Seekrankheit

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 23. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Von der Seekrankheit können auch erfahrene Seeleute noch betroffen sein. Neben Geduld können verschiedene Maßnahmen die Symptome der Seekrankheit lindern oder ihnen vorbeugen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Seekrankheit?

Seekrankheit
Zu den typischen Anzeichen zählen Schwindel und Übelkeit, die zum Erbrechen führen können. Infolgedessen sind Elektrolytstörungen und Dehydratation möglich.
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Die sogenannte Seekrankheit ist eigentlich keine Krankheit im engeren Sinne, sondern mehr eine gesunde Körperreaktion auf eine ungewohnte Bewegung, die der Körper, beispielsweise bei der Fahrt auf einem Schiff, erfährt.

Begrifflich ist die Seekrankheit allerdings eine Form der Reisekrankheit. Menschen reagieren verschieden sensibel auf Bewegungen, die zu einer Seekrankheit führen können: Während ein Großteil der Bevölkerung eine 'durchschnittliche' Anfälligkeit für die Entwicklung einer Seekrankheit zeigt, gibt es Minderheiten, die jeweils sehr schnell oder sehr selten eine Seekrankheit entwickeln.

Säuglinge und Menschen, die älter als 50 Jahre sind, reagieren in der Regel recht selten mit einer Seekrankheit. Die Wissenschaft geht davon aus, dass nicht nur Menschen, sondern auch verschiedene Tiere Symptome einer Seekrankheit entwickeln können.

Ursachen

Zu den Ursachen einer Seekrankheit zählt beispielsweise die Tatsache, dass das Gehirn vom Körper widersprüchliche Informationen erhält: Ist bei einer Schifffahrt beispielsweise der Wellengang nicht mit den Augen zu beobachten, kann das Gehirn die Bewegungsmeldungen des Gleichgewichtsorgans nicht deuten.

Zu einer Seekrankheit trägt außerdem bei, dass trotz registrierter Bewegungen kein Aktivitätssignal der Muskeln zum Gehirn gelangt. Die widersprüchlichen Botschaften werden schließlich als Gefahrensituation interpretiert und es kommt zu den Symptomen der Seekrankheit aufgrund einer Ausschüttung von Stresshormonen.

Symptome einer Seekrankheit können nicht nur durch reale Situationen hervorgerufen werden, sondern auch durch entsprechend gestaltete Kinodarbietungen oder Computerspiele. Ein Grund dafür, dass Säuglinge meist keine Seekrankheit entwickeln, ist der, dass das Gleichgewichtsorgan noch nicht vollständig ausgereift ist.

Symptome, Beschwerden und Anzeichen

Zur Seekrankheit gehören viele unterschiedliche Symptome, die im Einzelfall abweichen können. Zu den typischen Anzeichen zählen Schwindel und Übelkeit, die zum Erbrechen führen können. Infolgedessen sind Elektrolytstörungen und Dehydratation möglich. In den meisten Fällen sind diese Beschwerden bei der Seekrankheit jedoch nicht lebensbedrohlich stark ausgeprägt.

Manchmal verstärkt der Anblick oder der Geruch von Speisen die Übelkeit. Eventuell kommen Sodbrennen oder Appetitmangel hinzu. Menschen, die unter der Seekrankheit leiden, weisen zum Teil Darmbeschwerden auf. Die Verdauungsaktivität sinkt häufig, was Verstopfungen nach sich ziehen kann.

Betroffene fühlen sich bei der Seekrankheit möglicherweise abgeschlagen und müde. Die Schläfrigkeit kann bis zur Lethargie reichen. Blässe und Kopfschmerzen sind ebenfalls häufige Symptome der Seekrankheit. Schwere Kreislaufprobleme treten hingegen selten auf. Oft schwitzen Menschen, die unter der Seekrankheit leiden. Sie können zudem frösteln oder zittern. Die verschiedenen Beschwerden führen teilweise zu motorischer Unsicherheit, vorübergehenden Gangstörungen oder Gleichgewichtsstörungen.

Psychische Symptome sind bei der Seekrankheit häufig. Zu ihnen gehören Niedergeschlagenheit, emotionale Taubheit, Konzentrationsstörungen und Motivationsprobleme. Auch eine depressive Verstimmung oder allgemeine Unlust sind möglich. Einige Betroffene haben zudem den Eindruck, sie würden ihre Umgebung wie durch Watte oder Nebel gedämpft wahrnehmen.

Diagnose & Verlauf

Häufig ist es so, dass die Symptome der Seekrankheit abnehmen, wenn man über einige Tage hinweg den ungewohnten Bewegungen ausgesetzt ist. Nun sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, während der weiteren Exposition erneute Symptome der Seekrankheit zu zeigen.

Bei Seeleuten kann es vorkommen, dass sie nach Jahren ohne Seekrankheit plötzlich Symptome der Seekrankheit entwickeln. Andere Seeleute zeigen auf jeder Seefahrt erneut Symptome. Zu diagnostizieren ist eine Seekrankheit aufgrund der typischen Symptome Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel, die auftreten, während sich ein Betroffener in einer Bewegungssituation findet, die einer Situation auf einem Schiff bei Wellengang entspricht.

Komplikationen

Die Seekrankheit resultiert daraus, dass die Augen und das Gleichgewichtsorgan im Innenohr gegensätzliche Sinneswahrnehmungen aufnehmen, die das Gehirn verarbeiten muss. Das Gehirn reagiert auf diese Form von Stress mit Botenstoffen wie Histamin und Serotonin. Das Histamin stimuliert das Brechzentrum im Gehirn, was letztlich die Symptome der Seekrankheit auslöst. Normalerweise klingen die Begleiterscheinungen nach wenigen Tagen von selbst wieder ab, ohne dass es zu Komplikationen kommt.

In manchen Fällen halten die typischen Symptome wie Übelkeit, Schwindel und Brechreiz jedoch während der gesamten Seereise an. Personen, die starke und langanhaltende Symptome zeigen, müssen eine Seereise dann gegebenenfalls vorzeitig abbrechen. Bei extrem starkem Brechreiz und häufigem Erbrechen, das über Tage hinweg anhält, kann es außerdem zu einem beträchtlichen Gewichtsverlust und Kreislaufproblemen kommen.

Die Betroffenen fühlen sich dann auch nach dem Abklingen der Symptome noch über Tage hinweg geschwächt. Für Patienten, die an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden oder bereits aus anderen Gründen körperlich geschwächt sind, kann der übermäßige Verlust von Flüssigkeit durch ständiges Erbrechen sogar lebensgefährlich werden. Diese Betroffenen müssen unbedingt ärztlich betreut werden.

Bei Patienten, die an Migräne leiden, kann die Seekrankheit zudem einen akuten Anfall triggern. Wobei damit gerechnet werden muss, dass der Migräneanfall dann deutlich schwerer ausfällt als unter Normalbedingungen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Seekrankheit muss nicht immer ein Arzt aufgesucht werden. Ein Besuch beim Arzt ist meistens erst dann notwendig, wenn der Betroffene an sehr starken und schwerwiegenden Beschwerden leidet. Von Bedeutung ist dabei vor allem ein Erbrechen, das sich über Tage hinzieht und bei dem der Betroffene keine Flüssigkeit mehr bei sich behalten kann. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn Zeichen eines Flüssigkeitsmangels hinzukommen, etwa eine deutlich verringerte Urinmenge, ein trockener Mund, ausgeprägte Schwäche oder Verwirrtheit. Besondere Vorsicht gilt bei kleinen Kindern, älteren Menschen und Personen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, weil bei ihnen ein Flüssigkeitsverlust schneller gefährlich wird.

Ein Arzt ist auch dann aufzusuchen, wenn der Patient unter starkem Sodbrennen leidet oder wenn die Schwindelgefühle nach der Rückkehr an Land nicht innerhalb weniger Tage abklingen. Bei der Seekrankheit kann der Hausarzt aufgesucht werden. Die weitere Behandlung hängt jedoch stark von der genauen Art und der Ausprägung der Beschwerden ab, sodass diese meist durch einen anderen Facharzt durchgeführt wird.

Behandlung & Therapie

Es gibt verschiedene Ansätze, eine Seekrankheit zu behandeln. Zunächst stehen einige Verhaltensmaßnahmen zur Verfügung, die eine Seekrankheit verringern können: Beispielsweise wird zunächst empfohlen, sich bei einer Schiffsreise über Deck zu begeben und nicht im Innenraum zu bleiben. Gegen die Symptome der Seekrankheit sollte man sich an Deck idealerweise den Bewegungen des Schiffs anpassen. Dabei ist es günstig, einen bestimmten Punkt am Horizont zu fixieren.

Auch die Anwendung von Entspannungstechniken kann bei Seekrankheit helfen. Sind die Symptome der Seekrankheit bereits sehr stark, kann es hilfreich zu sein, sich an einer Stelle des Schiffs flach hinzulegen, an der vergleichsweise wenig Schiffsbewegungen spürbar sind.

Studien haben belegt, dass Plazebos (Mittel, die keine Wirkstoffe enthalten, der Nutzer dies aber annimmt) einen guten Erfolg bei Seekrankheit zeigen. Dieser Wirkmechanismus liegt vermutlich unter anderem darin begründet, dass dem Betroffenen die Angst genommen wird, weiterhin unter Seekrankheit zu leiden. Diese Abnahme von Angst wirkt sich dann positiv auf die Symptome der Seekrankheit aus.

Gegen starke Seekrankheit gibt es schließlich auch Medikamente (sowohl verschreibungspflichtige als auch freiverkäufliche Medikamente). Am häufigsten kommen dabei Antihistaminika wie Dimenhydrinat zum Einsatz, die rezeptfrei als Kaugummi, Tablette oder Zäpfchen erhältlich sind. Sie wirken am besten, wenn sie vorbeugend eingenommen werden, also bevor die Übelkeit einsetzt. Erbricht sich ein Betroffener bereits, kann hierbei eine Zäpfchenform die geeignete sein. Mögliche Nebenwirkungen entsprechender Medikamente sind Müdigkeit oder ein Nachlassen des Reaktionsvermögens.


Vorbeugung

Auch um einer Seekrankheit vorzubeugen, gibt es mögliche Verhaltensmaßnahmen und (bei bekannter Anfälligkeit) auch Medikamente (beispielsweise in Form von Depot-Pflastern). Dabei handelt es sich um verschreibungspflichtige Scopolamin-Pflaster, die einige Stunden vor der Abfahrt hinter das Ohr geklebt werden und über mehrere Tage hinweg wirken. Auch bei ihnen zählen Müdigkeit sowie Mund- und Augentrockenheit zu den möglichen Nebenwirkungen. Auf der Verhaltensebene empfiehlt es sich beispielsweise, am Vorabend einer Schiffsreise vorwiegend leicht Verdauliches zu sich zu nehmen. Auch Kaffee, Alkohol und Nikotin sollten kurz vor und während einer Schiffsreise nur eingeschränkt konsumiert werden.

Nachsorge

Da die Seekrankheit keine Erkrankung im eigentlichen Sinne ist, sondern eine Reaktion auf die Schiffsbewegung, kann dafür auch keine echte Nachsorge stattfinden. Befindet sich der Patient wieder an Land, klingen die Symptome in der Regel innerhalb kurzer Zeit wieder ab. Ganz am Anfang, wenn es doch noch etwas Probleme gibt, sollte nur leichte Kost genossen oder noch besser, nur Kräutertee getrunken werden.

Auf diese Weise ist die Erholung am schnellsten garantiert. Besonders wenn es an Bord aufgrund der schaukelnden Schiffsbewegungen zu Magenentleerungen kam, muss der Seekranke viel trinken, um dem Körper wichtige verlorene Salze und ausreichend Flüssigkeit zukommen zu lassen.

Nach Möglichkeit sollten in Zukunft Schiffsreisen vermieden werden. In der Regel sind jedoch Flusskreuzfahrten wesentlich ruhiger, weshalb hier die Seekrankheit meist gar nicht erst aufkommt. Mit kurzen Reisen kann in Erfahrung gebracht werden, wie verträglich eine solche Flusskreuzfahrt ist.

Wenn doch wieder eine Reise auf dem offenen Meer geplant wird, sollten Gewässer oder Jahreszeiten gewählt werden, in denen es nicht zu starken Turbulenzen kommen kann. Es ist in jedem Fall sehr hilfreich, gleich vor Antritt der Reise geeignete Medikamente gegen Seekrankheit zur Vorbeugung in der Apotheke zu besorgen.

Das können Sie selbst tun

Die Seekrankheit ist der Selbsthilfe im Alltag häufig gut zugänglich. Es gibt einige Mittel, mit denen man das Erscheinungsbild verhindern oder in seiner Ausprägung zumindest deutlich lindern kann. Diese sind im Folgenden kurz dargestellt.

Die Seekrankheit ist mit unserem Gleichgewichtsorgan und unseren Sinnen eng verknüpft. Der Blick auf die nahen, wogenden Wellen kann sie bereits auslösen. Günstiger ist es deshalb, stattdessen einen festen Punkt am Horizont zu fixieren. Auf einem großen Schiff empfiehlt sich für Patienten mit entsprechender Disposition eine Kabine mittschiffs und möglichst nahe der Wasserlinie, denn dort sind die Schiffsbewegungen am geringsten. Eine Innenkabine ohne Fenster ist dagegen eher ungünstig, weil in ihr der Blick nach draußen fehlt, mit dem die Augen dem Gehirn die gespürte Bewegung bestätigen könnten.

Ein leerer Magen ist im Hinblick auf die Seekrankheit oft ungünstig. Patienten, die an dieser Erkrankung leiden, achten am besten darauf, immer etwas im Magen zu haben, was leicht verdaulich ist. Auch auf eine ausreichende Trinkmenge ist zu achten, insbesondere dann, wenn ein Erbrechen nicht vermieden werden konnte. Alkohol und Nikotin können Seekrankheit verstärken und sind deutlich zu reduzieren beziehungsweise überhaupt nicht zu konsumieren.

Es gibt eine Reihe naturheilkundlicher Verfahren, die bei der Seekrankheit ausprobiert werden. Oft lohnt sich ein Versuch mit Akupunktur oder mit Akupressurbändern, die am Handgelenk getragen werden; die Studienlage dazu ist allerdings uneinheitlich. Auf dem Schiff selbst werden häufig auch Globuli oder andere homöopathische Mittel gegen die Seekrankheit eingenommen. Eine Wirkung, die über den Placeboeffekt hinausgeht, ist für sie jedoch nicht belegt. Gerade bei der Seekrankheit kann ein solcher Placeboeffekt spürbar helfen, wie der Abschnitt zur Behandlung zeigt. Bei starken Beschwerden und besonders bei Kindern, die rasch viel Flüssigkeit verlieren, sollte man sich aber nicht darauf verlassen, sondern auf ein Mittel mit nachgewiesener Wirkung wie Dimenhydrinat zurückgreifen. Für Kinder gibt es dafür eigene, nach dem Körpergewicht dosierte Zubereitungen; bei Säuglingen unter sechs Kilogramm darf Dimenhydrinat nicht angewendet werden, und gerade bei Kleinkindern ist die in der Packungsbeilage genannte Tageshöchstdosis strikt einzuhalten. Entspannungsverfahren oder Yoga können bei der Seekrankheit ebenfalls zu sehr effizienten Helfern werden.

Quellen

  • Strutz, J., Mann, W. (Hrsg.): Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie.
    ISBN: 9783132454606
  • Lenarz, T., Boenninghaus, H.-G.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
    ISBN: 9783642211300
  • Hufschmidt, A., Rauer, S., Glocker, F. X. (Hrsg.): Neurologie compact.
    ISBN: 9783132430358
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin.
    ISBN: 9783437216428

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