Morbus Panner

Als Morbus Panner wird eine Knochennekrose des Ellenbogens bezeichnet. Die Erkrankung zeigt sich hauptsächlich im Kindes- und Jugendalter.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Morbus Panner?

Für die Diagnose von Morbus Panner sind mehrere Schritte erforderlich. So erfolgt zunächst die Anamnese des Patienten.
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Bei Morbus Panner handelt es sich um eine aseptische Knochennekrose, die am Ellenbogengelenk vorkommt. Betroffen von der Krankheit sind in erster Linie Kinder und Jugendliche. So tritt Morbus Panner besonders bei Kindern im Alter zwischen 6 sechs und zehn Jahren auf. Bei erwachsenen Menschen ist die Knochennekrose dagegen kaum zu verzeichnen.

Das männliche Geschlecht ist deutlich häufiger von der orthopädischen Erkrankung betroffen als das weibliche Geschlecht. Am Capitulum humeri, der äußeren Oberarmrolle, entsteht eine Zone, deren Knochengewebe abgestorben ist. Mediziner nennen diesen Vorgang auch Osteonekrose. In der Regel tritt Morbus Panner am rechten Arm auf, weil dieser als dominierende Gliedmaße fungiert. Nicht selten besteht zudem am rechten Arm eine verstärkte Belastung durch sportliche Aktivitäten.

Zu unterscheiden ist Morbus Panner von der Osteochondritis dissecans, bei der es sich ebenfalls um eine Durchblutungsstörung an der äußeren Oberarmrolle handelt. Auch hier sind häufig sportlich aktive Kinder betroffen. Allerdings dehnt sich die Durchblutungsstörung beim Morbus Panner mehr aus.

Die Prognose wird jedoch als günstiger eingeschätzt als der Verlauf der Osteochondritis dissecans. Die Bezeichnung Morbus Panner geht auf den Radiologen Hans Jessen Panner (1871-1930) aus Dänemark zurück.

Ursachen

Wodurch Morbus Panner verursacht wird, konnte bis in die heutige Zeit nicht genau ergründet werden. Verantwortlich für die Knochennekrose sind Durchblutungsstörungen an der Wachstumsfuge am unteren Oberarmknochenbereich oder an weiteren Knochenstrukturen des Ellenbogens.

Verschiedene Mediziner nehmen an, dass regelmäßig einsetzende Mikrotraumen, die durch sportliche Aktivitäten oder andere körperliche Belastungen einsetzen, der Auslöser für die Entstehung der Krankheit sind und eine verminderte Durchblutung nach sich ziehen.

Dabei handelt es sich um Sportarten, die zu einer Belastung des Ellenbogengelenks führen, wie zum Beispiel Speerwerfen oder Tennis. Ebenso können Durchblutungsstörungen eine Rolle spielen, die nicht traumatisch bedingt sind. So zeigt sich Morbus Panner in einigen Familien auffällig oft. Mediziner vermuten deshalb auch erblich bedingte Faktoren.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Morbus Panner lässt sich in drei unterschiedliche Stadien einteilen:

  • Im ersten Stadium setzt eine zunehmende Verdichtung des betroffenen Knochens ein.
  • Im zweiten Stadium beginnt der Zerfall des erkrankten Knochenbereiches.
  • Das dritte Stadium umfasst die Zerstörung des Ellenbogenknochens. Dabei wird auch die angrenzende Wachstumsfuge in Mitleidenschaft gezogen.
  • Das vierte Stadium trägt auch die Bezeichnung Regenerationsstadium, weil sich in dessen Verlauf die Wachstumsfuge wieder erholt.

Die Symptome, die im Rahmen von Morbus Panner auftreten, gelten als unspezifisch, weil sie sich auch anderen Erkrankungen des Ellenbogengelenks zuordnen lassen. In der Regel leiden die betroffenen Kinder unter Schmerzen am Ellenbogen, die sich im weiteren Verlauf verstärken, was besonders bei Belastungen des Ellenbogens der Fall ist. Im Ruhezustand lassen die Schmerzen deutlich nach. Ohne eine Behandlung kommt es jedoch nur selten zu schmerzfreien Abschnitten.

Weitere Symptome von Morbus Panner sind Schwellungen am Ellenbogen sowie die zunehmende Versteifung des Gelenks. In manchen Fällen dauert die Versteifung mehrere Monate. Außerdem bestehen zumeist Bewegungseinschränkungen. Ebenfalls möglich sind knirschende und reibende Geräusche am Ellenbogengelenk.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Für die Diagnose von Morbus Panner sind mehrere Schritte erforderlich. So erfolgt zunächst die Anamnese des Patienten. Dabei befragt der Arzt das Kind und dessen Eltern, wie lange und an welcher Stelle die Beschwerden auftreten. Auch die Lebensgewohnheiten des Kindes sind von Bedeutung. Des Weiteren findet eine gründliche körperliche Untersuchung des Kindes statt. Dabei überprüft der Arzt nicht nur den Ellenbogen, sondern auch die Nachbargelenke.

Wichtig sind Abweichungen von der Gelenkachse sowie Schwellungen und Rötungen. Als wichtiger Hinweis auf Morbus Panner gilt das Auslösen eines Druckschmerzes am Ellenbogen. Erhärtet sich der Verdacht auf Morbus Panner, werden Röntgenuntersuchungen vorgenommen. Auf dem Röntgenbild ist normalerweise die Osteonekrose in Form einer deutlichen Aufhellung am Capitulum humeri zu erkennen. Nicht selten findet auch eine Kernspintomographie (MRT) statt.

Morbus Panner zählt zu den chronischen Erkrankungen und kann bis zu drei Jahre andauern. Grundsätzlich gilt die Prognose jedoch als günstig. Nach mehreren Monaten heilt die Erkrankung oftmals spontan. Es kann aber auch ein ungünstiger Krankheitsverlauf eintreten, der eine Operation nötig werden lässt.

Komplikationen

Durch den Morbus Panner kommt es vor allem bei Kindern zu verschiedenen Beschwerden, die an den Knochen auftreten und dadurch die Lebensqualität des Patienten erheblich verringern. In erster Linie kommt es zu einer Verdichtung und weiterhin auch zu einer Zerstörung der Knochen. Vor allem die Knochen am Ellenbogen werden davon betroffen, sodass es in diesen Regionen zu starken Schmerzen kommt.

Vor allem bei Kindern kann der Morbus Panner zu deutlichen Einschränkungen in der Entwicklung und im Wachstum führen. Es kommt dabei auch zu Schwellungen und zu einer Versteifung der Gelenke. Nicht selten treten die Versteifungen auch dauerhaft auf, sodass es zu erheblichen Einschränkungen im Alltag des Betroffenen kommt. Am Ellenbogengelenk kommt es dabei auch zu verschiedenen Geräuschen.

Der Betroffene muss dabei hohe Belastungen und anstrengende Bewegungen vermeiden, damit es nicht zu weiteren Komplikationen kommt. In den meisten Fällen kann der Morbus Panner mit Hilfe von Medikamenten eingeschränkt und behandelt werden. Weiterhin können auch operative Eingriffe notwendig sein, um die Beschwerde dauerhaft zu lösen. Komplikationen treten dabei allerdings nicht auf und auch die Lebenserwartung des Patienten wird durch diese Krankheit in der Regel nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Zur Risikogruppe von Morbus Panner gehören insbesondere Kinder und Jugendliche. Daher sollten vorrangig Eltern, die bei ihrem Nachwuchs Auffälligkeiten und Veränderungen im Bereich des Ellenbogens wahrnehmen, besonders wachsam sein. Halten die Beschwerden über eine längere Zeit an oder zeichnet sich eine Zunahme der Symptome ab, ist eine ärztliche Abklärung zu empfehlen. Ein Arztbesuch ist bereits notwendig, sobald das Kind wiederholt Beschwerden oder Unwohlsein äußert. Kommt es zu Störungen der Durchblutung, einem unangenehmen Gefühl im Ellenbogen oder Veränderungen des Skelettsystems, wird ein Arzt benötigt. Eine Verdickung der Knochen ist charakteristisch für die Erkrankung und muss einem Arzt vorgestellt werden.

Treten Bewegungseinschränkungen oder sonstige Störungen der Mobilität auf, ist eine Abklärung der Beschwerden anzuraten. Nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit oder allgemeine Belastbarkeit ab, ist dies als Warnhinweis des Organismus zu verstehen. Ein Arztbesuch ist nötig, sobald die schulischen oder alltäglichen Verpflichtungen nicht mehr erfüllt werden können. Eine ungewöhnliche Geräuschentwicklung bei einer Bewegung, Schmerzen oder eine Versteifung des Gelenks sind untersuchen und behandeln zu lassen.

Zeigt der Betroffene Auffälligkeiten der Stimmung oder des Verhaltens kann dies ebenfalls als Anzeichen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung interpretiert werden. Ein Arzt ist aufzusuchen, wenn es anhaltend zu emotionalen Beschwerden kommt und innerhalb weniger Wochen keine Linderung des psychischen Zustandes eintritt.

Behandlung & Therapie

Zur Behandlung von Morbus Panner reicht es oftmals, auf stärkere Belastungen zeitweilig zu verzichten. Darüber hinaus werden die Symptome der Erkrankung behandelt. Dazu gehört in erster Linie die Linderung der Schmerzen, indem das Kind spezielle Schmerzmittel wie nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) erhält. Auch das Anlegen von Salbenverbänden mit einem Antiphlogistikum wie Diclofenac ist möglich.

Handelt es sich um einen hartnäckigen Fall, kann der betroffene Arm auch für einige Wochen mit einer Schiene ruhiggestellt werden. In der Regel lassen dann die Schmerzen und die Schwellung spontan nach. In seltenen Fällen ist auch eine ungünstige Entwicklung von Morbus Panner möglich. Dann wird die Krankheit durch eine Operation behandelt. Als OP-Methoden kommen das Entfernen von freien Gelenkkörpern oder Pridie-Bohrungen in Betracht.

Mitunter reicht auch schon eine Arthroskopie des Ellenbogens aus. Dabei lässt sich der Entzündungsherd mithilfe eines Endoskops behandeln. Liegt eine Ablösung des abgestorbenen Knochenbereichs vor, entfernt der Chirurg diesen, was im Rahmen der Arthroskopie durchführbar ist.

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Aussicht & Prognose

Morbus Panner bietet im Allgemeinen eine relativ gute Prognose. Die Erkrankung heilt gelegentlich spontan aus. Auch nach einer mehrjährigen Krankheitsgeschichte ist eine Spontanheilung möglich. Bleibende Beschwerden sind bei einem positiven Verlauf in der Regel nicht zu erwarten.

Bei einem ungünstigen Verlauf ist ein operativer Eingriff wie etwa die Arthroskopie des Ellenbogens notwendig, um bleibende Schäden am Ellenbogen zu vermeiden. Bis zur Genesung treten zudem eine Reihe von Symptomen auf, welche die Lebensqualität beeinträchtigen. Problematisch sind insbesondere die starken Schmerzen und die Bewegungseinschränkungen. Oftmals können die Betroffenen ihren Beruf nicht weiter ausüben und sind auch bei alltäglichen Aufgaben eingeschränkt. Langfristig können sich aus diesen Beschwerden auch seelische Erkrankungen entwickeln, welche die Prognose verschlechtern.

Grundsätzlich bietet Morbus Panner jedoch die Aussicht auf eine vollständige Genesung. Die Lebenserwartung wird durch das Leiden nicht eingeschränkt. Die genaue Prognose stellt der zuständige Facharzt im Hinblick auf das Symptombild und den bisherigen Krankheitsverlauf. Patienten, die im Rahmen anderer Knochennekrose an Morbus Panner erkrankt sind, benötigen eine individuelle Prognose, die auch die Symptome der begleitenden Erkrankungen einbezieht.

Vorbeugung

Wirksame Vorbeugemaßnahmen gegen Morbus Panner sind nicht bekannt. So ließ sich die auslösende Ursache bislang nicht präzise feststellen.

Nachsorge

Patienten mit Morbus Panner haben die Möglichkeit, verschiedene Maßnahmen der Nachsorge durchzuführen. Im eigenen Interesse schöpfen sie die Potenziale zur Nachsorge aus, damit die Beschwerden im Ellbogen vollständig heilen und der Arm langfristig belastbar und einsatzfähig bleibt. Patienten mit einem günstigen Krankheitsverlauf beachten alle ärztlichen Anweisungen und reduzieren für einen bestimmten Zeitraum die Belastungen, die auf den Arm einwirken.

Dies gilt beispielsweise für sportliche Aktivitäten oder anstrengende Bewegungen im Alltag. Nach der Heilung schonen die Betroffenen den erkrankten Arm weiterhin für eine Weile. In schwierigeren Fällen ist es notwendig, dass die Patienten mit Morbus Panner den Arm für einige Wochen ruhigstellen. Zur Nachsorge gehört dann, den Ellbogen langsam wieder an Belastungen zu gewöhnen und die Flexibilität der Sehnen allmählich wieder zu steigern.

Die Patienten unterziehen sich ärztlichen Kontrolluntersuchungen, um den Erfolg der Therapie langfristig zu sichern. In manchen Fällen sind Patienten mit Morbus Panner jedoch von einem schwereren Verlauf betroffen. Dann sind unter Umständen operative Eingriffe notwendig, damit der Arm keine langfristigen Schäden von der Erkrankung trägt. Nach der Operation sind Maßnahmen der Nachsorge besonders bedeutsam. So achten die Patienten darauf, die Wundheilung durch Hygiene und vorsichtige Narbenpflege zu unterstützen und den Arm nicht übermäßig zu belasten.

Das können Sie selbst tun

Morbus Panner bedarf in der Regel keiner umfassenden Behandlungsmaßnahmen. Die Patienten sollten stärkere Belastungen vermeiden und gegebenenfalls den erkrankten Arm ruhigstellen. Die verordneten Salben können in Rücksprache mit dem Arzt um diverse alternative Mittel ergänzt werden. Bewährt haben sich lindernde Salben sowie kühlende Auflagen, Massagen oder Methoden aus der Chinesischen Medizin. Wenn diese Maßnahmen eingehalten werden, sollte der Morbus Panner innerhalb einiger Tage bis Woche abklingen. Weitere ärztliche Hilfe ist im Normalfall nicht vonnöten.

Sollten die Symptome stärker werden, muss der Arzt eingeschaltet werden. Womöglich liegt dem Schmerzsyndrom ein anderes Leiden zugrunde, welches zunächst diagnostiziert werden muss. Der Patient kann außerdem ein Beschwerdetagebuch anlegen und darin sämtliche Symptome sowie Zeitpunkt und Ausprägung ihres Auftretens notieren. Dies erleichtert dem Arzt die Diagnose und hilft außerdem dabei, die richtigen Behandlungsmethoden zu finden.

In Einzelfällen muss Morbus Panner operativ behandelt werden. Nach einem solchen Eingriff gelten Allgemeinmaßnahmen wie Schonung und Ruhe. Zudem sollte in den ersten Tagen enge Rücksprache mit dem zuständigen Arzt gehalten werden, damit auf etwaige Komplikationen zügig reagiert werden kann.

Quellen

  • Grifka, J., Krämer, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Heidelberg 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
Qualitätssicherung durch: Dr. med. Nonnenmacher
Letzte Aktualisierung am: 25. Dezember 2019

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