Wundstarrkrampf

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Als Wundstarrkrampf oder Tetanus wird eine Infektionskrankheit bezeichnet, die vor allem durch die von ihr ausgelöste Muskelstarre und die schmerzhaften Krämpfe bekannt ist. Verantwortlich ist ein einziges Bakterium, Clostridium tetani, das über eine verschmutzte Wunde in den Körper gelangt und dort ein Gift bildet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Wundstarrkrampf?

Wundstarrkrampf
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Als Wundstarrkrampf, auch bekannt als Tetanus, bezeichnet man eine Infektionskrankheit. Hierbei gelangen durch eine verschmutzte Wunde Bakterien in das Gewebe. Die Erreger selbst bleiben dabei in der Wunde; es ist ihr Gift, das sich im Körper ausbreitet und entlang der Nerven wandert. Wundstarrkrampf ist deshalb auch keine Blutvergiftung. Durch dieses Gift verkrampft dann die Muskulatur. Es kommt zu einer anhaltenden Muskelstarre und zu heftigen Krämpfen. Es gibt mehrere Arten des Wundstarrkrampfs. Am häufigsten tritt weltweit der neonatale Tetanus auf. Neugeborene können an ihm erkranken. Betroffene dieser Form sind überwiegend in Ländern zu finden, deren medizinische Versorgung mangelhaft ist.

In Mitteleuropa ist der generalisierte Tetanus die am meisten verbreitete Form des Wundstarrkrampfs. Nach Geburten können Mütter an dem puerperalen Tetanus leiden, der durch eine Infektion der Gebärmutter auftritt. Auch die Infektion von Operationswunden kann zu einem Wundstarrkrampf führen. Hierbei handelt es sich um den postoperativen Tetanus.

Ist die Muskelstarre nur auf eine Stelle des Körpers beschränkt, handelt es sich um einen lokalen Tetanus. Eine Sonderform von ihm ist der zephale Wundstarrkrampf, welcher durch Verletzungen im Kopfbereich entsteht. Ohne Behandlung endet ein Wundstarrkrampf in den allermeisten Fällen tödlich.

Ursachen

Eine verschmutzte Wunde ist die häufigste Ursache des Wundstarrkrampfs. Es muss ein bestimmtes Bakterium namens Clostridium tetani in den Körper eintreten, um die Tetanusinfektion auszulösen. Dieses setzt dann ein Toxin frei. Ist die Umgebung sauerstoffarm, kann sich das Bakterium fortpflanzen. Diese Umgebung findet das Bakterium bevorzugt in offenen Wunden.

Wundstarrkrampferreger kommen weltweit vor, da sie ein natürlicher Bestandteil der Umwelt sind. Man findet sie vor allem in Erde, Staub und Tierkot; ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Körpers sind sie dagegen nicht. Durch das Bilden von Sporen kann der Erreger sich vor ungünstigen Einflüssen seiner Umgebung schützen. In dieser Form übersteht er Hitze, Trockenheit und viele Desinfektionsmittel über Jahre hinweg, vermehren kann er sich als Spore allerdings nicht.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die ersten Symptome sind eher unspezifisch. Sie äußern sich in einem allgemeinen Krankheitsgefühl mit Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schwindel. Im weiteren Verlauf beginnen die Muskeln zu schmerzen und fühlen sich ungewohnt steif an. Besonders im Gesicht und im Nacken machen sich diese Muskelbeschwerden bemerkbar und beeinflussen den mimischen Ausdruck. Das kann zu seltsamen Grimassen führen. Der dabei entstehende Gesichtsausdruck mit hochgezogenen Mundwinkeln wird als Risus sardonicus, als "teuflisches Grinsen", bezeichnet.

Mit der Zeit kommen Schluckstörungen und eine Verkrampfung der Kaumuskulatur hinzu. Letzteres verursacht eine Mund- oder Kiefersperre, das charakteristische Symptom der Erkrankung. Auch die Kehlkopfmuskulatur kann von den Verkrampfungen betroffen sein, was dazu führt, dass es den Patienten nicht mehr möglich ist, zu sprechen. Sie schwitzen, ihr Blutdruck steigt und es macht sich eine gewisse Reizbarkeit und Unruhe breit.

Herzrasen (Tachykardie) ist möglich. In manchen Fällen tritt Fieber und Schüttelfrost auf. Im weiteren Verlauf breiten sich die Muskelverkrampfungen auf den ganzen Körper aus und es kommt zu heftigen Krämpfen in der Bauch- und Rückenmuskulatur. Diese Krämpfe können so stark sein, dass der Körper eine von der Norm völlig abweichende Haltung einnimmt und dabei Wirbelknochen brechen. Die dabei nach hinten überstreckte Körperhaltung heißt Opisthotonus.

Auch die Muskulatur der Organe, wie der Blase oder des Darms kann betroffen sein, sodass Stuhlgang und Urinieren nicht mehr möglich sind. Wird die Krankheit nicht behandelt, führt sie meist zum Tod durch Ersticken, weil auch die Atemmuskulatur verkrampft.

Krankheitsverlauf

Die ersten Symptome des Wundstarrkrampfs sind Schmerzen am Kopf und an den Muskeln (Muskelschmerzen), Schwindelgefühle und Schweißausbrüche. Kieferschmerzen und ein dauerhaftes Grinsen durch das Verkrampfen der Gesichtsmuskulatur können ebenso Symptome des Anfangsstadiums sein. Die Muskelstarre breitet sich vom Kopf abwärts aus. Die schmerzenden Krämpfe des Wundstarrkrampfs können im Minutentakt auftreten. Sie werden durch Reize ausgelöst.

Nach dem Kopf erfassen die Verkrampfungen Rücken und Bauch. Es folgen die Gliedmaßen. Treten Krämpfe im Bauch- und Rückenbereich auf, können diese zu Brüchen der Wirbelsäule führen. Zuletzt sind der Kehlkopf und das Zwerchfell betroffen. Sollte Letzteres verkrampfen, kommt es zur Atemnot. Der Patient kann an Luftmangel sterben.

Fieber gehört nicht zwangsläufig zum Bild des Wundstarrkrampfs. Kommt es hinzu, spricht das für einen schweren Verlauf oder für eine zusätzliche Infektion.

Die Diagnose wird anhand des typischen Beschwerdebildes und der Vorgeschichte der Verletzung gestellt. Ein Labornachweis des Erregers oder seines Giftes gelingt nur selten und darf die Behandlung keinesfalls verzögern.

Komplikationen

Schreitet ein Wundstarrkrampf unbehandelt fort, breiten sich die Krämpfe auf weitere Körperregionen aus. Eine typische Folgeerkrankung ist die sogenannte Kieferklemme oder Trismus, die meist von einer krampfenden Gesichts- und Zungenmuskulatur begleitet wird. Die Verkrampfungen gehen schließlich auch in die Muskeln der Arme und Beine, der Rippen, des Kehlkopfs und des Zwerchfells über.

Es kommt zu einer Muskelstarre der langen Rücken- und Bauchmuskeln, in deren Folge sich der Betroffene kaum noch bewegen kann. Weitere Beschwerden können hinzukommen, etwa Fieber, Wirbelverletzungen und Atembeschwerden. Bei einer Beteiligung des Zwerchfells besteht akute Erstickungsgefahr. Des Weiteren kann Tetanus das vegetative Nervensystem befallen und Funktionsstörungen hervorrufen.

Dann kommt es mitunter zu Herzrasen, Schweißausbrüchen und Durchblutungsstörungen in den Armen und Beinen, die bei fehlender oder unzureichender Behandlung weitere Komplikationen nach sich ziehen. Die Therapie birgt ebenfalls Risiken. Neben den üblichen Neben- und Wechselwirkungen, die Antibiotika, Tetanus-Immunglobulin und Muskelrelaxanzien hervorrufen können, kann es zu Zweitinfektionen (bei der chirurgischen Behandlung der Wunde) und zu psychischen Beschwerden in Folge eines länger andauernden Krankenhausaufenthalts kommen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bemerkt der Betroffene eine Abnahme seines Wohlbefindens, erleidet er ein Krankheitsgefühl oder allgemeines Unwohlsein, ist ein Arztbesuch notwendig. Bei Müdigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen liegt in den meisten Fällen eine gesundheitliche Störung vor, die diagnostiziert werden muss. Störungen des Muskelsystems sowie Verkrampfungen sind ein Alarmsignal des Organismus. Ein Arzt sollte konsultiert werden, damit medizinische Tests zur Klärung der Ursache durchgeführt werden können. Kann der Schluckvorgang nicht mehr beschwerdefrei ausgeführt werden, besteht Anlass zur Besorgnis.

Eine Sperre von Mund oder Kiefer nach einer Verletzung ist ein Notfall: Hier gilt der Notruf 112 beziehungsweise der direkte Weg in eine Notaufnahme. Kommt es zu einer inneren Unruhe sowie einer Reizbarkeit, ist ein Arztbesuch notwendig. Störungen des Herzrhythmus, Fieber oder Schüttelfrost müssen ebenfalls untersucht und behandelt werden. Bei Beschwerden der Atemtätigkeit besteht schnellstmöglicher Handlungsbedarf.

In schweren Fällen kommt es aufgrund der Beeinträchtigungen zu einer Notfallsituation. Entwickelt sich eine akute gesundheitliche Veränderung, ist über den Notruf 112 ein Notarzt zu alarmieren. Anwesende Personen müssen bis zu dessen Ankunft Maßnahmen der Ersten Hilfe ergreifen. Andernfalls droht das vorzeitige Ableben. Besteht der Verdacht auf einen Wundstarrkrampf, zählt jede Stunde: Der Betroffene gehört sofort in ein Krankenhaus und nicht erst am nächsten Tag in die Sprechstunde. Als Warnsignal ist ebenfalls die Einnahme einer Schonhaltung zu deuten. Kann der Betroffene aufgrund von Schmerzen oder Krämpfen sich nicht mehr wie gewohnt fortbewegen, benötigt er eine medizinische Versorgung.

Behandlung & Therapie

Ist der Wundstarrkrampf bzw. Tetanus erst einmal ausgebrochen, lässt sich Gift, das bereits an die Nervenzellen gebunden ist, nicht mehr unschädlich machen. Ein generalisierter Tetanus wird deshalb auf einer Intensivstation behandelt, häufig über Wochen hinweg und oft mit künstlicher Beatmung. Wichtig hierbei ist das Abschirmen des Patienten vor Reizen, denn schon Licht, Geräusche oder Berührungen können einen Krampfanfall auslösen. Der Patient wird deshalb in einem abgedunkelten, leisen Zimmer betreut.

Die Wunde, durch die der Erreger in den Körper gelangt ist, muss chirurgisch versorgt werden: Verschmutztes und abgestorbenes Gewebe wird großzügig entfernt, damit die Bakterien dort kein weiteres Gift mehr bilden können. Das ist neben dem Gegengift die entscheidende Erstmaßnahme.

Als Gegengift wird Tetanus-Immunglobulin gegeben, ein Antikörperpräparat, das noch nicht an die Nerven gebundenes Gift abfängt. Die Tetanus-Impfung selbst wirkt dagegen erst nach Wochen und hilft im Akutfall nicht; sie wird zusätzlich verabreicht, weil eine durchgemachte Erkrankung keinen Schutz hinterlässt.

Die Patienten müssen rund um die Uhr medizinisch überwacht werden. Es werden ihnen Medikamente zur Entspannung der Muskulatur und Antibiotika gegeben; die Antibiotika töten die Bakterien in der Wunde ab, sodass kein weiteres Gift mehr entsteht. Auch wenn der Patient behandelt wird, kann Wundstarrkrampf zum Tode führen. Selbst unter intensivmedizinischer Behandlung stirbt ein erheblicher Teil der Erkrankten.


Vorbeugung

Wundstarrkrampf beziehungsweise Tetanus ist am besten durch eine Impfung vorzubeugen. Diese gibt es zumeist kostenlos beim Hausarzt. Der Impfschutz muss regelmäßig aufgefrischt werden; für Erwachsene wird die Auffrischung üblicherweise alle zehn Jahre empfohlen. Wie es im Einzelfall aussieht, klärt der Blick in den Impfausweis gemeinsam mit dem Hausarzt. Weiterhin sind Wunden durch Desinfektion von Keimen und Bakterien sauber zu halten, um eine Infektion zu vermeiden.

Nachsorge

Ein schwerer Wundstarrkrampf wird auf einer Intensivstation behandelt; die Erholung danach zieht sich über Monate hin. Muskelkraft und Ausdauer sind nach der langen Behandlung und der oft wochenlangen Beatmung erheblich vermindert. Deshalb schließt sich in der Regel eine Rehabilitation mit Krankengymnastik, Atemtraining und Ergotherapie an.

Häufig bleiben für einige Zeit Muskelsteifigkeit, Rückenschmerzen und eine rasche Erschöpfbarkeit zurück. Wirbelbrüche oder andere Verletzungen, die während der Krämpfe entstanden sind, werden gesondert nachbehandelt. Auch die Erinnerung an die Intensivbehandlung kann belasten; eine psychologische Begleitung ist dann sinnvoll.

Der wichtigste Punkt der Nachsorge wird leicht übersehen: Eine durchgemachte Tetanuserkrankung hinterlässt keine Immunität. Die Giftmenge, die die Krankheit auslöst, ist zu gering, als dass der Körper eine eigene Abwehr aufbauen könnte. Wer einen Wundstarrkrampf überstanden hat, muss deshalb anschließend geimpft werden - sonst kann er erneut erkranken.

Bei erneuten Krämpfen, Beschwerden des Kreislaufsystems oder hohem, rasch ansteigendem Fieber ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Bei einem schweren Verlauf kann es zu einem Multiorganversagen und zum Tod des Patienten kommen. Nachsorge benötigen in diesem Fall die Angehörigen, die bei Bedarf psychologisch betreut werden können.

Das können Sie selbst tun

Bei einem ausgebrochenen Wundstarrkrampf gibt es keine Selbsthilfe: Er ist ein Notfall und gehört sofort in ein Krankenhaus. Wählen Sie bei Muskelstarre, einer Kiefersperre oder Krämpfen nach einer Verletzung den Notruf 112. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sollte der Betroffene ruhig liegen und vor Licht, Lärm und unnötigen Berührungen abgeschirmt werden, weil solche Reize einen Krampfanfall auslösen können. Teilen Sie dem Rettungsdienst mit, wann und wodurch die Verletzung entstanden ist; falls vorhanden, wird auch der Impfausweis bereitgelegt.

Wirksam schützen können Sie sich vor allem vorher. Schauen Sie nach jeder Verletzung in Ihren Impfausweis. Ist der Tetanusschutz unklar oder liegt die letzte Auffrischung zu lange zurück, lassen Sie sich sofort impfen - nicht erst in einigen Wochen. Bei einer verschmutzten oder tiefen Wunde ist der Abstand, nach dem aufgefrischt wird, kürzer als bei der routinemäßigen Auffrischung; im Zweifel entscheidet der Arzt anhand des Impfausweises. Ist die Grundimmunisierung unvollständig oder unbekannt, gibt er bei tiefen, stark verschmutzten oder durch einen Biss entstandenen Wunden zusätzlich Tetanus-Immunglobulin, das sofort wirkt. Wer vollständig geimpft ist, erhält allein die Auffrischimpfung.

Jede verschmutzte Wunde wird gründlich mit Wasser ausgespült, gereinigt und keimfrei abgedeckt. Größere Blutungen gilt es zu stillen. Tiefe Stich- und Risswunden, Wunden mit Erde, Holzsplittern oder Rost sowie Bisswunden gehören auch dann ärztlich versorgt, wenn sie klein aussehen.

Quellen

  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Suttorp, N., Mielke, M., Kiehl, W., Stück, B. (Hrsg.): Infektionskrankheiten.
    ISBN: 9783131585813
  • Salzberger, B. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Infektionskrankheiten und Impfungen.
    ISBN: 9783437238178
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin.
    ISBN: 9783662703977
  • Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
    ISBN: 9783437223228

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