Tollwut
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Tollwut, Rabies oder Lyssa ist eine tödliche Infektionskrankheit, die durch Viren ausgelöst wird. Weltweit wird die Tollwut überwiegend durch Hunde auf den Menschen übertragen, daneben durch Katzen und Wildtiere. In Deutschland ist seit 2008 nur noch die Fledermaustollwut von Bedeutung; das eigentliche Risiko besteht bei Reisen. Ohne eine Schutzimpfung und Behandlung gegen die Tollwut ist die Krankheit zu 100% tödlich.
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Was ist Tollwut?
Tollwut ist eine Infektionskrankheit, die zumeist durch infizierte Tiere, wie Füchse oder Hunde übertragen wird. Die Tollwut selbst wird aber durch sogenannte Tollwut-Viren ausgelöst. Neben Hunden und Füchsen können in Deutschland aber auch Marder, Dachse und Fledermäuse die Tollwut auf den Menschen übertragen. Diese Angabe gibt allerdings einen früheren Stand wieder: Deutschland gilt seit 2008 als frei von der klassischen Fuchstollwut, sodass Füchse, Marder und Dachse hier kein Reservoir mehr bilden. Geblieben ist die Fledermaustollwut. Das eigentliche Risiko besteht heute bei Reisen in Länder, in denen die Tollwut noch verbreitet ist; dort geht sie ganz überwiegend von Hunden aus.
Da in Deutschland die Tollwut systematisch bekämpft wird, ist die Wahrscheinlichkeit von einem infizierten Tier angesteckt zu werden, in den letzten Jahren deutlich gesunken. Dennoch kommen gelegentliche Infektionen vor. Die Inkubationszeit der Tollwut beträgt nach dem Stand der Forschung meist drei bis acht Wochen; sie kann jedoch auch nur wenige Tage oder mehr als ein Jahr betragen. Gleichzeitig ist der Ausbruch der Krankheit aber auch von der übertragenen Virusmenge abhängig.
Tollwut ist in Deutschland meldepflichtig und sollte umgehend vom Arzt behandelt werden, da die Krankheit unbehandelt tödlich enden kann. In Deutschland selbst sind Erkrankungen beim Menschen inzwischen eine Ausnahme; die wenigen Fälle der vergangenen Jahrzehnte wurden im Ausland erworben. In Indien sterben dagegen weiterhin jedes Jahr schätzungsweise 18.000 bis 20.000 Menschen an Tollwut; in China ist die Zahl der Todesfälle durch Impfprogramme stark zurückgegangen. Reisende in diese Länder sollten daher über eine Tollwutimpfung nachdenken und sich vom Arzt beraten lassen.
Ursachen
Danach verbreiten sich die Viren in den unmittelbar betroffenen Muskeln der Wunde und wandern dann weiter über die Nerven zum Gehirn.
Hier wiederum gelangen sie in die Speicheldrüsen, von wo aus sie über den Speichel weiter übertragen werden können.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Symptome einer Tollwuterkrankung lassen sich in drei Stadien aufteilen. Im ersten Stadium, dem Prodromalstadium, sind die Anzeichen für eine Tollwuterkrankung unspezifisch. Patienten klagen über Kopf- und Magenschmerzen, es kommt zu Fieber, das im Verlauf der Krankheit stark ansteigen kann. Erbrechen und Durchfall sind weitere häufig auftretende Symptome.
Wurde die Tollwut durch einen Biss übertragen, kann die Wunde um die Bissstelle jucken. Im weiteren Verlauf wird eine erhöhte Reizbarkeit der Patienten beobachtet. Oft reagieren Betroffene empfindlich gegen Wasser, Licht, Luftzug und Geräusche. Das zweite Stadium wird Exzitationsstadium genannt. In diesem Stadium ist bereits das Hirn der betroffenen Patienten betroffen und zu den Symptomen des ersten Stadiums treten neurologische Krankheitsanzeichen hinzu.
So entwickeln die Patienten eine intensive, gar panische Angst vor Wasser, die auch durch Wassergeräusche wie Rauschen oder Plätschern und das Schlucken des eigenen Speichels ausgelöst wird. Viele Patienten schlucken daher nicht mehr; der Kehlkopf kann verkrampfen und Speichel tritt aus dem Mund aus. In untypischen Fällen treten in der zweiten Phase Symptome wie Krampfanfälle, Verwirrtheit, Aggressionen und auch Halluzinationen auf.
Im dritten Stadium, dem Paralysestadium, treten bei einer Tollwuterkrankung mehr und mehr Lähmungen auf, in deren Folge der Patient ins Koma fällt. Die Lähmungserscheinungen betreffen alle Muskeln und greifen auf die Atmung über.
Krankheitsverlauf
Der Verlauf der Tollwut ist vom rechtzeitigen Erkennen der Krankheit abhängig. Wird der Infizierte sofort nach einem Biss durch ein mit Tollwut infiziertes Tier behandelt, stehen die Heilungschancen günstig und Komplikationen sind eher selten.
Ist jedoch das Gehirn von den Tollwut-Viren befallen und die typischen Tollwut-Symptome treten in Erscheinung, so ist die Krankheit nicht mehr heilbar. Der Tod kann nicht mehr abgewendet werden und nur noch mit Mitteln der Intensivmedizin hinausgezögert werden. Weltweit sind bisher nur einzelne Fälle dokumentiert, in denen Erkrankte die Tollwut überlebt haben.
Komplikationen
So kann die Tollwut, nachdem sie sich im Körper ausgebreitet hat, den Betroffenen auf mehrere Arten umbringen. Die häufigste Komplikation, die zum Tod führt, ist ein einsetzendes Koma mit Atemstillstand. Aber auch ein Hirninfarkt, eine Hirnhautentzündung, eine Gehirnentzündung und viele weitere Symptome der Krankheit führen zum Tod. Die weiteren Komplikationen sind von Krampfanfällen, auftretenden Hydro- oder Photophobien, einer enormen Speichelbildung und den weiteren Merkmalen einer Entzündung bedingt.
Der Verlauf einer ausgebrochenen Tollwut wird dabei oftmals nicht richtig therapiert, da insbesondere die Lähmungen und Atemdepressionen eine Erkrankung am Guillain-Barré-Syndrom vermuten lassen. Entsprechend wird der sterbende Patient nicht sofort seiner Krankheit entsprechend (palliativ) behandelt. Außerdem ist bei vorliegendem Guillain-Barré-Syndrom kein Infektionsschutz seitens anderer Personen nötig, was eine Übertragung der Tollwut wahrscheinlicher macht.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Tollwut ist eine schwerwiegende Erkrankung, die in jedem Fall ärztlich behandelt werden muss. Nach dem Kontakt mit einem möglicherweise mit Tollwut infizierten Tier sollte in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden. Auch wenn ein auffälliges Tier an der Haut geschleckt hat, ist eine Tollwut-Impfung notwendig. Die typischen Symptome treten meist drei bis acht Wochen nach der Ansteckung auf. Wenn in diesem Zeitraum ungewöhnliche körperliche oder psychische Beschwerden auftreten, muss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Typische Warnzeichen sind Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und Fieber. Die schmerzende Bissstelle ist der deutlichste Indikator für eine Ansteckung.
Nach einem Biss ist eine notärztliche Behandlung vonnöten. Andernfalls steigt das Fieber weiter an und ruft starke körperliche Beschwerden hervor. Kann der Kranke seinen eigenen Speichel nicht mehr schlucken und fließt dieser aus dem Mund, muss der Notarzt alarmiert werden. Besonders gefährdet sind Menschen, die häufig in Kontakt mit Waldtieren geraten. Vor einer Afrika-, Asien- oder Lateinamerikareise empfiehlt sich eine vorsorgliche Tollwut-Impfung. Nach der Rückkehr sollte der Hausarzt zwecks einer Routinekontrolle konsultiert werden. Eine Untersuchung, die eine Ansteckung schon vor dem Ausbruch der Krankheit zuverlässig nachweist, gibt es allerdings nicht.
Nach jedem Biss, jedem Kratzer und jedem Kontakt mit dem Speichel eines möglicherweise infizierten Tieres zählt daher jede Stunde: Die Wunde ist sofort mindestens 15 Minuten lang mit Wasser und Seife auszuspülen, und noch am selben Tag muss die Postexpositionsprophylaxe aus Impfung und – bei Ungeimpften – Immunglobulin begonnen werden. Beides zusammen ist die einzige wirksame Maßnahme, und es wirkt nur, solange die Krankheit noch nicht ausgebrochen ist. Ist kein Arzt erreichbar oder treten bereits Schluckstörungen, Krampfanfälle, Lähmungen oder Bewusstseinsstörungen auf, muss über den Notruf 112 sofort der Rettungsdienst alarmiert werden.
Behandlung & Therapie
Nach einem Biss von einem potentiell an Tollwut erkrankten Tieres, sollte so schnell wie möglich der Arzt die Krankheit behandeln. Im Krankenhaus wird hierbei die infizierte Wunde mit einer starken Seifenlauge und Wasser gereinigt. Ziel ist es den Tollwut-Virus herauszuwaschen, bevor er sich in der Muskulatur vermehren kann. Weiterhin wird mit Hilfe von Alkohol versucht den Erreger abzutöten und die Wunde zu desinfizieren.
Sind die Wunden bereits sehr tief, kann auch das Ausspülen mit Kathetern erforderlich werden. Diese Behandlungsmaßnahmen erfolgen in der Arztpraxis oder in der Notaufnahme und werden strengstens überwacht. Nach dem Herauswaschen wird ein sogenannter Totimpfstoff geimpft. Dieser Impfstoff und zusätzlich verabreichtes Immunglobulin sollen den Patienten gegen die Tollwut immunisieren. Vorbeugend wird oftmals auch eine Impfung gegen Wundstarrkrampf bzw. Tetanus durchgeführt.
Vorbeugung
Am besten beugt man der Tollwut mit einer Schutzimpfung vor. Diese wird zwar nicht von allen Krankenkassen bezahlt, sollte aber besonders von Reisenden nach Asien, Afrika und Lateinamerika oder von Tierärzten und Jägern in Erwägung gezogen werden. Der Schutz dieser Impfung hält mehrere Jahre an und wird bei fortbestehendem Risiko nach ärztlicher Empfehlung aufgefrischt. Auch wer geimpft ist, benötigt nach einem Biss umgehend eine Postexpositionsprophylaxe, dann allerdings nur in verkürzter Form und ohne Immunglobulin.
Weitere vorbeugende Maßnahmen sind die Vermeidung von Kontakt mit wilden und ungewöhnlich zahmen oder aggressiven Wildtieren. Wilde oder auffällige Tiere sollten nicht berührt werden oder nur mit Hilfe von Schutzhandschuhen angefasst werden.
Nachsorge
Nach der ärztlichen Erstversorgung der Wunde, muss die Bissstelle die nächsten 24 bis 48 Stunden weiterhin kontrolliert werden. Es ist wichtig mögliche allfällige Infektionen und andere Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Gegebenenfalls müssen diese behandelt werden. Es kommt auf die individuelle Situation an, in welchen Abständen diese Kontrollen notwendig sind.
Damit der Heilungsprozess nicht gefährdet wird, muss die Wunde auf ungünstige Veränderungen beobachtet werden. Dabei wird darauf geachtet, ob sich die Wunde rötet oder anschwillt. Auch Gelenksschmerzen, Einschränkungen des Bewegungsradius oder Fieber müssen ernst genommen werden. In diesem Fall sollte sofort ein Arzt oder eine Notfall-Station aufgesucht werden.
Wird nicht rechtzeitig reagiert, kann schlimmstenfalls eine generalisierte Infektion wie eine Blutvergiftung oder Sepsis entstehen. Bleibt diese unbehandelt kann der Tod eintreten. Außerdem muss nach einem Biss umgehend die Tollwut-Impfung durchgeführt werden. Ergänzend erhalten bislang ungeimpfte Personen einmalig 20 IE pro Kilogramm Körpergewicht humanes Tollwut-Immunglobulin; dieses ist keine Impfung, sondern eine passive Immunisierung und wird möglichst vollständig rund um die Wunde in das Gewebe eingespritzt.
Gegenanzeigen, die gegen eine solche Impfung sprechen, gibt es nach dem Biss durch ein tollwutverdächtiges Tier nicht. Selbst wenn der Patient sich erst einige Wochen oder Monate später nach dem Biss zum Arzt begibt, muss eine postexpositionelle Impfung durchgeführt werden. Weiterhin muss überprüft werden, ob der Patient durch eine ausreichende Tetanusimpfung geschützt ist. Gegebenenfalls sollte auch diese aufgefrischt werden.
Das können Sie selbst tun
Bei Tollwut ist ein schnelles Handeln wichtig. Wenn nach einem Tierbiss oder -kontakt Symptome einer Erkrankung bemerkt werden, etwa Fieber und Schmerzen, muss umgehend ein Arzt konsultiert werden.
Durch eine sofortige Impfung lässt sich ein Ausbruch der Erkrankung zuverlässig vermeiden. Wichtig ist auch eine sorgfältige Reinigung der Wunde. Diese sollte sofort und mindestens 15 Minuten lang mit Wasser und Seife ausgespült werden, noch bevor der Arzt aufgesucht wird. Durch den Einsatz spezieller Spülungen lässt sich ein großer Teil der Viren entfernen, bevor diese in den Körper gelangen. Die Prophylaxe kann auch für die Angehörigen der erkrankten Person sinnvoll sein.
Nach der aktiven und passiven Impfung gelten Ruhe und Schonung. Der Verlauf muss sorgfältig beobachtet und die aktive Impfung nach drei, sieben und 14 Tagen wiederholt werden. Die früher zusätzlich am 28. Tag gegebene fünfte Impfung ist bei Menschen mit gesundem Immunsystem nicht mehr vorgesehen. Begleitend dazu kann eine Immunglobulin-Therapie erfolgen.
Nach der Behandlung sollte die Ursache für die mögliche Tollwut-Infektion ermittelt werden. Nach einem Tierbiss zum Beispiel muss das verantwortliche Tier eingefangen und untersucht werden. Das ist Aufgabe des Veterinäramtes; Betroffene dürfen ein tollwutverdächtiges Tier keinesfalls selbst einfangen. Die Prophylaxe findet jedoch bereits vor der Diagnose des Tieres statt, um die Genesungschancen zu verbessern. Stellt sich heraus, dass das Tier nicht erkrankt ist, kann die Behandlung abgebrochen werden.
Quellen
- Spinner, C. D., Gürtler, L., Jilg, W., et al.: Infektionskrankheiten von A bis Z.
ISBN: 9783609633374
- Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie.
ISBN: 9783132443198
- Salzberger, B. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Infektionskrankheiten und Impfungen.
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- Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
ISBN: 9783662606742
- Berner, R. (Hrsg.): DGPI Handbuch Infektionen bei Kindern und Jugendlichen.
ISBN: 9783132454408
