Therapeutic Touch

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Therapeutic Touch ist ein alternativ esoterisches Heilverfahren, das dem Handauflegen ähnelt. Die Aktivierung der Selbstheilungskräfte und Harmonisierung der Energien bilden den Fokus. Beschrieben ist lediglich ein entspannender Effekt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Therapeutic Touch?

Therapeutic Touch
Therapeutic Touch ist ein alternativ esoterisches Heilverfahren, das dem Handauflegen ähnelt. Die Aktivierung der Selbstheilungskräfte und Harmonisierung der Energien bilden den Fokus.

In der Esoterik ist häufig vom Energiefeld des Menschen die Rede. Es wird abhängig von der Quelle auch Prana, Qi oder Aura genannt. Mit den Energiefeldern der Umgebung steht das menschliche Energiefeld dieser Theorie zufolge in permanentem Kontakt.

Therapeutic Touch ist ein Heilverfahren, das auf Basis dieser Gedanken entstanden ist. Der Ausdruck steht für Heilen durch gezielte Berührung. Es handelt sich dabei um ein alternativmedizinisches und pseudowissenschaftliches Therapieverfahren. Das Heilverfahren stellt eine Variation des Handauflegens dar. Der Therapeut berührt den Patienten dabei aber nicht im eigentlichen Sinn. TT-Therapeuten sollen allerdings das Energiefeld des Menschen wahrnehmen und daher gezielt für ihre Behandlung nutzen können.

Der englische Name führt leicht in die Irre. „Touch“ meint hier nicht die Berührung im gewöhnlichen Sinn, sondern die Zuwendung des Behandelnden zum Patienten; in weiten Teilen einer Sitzung bleiben die Hände einige Zentimeter über der Körperoberfläche. Von der Massage und von den Verfahren der Physiotherapie unterscheidet sich Therapeutic Touch damit schon im Ansatz: Es wird kein Gewebe bearbeitet, kein Gelenk bewegt und kein Druck ausgeübt. Auch vom Reiki, mit dem es häufig verwechselt wird, ist es zu trennen. Beide gehen von einer Lebensenergie aus, doch Reiki stammt aus Japan und arbeitet mit festgelegten Handpositionen und einer Einweihung durch einen Lehrer, während Therapeutic Touch in den Vereinigten Staaten im Umfeld der Krankenpflege entstand und von Anfang an als erlernbares Handwerk angelegt war.

Die alternative Methode wurde in der Vergangenheit oft in wissenschaftlichen Studien untersucht. Dabei konnte weder ein Beweis für die Fähigkeiten der Therapeuten, noch für die Wirksamkeit der Methode erbracht werden. Bekannt wurde vor allem ein 1998 im Journal of the American Medical Association veröffentlichter Versuch, in dem 21 TT-Therapeuten nicht besser als der Zufall angeben konnten, über welcher ihrer beiden Hände sich eine fremde Hand befand. Die Dozentin Dolores Krieger und die Theosophin Dora van Gelder Kunz haben Therapeutic Touch in den 70er Jahren entwickelt.

Dolores Krieger lehrte Krankenpflege an der New York University und gab dem Verfahren dort in den 1970er Jahren die Form, in der es bis heute unterrichtet wird. Dora van Gelder Kunz stammte aus der theosophischen Bewegung und brachte die Vorstellung vom menschlichen Energiefeld ein. Die Verbindung beider Herkünfte prägt Therapeutic Touch bis heute: Seine Begründung stammt aus einer weltanschaulichen Lehre, seine Verbreitung erfolgte über die Ausbildung von Pflegekräften. Weil Krieger die Methode ausdrücklich als lehr- und lernbar verstand und nicht als Gabe Einzelner, entstanden früh Kurse mit festem Aufbau, Übungsstunden und Prüfungen. Fachverbände in den Vereinigten Staaten und in Europa vergeben seither Nachweise über absolvierte Ausbildungsstufen. Ein staatlich geschützter Berufsabschluss ist damit nicht verbunden; in Deutschland wird das Verfahren überwiegend von Pflegekräften, Heilpraktikern und Therapeuten angeboten, die es zusätzlich zu ihrem eigentlichen Beruf erlernt haben.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Aura oder das Energiefeld des Menschen ist für das physische Auge unsichtbar, umgibt laut der Esoterik aber den Körper eines jeden Menschen. Die Aura setzt sich aus verschiedenen feinstofflichen Körpern zusammen, die ineinander übergehen und ein Ganzes bilden.

Der stoffliche Körper des Menschen gilt als unterster und letzter Körper und wird von den feinstofflichen Körpern des Energiefelds durchdrungen und beeinflusst. Das Immunsystem ist dieser Vorstellung zufolge zum Beispiel untrennbar mit der Aura vernetzt. Eine heile Aura soll so vor schädlichen Einflüssen schützen. Beschädigte oder unreine Auren sollen dagegen fremde und dunkle Energien eindringen lassen, die dem Körper Schaden zufügen. Jeder feinstoffliche Körper besitzt eine Schwingungsfrequenz, die auf einer gewissen Schwingungsebene stattfindet. Der stoffliche Körper schwingt am niedrigsten. Die Aura schwingt ungleich höher.

Für den Austausch von Energien zwischen den feinstofflichen Körpern und der Schwingungsebene sind die feinstofflichen Organe oder Chakren verantwortlich. Auf Energie-Meridianen bewegen sich die Energien durch das stoffliche Körpersystem. Die feinstofflichen Körper der Aura werden als Ätherkörper, Emotionalkörper und Mentalkörper bezeichnet. Der Ätherkörper ist ein morphogenetisches Feld mit Prägemustern des physischen Körpers. Der Emotionalkörper gibt die Gefühlsmuster vor und der Mentalkörper besteht aus gedanklichen Mustern. Als energetische Heilmethode will Therapeutic Touch auf diese feinstofflichen Körper zugreifen und sie miteinander harmonisieren. Die Berührungen und Fast-Berührungen des Therapeuten enthalten eine zusätzliche Dimension, die ihnen die Energielenkung erlaubt.

Therapeutic Touch wurde aus verschiedenen Heilpraktiken entwickelt. Der ursprünglich spirituelle Kontext der Lehre wurde herausgenommen, um die Methode in eine leichter erlernbare Form zu bringen. Therapeutic Touch soll so eine Hilfestellung zur Selbstheilung bieten. Das Verfahren zählt nicht zu den evidenzbasierten Methoden, wird mittlerweile aber sowohl in Krankenhäusern, als auch Pflegeeinrichtungen angewandt. Die Anwendung verwendet TT entweder als ganzheitliche Methode oder setzt das Verfahren mit anderen Pflegemaßnahmen in Kombination. Manche Krankenhäuser nehmen lediglich Einzelelemente des Verfahrens in den Pflegealltag auf.

Der Ablauf einer Sitzung folgt einem festen Aufbau, den Krieger in mehrere Schritte gegliedert hat. Am Anfang steht das sogenannte Zentrieren: Der Behandelnde sammelt sich, richtet die Aufmerksamkeit auf den Patienten und lässt Ablenkendes beiseite. Es folgt eine Bestandsaufnahme, bei der die Hände langsam über den Körper geführt werden; die Behandelnden geben an, dabei Unterschiede in Temperatur, Dichte oder Widerstand wahrzunehmen, die sie als Hinweise auf Störungen im Energiefeld deuten. Im dritten Schritt, im Englischen „unruffling“ genannt, sollen mit ausstreichenden Bewegungen als stockend empfundene Bereiche geglättet werden. Daran schließt sich der eigentliche Ausgleich an, bei dem die Hände über den betreffenden Stellen ruhen. Den Abschluss bilden eine erneute Bestandsaufnahme und eine Ruhephase für den Patienten. Diese Beschreibung gibt die Systematik des Verfahrens wieder; dass sich die dabei angenommenen Wahrnehmungen von außen prüfen lassen, ist damit nicht gesagt.

Den Fokus der Methode bildet die Wiederherstellung eines heilenden Energiemusters im Energiefeld des Patienten. Dazu arbeitet das Verfahren sowohl mit Touch, als auch Non-Touch-Techniken. Anspannung und Stress sollen durch die Behandlung reduziert werden. Körpereigene Heilungsprozesse will TT unterstützen. Schmerzzustände will die Methode lindern. So soll Stück für Stück ein körperliches und seelisches Gleichgewicht hergestellt werden. Das Heilverfahren wird als komplementäres Verfahren eingeordnet; Anwenderinnen und Anwender berichten von positiven Erfahrungen im stationären Einsatz.

Manche Einrichtungen ergänzen ihr Angebot dementsprechend um die Methode. Eine volle TT-Anwendung dauert 20 Minuten. Die Methode findet in erster Linie gegen Stress oder Erkrankungen wie Burnout Anwendung. Auch in der Hospizarbeit und der Sterbebegleitung wird Therapeutic Touch heute aber verwendet und als Form der Kommunikation genutzt.

Der Patient bleibt während der Anwendung bekleidet und kann sitzen oder liegen; ein Auskleiden ist nicht vorgesehen. Gesprochen wird während der eigentlichen Anwendung wenig. Häufig kommt das Verfahren dort zum Einsatz, wo Zuwendung ohnehin zum Auftrag gehört und eine ausführliche körperliche Behandlung nicht möglich oder nicht erwünscht ist: bei sehr geschwächten Menschen, in der Palliativmedizin oder bei Patienten, die Berührung als unangenehm empfinden. Von den Anwendern wird gerade dieser Umstand als Vorzug genannt – es sei ein Angebot, das auch dann noch bleibe, wenn andere Maßnahmen ausgeschöpft seien. Diese Einschätzung stammt allerdings aus der Praxis der Anwender und ist keine Aussage über eine geprüfte Wirkung.

Angewandt wird das Verfahren nicht gegen eine bestimmte Diagnose, sondern begleitend bei ganz verschiedenen Beschwerden; genannt werden vor allem Unruhe, Anspannung, Schlafstörungen und Schmerzen. Eine Anwendung dauert dabei gleich lang, unabhängig davon, worum es geht, und es kommen weder Wirkstoffe noch Geräte zum Einsatz. Gerade diese Gleichförmigkeit macht es schwer, die Methode mit den Mitteln der klinischen Forschung zu prüfen: Eine Scheinbehandlung, die für den Patienten nicht von der echten zu unterscheiden wäre, lässt sich kaum herstellen, und der Behandelnde weiß in jedem Fall, welche Form er gerade anwendet.

Von anerkannten Entspannungstechniken unterscheidet sich Therapeutic Touch weniger in dem, was der Patient dabei erlebt, als in der Begründung, die dafür gegeben wird. Verfahren wie das autogene Training oder die progressive Muskelentspannung führen ihre Wirkung auf beobachtbare Vorgänge zurück: auf eine sinkende Muskelspannung, eine ruhigere Atmung, die Verlagerung der Aufmerksamkeit. Therapeutic Touch führt sie dagegen auf einen Ausgleich im Energiefeld zurück, für dessen Bestehen sich kein Nachweis erbringen lässt. Für die Frage, ob eine Anwendung guttut, mag dieser Unterschied nebensächlich erscheinen; für die Frage, was von ihr zu erwarten ist, ist er wesentlich.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Eine volle TT-Sitzung ist eine relativ zeitaufwändige Sitzung, zu der ein Vorgespräch, ein Nachgespräch und eine Nachruhephase gehören. Die 20 Minuten der eigentlichen Anwendung können sich so unter Umständen auf eine deutlich längere Zeit ausweiten. Risiken und Gefahren werden mit der alternativen Heilmethode nicht in Zusammenhang gebracht.

TT-Therapeuten betonen als Nebenwirkung allerdings, dass der Urin die Tage nach der Behandlung einen eigenwilligen Geruch annehmen kann. Patienten empfinden die sanfte Heilmethode in der Regel als wohltuend und fühlen sich den Tag über beruhigt. TT ersetzt keinesfalls eine schulmedizinische Behandlung, sondern kann solche lediglich ergänzen. Wissenschaftlich begründet ist das Verfahren nicht. Nichtsdestotrotz ist zumindest ein entspannender Effekt beschrieben. Ein Einfluss auf den Verlauf einer Erkrankung ergibt sich daraus jedoch nicht.

Eigene Heilkräfte bestätigt die Wissenschaft der alternativen Anwendung aber nicht. Die Basis für die Entwicklung des Verfahrens bildete eine Arbeit von Martha Rogers, die den Menschen als offenes System im ständigen Austausch mit der Umwelt beschrieb. Die Verbreitung von Therapeutic Touch fand durch eine Veröffentlichung im American Journal of Nursing statt. Nach Angaben von Befürwortern erlernten weltweit mehr als 100.000 Menschen die Methode. Kurse im TT fanden sogar an Colleges und Universitäten statt, da Anwender positive Effekte auf die Psyche von Patienten zu beobachten glaubten.

Der bereits erwähnte Versuch aus dem Jahr 1998 gilt bis heute als der bekannteste Prüfstein des Verfahrens. Sein Aufbau war denkbar einfach: Die Behandelnden hielten beide Hände durch einen Sichtschutz hindurch, und die Versuchsleiterin legte ihre eigene Hand nach dem Zufall über die eine oder die andere. Zu benennen war lediglich, welche es war – eine Wahrnehmung, die nach der Lehre des Verfahrens die Grundlage jeder Behandlung bildet. In 280 Einzelversuchen wurde die richtige Hand 123-mal und damit in 44 Prozent der Fälle genannt – nicht häufiger, als bloßes Raten erwarten ließe. Bemerkenswert war neben dem Ergebnis auch die Herkunft des Versuchs: Er ging auf den Wettbewerbsbeitrag einer Grundschülerin zurück und erschien anschließend in einer der angesehensten medizinischen Fachzeitschriften.

Später erschienene Übersichtsarbeiten kommen zu einem ähnlichen Bild. Für einzelne Fragestellungen, etwa die Behandlung von Angststörungen, ließen sich in systematischen Recherchen keine verwertbaren kontrollierten Studien auffinden; wo Studien vorlagen, hielten die berichteten Vorteile einer Prüfung der Studienqualität nicht stand. Aussagen über eine Wirkung auf den Verlauf einer Erkrankung lassen sich daraus nicht ableiten. Davon zu trennen ist die Frage, ob Patienten die Anwendung als angenehm empfinden; dass sie das häufig tun, wird berichtet und steht zu dieser Beleglage nicht im Widerspruch.

Für die Praxis ergeben sich daraus zwei Hinweise. Der erste betrifft den Zeitpunkt: Solange Therapeutic Touch begleitend eingesetzt wird, entstehen keine unmittelbaren Nachteile; schädlich wird es, wenn eine notwendige Untersuchung oder Behandlung aufgeschoben wird, weil man sich zunächst von der Anwendung eine Besserung erhofft. Der zweite betrifft die Ankündigung: Wird die Methode als Heilverfahren dargestellt, entsteht eine Erwartung, die die vorliegende Beleglage nicht deckt; wird sie als Zuwendungs- und Entspannungsangebot beschrieben, entspricht die Ankündigung dem, was sich beobachten lässt. Wer eine Anwendung erwägt, sollte den behandelnden Arzt darüber informieren, damit sie sich in die übrige Behandlung einfügt und nicht an deren Stelle tritt.

Die Kosten trägt in Deutschland in aller Regel der Patient selbst. Eine Abrechnung über die gesetzliche Krankenversicherung ist nicht vorgesehen: Ambulante Behandlungsmethoden bedürfen dafür einer positiven Bewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss, und in dessen Richtlinie zu den Methoden der vertragsärztlichen Versorgung ist Therapeutic Touch nicht aufgeführt. Wo es in Kliniken oder Pflegeeinrichtungen angeboten wird, geschieht das meist im Rahmen des allgemeinen Betreuungsangebots und wird nicht gesondert berechnet.

Innerhalb der Pflegewissenschaft ist Therapeutic Touch seit Langem umstritten. Befürworter verweisen darauf, dass die Zuwendung, die das Verfahren verlangt – ungeteilte Aufmerksamkeit über zwanzig Minuten, ein Vorgespräch, eine Ruhephase –, im Stationsalltag selten geworden sei und für sich genommen einen Wert habe. Kritiker halten dem entgegen, dass sich diese Zuwendung auch ohne die Annahme eines Energiefelds gewähren lasse und dass eine Pflege, die sich auf überprüfbares Wissen stützen will, eine unbelegte Lehre nicht zu ihrer Begründung machen sollte. Der Streit betrifft damit weniger die Handlung als die Erklärung, die ihr beigegeben wird.

Für Patienten ist daraus eine schlichte Folgerung zu ziehen. Wer sich eine Anwendung wünscht, weil sie ihm guttut, kann sie in Anspruch nehmen, solange sie zusätzlich zur ärztlichen Behandlung erfolgt und nicht an deren Stelle. Wer sich dagegen von ihr die Heilung einer Erkrankung verspricht, sollte wissen, dass die Beleglage dafür nichts hergibt – und dass ihm niemand seriös etwas anderes zusichern kann.

Quellen

  • Kraft, K., Stange, R. (Hrsg.): Lehrbuch Naturheilverfahren.
    ISBN: 9783830453338
  • Melchart, D., Brenke, R. (Hrsg.): Naturheilverfahren.
    ISBN: 9783794526154
  • Schmiedel, V., Matejka, R. (Hrsg.): Leitfaden Naturheilkunde.
    ISBN: 9783437056390
  • Dobos, G., Paul, A. (Hrsg.): Mind-Body-Medizin.
    ISBN: 9783437579318
  • Marlock, G., Weiss, H., Niemeyer, T. (Hrsg.): Handbuch der Körperpsychotherapie.
    ISBN: 9783794531554

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