Tinea (Dermatophytose)


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 4. Oktober 2018
Kategorie: Krankheiten

Bei Tinea bzw. Dermatophytosen handelt es sich um Infektionskrankheiten, die durch bestimmte Pilze hervorgerufen werden und vor allem die Haut, aber auch Haare sowie die Finger- und Zehennägel befallen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Tinea?

Der altgriechische Name Dermatophytose leitet sich von den Begriffen für "Haut" (derma) und "Pflanze" (phyton) ab. Die lateinische Bezeichnung Tinea ("Holzwurm") ist ebenfalls üblich.

Die Dermatophytose kann an verschiedenen Körperstellen auftreten. Das klinische Bild kann dabei je nach Pilzart und Körperregion sehr unterschiedlich sein - oft kommt es zu Rötungen, Juckreiz, Schuppen- und Bläschenbildung. Am bekanntesten ist wohl die Tinea pedis, der Fußpilz.

Etwa jeder zehnte bis fünfte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Dermatophytose; sie ist damit die häufigste dermatologische Erkrankungen überhaupt und eine der gängigsten Infektionskrankheiten.

Ursachen

Dermatophytose wird durch sogenannte Fadenpilze ausgelöst. Das sind fadenförmige, einzellig Pilze, die sich in den Haaren, den Nägeln und der Haut von Menschen und Tieren ansiedeln. Man unterscheidet dabei zwischen Mikrosporen, Trichophyten und Epidermophyten.

Sie werden von außen auf den Menschen übertragen - entweder von einem Menschen zum nächsten, über kontaminierte Oberflächen (wie es etwa häufig beim Fußpilz geschieht) oder aber auch durch den engen Kontakt zu Tieren, vor allem Nagetieren, Kaninchen und Katzen.

Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sowie Personen, die an Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen der Haut oder Übergewicht leiden, sind signifikant häufiger betroffen.

Typische Symptome & Beschwerden

Diagnose & Verlauf

Dermatologen unterscheiden zwischen oberflächlicher und tiefer gehender Dermatophytose. Die oberflächliche Form (Tinea superficialis) äußert sich meist durch Rötungen und Juckreiz an begrenzten Hautregionen, die oft ringförmig und von einem dunkleren Rand umgeben sind. Teilweise kommt es zu Haarausfall bzw. einem Ausdünnen des Haarwuchses in der betroffenen Region.

Bei der tiefer gehenden Dermatophytose (Tinea profunda) kommt es zu Entzündungen, die auch mit der Bildung von Eiter und Krusten einhergehen können. Sie ist in erster Linie im Bereich des Kopf- und Barthaares zu finden, da die Erreger entlang der Haarwurzel tiefer in die Haut eindringen. Ein Schnelltest auf Dermatophytosen ist durch das sogenannte Wood-Licht möglich. Es handelt sich hierbei um eine Schwarzlicht-Lampe, in deren Licht befallene Hautregionen gelb-grünlich erscheinen.

In der Diagnostik der Dermatophytose kommt es maßgeblich darauf an, den auslösenden Pilz genau zu bestimmen, um eine effektive Behandlung zu ermöglichen. Zu diesem Zweck entnimmt der Arzt eine Probe des befallenen Gewebes. Durch das Anlegen einer Pilzkultur kann Aufschluss über den genauen Erregerstamm gewonnen werden.

Komplikationen

Infektionen mit Dermatophyten sind nicht ungewöhnlich und heilen, sofern sie adäquat behandelt werden, meist ohne Komplikationen wieder ab. Mit Komplikationen ist insbesondere dann zu rechnen, wenn die Störung nicht ernst genommen und deshalb nicht therapiert wird oder wenn das Immunsystem des Patienten stark angegriffen ist. In diesen Fällen kann sich beispielsweise eine Tinea corporis herausbilden.

Diese Infektion befällt den gesamten Körper einschließlich der Gliedmaßen und kann sehr starken Juckreiz verursachen. Es können sich außerdem tiefer gehende Dermatophytosen (Tinea profunda) bilden. Diese betreffen vorwiegen den Kopf und andere behaarte Regionen. Bei Männern ist insbesondere der Teil des Gesichts betroffen, auf dem sich auch Barthaare zeigen.

Eine Tinea profunda kann mit eitrigen Entzündungen einhergehen, die mit eitrigen Pusteln, ähnlich der einer Akne-Erkrankung, verwechselt werden können. Tiefergehende Dermatophytosen im Kopfbereich können außerdem dazu führen, dass das Kopfhaar ausfällt, wobei auch nur einzelne Schädelbereiche ausdünnen können oder die Haare bereits bei geringer Belastung abbrechen.

Bei Patienten, deren Immunsystem nicht voll funktionstüchtig ist, insbesondere bei Kindern, Personen, die an Diabetes mellitus leiden oder HIV-infiziert sind, besteht außerdem die Gefahr, dass die Pilzinfektion einen schweren Verlauf nimmt und die inneren Organe befällt.

Erschwert wird die Behandlung oftmals auch dadurch, dass Pilzsporen sehr leicht übertragen werden können und es deshalb sehr häufig zu einer Wechselseitigen Ansteckung zwischen den Angehörigen eines Haushalts kommt, wobei auch Haustiere betroffen sein können.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Dermatophytose kann mit rezeptfreien Mitteln zu Hause behandelt werden. Fungizide Salben und Cremes zum Auftragen auf die Haut lassen den Pilz binnen Tagen oder Wochen wieder verschwinden. Ein Arztbesuch sollte dennoch in Erwägung gezogen werden, wenn der Betroffene zum ersten Mal an einer Dermatophytose leidet und vielleicht nicht einordnen kann, woher die Rötung an der Haut kommt. Gerötete Hautstellen können viele verschiedene Ursachen haben, die der Laie nicht auseinander halten kann. Differenzialdiagnosen sind unter anderem eine Kontaktallergie, eine mechanische Reizung oder eine Reaktion auf chemische Substanzen wie ein falsches Pflegeprodukt.

Der Arzt erkennt oft schon auf den ersten Blick, ob es sich um eine Dermatophytose handelt oder nicht, und kann dann entsprechende Untersuchungen der geröteten Haut anstellen, um die Diagnose zu sichern. Dann spricht nichts mehr dagegen, dass der Patient die Dermatophytose selbst zu Hause behandelt. Da Tinea häufig im Zusammenhang mit bestehenden Erkrankungen wie Diabetes auftritt, behandeln Betroffene sie dann ohne Arztbesuch selbst, da sie schon wissen, was die Rötung ist. Verschwindet sie allerdings nicht innerhalb einiger Tage, dann sollte der Arzt die mutmaßliche Dermatophytose dennoch untersuchen. Möglicherweise hat die Rötung eine andere Ursache oder das Medikament muss gewechselt werden. Denkbar ist auch, dass die Dosis der frei verkäuflichen Salben bei hartnäckiger Dermatophytose nicht ausreicht.

Behandlung & Therapie

Bei gesunden Menschen heilen Dermatophytosen teilweise auch unbehandelt wieder ab; oft jedoch kommt es ohne medizinische Therapie zu einem chronischen Verlauf. Bei leichten Verlaufsformen genügt oft bereits eine Behandlung mit Salben, die beispielsweise Benzoesäure enthalten.

Bei gesichertem Nachweis des Dermatophytose kommen Antimykotika, spezialisierte Mittel gegen Pilzbefall, zum Einsatz. Diese können entweder in Form von Cremes, Salben oder Tinkturen auf der betroffenen Körperregion angewandt werden oder - in schweren Fällen - auch in Tablettenform verabbreicht werden.

Während der Therapie ist darauf zu achten, Wäsche und Handtücher regelmäßig zu wechseln und bei mindestens 60 Grad zu waschen, um eine Neuansteckung zu vermeiden. Die betroffenen Körperstellen sollten nicht berührt werden, um die Dermatophyten nicht zu verschleppen.

Werden diese Punkte beachtet, ist die Therapie der Dermatophythose im Allgemeinen unproblematisch und eine vollständige Ausheilung zu erwarten. Auf Grund der guten Regenationsfähigkeit der Haut bleiben für gewöhnlich keine sichtbaren Spuren zurück und auch abgebrochene Haare wachsen meist vollständig nach.

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Vorbeugung

Es gab in der medizinischen Forschung bereits Bestrebungen, einen Impfstoff gegen den Befall mit Dermatophyten zu entwickeln; dieser wurde jedoch wegen starker Nebenwirkungen nicht massentauglich.

Die effektivste Vorbeugung besteht darin, den Kontakt zu potentiell infizierten Oberfläche zu vermeiden. Dazu gehört das Tragen von geeigneten Schuhen in öffentlichen Schwimmbädern, Gemeinschaftsduschen und Herbergen. Jedoch sollte auch im privaten Rahmen darauf geachtet werden, dass sich nicht mehrere Personen Handtücher und Kleidung teilen.

Dermatophyten gedeien in feuchtwarmem Klima, deswegen sollten Füße und Hautfalten stets gründlich abgetrocknet werden; auch atmungsaktive, luftige Kleidung ist in diesem Zusammenhang von Vorteil. Auch im Umgang mit Haus- und Nutztieren sind die üblichen Hygienevorkehrungen einzuhalten.

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Sterry, W., Worm, M., Burgdorf, W.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2014


Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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