Trauma

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Bei einem Trauma handelt es sich grundsätzlich im psychologischen Sinne um eine Wunde im Bewusstsein. Durch gewisse Umstände, die in jedem Lebensabschnitt eintreten können, nimmt der Betroffene eine bestimmte Situation in der Folgezeit gänzlich anders wahr und leidet meist erheblich unter ihr. Das Trauma ist durch professionelle Hilfe jedoch heilbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Trauma?

In der Regel ist ein Trauma heilbar. Dazu können in ambulanten wie stationären Therapien die Ursachen analysiert und behandelt werden.
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Das Trauma ist zunächst eine seelische Verwundung. In der Regel wird sie durch ein starkes emotionales Erlebnis ausgelöst und sorgt damit für eine Verletzung, die auch nach vielen Jahren noch immer von dem Betroffenen wahrgenommen wird.

Ein Trauma schränkt den Patienten meist in solchen Lebenslagen ein, in denen ähnliche Vorfälle zu befürchten sind. Damit handelt es sich bei dem Trauma um ein seelisches, psychologisches oder mentales Leiden.

Nicht immer wird dieses dauerhaft registriert, es kann auch nur in wenigen Ausnahmesituationen auftreten. Dennoch zeigt sich gerade darin die ganze zerstörerische Kraft des Traumas, die in seltenen Fällen zur Ausweglosigkeit des Betroffenen führen kann. Ein solches Trauma sollte daher psychologisch behandelt werden.

Ursachen

Als Auslöser kommen für das Trauma alle Situationen infrage, die sich dem Menschen in negativer Hinsicht förmlich in das Gedächtnis brennen. Das können Unfälle oder spontan auftretende Ängste sein.

Ebenso geht das Trauma in der Regel auf einen Schockmoment zurück, bei dem es dem Patienten nicht mehr möglich war, zu reagieren, die Lage zu überdenken oder zu flüchten.

Er sieht das Geschehen hilflos mit an, fühlt sich dabei nicht selten selbst als Opfer und erstarrt vor der Situation, die ihm anschließend als Trauma haften bleibt.

Oft sind es auch harmlose Kinderspiele, in denen unbewusst Zwang eingesetzt wird, der später zu einem Trauma führt. Insofern ist die Bandbreite an Ursachen weit gefächert, aus denen ein Trauma resultieren kann.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein seelisches Trauma wird von den Betroffenen oft nicht sofort als behandlungsbedürftige psychische Störung erkannt, da die Symptome, zumal anfänglich, sehr diffus sein können. Ein typisches Symptom für ein Trauma im Frühstadium ist zum Beispiel eine besondere Reizbarkeit. Die Betroffenen verlieren sehr schnell die Geduld oder reagieren auf einen Reiz unverhältnismäßig stark.

Das kann sich durch Ärger, Wut und Aggressionen, aber auch durch Selbstmitleid und Trauer äußern. Ein weiteres Symptom, das bei Traumapatienten häufig zu beobachten ist, sind Schlafstörungen und Schlaflosigkeit. Die Patienten können Nachts häufig keinen Schlaf finden oder werden immer wieder grundlos wach und können nicht durchschlafen, was bereits kurzfristig zu starken Erschöpfungszuständen führt.

Hinzu treten oft Schreckhaftigkeit und Zittern. Das Erschrecken kann dabei schon durch völlig harmlose Reize wie etwa eine zugeschlagene Tür oder ein klapperndes Fenster ausgelöst werden. Es tritt oftmals sogar dann auf, wenn der Patient den Vorgang beobachten kann und von dem Geräusch, das ihn in Schrecken versetzt, gar nicht überrascht wird.

Auf den Schrecken folgt oftmals starkes Zittern, das den ganzen Körper erfasst. Bleibt ein Trauma unbehandelt oder liegt eine schwere Form vor, leiden die Betroffenen zudem an Intrusionen, üblich sind vor allem Alpträume und sogenannte Flashbacks. Bei sehr schweren Formen lassen sich zudem starke Konzentrationsstörungen und Gedächtnislücken beobachten.

Diagnose & Verlauf

Ein Trauma bleibt von dem Patienten meist über lange Zeit unbeachtet. Erleidet er etwa aufgrund eines Streites in der Familie schon in früher Kindheit ein solches Trauma, so kann es mitunter Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis die Leiden bei einem ähnlichen Vorfall erneut auftreten.

Nicht selten ist auch der Umstand zu verzeichnen, dass die Symptome nie ausbrechen und das Trauma somit zwar im Unterbewusstsein vorhanden ist, der Betroffene davon jedoch zu keiner Zeit seines Lebens etwas aktiv bemerkt.

Von daher ist meist auf solche Ausnahmesituationen abzusehen, um das Trauma zu erkennen. Weitaus seltener dagegen kommt es vor, dass das Trauma tatsächlich in regelmäßigen Abständen auftritt und dann auch als solches wahrgenommen werden kann.

Komplikationen

Mit dem Begriff Trauma können sowohl seelische als auch körperliche Verletzungen beschrieben werden. Daher kann es bei Traumata zu unterschiedlichen Komplikationen kommen. Seelische Traumata können sich als posttraumatische Belastungsstörungen noch Jahre nach einem traumatischen Erlebnis einen Weg bahnen.

Die posttraumatische Belastungsstörung stellt eine Komplikation in der Verarbeitung des Erlebten dar. Sie muss behandelt werden, weil die Gefahr eines Suizids besteht. Durch Flashbacks und Angststörungen sind die Betroffenen so schwer unter psychischem Druck, dass sie ohne fachliche Hilfe nicht aus der Störung herausfinden.

Eine Reihe von Komplikationen nach einem körperlichen Trauma kann durch eine schwere Schädel-Hirn-Verletzung auftreten. Zu den häufigsten Komplikationen solcher Traumata können Persönlichkeitsveränderungen, emotionale Störungen, Verwirrtheit oder Desorientierung gehören. Je nach verletztem Areal können Sprach- und Sprechstörungen, Schluckstörungen oder Gesichtsfeldausfälle vorkommen.

Es kann durch Verletzungen am Gehirn zu Lähmungen, epileptischen Anfällen oder Spastiken kommen. Das Wahrnehmungsvermögen kann infolge des Traumas eingeschränkt oder gestört sein. Im schlimmsten Fall ist nach einem Schädel-Hirn-Trauma ein Wachkoma die Folge.

Komplikationen können potenziell nach jeder Operation auftreten. Diese stellt ein gewebsbezogenes Trauma dar. Denkbar sind postoperative Folgen wie Fieber, Sepsis, Tachykardie, Hypotonie oder Hypertonie, Elektrolyt-Entgleisungen oder eine Akrozyanose. Auf jegliche postoperative Komplikation muss umgehend reagiert werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Verarbeitung eines emotional belastenden Ereignisses sollte grundsätzlich therapeutisch begleitet werden. Die Hilfe und Unterstützung kann nach dem Erleben verschiedener Geschehnissen wahrgenommen werden. Wann immer ein seelisches Leid vorhanden ist, sollte ein Arzt konsultiert und das weitere Vorgehen besprochen werden. Ein Unfall, eine Trennung, ein Tod oder ein gewalttätiger Akt sind einige Situationen, in denen ärztliche Hilfe empfohlen wird.

Auffälligkeiten und Veränderungen des Verhaltens können als Warnsignal verstanden werden. Halten sie an oder nehmen sie an Intensität zu, wird ein Arzt benötigt. Schlafstörungen, deutliche Gewichtsveränderungen oder eine Gereiztheit weisen auf eine gesundheitliche Beeinträchtigung hin. Ein Arzt wird benötigt, sobald ein depressives Auftreten, Schwankungen der Stimmung oder eine starke Schreckhaftigkeit bemerkt werden. Bei einem Rückzug aus dem sozialen Leben, Störungen der Konzentration oder Problemen bei der Bewältigung des Alltags benötigt der Betroffene Hilfe.

Eine Abnahme der körperlichen sowie geistigen Leistungsfähigkeit, Erschöpfung, Mattigkeit oder Abgeschlagenheit sind ebenfalls einem Arzt vorzustellen. Störungen des Verdauungstraktes, Kopfschmerzen sowie eine innere Unruhe sind Beschwerden, die charakteristisch nach einem traumatischen Erlebnis sind. Ebenso sind Angst, Lücken des Erinnerungsvermögens und Empfindungen wie Wut, Ärger oder Traurigkeit Anzeichen einer psychischen Belastung, die mit einem Arzt besprochen werden sollte.

Behandlung & Therapie

In der Regel ist ein Trauma heilbar. Dazu können in ambulanten wie stationären Therapien die Ursachen analysiert und behandelt werden. In der Regel werden dazu keine Medikamente benötigt. In Ausnahmefällen ist das Trauma jedoch derart stark ausgeprägt, dass es das Ausüben eines Berufes oder kleinerer Verrichtungen des täglichen Lebens unmöglich erscheinen lässt.

Hierbei würde demgegenüber mit mentalen Blockern versucht, die Symptome des Traumas insoweit abzuschwächen, dass sie kein Hindernis darstellen. Worauf im Einzelfall zu therapieren wäre, sollte allerdings ein Psychologe entscheiden. Die Schwierigkeit bei der Behandlung des Traumas liegt indes darin, es im gesamten Unterbewusstsein zunächst ausfindig zu machen.

Denn oft ist es ein Teil der Erinnerungen, der von vielen Betroffenen nicht wahrgenommen wird. Selbst wenn der Auslöser des Traumas erkannt werden kann, so hängen in der Regel noch andere Umstände daran, die es ebenfalls freizulegen gilt.

Erst wenn eindeutig klar ist, worauf die mentale Verletzung beruht, kann sie mit Gesprächstherapien behoben werden. Nicht selten wird der Patient dabei auch mit dem Zustand konfrontiert, der bei ihm das Trauma auslöste.


Vorbeugung

Es ist beinahe unmöglich, einem Trauma vorzubeugen. Denn das hieße, in jeder Situation mental so gefasst zu sein, dass ein Schock nicht auftreten kann. Da aber Stress, Ängste, Trauer und andere Emotionen diese Stärke nicht zulassen, wird ein denkender und fühlender Mensch immer von einem Trauma befallen werden können.

Das können Sie selbst tun

Für das Trauma gibt es unterschiedliche Varianten der Selbsthilfe. Diese sind davon abhängig, ob es sich um ein körperliches oder ein seelisches Trauma handelt.

Im Bereich des physischen Traumas ist dem Körper alle Ruhe und Schonung zu geben, die er für die Regeneration benötgt. Das gilt nicht nur für das betroffene Gebiet des Körpers, sondern vielfach für den gesamten Organismus. Eine ausreichende Schlafmenge ist dazu besonders geeignet. Die Belastungsfähigkeit kann allmählich mit leichter Bewegung, etwa durch Spaziergänge, wiederhergestellt werden, aber jede Form von Überbeanspruchung ist unbedingt zu verhindern.

Das seelische Trauma benötigt ebenfalls Ruhe, um vom Betroffenen verarbeiten zu werden. Stress ist zu vermeiden und Schlaflosigkeit kann zum Beispiel mit leichtem Ausdauersport entgegengewirkt werden. Auch warme Bäder, soziale Kontakte und eine der zahlreichen Entspannungsmethoden sind in diesem Zusammenhang oft hilfreich: Beispiele sind die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen oder das Autogene Training. Auch Yoga bringt Körper, Geist und Seele durch eine wohltuende Mischung aus Körper- und Atemübungen, Entspannung und Meditation wieder ins Gleichgewicht.

Gespräche können ebenfalls helfen, ein Trauma zu verabeiten. Angehörige oder Freunde sind für ein vertrauensvolles Gespräch oft genau die richtigen Ansprechpartner. Austausch unter Gleichgesinnten bieten oft spezialisierte Selbsthilfegruppen, deren Teilnehmer einen hilfreichen Austausch von Erfahrungen und wertvolle Tipps bieten können.

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Morschitzky, H.: Angststörungen – Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Springer, Wien 2009
  • Möller. H.-J., Laux, G., Deister, A., Braun-Scharm, H., Schulte-Körne, G.: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

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