Hämorrhoiden
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Hämorrhoiden oder, in häufiger Falschschreibung, Hämorriden sind keine Krankheit direkt, sondern der umgangssprachliche Begriff für ein Hämorrhoidalleiden. Hämorrhoiden selbst sind natürliche Schwellkörper im Afterbereich. Stauen sich die Hämorrhoiden mit Blut und dessen Abfluss ist gestört, spricht man von einem Hämorrhoidalleiden. Diese knotenartigen Auswölbungen in der Schleimhaut werden von den typischen Symptomen, wie Juckreiz, brennenden Schmerzen, Nässen und Blutungen im Analraum begleitet.
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Was sind Hämorrhoiden?
Auch wenn es die Meisten nicht wissen, aber jeder Mensch hat bereits Hämorrhoiden. Sie sind natürliche knotenförmige Schwellkörper am After und am Schließmuskel. Die Hämorrhoiden werden mit Blut versorgt und sorgen für eine gesunde und natürliche Abdichtung des Enddarms nach außen. Damit sind Hämorrhoiden keine Krankheit. Sie können sich allerdings vergrößern und entzünden, was dann für die bekannten schmerzhaften Symptome sorgt.
Die bekannten Beschwerden, die im Volksmund als Hämorrhoiden bezeichnet werden, müsste man medizinisch eher als Hämorrhoidalleiden beschreiben. Dabei sind vor allem die Knoten stark vergrößert und vorgewölbt und sorgen dann für schmerzhafte Reaktionen im Analbereich.
Ursachen
Weitere Ursachen sind auch überwiegend sitzende Tätigkeiten und Schwangerschaft. Auch im Alter kommt es vermehrt zu Hämorrhoiden, da der Schließmuskel bei reiferen Menschen oftmals stärker erschlafft ist als bei jüngeren Menschen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Beschwerden und Symptome werden in vier Stadien unterteilt. Es müssen jedoch nicht alle Beschwerden bei jedem Betroffenen in jedem Stadium auftreten, genauso ist es aber möglich, dass die für ein Stadium relevanten Symptome, in den übrigen Stadien auftreten. Bereits leichtes Brennen und Juckreiz im Analbereich müssen ernst genommen werden, sind diese Symptome doch oft die ersten Hinweise auf Hämorrhoiden.
Bei Nichtabklärung und Behandlung treten in weiterer Folge Schmerzen beim Sitzen und beim Stuhlgang auf. Häufig, vor allem bei längerem Bestehen der Erweiterungen der unteren Mastdarmvenen, können Blutungen aus ihnen auftreten. Während der Juckreiz und das Brennen als unangenehm eingestuft werden, sind die Blutungen sehr ernst zu nehmen.
Bei langanhaltendem Blutverlust verschlechtert sich der Allgemeinzustand der Betroffenen. Immer wieder passiert es, dass sich ein Hämorrhoidenknoten infiziert. Dann entsteht eine derbe, prall gefüllte Geschwulst, die starke Schmerzen hervorruft. Im Stadium Eins weiß der Betroffene oft noch nicht, dass er unter Hämorrhoiden leidet, bemerkt nur manchmal etwas Blut auf dem Toilettenpapier.
Brennen, Juckreiz und Nässen treten im Stadium Zwei auf, Stadium Drei ist gekennzeichnet von einem Fremdkörpergefühl und dem Empfinden, den Darm nicht vollständig entleeren zu können. Das Stadium Vier ist geprägt von starken Schmerzen und großen Problemen beim Stuhlgang.
Der Arzt richtet sich bei der Einteilung in die vier Grade allerdings nicht nach den Beschwerden, sondern danach, wie weit die vergrößerten Polster aus dem After heraustreten: Grad I ist nur bei der Spiegelung des Analkanals zu sehen, bei Grad II treten die Knoten beim Pressen hervor und ziehen sich von selbst wieder zurück, bei Grad III müssen sie mit dem Finger zurückgeschoben werden, und bei Grad IV liegen sie dauerhaft außen.
Blut im Stuhl darf niemals ohne Weiteres den Hämorrhoiden zugeschrieben werden. Erst wenn eine Darmspiegelung ernste Ursachen wie Polypen oder Darmkrebs ausgeschlossen hat, ist die Zuordnung sicher – näher beschrieben wird dieses Vorgehen im Artikel Hämatochezie.
Krankheitsverlauf
Der Verlauf bei vergrößerten Hämorrhoiden bzw. Hämorrhoidalleiden kann unterschiedlich sein. Es hängt davon ab, ob der Betroffene eine ärztliche Behandlung in Anspruch nimmt, sich selbst behandelt oder einfach gar nichts unternimmt und abwartet. Dabei ist es mehr als ratsam, einen Arzt bezüglich der Hämorrhoiden zu konsultieren, um ungewollte Komplikationen und starke Schmerzen rechtzeitig zu verhindern.
Bei unbehandelten Hämorrhoiden kommt es vor allem durch die Reibung von Toilettenpapier zu wunden Stellen. Diese Stellen können nässen und Ekzeme oder Geschwüre bilden. Daneben können schmerzhafte Einrisse der Analhaut entstehen, die als Analfissuren bekannt sind.
Zusätzlich können sich weiträumige Infektionen ausbreiten, da besonders in der Analregion viele Bakterien sind. Nicht selten entstehen in diesem Zusammenhang schmerzhafte Eiterherde und Abszesse, die dann nur noch operativ entfernt werden können. Ebenso kann es beim Aufplatzen der Hämorrhoiden zu unangenehmen Blutungen kommen, die dann ärztlich behandelt werden müssen.
Komplikationen
Weiterhin können sich Geschwüre und Ekzeme ausbilden, die mit Komplikationen behaftet sind. Ebenso leidet der Betroffene an Infekten und Entzündungen in der Analregion. Viele Menschen schämen sich für die Hämorrhoiden, sodass es zu Minderwertigkeitskomplexen und zu einem verringerten Selbstwertgefühl kommen kann. Die Behandlung der Hämorrhoiden findet in der Regel ohne besondere Komplikationen statt und führt schnell zu einem positiven Krankheitsverlauf.
Dabei werden vor allem Salben und Cremes verwendet. Der Betroffene muss auch auf eine gesunde Lebensweise achten. In schwerwiegenden Fällen müssen operative Eingriffe durchgeführt werden, wobei es zu Nachblutungen, Wundheilungsstörungen und in seltenen Fällen zu einer Beeinträchtigung des Schließmuskels kommen kann. Nach der Behandlung verschwinden die meisten Symptome wieder und die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Hämorrhoiden nicht verringert.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Bereits wenn der Verdacht besteht, dass Hämorrhoiden vorliegen könnten, sollte kurzfristig ein Arzt aufgesucht werden. Die ersten Symptome wie Brennen oder Blutungen beim Stuhlgang sollten Auslöser für einen Arztbesuch sein. Gerade wenn der Leidensdruck noch nicht besonders groß ist, scheuen viele Patienten den Gang zum Arzt. Dabei ist gerade in den Frühphasen der Erkrankung die Behandlung besonders unkompliziert.
Wenn die Symptomatik schon weiter vorangeschritten ist, also neben Blutungen, Jucken und Brennen Hämorrhoiden bereits aus dem After heraustreten, sollte unverzüglich ein spezialisierter Facharzt aufgesucht werden. Zwar ziehen sich die Hämorrhoiden gelegentlich noch von alleine wieder zurück oder können ohne größere Probleme mit der Hand zurückgeschoben werden. Jedoch werden sich die Symptome der Hämorrhoiden ohne Behandlung rasch weiter verschlechtern. Zwar ist auch im späteren Verlauf der Erkrankung eine Behandlung noch erfolgreich möglich, es steigt aber auch das Risiko für eine Inkontinenz. Zudem wird der Arzt andere, wesentlich ernstere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen – genannt sei beispielsweise Darmkrebs – ausschließen wollen.
Patienten können sich entweder an ihren Hausarzt wenden, der zu einer ersten Einschätzung kommen kann. Sinnvoller ist es jedoch, direkt einen Facharzt aufzusuchen. Das sind entweder Proktologen, die sich auf Erkrankungen des Enddarmes spezialisiert haben, oder auch Urologen oder Dermatologen.
Behandlung & Therapie
Die Behandlung von Hämorrhoiden ist abhängig von der Intensität der Beschwerden. Trotzdem sollte immer ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Bei leichteren Beschwerden sind zumeist Hämorrhoidensalben oder Hämorrhoidenzäpfchen erfolgreich. Bei großen oder sehr komplizierten Hämorrhoidenleiden können auch chirurgische Eingriffe in Erwägung gezogen werden.
Salben und Zäpfchen lindern dabei nur die Beschwerden und beseitigen die vergrößerten Polster nicht. Kortisonhaltige Präparate dürfen deshalb nur kurzzeitig über wenige Tage angewendet werden, weil sie bei Dauergebrauch die empfindliche Haut am After schädigen. Zwischen Salbe und Operation stehen zudem schonende Verfahren in der Arztpraxis: das Abbinden der Knoten mit einem Gummiring oder das Veröden mit einem Medikament.
Neben der ärztlichen Behandlung durch Salben und Zäpfchen sollte man durch eine Ernährungsumstellung für einen weicheren Stuhlgang sorgen. Ebenso sollten alle Nahrungsmittel, die Verstopfungen begünstigen, vermieden werden. Dazu gehören Schokolade, Rotwein und Weißmehlprodukte. Vielmehr sollte auf eine ballaststoffreiche Ernährung geachtet werden. Dies kann man mit viel Rohkost (Obst und Gemüse) erreichen. Auch Vollkornprodukte eignen sich gut.
Daneben sollte man sich mehr bewegen. Sport, Wandern oder Gartenarbeit eignen sich dazu am besten. Ebenso sollte man viel trinken. Wenn möglich 2 Liter pro Tag. Neben der Ernährung spielt auch die Hygiene eine zentrale Rolle bei der Behandlung und Genesung von Hämorrhoiden. Bäder mit Kamillenextrakten eignen sich dazu sehr gut. Lange Zeit wurden solche Zusätze allgemein empfohlen; heute rät man eher zu Sitzbädern mit klarem, lauwarmem Wasser, weil Kamille und ähnliche Pflanzenauszüge die Haut austrocknen und Allergien auslösen können. Allerdings sollten Kosmetika und Duftstoffe gemieden werden, da sie die Analregion nur unnötig reizen.
Vorbeugung
In der Regel kann einem Hämorrhoidenleiden durch eine ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung sowie durch ausreichend Bewegung gut vorgebeugt werden, da diese Maßnahmen selbst für einen gesunden und regelmäßigen Stuhlgang sorgen. Daneben kann der Arzt auch Hämorrhoidensalben und entzündungshemmende Zäpfchen verschreiben. Bei großen oder sehr komplizierten Hämorrhoidenleiden können auch chirurgische Eingriffe in Erwägung gezogen werden.
Nachsorge
Gegen Hämorrhoiden gibt es einige Mittel und Wege, mit denen man sich selbst helfen kann. Um die Beschwerden zu lindern, sind unter anderem Hämorrhoiden-Salben, Cremes, Zäpfchen, Analtampons oder verschiedene Hausmittel wie beispielsweise Sitzbäder anwendbar. Die Selbsthilfemaßnahmen lindern die Beschwerden zwar, aber dadurch gehen die Hämorrhoiden nicht weg.
Die Ursache für das Auftreten der Hämorrhoiden muss festgestellt werden, damit sie beseitigt werden kann. In diesem Fall sollte der Betroffene einen Arzt aufsuchen. Dieser wird den Betroffenen dann ausführlich beraten und Mittel und Wege finden, um gegen die Hämorrhoiden vorzugehen. Der Hausarzt kann gegen Hämorrhoiden sämtliche Salben und Cremes verschreiben, jedoch empfiehlt es sich zu einem Proktologen zu gehen.
Dieser ist speziell auf die Behandlung von Erkrankungen wie Hämorrhoiden spezialisiert und kann gezielt weiterhelfen. Um das Verschlimmern der Hämorrhoiden zu verhindern, sollte der Betroffene darauf achten, dass er keine Verstopfungen bekommt. Um diese zu verhindern, sollte viel Bewegung auf dem Tagesplan stehen. Dazu eignet sich beispielsweise Schwimmen gehen oder Fahrrad fahren.
Ein wichtiger Punkt ist auch eine ausgewogene Ernährung. Betroffene sollten mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser am Tag trinken und viel Obst und Gemüse zu sich nehmen. Es sollte darauf geachtet werden, dass Baumwollunterwäsche getragen wird, da diese verträglicher für die gereizte Haut ist.
Das können Sie selbst tun
Grundsätzlich ist bei Problemen sowie Hautveränderungen am After auf die Nutzung von anregenden Abführmitteln zu verzichten. Quellstoffe wie Flohsamen oder Weizenkleie sind dagegen ausdrücklich sinnvoll, weil sie den Stuhl weich halten und das Pressen erübrigen. Bei einem Juckreiz sollte diesem nicht unvermindert nachgegeben werden, da es sonst zu offenen Wunden und einer Ausbreitung der Keime kommt. Ebenfalls ist Analverkehr sowie die Nutzung von Liebestoys für den After nach Möglichkeit zu unterlassen, da es auch hierbei zu Beschädigungen der Haut kommen kann. Bei einem Toilettengang ist Vorsicht geboten. Ausreichend Ruhe und eine vorherige Zufuhr von Flüssigkeit sind hilfreich. Pressen und starkes Drücken während des Stuhlgangs sind zu unterlassen.
Am Tag sollte eine ausreichende Bewegung stattfinden. Überlastungen und zu starke Beanspruchungen sind jedoch zu vermeiden. Die aufgenommene Nahrung sollte vitaminreich sein und einen hohen Flüssigkeitsanteil haben. Alle Lebensmittel, die eine Verstopfung herbeiführen können, sind zu vermeiden. Zu ihnen zählen Bananen, Weißbrot, Kartoffeln oder Reis. Bei Hämorrhoiden werden Ballaststoffe, wie Müsli, Vollkornbrot, Obst und Haferflocken, empfohlen.
Das Tragen von enger Kleidung im Intimbereich sollte vermieden werden. Ebenso sind Kleidungsstücke mit synthetischen Fasern gegen baumwollhaltige Kleidungsstücke auszutauschen. Der Unterleib ist ausreichend vor Kälteeinwirkung zu schützen.
Quellen
- Ommer, A., Mölle, B.-H. (Hrsg.): Chirurgische Proktologie.
ISBN: 9783662685099
- Stoll, M.: Repetitorium Proktologie.
ISBN: 9783662708576
- Herold, A., Schiedeck, T. (Hrsg.): Manual der Koloproktologie.
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- Gingert, C., Frei-Lanter, C., Adamina, M. (Hrsg.): Proktologie in Praxis und Notaufnahme.
ISBN: 9783662568132
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
