Nickelallergie

Letzte Aktualisierung am 24. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Eine Nickelallergie entsteht durch den Kontakt der menschlichen Haut oder Schleimhaut mit Nickel. Besonders Frauen leiden sehr häufig an dieser Kontaktallergie, die meist harmlos verläuft und innerhalb weniger Tage komplikationslos abheilt. Betroffene Patienten sollten jedoch den Kontakt zu nickelhaltigen Produkten dauerhaft meiden, um das für die Nickelallergie typische Kontaktekzem nicht hervorzurufen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nickelallergie?

Bei der sehr häufig vorkommenden Nickelallergie handelt es sich um eine Allergie, die durch den Kontakt der Haut oder Schleimhaut mit Nickel oder nickelhaltigen Produkten entsteht.

Nickel kann beispielsweise in Schmuck, Brillen, Besteck, Waschmittel, Münzen oder Reißverschlüssen enthalten sein. Doch auch Nahrungs- und Genussmittel wie etwa Erdbeeren, Zigaretten oder Nüsse können Nickel enthalten und eine Nickelallergie hervorrufen.

Diese äußert sich durch eine Entzündung der Haut, ein sogenanntes Ekzem, das häufig starken Juckreiz sowie einen geröteten Hautausschlag hervorruft. Das Ekzem tritt nur an der Körperstelle auf, die mit Nickel in Kontakt gekommen ist, was typisch für eine Nickelallergie ist.

Ursachen

Eine Ursache einer Nickelallergie liegt in der Genetik, denn diese Form der Kontaktallergie ist in vielen Fällen vererbt. Wenn also bereits die eigene Mutter an einer Nickelallergie leidet, ist das Risiko deutlich erhöht, selbst auch im Laufe des Lebens diese Form der Kontaktallergie zu entwickeln.

Der für die Nickelallergie typische Hautausschlag entsteht durch eine Reaktion des Immunsystems, wenn die Haut in Kontakt mit Nickel kommt. Sehr empfindliche Menschen reagieren bereits auf geringste Mengen Nickel, die beispielsweise auch im Essen enthalten sein können.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Reaktion bei einer Nickelallergie zeigt sich nicht sofort beim Kontakt mit dem Material, sondern zeitlich verzögert. Erst etwa zwölf Stunden bis drei Tage nach der Berührung des nickelhaltigen Gegenstands setzen erste Symptome ein. Das Metall wird durch Körperschweiß aus Schmuck, Knöpfen oder Gürteln herausgelöst und an den berührten Stellen bildet sich ein sogenanntes Kontaktekzem. Es ist in der Regel genau auf die Berührungspunkte begrenzt.

Die Haut rötet sich und schwillt an, es können sich Quaddeln, Pusteln und flüssigkeitsgefüllte Bläschen bilden, begleitet von starkem Juckreiz. Durch Kratzen verschlimmert sich die Hautreaktion, die Heilung verzögert sich und Infektionen sind möglich. Auch mit der Nahrung kann Nickel aufgenommen werden. Die allergische Reaktion zeigt sich dann in den Achselhöhlen, weil Nickel dort über den Schweiß wieder ausgeschieden wird.

Außerdem können durch die orale Aufnahme alte, bereits verheilte Ekzeme erneut aufflammen. Sind Bestandteile von Zahnprothesen nickelhaltig, zeigen sich Veränderungen auf der Mundschleimhaut. Ein chronisches Kontaktekzem entsteht bei dauerhaftem oder häufigem Berühren von Nickel. Die Haut entzündet sich, wird dick und verhornt. Es können sich Schuppen und schmerzende Risse bilden. In sehr seltenen Fällen breiten sich die Hauterscheinungen über den ganzen Körper aus. Man spricht dann von einem generalisierten Kontaktekzem, das oft mit Übelkeit, Erbrechen und Fieber einhergeht.

Diagnose & Verlauf

Schematische Darstellung zur Anatomie der Haut sowie die Symptomatik bei Nickelallergie. Klicken, um zu vergrößern.

Zeigt sich bei einem Patienten eine Nickelallergie, so wird der behandelnde Hautarzt zunächst die Vorgeschichte erfragen. Meist kann der Arzt anhand der Erzählungen des Patienten und des charakteristischen Ekzems eine Verdachtsdiagnose auf eine Nickelallergie stellen.

Um diese Diagnose abzusichern, besteht die Möglichkeit, einen Allergietest, den so genannten Epikutantest, durchzuführen. Dieser erkennt, ob eine Nickelallergie bei dem betroffenen Patienten vorliegt. Dabei wird eine nickelhaltige Substanz unter einem Pflaster auf die Haut aufgetragen und die Reaktion der Haut beobachtet. Zeigt diese die typischen Symptome einer Kontaktallergie, also ein Kontaktekzem, so ist die Diagnose einer Nickelallergie bestätigt.

In den meisten Fällen stellt eine Nickelallergie kein großes gesundheitliches Risiko dar, vorausgesetzt, der Kontakt mit Nickel wird dauerhaft und konsequent vermieden. Nur in sehr seltenen Fällen kann aus der Nickelallergie ein chronisches Ekzem werden, das mit speziellen Medikamenten oder Therapieformen behandelt werden muss.

Mit Komplikationen ist nur zu rechnen, wenn der Kontakt mit Nickel nicht dauerhaft vermieden wird, beispielsweise, wenn die Zahnimplantate des Patienten Nickel enthalten. In diesen, sehr seltenen Fällen müssen die nickelhaltigen Produkte unbedingt schnellstmöglich entfernt werden, um schwere Komplikationen der Nickelallergie auszuschließen.

Komplikationen

Ohne Behandlung kann eine Nickelallergie zu dauerhaften Hautveränderungen führen. Nach anfänglicher Bildung von Knötchen und Bläschen beginnt die Haut zu nässen. Rötungen treten auf und es bilden sich eitrige Pusteln. Es kommt vermehrt zur Bildung von Schuppen, die Haut reißt ein und kann stellenweise entzündlich verdicken, mitunter verhornen.

Das Kratzen der Haut infolge des auftretenden Juckreizes wirkt sich negativ auf die lokale Entzündung aus und führt zu weiteren Infektionen. Die allergische Reaktion kann sich so auf andere Areale des Körpers ausweiten. Tiefer aufgekratzte Haut neigt zur Bildung von Narbengewebe. Die Anfälligkeit der betroffenen Haut für einen Befall mit Pilzen und Bakterien steigt. Zudem ist stark auftretender Juckreiz für die Betroffenen eine psychische Belastung.

Komplikationen sind möglich, wenn die Allergie durch eine nickelhaltige, im Körper befindliche Prothese verursacht wird. So kann eine Zahnprothese als Auslöser zu einer Schleimhautveränderung im Mund führen. Während der Behandlung mit Creme, Lotion oder Salbe kann es zu einer kurzzeitigen Verschlechterung des Hautbildes kommen.

Bei zu langer Verwendung verschriebener Cortisonsalben können Nebenwirkungen in Form einer Verdünnung der Haut und Hyperpigmentierung auftreten. Störungen beim Heilungsprozess der Haut können durch die Benutzung zur Körperpflege ungeeigneter Produkte auftreten, die ein Brennen und Spannen der Haut auslösen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Nickelallergie ist nicht selten, wird allerdings vom Laien gerne mit einer Unverträglichkeit des Materials gleichgesetzt. Diese kommt sogar noch häufiger vor, viele Menschen reagieren empfindlich auf Nickel. Bei einer solchen Reaktion sollte bereits beim ersten Auftreten der Arzt konsultiert werden, denn es muss abgeklärt werden, ob die Haut lediglich empfindlich reagiert oder ob es sich tatsächlich um eine Nickelallergie handelt. Im Falle einer Allergie ist es einerseits möglich, dass noch weitere Allergien vorliegen. Auf diese kann gleich getestet werden, damit der Betroffene den Kontakt mit möglichen weiteren Allergenen meiden kann, um gar nicht erst mit Symptomen zu kämpfen zu haben.

Andererseits muss der Betroffene von der Allergie wissen, damit er sich künftig vor dem Kontakt mit Nickel schützen kann. Vor allem auf günstigen Schmuck muss bei bekannter Nickelallergie genau geachtet werden. Sollte bei bekannter Nickelallergie ein Haut- oder anderweitiger Kontakt mit Nickel entstanden sein, ist ein Arztbesuch dann sinnvoll, wenn die Reaktion darauf entweder besonders heftig ausfällt oder es zu einer ungewohnten Reaktion des Körpers kommt, die der Betroffene so bisher nicht erlebt hat. Oft tritt der Fall auf, dass der Betroffene erst nach einigen Stunden Tragezeit merkt, dass in einem Schmuckstück Nickel enthalten sein muss.

Behandlung & Therapie

Bei einer Nickelallergie besteht der erste Behandlungsschritt darin, den Kontakt zur allergieauslösenden Substanz zu meiden. Patienten sollten auf nickelhaltige Produkte komplett verzichten und auch bei ihrer Ernährung darauf achten, keinen Nickel zu sich zu nehmen.

Allerdings ist die Wirksamkeit einer nickelfreien Diät nicht einwandfrei nachzuweisen. Sollte sich innerhalb eines Vierteljahres keine deutliche Besserung des Befindens einstellen, kann die Nickeldiät abgebrochen werden.

Entsteht durch eine Nickelallergie ein Kontaktekzem, so verschreibt der Hautarzt seinen Patienten meist eine entzündungshemmende Salbe oder Creme, die gleichzeitig auch den Juckreiz abmildern und eine beruhigende Wirkung auf die Haut hat. Zur Auswahl stehen auch Präparate, die antiallergisch wirken und die Haut bei der Heilung des Ekzems unterstützen. Meist dauert es nur wenige Tage bis sich die Haut von einem Kontaktekzem, das auf eine Nickelallergie zurückzuführen ist, erholt.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Menschen, bei denen ein Familienmitglied an einer Nickelallergie leidet, sollten unbedingt auf nickelhaltige Produkte verzichten. So können sie den Ausbruch einer Nickelallergie vermeiden. Bei einer bereits bekannten Nickelallergie sollten betroffene Patienten den Kontakt mit nickelhaltigen Stoffen vermeiden, damit kein Kontaktekzem, das typisch für eine Nickelallergie ist, entsteht.

Das können Sie selbst tun

Für Personen, die von einer Nickelallergie betroffen sind, gibt es im Alltag einige Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern - eine Sensibilisierung für das Produkt wird allerdings ein Leben lang bestehen.

Zunächst sollte natürlich jeglicher Kontakt mit Nickel vermieden werden. Dabei ist wichtig zu beachten, in welchen Bereichen Nickel zum Einsatz kommen kann. Der Stoff ist möglicherweise in Modeschmuck oder Brillenbügeln enthalten. Aber auch in der Kleidung, zum Beispiel in BH-Trägern oder Jeans-Knöpfen, kann Nickel enthalten sein. Was Betroffenen oft nicht bewusst ist, ist, dass Nickel auch in Goldschmuck vorhanden sein kann - wenn auch nur in geringen Mengen. Daher stellt Goldschmuck nur für einen geringen Teil der Nickelallergiker ein Problem dar.

Der Konsum von Tabak sollte von Betroffenen unbedingt gemieden werden. Tabakrauch kann die Symptome der Erkrankung deutlich verschlimmern oder sie sogar erst entstehen lassen. Diese Regel gilt ebenso für das Passivrauchen. Nickelallergiker sollten daher Lokale oder Örtlichkeiten, an denen das Rauchen erlaubt ist, nicht besuchen. Hilfreich ist auch, die Haut gut zu pflegen. Feuchtigkeitsspendende Cremes oder Öle sind hier empfehlenswert.

Quellen

  • Plewig, G. et al.: Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Springer, Heidelberg 2012
  • Saloga, J. et al.: Allergologie-Handbuch. Schattauer, Stuttgart 2011
  • Störiko, A.: Allergien. Falken, Niedernhausen 2001

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