Hüftkopffraktur
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Unter einer Hüftkopffraktur versteht der Mediziner einen Knochenbruch des Oberschenkelknochenkopfes. Jene Fraktur tritt sehr selten auf; oftmals nur in Kombination mit einem Hüftpfannenbruch oder einer Luxation des Hüftgelenks. Damit jene Fraktur entsteht, muss eine enorme Krafteinwirkung von außen erfolgen. Eine gezielte Vorbeugung des Bruches selbst ist im Regelfall nicht möglich.
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Was ist eine Hüftkopffraktur?
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Am oberen Oberschenkelknochenende befindet sich der Hüftkopf. Jener wird von der Hüftpfanne umschlossen. Dabei bilden der Hüftkopf und die Hüftpfanne das Kugelgelenk der Hüfte. Das Kugelgelenk garantiert - auf Grund seiner Form - auch die enorme Bewegungsfreiheit, die der Mensch genießt. Denn der Oberschenkel kann sehr wohl in alle möglichen Richtungen bewegt werden.
Damit jene Bewegung garantiert bleibt, muss eine optimale Funktion zwischen dem Hüftkopf und der Hüftpfanne stattfinden, welche des Weiteren mit einer knorpeligen Gleitschicht überzogen ist. Jene kann mit einem Stoßdämpfer verglichen werden. Die Gelenkkapsel sorgt für die Abdichtung der Verbindung und produziert in weiterer Folge Flüssigkeit, welche für den Knorpel notwendig ist, damit eine reibungslose Bewegung möglich ist. Laut Pipkin, welcher die Hüftkopffraktur klassifiziert hat, wird - je nach Begleiterscheinungen und Lokation - die Fraktur in vier Typen unterteilt:
- Typ I: Hier entsteht eine Fraktur unterhalb der sogenannten Fovea capitis femoris; der Bruch entsteht somit außerhalb der bezeichneten Belastungszone.
- Typ II: Der Bruch des Hüftkopfs entsteht oberhalb der Fovea capitis femoris und damit innerhalb der Belastungszone; der Mediziner spricht von einer Fraktur, die in Kombination mit der Fovea capitis steht.
- Typ III: Mitunter ein Typ I oder Typ II, jedoch in Verbindung mit einem medialen Schenkelhalsbruch.
- Typ IV: Typ I oder Typ II in Verbindung mit einem Bruch der Hüftpfanne
Ursachen
Typisch ist die Verletzung beim Autounfall, wenn das gebeugte Knie gegen das Armaturenbrett stößt und der Hüftkopf dabei nach hinten aus der Gelenkpfanne gedrückt wird; ein Teil des Hüftkopfes bricht dann an der Pfannenkante ab. Bei älteren Menschen mit Osteoporose genügt dagegen schon ein Sturz aus dem Stand für einen hüftnahen Bruch – dabei handelt es sich allerdings meist um eine Schenkelhalsfraktur und nicht um einen Bruch des Hüftkopfes selbst.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Der Patient klagt vorwiegend über sehr starke Schmerzen. Es liegt des Weiteren eine Bewegungseinschränkung vor, die sich primär auf der betroffenen Seite bildet. Der Patient kann - im Rahmen einer derartigen Verletzung - weder gehen noch stehen. Handelt es sich um einen Typ III, können auch eine Verkürzung und eine Fehldrehung des betroffenen Beines auftreten. Jene Verkürzung ist auch bei einer Verletzung Typ IV möglich.
Im Rahmen einer solchen Fraktur ist es wichtig, dass eine sofortige medizinische Hilfe erfolgt. Der Patient muss, so schnell wie möglich, von einem Arzt versorgt werden. Dies vor allem deshalb, da der Betroffene nicht nur enorme Schmerzen ertragen muss, sondern es auch wichtig ist, für welche Therapie sich der Mediziner entscheidet. Bei Verdacht auf eine Hüftkopffraktur ist deshalb umgehend der Rettungsdienst über die Notrufnummer 112 zu alarmieren; der Betroffene sollte bis zum Eintreffen der Helfer nicht bewegt werden und das Bein keinesfalls belasten.
Jene ist schlussendlich dafür verantwortlich, ob und inwiefern Folgeschäden bleiben oder eine 100-prozentige Heilung stattfinden kann. In fast allen Fällen erfolgt eine operative Behandlung; nur bei Typ I der Verletzung kann davon ausgegangen werden, dass sich der Mediziner für eine konservative Therapie entscheidet.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Der Mediziner beginnt mit einer körperlichen Untersuchung. Dabei wird vorwiegend darauf geachtet, welche Schmerzen der Patient angibt und ob eine Einschränkung der Beweglichkeit vorliegt. Für den Mediziner ist vor allem auch interessant, ob der Patient gestürzt ist oder die Gewalteinwirkung von außen - etwa durch einen Autounfall (Aufprall) - entstand.
Damit sich der Mediziner vergewissern kann, dass es sich um eine Fraktur des Hüftkopfes handelt beziehungsweise welcher Typ vorliegt, werden Röntgenaufnahmen angefertigt. Mitunter können auch Computertomographie-Aufnahmen angeordnet werden, damit die Verletzung und der Typ bestätigt werden können. Im Normalfall können Mediziner jedoch bereits mittels Röntgenbild erkennen, dass eine Fraktur beziehungsweise welcher Typ vorliegt. Nach heutigem Standard gehört die Computertomographie bei einer Hüftkopffraktur allerdings regelhaft zur Abklärung: Nur sie zeigt die genaue Lage der Bruchstücke und begleitende Verletzungen der Hüftpfanne zuverlässig, die für die Wahl des Operationsverfahrens entscheidend sind.
Komplikationen
Oft kommt es auch zu einer Verkürzung und Fehldrehung des betroffenen Beines, die sich ebenso negativ auf die Bewegung des Betroffenen auswirkt. Die Hüftkopffraktur führt zu extrem starken und stechenden Schmerzen. Nicht selten fallen die Patienten direkt nach dem Unfall in Ohnmacht und müssen aus diesem Grund direkt versorgt werden. Die Schmerzen treten dabei auch in Form von Ruheschmerzen auf und können den Schlaf des Patienten negativ belasten.
Es kann dabei nicht garantiert werden, dass es zu einer vollständigen Heilung des Patienten kommt. In vielen Fällen treten auch nach der Behandlung noch Bewegungseinschränkungen und weitere Beschwerden ein. Die Belastbarkeit des Patienten ist deutlich verringert und es können oft keine sportlichen Betätigungen mehr ausgeführt werden.
Bei der Behandlung selbst kommt es in der Regel nicht zu besonderen Komplikationen. Diese findet durch operative Eingriffe statt und lindert die Beschwerden. Nicht selten werden Prothesen oder ein künstliches Gelenk benötigt.
Die wichtigste Spätfolge ist die Hüftkopfnekrose: Durch den Bruch und besonders durch eine begleitende Auskugelung des Gelenks kann die Blutversorgung des Hüftkopfes unterbrochen werden, sodass der Knochen Monate nach dem Unfall abstirbt. Häufig entwickelt sich in der Folge auch eine Hüftgelenksarthrose.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Da es sich bei der Hüftkopffraktur um einen Knochenbruch handelt, muss dieser in jedem Fall untersucht und behandelt werden. Es kommt nicht zu einer Selbstheilung und in der Regel auch zu einem falschen Verwachsen, falls diese Fraktur nicht von einem Arzt behandelt wird. Der Arzt ist dann aufzusuchen, wenn es in der betroffenen Region zu sehr starken Schmerzen kommt. In der Regel sind die Schmerzen mit Bewegungseinschränkungen verbunden. Vor allem nach einem Unfall oder nach einem heftigen Schlag können diese Beschwerden auf die Hüftkopffraktur hindeuten und sollten von einem Arzt untersucht werden.
In einigen Fällen können die Schmerzen so stark sein, dass der Betroffene das Bewusstsein verliert und in Ohnmacht fällt. Dann sollte über die Notrufnummer 112 ein Notarzt gerufen oder der Betroffene in ein Krankenhaus befördert werden. Ist der Betroffene nicht mehr ansprechbar, atmet aber normal, wird er bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes in die stabile Seitenlage gebracht. Die Behandlung der Hüftkopffraktur erfolgt meist durch einen operativen Eingriff. Dabei kommt es bei jüngeren Betroffenen in der Regel nicht zu besonderen Komplikationen, sodass ihre Lebenserwartung von der Fraktur nicht negativ beeinflusst wird. Bei älteren Menschen ist ein hüftnaher Bruch dagegen ein prognostisch ernstes Ereignis: Ein erheblicher Teil der Betroffenen erreicht die frühere Selbstständigkeit nicht wieder, und die Sterblichkeit im ersten Jahr nach dem Bruch ist deutlich erhöht.
Behandlung & Therapie
Welche Therapie gewählt wird, hängt vor allem auch davon ab, welche Lokation der Bruch aufweist, welche Begleiterscheinungen festgestellt wurden und wie alt der Patient ist. Liegt eine Fraktur nach Typ I vor, so wird eine Reposition des Hüftkopfs durchgeführt. Dabei wird eine exakte Adaption der Fragmente geschaffen. Hier handelt es sich um eine klassische konservative Therapie. In den meisten Fällen wird bei Typ I-Frakturen nicht operiert.
Bei Typ II wird hingegen eine Versorgung mittels Schrauben durchgeführt. Dabei spricht der Mediziner von einer osteosynthetischen Verschraubung; der Hüftkopf wird dabei mittels Schrauben verstärkt. Jene Therapie kann nur operativ erfolgen.
Liegen Frakturen der Typen III oder IV vor, spielt vor allem das Alter des Patienten eine wesentliche Rolle. Bei jüngeren Patienten erfolgt, sofern möglich, die sogenannte osteosynthetische Versorgung. Bei älteren Patienten wird im Regelfall eine Hüftgelenk-Endoprothese eingesetzt. Damit sollen in weiterer Folge auch anhaltende Beschwerden, die im Rahmen des Unfalls entstanden sein könnten, behoben werden.
Vor allem die Hüftgelenk-Endoprothese hat - bei älteren Patienten - für erfolgreiche Therapien gesorgt. Der Zeitpunkt spielt dabei eine große Rolle: Ist das Hüftgelenk zugleich ausgekugelt, muss es so früh wie möglich – möglichst innerhalb der ersten sechs Stunden – wieder eingerenkt werden, weil sonst das Risiko einer Hüftkopfnekrose stark ansteigt. Bei älteren Menschen mit einem hüftnahen Bruch gilt heute außerdem, dass die Operation nach Möglichkeit innerhalb von 24 Stunden erfolgen soll, da dies die Beweglichkeit und das Überleben im ersten Jahr deutlich verbessert. Wichtig ist, dass - ganz egal, welcher Typ beim Patienten festgestellt wurde - Physiotherapie betrieben wird, damit einerseits der Oberschenkelknochen gestärkt und andererseits etwaige Mobilitätseinschränkungen verhindert werden können.
Vorbeugung
Einer Fraktur des Hüftkopfes kann nicht vorgebeugt werden. Da sich jene Verletzung im Rahmen eines Unfalls bildet, kann vorwiegend nur gesagt werden, dass Vorsicht geboten ist und Stürze vermieden werden sollten. Ein Rezept, wie einer dementsprechenden Fraktur vorgebeugt werden kann, gibt es dahingehend nicht.
Bei älteren Menschen lässt sich das Risiko hüftnaher Brüche allerdings sehr wohl senken. Als wirksamste Maßnahmen gelten die konsequente Behandlung einer Osteoporose und eine gezielte Sturzprophylaxe: Kraft- und Gleichgewichtstraining, eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Kalzium, die Überprüfung von Medikamenten, die schwindelig oder müde machen, sowie das Beseitigen von Stolperfallen in der Wohnung. Nach einem hüftnahen Bruch gehören beide Punkte fest zur Nachsorge, weil das Risiko für einen zweiten Bruch danach besonders hoch ist.
Nachsorge
Unfälle und enorme Gewalteinwirkungen sorgen ursächlich für eine Hüftkopffraktur. Sie treten rein zufällig auf. Die Nachsorge kann damit anders als bei Tumorerkrankungen den Wiedereintritt der Beschwerden nicht verhindern. Eine frühzeitige Diagnose stellt auf Grund des akuten Auslösers keine Option dar. Trotzdem werden planmäßige Nachuntersuchungen fällig.
Der Therapierahmen gibt dafür Anlass. Gerade ältere Personen benötigen auf Grund der verminderten körperlichen Regenerationskraft oft eine langfristige Behandlung. Die Nachsorge beinhaltet vor allem eine Physiotherapie. In den Übungseinheiten werden die Muskulatur gestärkt und Mobilitätseinschränkungen behoben. Daran schließen sich selbstverantwortete Regenerationseinheiten zuhause an.
Eine Nachsorge beinhaltet im Allgemeinen Pflichttermine, in denen der Krankheitsfortgang analysiert wird. Auch bei einer Hüftkopffraktur ist ein solches Verfahren angezeigt. Arzt und Patient vereinbaren dazu einen individuellen Rhythmus, der der Beschwerdesituation entspricht. Neben einer ausführlichen körperlichen Untersuchung besitzen bildgebende Verfahren bei der Beurteilung des Krankheitsverlaufs Bedeutung.
Vor allem Röntgenaufnahmen, aber auch eine Computertomographie garantieren eine eindeutige Diagnose. Auch die Motorik und Durchblutung werden seitens des Arztes beurteilt. Die Ausführlichkeit der Erhebung gründet darauf, dass sich eine Hüftkopffraktur zu einer Arthrose weiterbilden kann. Diese ungünstige Komplikation ist in jedem Fall zu vermeiden. Kontrolliert wird dabei auch, ob sich eine Hüftkopfnekrose entwickelt; dafür ist die Magnetresonanztomographie das entscheidende Verfahren, da sich das Absterben des Knochens im Röntgenbild erst spät zeigt. Bei älteren Betroffenen gehören außerdem die Abklärung und Behandlung einer Osteoporose sowie ein Sturzprophylaxe-Programm zur Nachsorge.
Das können Sie selbst tun
Bei einer Hüftkopffraktur versucht der Patient, die Erfolgsaussichten des chirurgischen Eingriffs durch unterstützende Maßnahmen zu verbessern. Unmittelbar nach der Operation ist der Patient dazu angehalten, eine Ruheposition beizubehalten und Belastungen der Hüfte sowie des gesamten Bewegungsapparates zu vermeiden. Während dieser Phase erfolgt üblicherweise eine strenge ärztliche Überwachung des Patienten, wobei der Betroffene sämtliche Ratschläge des Arztes und der Pflegekräfte zu befolgen hat. Stress und Aufregung sind zu vermeiden, außerdem unterstützt eine gesunde Ernährung die Erholung des Körpers nach der Operation.
Sobald der Patient nach der stationären Behandlung in seine gewohnte Lebensumgebung zurückkehrt, nimmt er weiterhin Rücksicht auf seine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit. Der Betroffene vermeidet zu starke physische Belastungen und gönnt sich ausreichend Ruhe, um die Heilung zu fördern. Zudem achtet er auf eine adäquate Wundpflege und holt sich bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten die Hilfe anderer Personen. Mittels ärztlich empfohlener Salben und Schmerzmedikamente sind unangenehme Nachwirkungen der Operation im Bereich der Hüfte zu lindern.
Meist schließt eine physiotherapeutische Behandlung zur Wiederherstellung der Beweglichkeit an, wobei der Patient durch regelmäßige Durchführung der verordneten Übungen zu Hause die Heilungschancen positiv beeinflusst. Oft sind zusätzliche Übungseinheiten möglich, die in jedem Fall mit dem Therapeuten abzustimmen sind.
Quellen
- Niethard, F. U., Biberthaler, P., Pfeil, J.: Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783132443136
- Wirth, C.-J., Mutschler, W., Kohn, D., Pohlemann, T. (Hrsg.): Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie.
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- Grifka, J., Kuster, M. (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie.
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- Fleischmann, T., Hohenstein, C., Sauer, D. (Hrsg.): Klinische Notfallmedizin und Akutmedizin.
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- Konrads, C., Rudert, M.: Klinische Tests und Untersuchung in Orthopädie und Unfallchirurgie.
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