Othämatom

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Krankheiten Othämatom

Das Othämatom ist ein Erguss zwischen der knorpeligen Ohrmuschel und der Knorpelhaut. Da es in der Regel durch eine scherende Gewalteinwirkung, wie beispielsweise einen Schlag von der Seite auf das Ohr, verursacht wird, wird es auch als Boxerohr bezeichnet. Das Othämatom sollte immer zeitnah behandelt werden, da es unbehandelt zu Komplikationen wie bleibenden Formveränderungen der Ohrmuschel und zu Infektionen kommen kann, die weitaus schwieriger zu therapieren sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Othämatom?

Othaematom
Das Othämatom zeigt sich als rosarote, prall-elastische Schwellung an der Vorderseite der Ohrmuschel. Ganz ähnlich einer Blase bei Verbrennungen, wölbt es sich konvex unter der Haut hervor und kann zu einem starken Druckgefühl führen.
© sirikorn – stock.adobe.com

Die Ansammlung von blutiger oder eiweißreicher (seröser) Flüssigkeit zwischen dem Knorpel und der Knorpelhaut (Perichondrium) der Ohrmuschel wird als Othämatom bezeichnet. Die Ohrmuschel besteht aus einem knorpeligen Grundgerüst, das dem Ohr seine charakteristische Form verleiht. Der Knorpel wird von einer Knorpelhaut überzogen, der wiederum die äußere Haut anliegt. Diese ist reich an Blutgefäßen und Nerven.

Die Knorpelhaut liegt dem Knorpel normalerweise so dicht an, dass kein Raum zwischen den beiden Strukturen existiert. Auch die äußere Haut haftet von der anderen Seite fest am Perichondrium an. In Folge eines Traumas kann es aber passieren, dass sich die Knorpelhaut vom Knorpel löst und somit ein Raum geschaffen wird, der natürlicherweise nicht existiert, in welchem sich nun aber Flüssigkeit ansammeln kann. Die Entstehung eines Othämatoms ist die Folge.

Ursachen

In den meisten Fällen entsteht ein Othämatom durch äußere Gewalteinwirkung. Dabei sind in der Regel scherende sowie tangentiale Krafteinwirkungen auf die Ohrmuschel ursächlich für die Entstehung der Erkrankung. Ein seitlicher Schlag auf die Ohrmuschel bei einem Boxkampf ist wohl die häufigste Ursache für die Entstehung des Othämatoms.

Aus diesem Grund trägt die Erkrankung die Bezeichnung Boxerohr. Weiterhin kann langes Liegen auf dem abgeknickten Ohr ursächlich für die Entstehung des Ergusses sein. Dies ist vor allem bei Menschen typisch, die in seitlicher Position und sehr ruhig schlafen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Othämatom zeigt sich als rosarote, prall-elastische Schwellung an der Vorderseite der Ohrmuschel. Ganz ähnlich einer Blase bei Verbrennungen, wölbt es sich konvex unter der Haut hervor und kann zu einem starken Druckgefühl führen. Betroffene klagen zumeist nicht über Schmerzen. Das Ohr ist oft nur leicht gerötet und in der Regel nicht überwärmt.

In vielen Fällen kann aber eine Verschieblichkeit des Ergusses bei Druck von oben oder von der Seite bemerkt werden. Kommt es zu einer Infektion mit Bakterien, können starke lokale Schmerzen, Rötung, Schwellung und Überwärmung auftreten. Zusätzlich kann es zur Sekretion von eiterhaltiger Flüssigkeit aus der wunden Stelle kommen. Auch leichte Blutungen sind in diesem Falle möglich. Wird ein Othämatom nicht behandelt, kommt es zu einem bindegewebigen Verwuchs des Ergusses.

Das Othämatom wird dabei fest, verwächst mit dem umgebenden Knorpel und lässt die Ohrmuschel blumenkohlartig deformiert erscheinen. Dies tritt vor allem bei immer wiederkehrenden Ergüssen auf, die entweder nicht richtig behandelt wurden oder auf eine neuerliche Krafteinwirkung zurückzuführen sind. Diese Komplikation kann durch eine frühzeitige Diagnose und Behandlung leicht abgewendet werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Das Othämatom ist in der Regel eine Blickdiagnose, die durch den HNO-Arzt gestellt wird. Passende Ereignisse in der nahen Vergangenheit, wie beispielsweise ein Schlag auf das betroffene Ohr oder das Auftreten der Symptomatik direkt nach dem Aufwachen, untermauern die Diagnose. Bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung oder Röntgen sind in der Regel nicht erforderlich.

Die Diagnosestellung eines akuten Othämatoms erfordert immer eine therapeutische Intervention, da die Erkrankung nicht von alleine ausheilt. Der bindegewebige Umbau des chronischen Othämatoms ist zwar nicht gefährlich, kann jedoch unästhetisch wirken. Eine Behandlung der Erkrankung in diesem Stadium gestaltet sich weitaus komplexer und ist mit geringeren Erfolgen versehen.

Komplikationen

Wird ein Othämatom nicht behandelt, kann sich die Schwellung entzünden und starke Schmerzen hervorrufen. Zusätzlich kann Flüssigkeit aus der wunden Stelle austreten und schwere Infektionen hervorrufen. Im weiteren Verlauf tritt ein bindegewebiger Verwuchs des Ergusses auf, der unter anderem mit optischen Veränderungen und chronischen Schmerzen verbunden ist. Diese Komplikation tritt vor allem bei wiederkehrenden Hämatomen auf, die unzureichend behandelt werden.

In schweren Fällen kann dieselbe Gewalteinwirkung, die zum Othämatom führt, zusätzlich das Trommelfell schädigen und einen teilweisen oder vollständigen Hörverlust nach sich ziehen. Vor allem Kampfsportler sind hiervon betroffen. Zudem kann ein Othämatom die umliegenden Gewebestrukturen empfindlich schädigen. Die wichtigste Komplikation ist dabei eine Entzündung der Knorpelhaut (Perichondritis), die auf den Ohrknorpel übergreifen und ihn absterben lassen kann; daraus entsteht die bleibende blumenkohlartige Verformung der Ohrmuschel.

Zuletzt kann ein Othämatom starke Schmerzen hervorrufen und den Ohrknorpel bei wiederkehrenden Traumata dauerhaft schädigen. Die Behandlung eines Othämatoms kann schwere Verwachsungen, Blutungen und Infektionen (bei einer Drainage) sowie Blutungen, Nachblutungen und die Bildung von Narben (bei operativen Eingriffen) begünstigen. Die medikamentöse Behandlung kann Neben- und Wechselwirkungen hervorrufen. Bei unzureichender Nachsorge kann es zu erneuten Traumata kommen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn es nach einem Unfall oder einem Schlag auf das Ohr zu einer prall-elastischen Schwellung der Ohrmuschel kommt, liegt womöglich ein Othämatom vor. Ein Arzt sollte dann umgehend aufgesucht werden, denn ein Othämatom bildet sich nicht von allein zurück; Abwarten oder Selbstbehandeln verzögern nur die notwendige ärztliche Entlastung des Ergusses. Nach einem schweren Unfall oder Sturz – insbesondere bei Blutungen aus dem Gehörgang, Bewusstseinsstörungen oder Schwindel – muss der Rettungsdienst über den Notruf 112 gerufen werden. Je nach Schwere der Verletzung müssen die Ersthelfer erste Hilfe leisten und einen bewusstlosen Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen, damit das Blut aus dem Ohr abfließen kann. Wer sein Ohr wiederholt Erschütterungen aussetzt – etwa Boxer und andere Kampfsportler – riskiert eine bleibende Entstellung der Ohrmuschel.

Da dieser optische Makel auch eine psychische Belastung darstellen kann, können Hausarzt und Therapeut hinzugezogen werden. Womöglich kann die Fehlbildung operativ korrigiert werden. Das Othämatom selbst wird von einem Sportmediziner, Ohrenarzt oder Allgemeinarzt behandelt. Bei schweren Verletzungen muss die Wunde operativ verschlossen und der Blutstau entfernt werden. In den ersten Wochen nach einem chirurgischen Eingriff muss der Ohrenarzt die Wundheilung kontrollieren und gegebenenfalls Schmerzmittel und Entzündungshemmer verordnen. Das Othämatom bedarf also immer einer ärztlichen Behandlung und Nachsorge. Andernfalls kann es zu ernsten Komplikationen kommen, die im schlimmsten Fall eine Knorpelentzündung und eine bleibende Verformung der Ohrmuschel zur Folge haben.

Behandlung & Therapie

Da sich die Flüssigkeitsansammlung zwischen Knorpel und Knorpelhaut mit der Zeit organisiert und verfestigt und so zu einer Deformierung der Ohrmuschel führen kann, muss das Othämatom immer zeitnah behandelt werden. Ein Othämatom darf dabei nicht selbst geöffnet, punktiert oder ausgedrückt werden – die Entlastung gehört unter sterilen Bedingungen in ärztliche Hand, weil sonst Keime an den Knorpel gelangen. In der Regel wird hierbei ein kleiner Hautschnitt an der Vorderseite der Ohrmuschel vorgenommen (Inzision), über den die Flüssigkeit abgelassen werden kann (Drainage).

Anschließend sollte ein Druckverband am Ohr angelegt werden, damit sich der Raum zwischen Knorpel und Knorpelhaut nicht erneut mit Flüssigkeit füllen kann. Der Druckverband unterstützt die Verwachsung zwischen den beiden Geweben und sorgt dafür, dass sich der unnatürliche Raum suffizient schließt.

Besonders bei immer wiederkehrenden Ergüssen an derselben Stelle, kann an der Rückseite der Ohrmuschel ein kleines Knorpelfenster angelegt werden. Dabei wird der veränderte Knorpel herausgeschnitten, was einer neuerlichen Entstehung eines Othämatoms an dieser Stelle sehr gut vorbeugt.

Infizierte Othämatome sollten medikamentös behandelt werden. Hierbei können antibiotikahaltige Lösungen erforderlich werden. Greift die Entzündung auf die Knorpelhaut über, reicht eine örtliche Behandlung nicht aus; dann ist eine Antibiotikagabe als Tablette oder Infusion nötig. Weiterhin ist es wichtig, die Wunde regelmäßig und gründlich durch einen erfahrenen Arzt säubern zu lassen und erneute Traumata zu vermeiden.


Aussicht & Prognose

Bei einer unmittelbaren Behandlung ist die Prognose des Othämatoms im Normalfall günstig. Bei den meisten Betroffenen wird durch den Einsatz verschiedener Therapiemethoden eine Genesung erreicht. Gebildete Flüssigkeiten werden abtransportiert, sodass sich eine optische Veränderung der Ohrmuschel innerhalb einiger Wochen wieder zurückbilden kann. Ein Druckverband ist notwendig, damit sich der Raum zwischen Knorpel und Knorpelhaut während der Heilung nicht erneut mit Flüssigkeit füllt.

Bei einigen Patienten muss bei einem ungünstigen Verlauf ein operativer Eingriff vorgenommen werden, da sich andernfalls Folgeerkrankungen entwickeln können. Der Eingriff wird als einfach beschrieben und führt in nur seltenen Fällen zu einer ungewollten gesundheitlichen Entwicklung. Treten wider Erwarten Komplikationen durch die Operation auf, muss mit einer Verzögerung des Heilungsprozesses gerechnet werden. Dauerhafte Störungen werden in der Regel nicht dokumentiert.

Wird die Inanspruchnahme einer medizinischen Versorgung vermieden, ist das Risiko für Folgestörungen oder langfristige Beeinträchtigungen erheblich erhöht. In diesen Fällen verschlechtert sich die Prognose in einem deutlichen Umfang. Es können Deformierungen des Ohres auftreten, die im weiteren Verlauf des Lebens nicht mehr ausreichend korrigiert werden können. Zudem wird oftmals die wiederholte Entstehung von Infektionen beobachtet. Dies führt insgesamt zu einer Schwächung des gesundheitlichen Empfindens und damit des Organismus. Insbesondere für Risikopatienten kann dieser Verlauf schwierig werden.

Vorbeugung

Die beste Möglichkeit, um einem Othämatom vorzubeugen, ist Kampfsport zu meiden. Boxer sollten auf ausreichenden Kopfschutz achten und ihrem Gegenüber nicht auf die Ohren zielen. Anfällige Menschen können sich nachts die Ohrmuscheln mit Pflastern am Kopf befestigen und so vermeiden, dass es zum Abknicken kommt.

Auch das Einschlafen in Rückenlage kann zur Vermeidung der Entstehung eines Othämatoms beitragen. Sollte es trotz Vorsichtsmaßnahmen zur Ausbildung eines Othämatoms kommen, kann durch eine sofortige Behandlung eine vollständige Ausheilung erreicht und eine Chronifizierung vermieden werden.

Nachsorge

Bei einem Othämatom sind die Möglichkeiten einer Nachsorge in den meisten Fällen überschaubar. In erster Linie muss bei dieser Krankheit dabei eine schnelle und eine frühzeitige Diagnose stattfinden, damit es nicht zu einer weiteren Verschlechterung der Beschwerden oder zu Komplikationen kommt.

Daher sollten Betroffene schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen der Erkrankung einen Arzt aufsuchen. In der Regel können die Beschwerden durch einen kleinen operativen Eingriff wieder relativ gut gelindert werden, sodass es im weiteren Verlauf nicht zu Komplikationen kommt. Nach dem Eingriff sollten sich Betroffene ausruhen und schonen, wobei die empfindliche Stelle besonders gut zu schützen ist.

Ebenso sollte noch mehrere Tage lang ein Druckverband getragen werden, damit sich der Raum zwischen Knorpel und Knorpelhaut nicht erneut mit Flüssigkeit füllt. Auch nach dem Eingriff sind dabei regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen notwendig, um den Zustand des Othämatoms zu kontrollieren. Weitere Maßnahmen und Möglichkeiten der Nachsorge stehen Betroffenen bei dieser Krankheit meist nicht zur Verfügung und sind in der Regel auch nicht notwendig. Das Othämatom hat keinen negativen Einfluss auf die Lebenserwartung.

Das können Sie selbst tun

Ein Othämatom sollte schnellstmöglich von einem Arzt behandelt werden. Nach der Punktierung der Schwellung, die zum Abschwellen des Othämatoms führt, muss die Wunde gut gepflegt und von Staub, Schmutz und aggressiven Pflegemitteln ferngehalten werden.

Die Schwellung sollte nach spätestens einer Woche vollständig abgeklungen sein. In diesem Zeitraum darf das betroffene Ohr nicht durch Ohrenschützer und ähnliches belastet werden. Sollte es dennoch zu Komplikationen kommen, wird am besten der Arzt konsultiert. Entzündungen oder Blutungen sollten nicht selbstständig behandelt werden, da eine unsachgemäße Behandlung zu Infektionen und Hautschäden führen kann. Ein rezidivierendes Othämatom bedarf einer engmaschigen Überwachung durch einen Arzt. Darüber hinaus sollte der Patient nach jedem Eingriff die beschriebenen Maßnahmen durchführen. Bei wiederkehrenden Beschwerden liegen oftmals unbekannte Ursachen zugrunde, die ermittelt und behoben werden müssen. Der Patient sollte sowohl im Beruf als auch im Privatleben nach möglichen Auslösern suchen und den Zusammenhang zu dem rezidivierenden Erguss prüfen.

Die Abheilung eines Othämatoms lässt sich durch Naturheilmittel nicht ersetzen: Entscheidend sind die ärztliche Entlastung des Ergusses und der anschließende Druckverband. Mittel wie Teufelskralle, Aloe Vera oder ätherische Öle gehören nicht auf die frische Wunde, da sie Reizungen und Infektionen begünstigen können; durchblutungsfördernde Anwendungen am Ohr sind zudem ungeeignet, weil sie eine erneute Einblutung begünstigen.

Quellen

  • Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
    ISBN: 9783131521231
  • Lenarz, T., Boenninghaus, H.-G.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
    ISBN: 9783642211300
  • Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde.
    ISBN: 9783662581773
  • Strutz, J., Mann, W. (Hrsg.): Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie.
    ISBN: 9783132454606
  • Franzen, A., Coordes, A.: Kurzlehrbuch Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
    ISBN: 9783837416336

Das könnte Sie auch interessieren