Tinea (Dermatophytose)
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei Tinea bzw. Dermatophytosen handelt es sich um Infektionskrankheiten, die durch bestimmte Pilze hervorgerufen werden und vor allem die Haut, aber auch Haare sowie die Finger- und Zehennägel befallen.
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Was ist Tinea?
Der altgriechische Name Dermatophytose leitet sich von den Begriffen für "Haut" (derma) und "Pflanze" (phyton) ab. Die lateinische Bezeichnung Tinea ("Holzwurm") ist ebenfalls üblich.
Die Dermatophytose kann an verschiedenen Körperstellen auftreten. Das klinische Bild kann dabei je nach Pilzart und Körperregion sehr unterschiedlich sein - oft kommt es zu Rötungen, Juckreiz, Schuppen- und Bläschenbildung. Am bekanntesten ist wohl die Tinea pedis, der Fußpilz.
Etwa jeder zehnte bis fünfte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Dermatophytose; sie ist damit eine der häufigsten dermatologischen Erkrankungen überhaupt und eine der gängigsten Infektionskrankheiten.
Ursachen
Sie werden von außen auf den Menschen übertragen - entweder von einem Menschen zum nächsten, über kontaminierte Oberflächen (wie es etwa häufig beim Fußpilz geschieht) oder aber auch durch den engen Kontakt zu Tieren, vor allem Nagetieren, Kaninchen und Katzen.
Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sowie Personen, die an Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen der Haut oder Übergewicht leiden, sind signifikant häufiger betroffen.
Typische Symptome & Beschwerden
- Ringflechte
- Hautrötungen
- Juckreiz
- Schuppenbildung
Diagnose & Verlauf
Dermatologen unterscheiden zwischen oberflächlicher und tiefer gehender Dermatophytose. Die oberflächliche Form (Tinea superficialis) äußert sich meist durch Rötungen und Juckreiz an begrenzten Hautregionen, die oft ringförmig und von einem dunkleren Rand umgeben sind. Teilweise kommt es zu Haarausfall bzw. einem Ausdünnen des Haarwuchses in der betroffenen Region.
Bei der tiefer gehenden Dermatophytose (Tinea profunda) kommt es zu Entzündungen, die auch mit der Bildung von Eiter und Krusten einhergehen können. Sie ist in erster Linie im Bereich des Kopf- und Barthaares zu finden, da die Erreger entlang der Haarwurzel tiefer in die Haut eindringen. Ein Schnelltest auf Dermatophytosen ist durch das sogenannte Wood-Licht möglich. Es handelt sich hierbei um eine Schwarzlicht-Lampe, in deren Licht befallene Hautregionen gelb-grünlich erscheinen.
In der Diagnostik der Dermatophytose kommt es maßgeblich darauf an, den auslösenden Pilz genau zu bestimmen, um eine effektive Behandlung zu ermöglichen. Zu diesem Zweck entnimmt der Arzt eine Probe des befallenen Gewebes. Durch das Anlegen einer Pilzkultur kann Aufschluss über den genauen Erregerstamm gewonnen werden.
Komplikationen
Diese Infektion befällt den Rumpf und die Gliedmaßen mit Ausnahme von Händen und Füßen und kann sehr starken Juckreiz verursachen. Es können sich außerdem tiefer gehende Dermatophytosen (Tinea profunda) bilden. Diese betreffen vorwiegend den Kopf und andere behaarte Regionen. Bei Männern ist insbesondere der Teil des Gesichts betroffen, auf dem sich auch Barthaare zeigen.
Eine Tinea profunda kann mit eitrigen Entzündungen einhergehen, die mit eitrigen Pusteln, ähnlich der einer Akne-Erkrankung, verwechselt werden können. Tiefergehende Dermatophytosen im Kopfbereich können außerdem dazu führen, dass das Kopfhaar ausfällt, wobei auch nur einzelne Schädelbereiche ausdünnen können oder die Haare bereits bei geringer Belastung abbrechen.
Bei Patienten, deren Immunsystem nicht voll funktionstüchtig ist, insbesondere bei Kindern, Personen, die an Diabetes mellitus leiden oder HIV-infiziert sind, besteht außerdem die Gefahr, dass die Pilzinfektion einen schweren Verlauf nimmt und große Bereiche der Haut befällt.
Erschwert wird die Behandlung oftmals auch dadurch, dass Pilzsporen sehr leicht übertragen werden können und es deshalb sehr häufig zu einer wechselseitigen Ansteckung zwischen den Angehörigen eines Haushalts kommt, wobei auch Haustiere betroffen sein können.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Eine Dermatophytose kann mit rezeptfreien Mitteln zu Hause behandelt werden. Fungizide Salben und Cremes zum Auftragen auf die Haut lassen den Pilz binnen Tagen oder Wochen wieder verschwinden. Das gilt jedoch nicht für den Befall der Kopfhaut (Tinea capitis): Er muss ärztlich abgeklärt und mit Tabletten behandelt werden, weil äußerlich aufgetragene Mittel die Haarwurzel nicht erreichen und sonst bleibender Haarverlust droht. Auch der Befall von Kopfhaut und Nägeln braucht eine Behandlung über mehrere Monate, nicht über Tage oder Wochen. Ein Arztbesuch sollte dennoch in Erwägung gezogen werden, wenn der Betroffene zum ersten Mal an einer Dermatophytose leidet und vielleicht nicht einordnen kann, woher die Rötung an der Haut kommt. Gerötete Hautstellen können viele verschiedene Ursachen haben, die der Laie nicht auseinander halten kann. Differenzialdiagnosen sind unter anderem eine Kontaktallergie, eine mechanische Reizung oder eine Reaktion auf chemische Substanzen wie ein falsches Pflegeprodukt.
Der Arzt erkennt oft schon auf den ersten Blick, ob es sich um eine Dermatophytose handelt oder nicht, und kann dann entsprechende Untersuchungen der geröteten Haut anstellen, um die Diagnose zu sichern. Dann spricht nichts mehr dagegen, dass der Patient die Dermatophytose selbst zu Hause behandelt. Da Tinea häufig im Zusammenhang mit bestehenden Erkrankungen wie Diabetes auftritt, behandeln Betroffene sie dann ohne Arztbesuch selbst, da sie schon wissen, was die Rötung ist. Verschwindet sie allerdings nicht innerhalb von zwei bis drei Wochen, dann sollte der Arzt die mutmaßliche Dermatophytose dennoch untersuchen. Möglicherweise hat die Rötung eine andere Ursache oder das Medikament muss gewechselt werden. Denkbar ist auch, dass die Dosis der frei verkäuflichen Salben bei hartnäckiger Dermatophytose nicht ausreicht.
Behandlung & Therapie
Bei gesunden Menschen heilen Dermatophytosen nur selten unbehandelt wieder ab; meist kommt es ohne medizinische Therapie zu einem chronischen Verlauf. Früher übliche Salben mit Benzoesäure gelten heute als überholt; auch bei leichten Verlaufsformen werden die im Folgenden genannten Antimykotika bevorzugt.
Bei gesichertem Nachweis der Dermatophytose kommen Antimykotika, spezialisierte Mittel gegen Pilzbefall, zum Einsatz. Diese können entweder in Form von Cremes, Salben oder Tinkturen auf der betroffenen Körperregion angewandt werden oder - in schweren Fällen - auch in Tablettenform verabreicht werden.
Während der Therapie ist darauf zu achten, Wäsche und Handtücher regelmäßig zu wechseln und bei mindestens 60 Grad mit einem Vollwaschmittel zu waschen, um eine Neuansteckung zu vermeiden. Die betroffenen Körperstellen sollten nicht berührt werden, um die Dermatophyten nicht zu verschleppen.
Werden diese Punkte beachtet, ist die Therapie der Dermatophytose im Allgemeinen unproblematisch und eine vollständige Ausheilung zu erwarten. Auf Grund der guten Regenerationsfähigkeit der Haut bleiben für gewöhnlich keine sichtbaren Spuren zurück und auch abgebrochene Haare wachsen meist vollständig nach.
Vorbeugung
Es gab in der medizinischen Forschung bereits Bestrebungen, einen Impfstoff gegen den Befall mit Dermatophyten zu entwickeln; für den Menschen steht bislang jedoch kein Impfstoff zur Verfügung. In der Tiermedizin sind dagegen Impfstoffe gegen einzelne Dermatophyten zugelassen.
Die effektivste Vorbeugung besteht darin, den Kontakt zu potentiell infizierten Oberflächen zu vermeiden. Dazu gehört das Tragen von geeigneten Schuhen in öffentlichen Schwimmbädern, Gemeinschaftsduschen und Herbergen. Jedoch sollte auch im privaten Rahmen darauf geachtet werden, dass sich nicht mehrere Personen Handtücher und Kleidung teilen.
Dermatophyten gedeihen in feuchtwarmem Klima, deswegen sollten Füße und Hautfalten stets gründlich abgetrocknet werden; auch atmungsaktive, luftige Kleidung ist in diesem Zusammenhang von Vorteil. Auch im Umgang mit Haus- und Nutztieren sind die üblichen Hygienevorkehrungen einzuhalten.
Das können Sie selbst tun
Patienten mit Tinea (Dermatophytose) konzentrieren sich zunächst darauf, die Erkrankung auf medikamentösem Weg zu behandeln. Denn unbehandelt heilt eine Dermatophytose nur selten ab und wird häufig chronisch.
Die Betroffenen wenden die verordneten Arzneimittel, üblicherweise auf der Haut aufzutragende Antimykotika, regelmäßig in der vorgegebenen Dosis an. Dabei beobachten sie die Reaktion der erkrankten Haut und suchen bei Nebenwirkungen oder einem verzögerten Heilungsverlauf den Arzt auf. Da die Tinea (Dermatophytose) oftmals mit starkem Juckreiz an den betroffenen Stellen einhergeht, müssen die Patienten lernen, dem Jucken zu widerstehen und nicht an den vom Pilz befallenen Bereichen der Haut zu kratzen. Berührungen der erkrankten Hautareale sind der Heilung allgemein eher abträglich und verschlimmern die Symptome häufig. Neben einer Verstärkung des Juckreizes durch Kratzen besteht durch Berührungen außerdem die Gefahr, dass der Pilz sich auf andere Stellen des Körpers ausbreitet.
Während der Erkrankung sollte die Kleidung nicht eng auf der Haut aufliegen und eine gute Verdunstung von Schweiß ermöglichen. Gut geeignet sind daher Naturfasern und hypoallergene Textilien, die möglichst weit geschnitten sind und eine gute Luftzirkulation ermöglichen.
Schließlich spielt die Hygiene während der Erkrankung eine enorm wichtige Rolle. Patienten mit Tinea vermeiden Besuche öffentlicher Schwimmbäder und Saunen.
Quellen
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Moll, I. (Hrsg.): Dermatologie.
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- Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie.
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- Spinner, C. D., Gürtler, L., Jilg, W., et al.: Infektionskrankheiten von A bis Z.
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- Speer, C., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
ISBN: 9783662572948

