136
  • Hof, H., Schlüter, D.: Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132423558
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Menche, N. (Hrsg.): Pflege heute.
    ISBN: 9783437267796
  • Protz, K., Timm, J. H.: Moderne Wundversorgung.
    ISBN: 9783437278877

Das könnte Sie auch interessieren