Mesiodentes

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. Februar 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Der Mesiodens ist ein überzähliger Zahn zwischen Zahn 11 und 21 oder 31 und 41. Durch den überzähligen Zahn werden die benachbarten Zähne in der Regel am Durchbruch gehindert oder im Wachstum eingeschränkt. Die Therapie eines Mesiodens erfolgt in den meisten Fällen inform einer operativen Entfernung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Mesiodens?

Der Mesiodens kann sich bei Kindern durch einen ektopischen, asymmetrischen oder verzögerten Durchbruch eines Schneidezahns oder beider Schneidezähne äußern.
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In die Krankheitsgruppe der Hyperdontonie fallen verschiedene Arten der Zahnüberzahl im menschlichen Gebiss. Das Mesodiens ist eine solche Zahnüberzahl. Wörtlich übersetzt bedeutet der lateinische Ausdruck „zur Mitte des Zahnbogens hin“. Der überzählige Zahn ist in den meisten Fällen atypisch geformt oder verkümmert und liegt beim Mesodiens bevorzugt zwischen Zahn 11 und Zahn 21, also zwischen den obenliegenden Mittelschneidezähne.

Seltener wird eine Mesodiens zwischen Zahn 31 und Zahn 41 beobachtet. Die Häufigkeit liegt schätzungsweise bei höchstens zwei Prozent. In einem Verhältnis von 2:1 sind Männer doppelt so häufig von dem Phänomen betroffen. In seltenen Fällen kann die Diagnose Mesodiens auch mehrere, überzählige Zähne beinhalten. Der Mesiodens wird auch als Zapfenzahn bezeichnet und entwickelt sich in aller Regel schneller als seine Nachbarzähne.

Dadurch ist der überzählige Zahn meist retiniert. Zu zahnmedizinischer Relevanz gelangt der Mesiodens erst, wenn durch Durchbruch der normalen Zähne aufgrund des überzähligen Zahns gestört ist. Trotz der geringen Prävalenz ist der Mesiodens die häufigste Art der Hyperdontie.

Ursachen

Es gibt drei verschiedene Theorien zur Ätiologie der Mesiodentes. Einige Autoren gehen von einer phylogenetischen Reversionserscheinung aus. Der Mesiodens ist nach dieser Theorie ein Atavismus und stammt von den menschlichen Vorfahren, die laut der Theorie drei mittlere Schneidezähne besaßen. Damit tritt der Mesiodens am Menschen gelegentlich durch eine zufällige Expression früherer Gene auf.

Mittlerweile gilt diese Theorie durch embryologische Untersuchungen annähernd als widerlegt. Die Theorie der Dichotomie beruft sich auf den Zusammenhang, dass dich Zahnanlagen im Verlauf der Entwicklung teilen und auf diese Weise eine zusätzliche Zahnanlage entstehen lassen können. Die Hypothese der Gewebshyperaktivität ist mittlerweile allerdings die mit der weitesten Verbreitung.

Gemäß dieser Hypothese entsteht die zusätzliche Zahnanlage durch eine Hyperaktivität der lamina dentalis. Eine Zellabkapselung aktiver Zellen soll demnach für die zusätzliche Zahnanlage verantwortlich sein. Die Theorien werden kontrovers diskutiert, sodass die Ursachenforschung bislang nicht als abgeschlossen gilt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Der Mesiodens kann sich bei Kindern durch einen ektopischen, asymmetrischen oder verzögerten Durchbruch eines Schneidezahns oder beider Schneidezähne äußern. Grundsätzlich kann der Mesiodens aber auch invertiert liegen. Die Wurzelspitze weist dann in Richtung der Mundhöhle. Wann sich ein Mesiodens symptomatisch manifestiert, kann variieren. Mesiodentes können schon im Milchgebiss auftreten und heißen dann supplementär.

Wenn sie sich erst im permanenten Gebiss zeigen, ist von rudimentären Mesiodentes die Rede. Ein Mesiudens kann verschiedene Formen annehmen. Die verbreitetsten Formen sind die konische, die tubuläre und die molariforme Form. Durch den Mesiodens verschieben sich symptomatisch gegebenenfalls die benachbarten Zähne. Dieses Symptom ist aber weniger verbreitet als der verzögerte Durchbruch der Nachbarzähne. Nur in den seltensten Fällen bricht der Mesiodens spontan durch.

Diagnose & Krankheitsverlauf

In den meisten Fällen handelt es sich bei Mesiodentes um Zufallsbefunde. Fast immer sind die überzähligen Zähne nur röntgenologisch nachweisbar. Bei Erwachsenen findet die Diagnostik meistens im Rahmen eines Zufallsbefunds innerhalb des OPGs statt. Die Sicherung der Diagnose erfolgt durch zwei apikale Zahnfilmaufnahmen in unterschiedlichen Projektionen. Mit diesem Aufnehmen wird vor allem die Lage des Zahns im direkten Verhältnis zu den benachbarten Zahnwurzeln bestimmt.

Die alternative Diagnostik des Mesiodens kann computertomographisch stattfinden. Diese Alternativdiagnostik wird innerhalb von Zahnarztpraxen allerdings nur selten genutzt, da sie mit einer höheren Strahlenbelastung verbunden ist und die meisten Zahnarztpraxen darüber hinaus kein CT-Gerät besitzen. Die Prognose für Patienten mit Mesiodens ist günstig.

Komplikationen

Aufgrund des Mesiodentes kommt es zu einem zusätzlichen Zahn im Mundraum des Patienten. Dieser wirkt sich sehr negativ auf die Gesundheit der anderen Zähne aus und kann dabei zu verschiedenen Komplikationen und Beschwerden im Mundraum kommen. In der Regel kommt es dabei zu Störungen des Wachstums der Zähne und zur Verschiebung der gesunden Zähne. Die Betroffenen leiden daher an Zahnschmerzen und an Schmerzen am Gebiss.

In vielen Fällen kommt es dabei zu einer asymmetrischen Anordnung der Zähne, sodass auch die Ästhetik der Patienten von dieser Krankheit deutlich betroffen ist. Die Diagnose dieser Beschwerde erfolgt relativ schnell und einfach, sodass auch eine frühzeitige Behandlung stattfinden kann. Dabei treten in der Regel keine Komplikationen auf und die überzähligen Zähne können einfach entfernt werden.

Damit es nicht zu Folgeschäden kommt, muss die Behandlung dabei schon in einem frühen Alter stattfinden. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird durch den Mesiodentes nicht beeinflusst. Bei Kindern können die Symptome zu Mobbing oder zu Hänseleien führen. In der Regel kommt es im Erwachsenenalter nicht zu Komplikationen, wenn schon eine frühzeitige Behandlung stattfindet.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Treten Schmerzen im Mund oder Rachen auf, sollte ein Arzt konsultiert werden. Kommt es zu Beeinträchtigungen bei der Nahrungsaufnahme, einem Appetitverlust oder Schmerzen im Kiefer, wird ein Arzt benötigt. Bei Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder einem Druckgefühl im Kopf liegt eine Unregelmäßigkeit vor, die untersucht und behandelt werden muss. Nehmen die Beschwerden über mehrere Tage oder Wochen an Intensität zu, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es zu Blutungen im Mund oder tritt Eiter aus, besteht Anlass zur Besorgnis. Bei einem unangenehmen Geschmack im Mund oder Mundgeruch ist ein Arztbesuch anzuraten.

Trägt der Betroffene eine Zahnspange oder befindet sich Zahnersatz im Mund, der plötzlich Beschwerden auslöst, sollte ein Arzt konsultiert werden. Verschiebungen der Zähne oder ein Schmerzempfinden bei Druckausübung sind untersuchen zu lassen. Die Einnahme eines schmerzstillenden Medikaments ist grundsätzlich mit einem Arzt zu besprechen. Dem Betroffenen drohen verschiedene Nebenwirkungen und Komplikationen, die rechtzeitig ausgeschlossen werden müssen. Da im Allgemeinen auftretende Schmerzen im Bereich der Zähne einen zunehmenden Charakter haben und keine Spontanheilung zu erwarten ist, wird ein Arztbesuch bereits bei den ersten Anzeichen einer Unregelmäßigkeit empfohlen. Kann ertastet oder beobachtet werden, dass Zähne allmählich und langsam an ungewöhnlichen Stellen im Kiefer durchbrechen, ist ein Arztbesuch vonnöten.

Behandlung & Therapie

Bei spontan durchgebrochenen Mesiodentes werden die überzähligen Zähne meist extrahiert. Da Mesiodentes nur in den seltensten Fällen zum spontanen Durchbruch gelangen, ist die operative Entfernung allerdings die häufigere Therapieoption. Wenn kein spontaner Durchbruch erfolgt, handelt es sich bei der operativen Intervention um die einzige Behandlungsmöglichkeit. Die Wahl des richtigen Zeitpunkts entscheidet über den Behandlungserfolg der Entfernung.

Wenn Mesiodentes zu früh entfernt werden, könnten permanente Zähne im Wachstum bei der Operation an ihren Wurzeln beschädigt werden. Bei einer zu späten Entfernung gilt eine Zystenbildung als Risiko. Außerdem könnte der Mesiodens bei einer verzögerten Entfernung die benachbarten Zahnwurzeln resorbieren. Falls der überzählige Zahn die benachbarten Zähne nicht am Durchbruch hindert und auch für kieferorthopädische Behandlungen kein Hindernis darstellt, warten Zahnärzte bis zur operativen Entfernung in den meisten Fällen ab.

Diese nehmen sie meist dann erst vor, wenn das Wachstum an den Wurzeln der benachbarten Zähne zu einem Abschluss gekommen ist. In der Wartezeit erfolgen regelmäßige Röntgenkontrollen des überzähligen Zahns. Viele Mesiodentes bleiben zeitlebens symptomfrei. Trotz dessen sollten Mesiodentes spätestens nach dem Abschluss des Wurzelwachstums operativ entfernt werden, da die Patienten sonst lebenslang die Bildung von Zahnzysten zu befürchten haben.


Aussicht & Prognose

Die Prognose der Mesiodentes ist günstig. Bei einer Vielzahl der Betroffenen wird keine medizinische Versorgung benötigt. Sofern keine Beschwerden eintreten, kann der Betroffene lebenslang mit der Überzahl der vorhandenen Zähne ohne gesundheitliche Störungen verbringen. Treten keine Auffälligkeiten auf, klärt meist nur ein Zufallsbefund über das Vorhandensein der zusätzlichen Zähne im Kiefer auf.

Kommt es zu Beschwerden wie Schmerzen oder ein Schiefstand der Zähne, kann nur eine medizinische Behandlung Abhilfe verschaffen. Andernfalls verschlechtert sich die Prognose und es ist über die Lebensspanne mit einer Zunahme von gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu rechnen. Sobald der Betroffene in diesen Fällen eine medizinische Versorgung in Anspruch nimmt, wird eine Entfernung der betroffenen Zähne eingeleitet.

Wenngleich der operative Eingriff grundsätzlich mit Risiken verbunden ist, handelt es sich hierbei um einen routinierten Vorgang, der meist störungsfrei verläuft. Innerhalb weniger Tage oder Wochen ist im Anschluss an die chirurgische Entfernung der überschüssigen Zähne mit einer Beschwerdefreiheit zu rechnen. Verläuft die Wundheilung störungsfrei, treten keine weiteren Beeinträchtigungen mehr auf. Eine Wiederkehr der Erkrankung ist nicht möglich. Kommt es zu Störungen im Wundheilungsprozess, verlängert sich der sonst übliche Heilungsweg. Ruhe und Schonung sind notwendig, damit eine Genesung ermöglicht wird. Folgeerkrankungen oder psychische Belastungen treten nicht auf.

Vorbeugung

Die Ursachen für Mesiodentes sind bisher nicht abschließend geklärt, sondern werden bis heute kontrovers diskutiert. Da die Ursache nicht zweifellos feststeht, können auch keine erfolgsversprechenden Vorbeugemaßnahmen für Mesiodentes existieren.

Die regelmäßige Kontrolle auf Mesiodentes kann eine Früherkennung vereinfachen. Allerdings erfolgt diese Kontrolle durch Röntgenbildgebung, die mit hoher Strahlenbelastung assoziiert ist. Da der Mesiodens eher selten ist, lohnt sich auch dieser Schritt kaum.

Nachsorge

Eine Mesiodentes kann zu vielen Komplikationen oder Beschwerden führen, sodass der Betroffene bei dieser Krankheit auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen sollte. Dabei wirkt sich eine frühzeitige Diagnose sehr positiv auf den weiteren Verlauf aus und kann dabei auch weitere Beschwerden und Komplikationen verhindern. Durch die Krankheit leiden die meisten Betroffenen an einem zusätzlichen Zahn, der sich im Mundraum befindet und dabei die Einnahme von Nahrung und von Flüssigkeiten deutlich erschweren kann.

Wird die Erkrankung nicht frühzeitig erkannt, so kommt es auch zu Verschiebungen der Milchzähne und der festen Zähne, sodass auch ästhetische Beschwerden auftreten können. Vor allem bei Jugendlichen und bei Kindern kann dies zu Mobbing oder zu Hänseleien führen. Die Krankheit kann relativ gut behandelt werden, sodass keine weiteren Komplikationen bei einer erfolgreichen Behandlung auftreten. Dabei wird auch die Lebenserwartung des Betroffenen durch die Erkrankung nicht eingeschränkt.

Das können Sie selbst tun

Die Therapie eines überzähligen Zahns erfolgt fast immer inform eines operativen Eingriffs. Der Patient kann nur wenig zur Besserung beitragen. Wichtig ist allerdings, dass die Störung rechtzeitig erkannt wird, da ein Mesiodentes häufig die Entwicklung benachbarter Zähne stören oder deren Durchbruch verzögern und die Kieferästhetik negativ beeinträchtigen kann. Dabei sollten Eltern einen verzögerten Durchbruch der Vorderzähne immer zum Anlass für eine gründliche zahnärztliche Untersuchung nehmen. Sofern tatsächlich ein Mesiodentes vorliegt, ist die Bestimmung des Zeitpunkts für die operative Entfernung ein kritischer Aspekt. Hier sollte immer eine zweite Meinung eingeholt werden. Bei einer Entfernung im Kindesalter besteht das Risiko, die noch im Wachstum befindlichen Wurzeln der Zähne im Operationsbereich zu schädigen. Andererseits steigt bei einer späten Entfernung das Risiko einer Zystenbildung sowie die Gefahr, dass der Mesiodentes die Wurzeln der Nachbarzähne resorbiert.

Sofern der Mesiodentes die Entwicklung der benachbarten Zähne nicht beeinträchtigt und auch eine gegebenenfalls aus anderen Gründen erforderliche kieferorthopädische Behandlung nicht behindert, kann zunächst abgewartet werden. Der überzählige Zahn muss dabei aber beständig beobachtet werden. Der Patient sollte deshalb alle zahnärztlich empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen auch tatsächlich wahrnehmen.

Quellen

  • Gängler, P., et al.: Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Ott, R., Vollmer, H.P., Krug, W.: Klinik- und Praxisführer Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2003
  • Weber, T.: Memorix Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2016

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