Handauflegen

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Auch wenn das Handauflegen heute eher der Esoterik zugeordnet wird, ist es doch eine der ältesten Therapiemethoden der Menschheit. Mehrere Behandlungsmethoden aus der Alternativmedizin nutzen das Handauflegen. Bekannte Verfahren sind zum Beispiel Reiki oder Therapeutic Touch.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Handauflegen?

Handauflegen
Während der Behandlung kann der Patient komplett bekleidet bleiben. Eine direkte körperliche Berührung ist nicht zwingend nötig, da sowohl mit sogenannten Touch- als auch mit Non-Touch-Techniken gearbeitet wird.

Das Heilen durch Handauflegen ist in der traditionellen Medizin in nahezu jeder Kultur zu finden. Höhlenmalereien werden dahingehend gedeutet, dass schon vor fast 20.000 Jahren das Handauflegen zu Heilungszwecken genutzt wurde.

Das Auflegen der Hand ist eine universelle Geste, die die Menschen mit Segnung und Heilung in Verbindung bringen. Streicheln und Handauflegen sind auch oft die erste Reaktion der Eltern, wenn Kinder sich verletzt haben. Oft wird das Handauflegen auch mit Streichbewegungen, Anpusten der schmerzenden oder verletzten Stelle oder mit einem Gebet kombiniert. Mehrere Verfahren der Alternativmedizin, wie beispielsweise Therapeutic Touch oder Reiki, nutzen die Technik des Handauflegens. Ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis liegt für diese Verfahren nicht vor.

Die Geste hat darüber hinaus eine lange religiöse Geschichte. In der Bibel wird das Auflegen der Hände sowohl bei Segnungen als auch bei Heilungen beschrieben, und in der christlichen Liturgie ist es bis heute Teil von Segen, Salbung und Weihe. Im mittelalterlichen England und Frankreich galt die Berührung durch den König als Mittel gegen die Skrofulose, eine Form der Tuberkulose der Halslymphknoten; die Herrscher führten dazu über Jahrhunderte eigene Zeremonien durch. Dass die Erkrankung häufig von selbst zum Stillstand kam, dürfte den Ruf dieser Behandlung erheblich gestützt haben.

Von diesen historischen Formen unterscheiden sich die heutigen Verfahren vor allem durch ihre Begründung. Sie berufen sich nicht auf einen göttlichen Auftrag, sondern auf ein Energiefeld oder eine Lebenskraft, die durch die Hände des Behandlers geleitet werde. Ein solches Feld ließ sich mit physikalischen Messverfahren bislang nicht nachweisen. Die Verfahren des Handauflegens zählen deshalb nicht zur medizinischen Regelversorgung; sie werden als Verfahren der Alternativmedizin beschrieben und in aller Regel privat bezahlt.

Angeboten wird das Handauflegen von Heilpraktikern, von Geistheilern, von Angehörigen der Pflegeberufe und von Laien, die einen entsprechenden Kurs besucht haben. Eine staatlich geregelte Ausbildung und einen geschützten Berufstitel gibt es dafür nicht. Wer eine Behandlung erwägt, kann sich vorab erkundigen, welche Ausbildung der Behandler durchlaufen hat, was eine Sitzung kostet, wie viele Sitzungen vorgesehen sind und wie mit einer laufenden ärztlichen Behandlung umgegangen wird. Seriöse Behandler raten weder zum Absetzen von Medikamenten noch zum Abbruch einer ärztlichen Therapie und stellen keine Heilungsversprechen.

Funktion, Wirkung & Ziele

Therapeutic Touch beruht auf der Annahme, dass sich das Energiefeld des Menschen zwar im Körper bildet, aber über die Körpergrenzen hinausreicht. Dieses Energiefeld steht mit seiner Umwelt ständig in Kontakt.

Störungen im Energiefeld sollen auch Störungen auf der körperlichen Ebene verursachen können. Entwickelt wurde die Methode Anfang der 1970er Jahre von der amerikanischen Pflegewissenschaftlerin Dolores Krieger und der Theosophin und Heilerin Dora Kunz; sie war ursprünglich für den Einsatz in Krankenhäusern gedacht. Ziel des Verfahrens war und ist es, Stress, Ängste und Schmerzen zu lindern und den Körper zur Selbstheilung anzuregen. Während der Behandlung kann der Patient komplett bekleidet bleiben. Eine direkte körperliche Berührung ist nicht zwingend nötig, da sowohl mit sogenannten Touch- als auch mit Non-Touch-Techniken gearbeitet wird. Therapeutic Touch kann als alleinige Behandlung angewendet oder auch mit anderen Maßnahmen kombiniert werden.

Der Ablauf ist bei Therapeutic Touch stärker festgelegt als bei den übrigen Varianten und wird in mehreren Schritten gelehrt. Am Anfang steht das sogenannte Zentrieren, eine kurze Sammlung des Behandlers. Danach führt er die Hände in geringem Abstand über den Körper, um Unterschiede im angenommenen Energiefeld wahrzunehmen, gleicht diese durch streichende Bewegungen aus und beendet die Sitzung mit einer Ruhephase. Weil die Schritte beschrieben und lehrbar sind, ließ sich das Verfahren in Pflegeschulen unterrichten — was seine Verbreitung im Gesundheitswesen erklärt, über die Frage seiner Wirksamkeit aber nichts aussagt.

Aus einzelnen Studien wird über Effekte berichtet. So waren Kinder, denen eine Operation bevorstand, nach einer Therapeutic-Touch-Behandlung entspannter. Ihr Hautwiderstand war geringer und der Puls niedriger. Auch bei Patienten, die an Alzheimer erkrankt waren, zeigten sich weniger Symptome. So waren die Patienten deutlich ruhiger und weniger aggressiv. Ein belastbarer Wirksamkeitsnachweis ergibt sich daraus nicht: Die Untersuchungen sind klein, und weil die Zuwendung des Behandlers Teil der Behandlung ist, lässt sich der Anteil des Verfahrens selbst kaum von dem der Zuwendung trennen. In Österreich ist Therapeutic Touch als eigene Weiterbildung für Angehörige der Gesundheits- und Krankenpflege geregelt, in den Niederlanden ist es in der Pflege ebenfalls verbreitet. Zur grundständigen Pflegeausbildung gehört es damit nicht; es handelt sich um ein zusätzliches Angebot.

Auch Reiki ist eine Variante des traditionellen Handauflegens. Reiki ist der japanische Begriff für die universelle Lebensenergie, bezeichnet aber auch die Methode des energetischen Handauflegens. Auch Reiki soll die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren. Im Grunde kann jeder Mensch die Methode erlernen. Um mit Reiki arbeiten zu können, ist aber eine Einweihung in das System nötig. Hier werden nicht nur die Techniken des Handauflegens vermittelt, sondern es soll durch ein Ritual auch eine Verbindung zwischen der geistigen Welt und dem Behandler hergestellt werden. Traditionell erfolgen bis zur Lehrerausbildung mehrere Einweihungen.

Im ersten Grad wird der Reiki-Kanal geöffnet. Im zweiten Grad erfolgt die Einführung in drei Reiki-Symbole. Im dritten Grad, dem Meistergrad, wird eine Einweihung auf das sogenannte Meistersymbol durchgeführt. Der vierte Grad, der Lehrergrad, befähigt zu Einweihungen anderer Personen. Für jeden Grad werden ein bis vier Einweihungen durchgeführt. Eingeweihte legen dann die Hände an verschiedenen Körperstellen auf und lassen die Reikienergie strömen. Bei der Ganzkörperanwendung werden die Hände jeweils für einige Minuten auf alle wichtigen Körperstellen aufgelegt. Eine solche Behandlung dauert in etwa eine Stunde. Auch Selbstbehandlungen mit Reiki sind möglich. Die Indikationen für Reiki sind den Reiki-Behandlern zufolge sehr vielfältig und reichen von Allergien bis hin zu Verdauungsstörungen.

Verbreitet ist beim Reiki außerdem die sogenannte Fernbehandlung, bei der sich Behandler und Behandelter nicht am selben Ort befinden. Sie wird mit Symbolen begründet, die in einem der Einweihungsgrade vermittelt werden. Eine Übertragung von Energie über beliebige Entfernungen widerspricht allem, was über physikalische Wechselwirkungen bekannt ist; auch die entspannende Wirkung der Berührung, die bei der Behandlung vor Ort eine Rolle spielt, entfällt hier vollständig.

Auch das Jin Shin Jyutsu ist eine Variante des Handauflegens. Hier geht man davon aus, dass es am Körper 26 Sicherheitsenergieschlösser gibt. Bei zu viel Stress verschließen sich diese Schlösser und es kommt zu Energieblockaden. Durch Halten und Handauflegen an den Stellen der Sicherheitsschlösser sollen diese geöffnet werden, sodass die blockierten Energien wieder fließen können. Jin Shin Jyutsu soll ebenso wie Reiki oder Therapeutic Touch vor allem eine Hilfe zur Selbsthilfe sein. Die Indikationen sind ähnlich vielfältig wie beim Reiki.

Das Reiki geht auf den Japaner Mikao Usui zurück, der die Methode in den 1920er Jahren in Japan begründete. In den Westen gelangte sie über Hawaii, wo eine in Japan ausgebildete Schülerin sie ab den 1930er Jahren weitergab; von dort verbreitete sie sich nach Nordamerika und später nach Europa. Das Jin Shin Jyutsu wird auf den Japaner Jiro Murai zurückgeführt und kam ebenfalls über eine Schülerin in die Vereinigten Staaten. Beide Verfahren sind damit deutlich jünger, als es die Berufung auf uralte Traditionen nahelegt.

Der Ablauf einer Sitzung ähnelt sich bei allen Varianten. Der Behandelte liegt oder sitzt bekleidet, der Behandler legt die Hände nacheinander auf verschiedene Körperstellen oder hält sie in geringem Abstand darüber und verweilt dort jeweils eine Weile. Gesprochen wird dabei wenig. Viele Behandelte beschreiben die Sitzung als angenehm und beruhigend und berichten über Wärme, Kribbeln oder ein Gefühl von Schwere. Diese Empfindungen sind gut erklärbar: Ruhiges Liegen, gleichmäßige Atmung, warme Hände und die ungeteilte Aufmerksamkeit einer anderen Person senken nachweislich Anspannung und Herzfrequenz. Umstritten ist nicht, dass sich Menschen nach einer solchen Sitzung besser fühlen, sondern die Erklärung, die die Verfahren dafür anbieten.

Genau daran scheitern auch die Versuche, die Wirkung zu prüfen. Eine Scheinbehandlung, die sich für den Behandelten nicht von der echten unterscheidet, ist schwer herzustellen, und die untersuchten Gruppen sind meist klein. Bekannt geworden ist ein einfacher Test, den eine US-amerikanische Schülerin für ein Schulprojekt entwarf und dessen Ergebnis 1998 in einer medizinischen Fachzeitschrift erschien: Behandler sollten hinter einem Sichtschutz erkennen, über welcher ihrer beiden Hände sich die Hand der Versuchsleiterin befand. Sie lagen in weniger als der Hälfte der Versuche richtig und damit nicht häufiger, als bloßes Raten erwarten ließe. Das Energiefeld, das die Behandler wahrzunehmen angeben, ließ sich unter diesen Bedingungen also nicht bestätigen.

Abzugrenzen ist das Handauflegen von Verfahren, die zwar ebenfalls mit den Händen arbeiten, aber auf einer anderen Grundlage beruhen. Bei der Massage und in der Physiotherapie wird auf Gewebe eingewirkt, dessen Verhalten sich beschreiben und messen lässt: Muskeln entspannen sich, Gelenke werden bewegt, die Durchblutung nimmt zu. Beim Handauflegen dagegen wird ausdrücklich kein Druck ausgeübt, und häufig kommt es nicht einmal zur Berührung. Die beiden Gruppen von Verfahren sind deshalb weder inhaltlich noch in ihrer rechtlichen Einordnung vergleichbar, auch wenn sie in Prospekten gelegentlich nebeneinander angeboten werden.

Die Kosten trägt bei allen Formen des Handauflegens in der Regel der Behandelte selbst. Eine Ausnahme bilden einzelne Kliniken und Pflegeeinrichtungen, die Berührungsangebote als Teil ihrer Betreuung führen, sowie Hospize, in denen ruhige Berührung zur Begleitung Schwerkranker gehört. Dort steht allerdings nicht die Heilung im Vordergrund, sondern Zuwendung und Beruhigung.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Körperliche Nebenwirkungen sind beim Handauflegen kaum zu erwarten. Die Verfahren sind in der Regel gut verträglich und können problemlos mit anderen schulmedizinischen oder naturheilkundlichen Behandlungsformen kombiniert werden.

Einige Patienten verspüren während der Behandlung ein Kribbeln oder ein wärmendes Gefühl. Andere berichten über übel riechende Ausscheidungen in den Tagen nach der Behandlung. Behandler sprechen zudem von einer möglichen Erstverschlimmerung. Diese Verschlechterungen sollten aber nur vorübergehend sein. Wichtig ist, dass das Handauflegen eine schulmedizinische Behandlung in keinem Fall ersetzen kann. So sollte bei jeglichen Beschwerden immer zunächst ein Arzt aufgesucht werden, damit abgeklärt werden kann, ob es sich um eine ernsthafte Erkrankung handelt oder nicht.

Reiki, Therapeutic Touch oder andere Varianten des Handauflegens als alleinige Therapie bei lebensgefährlichen Zuständen wie Blutungen, Schock oder auch bei Knochenbrüchen oder anderen Verletzungen zu nutzen ist grob fahrlässig. Auch bereits diagnostizierte schwere Erkrankungen wie beispielsweise eine Krebserkrankung sollten immer ärztlich begleitet werden. Reiki, Therapeutic Touch oder andere Formen des Handauflegens können begleitend eingesetzt werden.

Bei Kindern gilt dasselbe in verschärfter Form. Kinder äußern Beschwerden oft unspezifisch, und ernste Erkrankungen können sich innerhalb weniger Stunden zuspitzen. Eine ruhige Berührung durch die Eltern ist deshalb nichts, wogegen etwas einzuwenden wäre — sie ersetzt aber weder die Untersuchung noch die Behandlung, und bei anhaltendem Fieber, starken Schmerzen, Atemnot oder auffälliger Teilnahmslosigkeit gehört ein Kind in ärztliche Hände.

Bei psychiatrischen Erkrankungen wie Schizophrenien oder Psychosen sollte auch von einer begleitenden Behandlung mit Handauflegen dringend abgesehen werden. Der Grund liegt in den Vorstellungen, mit denen die Verfahren arbeiten: Von Energien, die von außen in den Körper einströmen, von Blockaden und von Verbindungen zu einer geistigen Welt ist dabei regelmäßig die Rede. Bei Menschen, deren Erkrankung mit Wahnbildungen oder mit dem Gefühl einhergeht, von außen beeinflusst zu werden, können solche Erklärungen die Beschwerden verstärken. Auch bei schwangeren Patientinnen sollte individuell abgewogen werden, ob eine Behandlung erforderlich ist oder nicht.

Ein weiteres Risiko liegt in der Deutung, die manche Behandler den Beschwerden geben. Wird eine Erkrankung als Folge einer „Blockade“, einer falschen Lebensführung oder eines seelischen Konflikts erklärt, kann das bei den Betroffenen Schuldgefühle auslösen — besonders dann, wenn die Behandlung nicht anschlägt. Ausbleibender Erfolg wird in solchen Erklärungsmustern gelegentlich dem Behandelten angelastet, der sich nicht genug geöffnet habe. Für Menschen mit einer schweren Erkrankung ist das eine zusätzliche Belastung, die vermeidbar wäre.

Auch der finanzielle Aufwand ist zu bedenken, weil die Kosten selbst getragen werden und viele Anbieter längere Behandlungsreihen vorschlagen. Ein sinnvolles Vorgehen besteht darin, von vornherein zu vereinbaren, nach welcher Zahl von Sitzungen gemeinsam beurteilt wird, ob sich etwas geändert hat, statt eine Behandlung ohne erkennbares Ende fortzuführen. Bleibt eine Veränderung aus, ist das kein Anlass, die Zahl der Sitzungen zu erhöhen, sondern der Zeitpunkt, die Ursache der Beschwerden erneut ärztlich klären zu lassen.

Unbedenklich ist das Handauflegen also vor allem dann, wenn es als das genommen wird, was es nachweislich leistet: eine ruhige, zugewandte Form der Berührung, die Anspannung lösen kann. Gegen den Einsatz als Ergänzung zu einer ärztlichen Behandlung ist wenig einzuwenden — vorausgesetzt, die Diagnose steht, die notwendige Therapie läuft, und der Behandler stellt sein Verfahren nicht an deren Stelle.

Quellen

  • Melchart, D. (Hrsg.): Naturheilverfahren.
    ISBN: 9783794526154
  • Kraft, K., Stange, R. (Hrsg.): Lehrbuch Naturheilverfahren.
    ISBN: 9783830453338
  • Rosenhauer-von Löwensprung, S., Rosenhauer-von Löwensprung, N.: Anthroposophische Medizin in der Naturheilpraxis.
    ISBN: 9783132442986
  • Senf, W., Broda, M., Voos, D., Neher, M. (Hrsg.): Praxis der Psychotherapie.
    ISBN: 9783132420793
  • Baron, R., Koppert, W., Strumpf, M., Willweber-Strumpf, A. (Hrsg.): Praktische Schmerzmedizin.
    ISBN: 9783662574867

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