Essstörungen und Appetitlosigkeit bei Babys und Kleinkindern
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Essstörungen und Appetitlosigkeit bei Babys und Kleinkindern – fachlich Fütterstörungen – bezeichnen anhaltende Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme im Säuglings- und Kleinkindalter, die das Gedeihen des Kindes oder das Verhältnis zwischen Kind und Eltern belasten. Mit den Essstörungen des Jugend- und Erwachsenenalters wie Magersucht oder Bulimie haben sie nichts zu tun; diese sind unter Essstörungen beschrieben.
Wer sein Baby aufmerksam beobachtet, bemerkt, dass es bei Veränderung der Ernährung oder auch bei Nachlässigkeiten in der Pflege leicht einen Durchfall bekommt und mangelhafte Gewichtszunahme zeigt. Dies hat seinen Grund darin, dass in der Säuglingszeit die Belastung des Organismus durch die Umstellung auf die Ernährung – und auf alle anderen geforderten Leistungen – wesentlich größer ist als im späteren Alter, wodurch ein Versagen der entsprechenden Funktionen schnell eintreten kann.
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Was sind Essstörungen bei Babys?
Das gilt ganz besonders für die Arbeit des Verdauungsapparates, so dass die sogenannte Ernährungsstörung die häufigste Folge aller Schädigungen des Babyorganismus ist.
Als Ernährungsstörung bezeichnen wir nicht nur eine Darmkrankheit, die mit Durchfällen einhergeht, sondern auch eine chronische Wachstumsstörung des Kindes, die sich in mangelhafter Gewichtszunahme oder in einer Gewichtsabnahme ausdrückt. Neben dem Versagen der Verdauung im Magen-Darm-Kanal liegt das Wesen der Ernährungsstörung beim Baby besonders auch in einer mangelhaften Funktion des gesamten Stoffwechsels. Der ältere Begriff „Ernährungsstörung“ meint dabei eine Gedeih- und Verdauungsstörung des Säuglings und gerade nicht eine psychische Essstörung im Sinne von Magersucht oder Bulimie. Die auslösenden Ursachen dieser Störung können vielfältig sein.
Sie alle führen aber zu einem mehr oder weniger einheitlichen, charakteristischen Krankheitsbild, das etwas ausführlicher beschrieben werden soll, damit Eltern und Betreuungspersonen schon die Anfangssymptome dieser Störung bemerken und sich im richtigen Augenblick ärztlichen Rat holen können. Denn auch hier gilt der Grundsatz, dass eine Behandlung im Anfangsstadium der Krankheit unter Umständen ernste Gefahren für das Kind abwenden hilft.
Ebenso wichtig ist aber die beruhigende Seite: Ein vorübergehend geringer Appetit, Phasen der Nahrungswählerei und ein Kind, das als „schlechter Esser“ gilt, sind im Kleinkindalter häufig und meist harmlos. Nach dem ersten Lebensjahr verlangsamt sich das Wachstum von Natur aus, und damit sinkt auch der Hunger deutlich. Solange das Kind munter ist, sich altersgemäß entwickelt und auf seiner Gewichtskurve bleibt, besteht kein Grund zur Sorge.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Eine beginnende Ernährungsstörung müssen wir immer dann in Betracht ziehen, wenn sich die Stimmung des Kindes offensichtlich ändert. Das sonst muntere Kind wird weinerlich, unruhig und schläft auch nicht mehr so fest und so lange wie bisher. Schwindet zudem die rosige Gesichtsfarbe des Babys, und kommt auch noch Appetitlosigkeit hinzu, oder verweigert das Kind die Nahrung plötzlich ganz, liegt der Verdacht auf eine beginnende Ernährungsstörung nahe.
Je früher diese Störungen dabei erkannt und diagnostiziert werden, desto besser wirkt sich dies auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus. Durch die Essstörungen und Appetitlosigkeit bei Babys und Kleinkindern nehmen die Kinder ab und verlieren wichtige Nährstoffe und Vitamine. Es kommt daher zu verschiedenen Mangelerscheinungen und zu einer deutlich verzögerten Entwicklung.
Auch das Wachstum des Kindes wird durch diese Störungen stark verzögert, sodass es im späteren Leben zu verschiedenen Beschwerden und Komplikationen kommen kann. Ebenso wird der Stoffwechsel des Kindes durch die Beschwerden gestört, was auch zu einer schweren Austrocknung und zu Erbrechen führen kann. Im schlimmsten Falle verstirbt das Kind dabei an den Folgen dieser Essstörungen.
Allerdings muss nicht jedes Kind, das plötzlich die Nahrung verweigert, eine Störung im Magen-Darm-Bereich haben. Manchmal kann bei einem Säugling die Nase durch Schnupfen verstopft sein, was ihn am Trinken hindert. Auch andere Krankheiten und Beschwerden, wie zum Beispiel Schmerzen im Bereich des Magens oder des Darms können Grund für eine vorübergehende Appetitlosigkeit sein. Hierbei ist keine direkte Behandlung der Essstörungen, sondern die der Grunderkrankung notwendig.
Ein weiteres, sehr ernst zu nehmendes Anzeichen für eine Ernährungsstörung liegt allerdings vor, wenn das Kind mehrmals erbricht. Sein Befinden kann sich dadurch innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich verändern, weil dem Körper mit dem Erbrechen Flüssigkeit und auch Salze entzogen werden. Ein Mangel an Flüssigkeit und Salzen wiederum verursacht eine Störung sämtlicher Stoffwechselfunktionen, und so kann es bei anhaltendem Erbrechen zu einer schweren Austrocknung kommen, die früher als Toxikose oder Vergiftungszustand bezeichnet wurde. Der Säugling wird dabei sehr matt, manchmal sogar bewusstlos und ist ganz erheblich im Allgemeinbefinden gestört.
Der wichtigste Sofortschritt bei Erbrechen und Durchfall ist deshalb, dem Kind in kleinen, häufigen Portionen eine orale Rehydratationslösung aus der Apotheke anzubieten, die Wasser, Salze und Traubenzucker in genau abgestimmtem Verhältnis enthält. Cola und Salzstangen sind dafür ungeeignet: Cola enthält zu viel Zucker und zu wenig Salz und kann den Durchfall sogar verstärken.
Dasselbe kann durch die auf dem Höhepunkt einer akuten Ernährungsstörung eintretenden Durchfälle hervorgerufen werden. Während das normale Flaschenkind täglich ein bis zwei feste, geformte, bräunlich gefärbte Stühle entleert, treten bei einem durchfallgestörten Baby mehrmals am Tage dünne, übelriechende, manchmal sogar auch wässrige Stühle auf, in denen die festen Bestandteile ungebunden als körnige erbsengroße Teilchen schwimmen.
Außerdem ist die Stuhlfarbe nicht mehr braun, sondern wird immer heller, braungelb bis gelb, und eventuell sogar grün. Die Entleerungen können auch eitrig und schleimhaltig sein und Blutbeimischungen enthalten, was meist auf eine Entzündung der Darmschleimhaut zurückzuführen ist. Blut im Stuhl gehört bei einem Säugling immer in ärztliche Hand.
Wenn das Erbrechen und der Durchfall des Kindes nicht durch entsprechende Maßnahmen aufzuhalten sind, setzt eine erhebliche Wachstumsstörung ein. Das Baby nimmt nicht mehr an Gewicht zu, sondern sogar rapide ab, die Haut wird trocken und blass, und gelegentlich kann auch Fieber auftreten.
Die meisten schweren und lebensbedrohlichen Ernährungsstörungen verlaufen allerdings ohne Fieber, weshalb wir uns in der Beurteilung des Gesundheitszustandes unseres Kindes nicht ausschließlich von der Erhöhung der Körpertemperatur leiten lassen sollen. Es wäre also falsch, wenn Eltern trotz der eben genannten Anzeichen einer Ernährungsstörung die Sprechstunde des Kinderarztes nicht aufsuchen, nur weil das Kind kein Fieber hat.
Ursachen
Stellen wir uns nun die Frage nach den Ursachen der Ernährungsstörung und ob wir sie bei sachgemäßer Pflege vermeiden können. Noch immer ist die Meinung sehr verbreitet, dass Essstörungen stets nur eine Folge fehlerhafter Fütterung sein können oder auch durch die Milchnahrung selbst bedingt sind. Wie wenig das zutrifft, wird aus der Tatsache ersichtlich, dass Brustkinder ebenfalls Ernährungsstörungen bekommen können, obwohl die Brustmilch praktisch nie unzweckmäßig zusammengesetzt ist und dem Kind immer in frischer und unverdorbener Form zugeführt wird, so dass durch sie kaum je eine Ernährungsstörung beim Säugling ausgelöst wird.
Wenn bei einem Brustkind, das voll gestillt wird, dennoch eine Ernährungsstörung auftritt, so hat diese ihren Grund entweder in einer Überernährung oder Unterernährung des Babys oder auch in Fehlern bei der Pflege des Kindes. Eine Überernährung des Brustkindes kann entstehen, wenn es zu häufig angelegt wird oder wenn ein sehr kleines Kind an einer allzu milchreichen Brust gestillt wird. In diesen Fällen können alle Anzeichen auftreten, die auf eine beginnende Ernährungsstörung hinweisen. Das Kleinkind wird blass und unruhig, es erbricht, und manchmal kommt auch Durchfall hinzu.
Eine Überernährung ist zu vermeiden, wenn das Kind bei den geringsten Anzeichen einer Störung mehrere Tage hindurch vor und nach jeder Mahlzeit gewogen wird, um die Trinkmenge zu kontrollieren. Stellt sich dabei heraus, dass ein Baby, das älter als eine Woche ist, pro Tag weit mehr als 1/5 seines Körpergewichts an Milch trinkt, empfiehlt es sich, es einmal weniger zu stillen oder auch die Stillzeit zu verkürzen.
Von solchen Wiegeproben vor und nach jeder Mahlzeit wird heute allerdings abgeraten: Sie sind ungenau und verunsichern Eltern mehr, als sie nützen. Zuverlässiger ist es, das Kind einmal wöchentlich unbekleidet zu wiegen und die Werte in die Gewichtskurve des Vorsorgehefts einzutragen. Auch gilt nach heutigem Kenntnisstand, dass gestillte Kinder ihre Trinkmenge selbst regulieren; eine Überernährung an der Brust ist die Ausnahme. Das Anlegen sollte deshalb nicht ohne kinderärztlichen Rat eingeschränkt werden, weil sonst die Milchbildung zurückgeht.
Viel häufiger als eine Überernährung wird beim Brustkind jedoch eine Unterernährung beobachtet, das heißt, das Kind nimmt nicht mehr genügend zu, und die normale Gewichtszunahme pro Tag, die in den ersten Lebensmonaten ungefähr 20-30 Gramm beträgt, kann nicht erreicht werden. Die Ursache dafür ist meist, dass zu selten oder nicht wirksam genug gestillt wird – etwa weil das Kind nicht richtig an der Brust andockt. In solchen Fällen kann häufiges, eventuell auch doppelseitiges Anlegen des Babys die Milchproduktion verbessern; eine Stillberatung oder Hebamme kann die Stillposition überprüfen. Alle anderen sogenannten milchtreibenden Mittel, wie Malzbier, Höhensonnenbestrahlung und ähnliches, haben keine sichere Wirkung.
Auffälliger Stuhlgang
In diesem Zusammenhang muss noch betont werden, dass beim Brustkind der Stuhl normalerweise etwas dünner als beim künstlich mit Kuhmilch ernährten Kind ist. Das gesunde Brustkind entleert täglich drei bis vier goldgelbe, säuerlich aromatisch riechende und manchmal auch grünlich verfärbte Stühle mit etwas Schleimgehalt.
Oft schlägt die goldgelbe Farbe des Stuhls auch erst einige Zeit nach der Entleerung durch Veränderung des Stuhlfarbstoffes infolge Sauerstoffzutritts aus der Luft ins Grünliche um. Diese Grünfärbung ist ohne Bedeutung, solange das Baby gut an Gewicht zunimmt, munter ist und rosig aussieht.
Wenn die stillende Mutter starke Raucherin ist oder abführende Stoffe enthaltende Nahrungsmittel, wie beispielsweise Rhabarber, zu sich nimmt, kann es vorübergehend auch zu dünneren Stühlen beim Säugling kommen. Diese Störungen lassen sich aber durch eine vernünftige Lebensweise der Mutter sofort wieder beheben. Eine echte Ernährungsstörung liegt beim Brustkind erst dann vor, wenn mehr als fünfmal täglich Stuhlgang entleert wird und alle obengenannten Erscheinungen, wie Durchfall, Appetitlosigkeit und Erbrechen, auftreten.
Viele Mütter sind auch darüber beunruhigt, dass ihr an der Brust gesäugtes Kind zu wenig, sogar nur alle zwei Tage, Stuhl entleert. Ihnen sei gesagt, dass dies bei einem Brustkind, das trotz allem gut wächst, eine harmlose Erscheinung ist, die keiner Behandlung bedarf. Manchmal ist es jedoch auch Ausdruck dafür, dass das Kind an der Brust nicht richtig satt wird. In hartnäckigen Fällen kann die Darmtätigkeit durch Zufütterung von ein bis zwei Teelöffeln Malzextrakt oder Biomalz angeregt werden. Solche Zusätze werden heute nicht mehr empfohlen: Bei einem voll gestillten Kind, das gut gedeiht und keine Beschwerden hat, ist seltener Stuhlgang kein Behandlungsgrund, und im ersten Lebenshalbjahr gehört außer Muttermilch oder Säuglingsnahrung ohnehin nichts in den Magen.
Im Allgemeinen gibt sich diese Erscheinung aber, sobald im dritten bis vierten Lebensmonat Obstsaft oder auch Gemüse gefüttert werden. Der Beginn der Beikost wird heute allerdings frühestens mit dem fünften und spätestens mit dem siebten Lebensmonat empfohlen; Obstsäfte sind für Säuglinge nicht mehr vorgesehen, weil sie die Zähne schädigen und den Magen wenig sättigen. Auf keinen Fall ist es ratsam – wie es immer wieder geschieht –, täglich Seifenzäpfchen einzuführen oder kleine Klistiere vorzunehmen, da infolge mechanischer Reizung der Mastdarmschleimhaut sehr leicht Einrisse und Entzündungen in diesem Bereich eintreten können.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wenn das Kind keinen Appetit hat, muss das nicht immer ärztlich abgeklärt werden. Bei einem Infekt oder einer bloßen Erkältung verspüren Babys und Kleinkinder meistens weniger Hunger – nach der Genesung gleichen sie die Defizite dann von ganz alleine wieder aus. Bleibt die Essstörung allerdings über eine längere Zeit bestehen, muss das Kind zu einem Arzt gebracht werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich weitere Beschwerden einstellen. Geht die Appetitlosigkeit beispielsweise mit Magen-Darm-Beschwerden oder Fieber einher, sollte ein Mediziner hinzugezogen werden.
Falls das Kind auch nichts mehr trinkt, wird am besten sofort ein Arzt konsultiert. Auch sollte ein Arzt eingeschaltet werden, wenn die Appetitlosigkeit länger als eine Woche anhält oder das Kind generell einen müden Eindruck macht. Kinder, die Vorerkrankungen haben, sollten mit Essstörungen und Appetitlosigkeit rasch beim Kinderarzt vorstellig werden. Bei Anzeichen einer Dehydration (Austrocknung) oder Mangelerscheinungen empfiehlt sich ein Besuch in der nächstgelegenen Klinik. Eine engmaschige ärztliche Überwachung ist dann auf jeden Fall notwendig.
Ärztlich abgeklärt gehören insbesondere: eine Gewichtsabnahme oder ein Stillstand auf der Gewichtskurve des Vorsorgehefts, die Verweigerung des Trinkens beim Säugling, wiederholtes Erbrechen, Schluckstörungen, häufiges Verschlucken beim Essen sowie Teilnahmslosigkeit und auffallende Schlappheit des Kindes. Auch wenn jede Mahlzeit regelmäßig zum Machtkampf wird oder länger als eine halbe Stunde dauert, sollte das angesprochen werden.
Halten die Schwierigkeiten an, helfen neben dem Kinderarzt ein sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ), die Beratungsangebote der Frühen Hilfen sowie sogenannte Schrei- und Fütterambulanzen weiter. Diese Stellen sind ausdrücklich auch für Eltern da, die mit dem Füttern nicht mehr zurechtkommen – der Gang dorthin ist kein Eingeständnis von Versagen.
Überhitzung & Hitzestich als Ursache
Unter den Pflegeschäden ist besonders die Gefahr der Überhitzung des Kindes in den Sommermonaten hervorzuheben. Längerer Aufenthalt in der prallen Sonne und übermäßige Kleidung an warmen Tagen können beim Baby sehr schnell zur Überhitzung und damit zu einer Störung des Allgemeinbefindens führen, die nicht selten eine ernste Ernährungsstörung auslöst.
Es ist eine alte kinderärztliche Erfahrung, dass ungefähr 2/3 aller Kinder zu warm und nur wenige Prozent zu leicht bekleidet sind. Eltern sollten sich deshalb vor Augen halten, dass im Sommer eine Überhitzung durch ungeeignete Kleidung mindestens ebenso schädlich ist wie eine Unterkühlung infolge zu leichter Kleidung während der kalten Jahreszeit. Beides kann zu erheblichen Wachstumsstörungen des Kindes führen, weshalb dieser Hinweis von allen Eltern beachtet werden sollte. Eine Überwärmung gilt zudem als Risikofaktor für den plötzlichen Kindstod: Babys sollten im Schlaf nicht zu warm zugedeckt sein, am besten in einem Schlafsack und bei etwa 16 bis 18 Grad Raumtemperatur schlafen.
Wir können also festhalten, dass eine Ernährungsstörung des Brustkindes, sei sie akut oder chronisch, in aller Regel nicht Ausdruck dafür ist, dass dem Säugling die Brustmilch nicht bekommt, sondern die Ursache anderswo zu suchen ist. Es gibt praktisch keine unverträgliche Muttermilch, und das Absetzen des Kindes von der Brustmilch ist in diesen Fällen nicht sinnvoll. Sehr selten gibt es Ausnahmen, etwa eine angeborene Stoffwechselerkrankung wie die Galaktosämie oder eine Unverträglichkeit gegenüber Eiweiß aus der Nahrung der Mutter; das klärt der Kinderarzt.
Aussicht & Prognose
Die Prognose der Essstörungen und Appetitlosigkeit bei Babys und Kleinkindern ist abhängig von einer professionellen Hilfe und dem Umgang der Eltern mit dem Nachwuchs. Je mehr Druck auf das Kind bei der Nahrungsaufnahme ausgeübt wird, desto stärker sind die Folgeschäden.
Meist haben Frühgeborene Probleme mit der Umstellung der Ernährung. Sie werden anfänglich mit einer Sonde ernährt und sind daher die Aufnahme der Nahrung über den Mund nicht gewohnt. Es benötigt Geduld, Leichtigkeit und ein spielerisches Verständnis im Umgang mit den Kindern, um die Essstörungen zu heilen. Je verständnisvoller die Eltern im Alltag sind, desto besser ist die Prognose.
Bei der Inanspruchnahme einer psychischen Betreuung verbessert sich die Prognose immens. Die Kinder sollten die Möglichkeit haben, die Lebensmittel anfassen zu können. Die vorübergehende Nahrungsaufnahme mit den Fingern kann hilfreich sein, um eine Verbesserung der Essstörung zu erzielen. Bei einem strengen Umgang, einer zu starken Sauberkeit und starren Regeln verschlechtert sich der Gesundheitszustand.
Eine ungünstige Prognose ist zu erwarten, sobald die Nahrung mit aller Gewalt in den Mund des Kindes transportiert wird. Kurzfristig wird das Ziel erreicht, aber die Vulnerabilität (Anfälligkeit) für Folgeschäden und eine dauerhafte Essstörung bleibt bestehen. Zudem können weitere psychische Erkrankungen entstehen, die eine Aussicht auf Heilung zusätzlich erschweren.
Nachsorge
Litt ein Kind unter einer Essstörung oder Appetitlosigkeit, sollte eine bestimmte Nachsorge befolgt werden. Gerade im Kindesalter sollte auf die richtige Ernährung der Kinder geachtet werden. Wenn es in diesem Bereich schon in dieser Zeit Probleme gibt, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass das Kind nach erfolgreicher Therapie eine gesunde und regelmäßige Nahrungseinnahme vorgelebt bekommt.
Auch wenn es zuvor an Appetitlosigkeit litt, sollten dem Kind gesunde Lebensmittel schmackhaft gemacht werden. Ein professionell zusammengesetzter Ernährungsplan kann dabei helfen. Auch für Eltern ist es schwer, die perfekte Nachsorge für ihr Kind zu gestalten. Genau deshalb gibt es geschulte Personen, die im Bereich Ernährung eine echte Stütze für die Familie sein können.
Wenn das Kind auf dem Weg der Besserung ist, sollte weiterhin darauf geachtet werden, dass es regelmäßig Nahrung zu sich nimmt und keinen Rückschlag erleidet. Die Eltern oder andere Betreuungspersonen spielen dabei eine große Rolle. Wenn diese Richtlinien befolgt werden, wird sich das Kind bald wieder auf dem Weg der Besserung befinden.
Das können Sie selbst tun
So vielfältig wie die Ursachen für Essstörungen und Appetitlosigkeit bei Babys und Kleinkindern sind, so vielfältig sind auch Maßnahmen, die vor allem die Eltern der betroffenen Kinder ergreifen können.
Wichtig ist zunächst, dass betroffene Kinder nicht zum Essen gezwungen werden, insofern noch keine gesundheitlichen Schäden durch die mangelnde Nährstoffaufnahme aufgetreten sind. Das Anbieten von gern genommenen Speisen in zu bewältigenden Portionierungen sollte im Vordergrund stehen. Ständiges Naschen zwischendurch und gesüßte Getränke sollten vermieden werden, damit das Kind zu den Mahlzeiten überhaupt Hunger hat; feste Zwischenmahlzeiten zu geregelten Zeiten sind dagegen sinnvoll.
Die wichtigste Regel für den Alltag lautet: Die Eltern entscheiden, was angeboten wird und wann es Essen gibt – das Kind entscheidet, ob und wie viel es davon isst. Dazu gehören feste Mahlzeitenzeiten, ein gemeinsamer Tisch ohne Fernseher, Handy und Spielzeug sowie der Verzicht auf jede Form von Druck, Bestechung, Strafe oder Füttern unter Ablenkung. Wird gefüttert, während das Kind abgelenkt ist oder schläft, lernt es gerade nicht, auf sein eigenes Hunger- und Sättigungsgefühl zu hören.
Auch kann das Verabreichen von Bitterstoffen hilfreich sein. Pflanzen, die diese in ausreichender Menge enthalten, sollten ein wenig gesüßt werden (Honig) und als Saft oder Tee verabreicht werden. Auch Pomeranzensirup eignet sich als Hausmittel bei Appetitlosigkeit. Honig darf allerdings im gesamten ersten Lebensjahr nicht gegeben werden: Er kann Sporen von Bakterien enthalten, die beim Säugling einen lebensgefährlichen Säuglingsbotulismus auslösen. Bittermittel und Pomeranzensirup sind zudem alte Hausmittel, deren Wirksamkeit bei Kindern nicht belegt ist.
Die Nahrungsgabe kann auch spielerisch erfolgen, um kleine Kinder zum Essen zu motivieren. Das gemeinsame Essen mit dem Kind kann zu einem Nachahmungsverhalten führen. Essen Eltern und Kind zudem das Gleiche, kann das Kind in seiner Motivation zu essen gestärkt werden, da es sich an ein Vorbild hält.
Sind die Ursachen für Essstörungen und Appetitlosigkeit hingegen krankheitsbedingt, müssen sie behandelt werden. In jedem Falle einer verringerten Nahrungsaufnahme ist darauf zu achten, dass dennoch genug Flüssigkeit aufgenommen wird und kein starker Gewichtsverlust eintritt.
Quellen
- Herpertz-Dahlmann, B., Hilbert, A. (Hrsg.): Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen.
ISBN: 9783170392021
- Speer, C. P., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
ISBN: 9783662572948
- Hoffmann, G. F., Lentze, M. J., Spranger, J., Zepp, F. (Hrsg.): Pädiatrie: Grundlagen und Praxis.
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- Herpertz, S., de Zwaan, M., Zipfel, S. (Hrsg.): Handbuch Essstörungen und Adipositas.
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- Tebartz van Elst, L., Schramm, E., Berger, M. (Hrsg.): Psychische Erkrankungen.
ISBN: 9783437051746
