Tuberkulose


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 7. Oktober 2018

Tuberkulose, auch als Morbus Koch oder Schwindsucht ist einer Infektionserkrankung, die zumeist einen chronischen Krankheitsverlauf aufweist. Unbehandelte Tuberkulose führt fast immer zum Tod. Vor allem die hohe Ansteckungsgefahr und langjährige Behandlung macht Tuberkulose zu einer schweren und gefährlichen Krankheit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Tuberkulose?

Tuberkulose oder Schwindsucht ist eine durch Infektionen übertragene chronische Krankheit. Der Krankheitsverlauf kann dabei in zwei Stadien aufgeteilt werden.

1. Die Primärtuberkulose, bei der von einer Erstinfektion mit Bakterien auszugehen ist.

2. Die Postprimärtuberkulose, die erst nach der Primärtuberkulose einsetzt. Sie schädigt vor allem die inneren Organe.

Dabei kann die Tuberkulose in einer infektiösen Form (offen) oder nicht-infektiösen Form (geschlossen) in Erscheinung treten. Dennoch kann auch eine geschlossene Tuberkulose wieder aktiv werden, d.h. infektiös. Tuberkulose ist meldepflichtig und sollte umgehend von Arzt behandelt werden. Bei starker Ansteckungsgefahr, kann der Betroffene sogar in medizinische Isolationsverwahrung genommen werden.

Ursachen

Tuberkulose wird zumeist durch das Bakterium Mycobacterium tuberculosis hervorgerufen. Dabei kommt vor allem bei direktem Kontakt zu einer Infektion mit den Stäbchenbakterien. Vor allem Hustenauswurf, Urins, Magensaft oder Stuhl sind dabei hoch ansteckend. Daher kann man nach der Ursache die Tuberkulose in Lungentuberkulose, Darmtuberkulose oder Harnwegstuberkulose differenzieren.

Neben der Kontaktinfektion wird Tuberkulose auch auf dem klassischen Weg der Tröpfcheninfektion übertragen. Typisch hierfür sind Niesen, Husten und Sprechen. Die Dauer von der Infektion bis zum Ausbruch der ersten Symptome (Inkubationszeit) beträgt in der Regel zwei Wochen bis mehrere Monate. Zumeist bricht die Erkranung innerhalb eines halben Jahres nach der Ansteckung aus.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome bei Tuberkulose sind meistens sehr unspezifisch. Viele Kranke leiden an Appetitlosigkeit, Schwäche, Abgeschlagenheit und Gewichtsabnahme. Sehr häufig ist auch die Körpertemperatur erhöht und Nachtschweiß tritt auf. Nur etwa die Hälfte aller Tuberkulose-Infizierten entwickelt Beschwerden an der Lunge wie beispielsweise "Hüsteln" oder Husten ohne viel Auswurf.

Werden auch die Atemwege von den Bakterien befallen, so spricht man von einer offenen Lungentuberkulose, bei der auch Atembeschwerden auftreten. Schreitet die Erkrankung weiter fort, so husten die Betroffenen Blut ab, in extremen Fällen kann es unter Umständen auch zu einem sogenannten Blutsturz kommen. Wenn ein Husten also länger als drei Wochen anhält und die Erkrankten über blutigen Auswurf klagen, so sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Eine besonders schwere Form ist die sogenannte Militärtuberkulose, bei der der Allgemeinzustand der Patienten sehr stark beeinträchtigt ist. Außerdem leiden sie an einem schweren Krankheitsgefühl und hohem Fieber. Bei abwehrgeschwächten Personen kann die Tuberkulose auch auf andere Organe übergreifen, wie beispielsweise das Rückenmark, das Gehirn, den Darm, die Knochen, die Lymphknoten oder die Nieren. Die Krankheitssymptome sind dann ganz unterschiedlich und die Erkrankung ist in diesem Fall oft sehr schwer zu diagnostizieren.

Krankheitsverlauf

Der Verlauf einer Tuberkulose ist bei rechtzeitiger Untersuchung und Diagnose günstig. Wird die Therapie, wie vom Arzt vorgegeben, eingehalten, ist die Heilung ohne Folgeschäden möglich.

Geht der Betroffene jedoch nicht zum Arzt oder wird die Tuberkulose nicht frühzeitig erkannt, so kann das negative Auswirkungen auf die inneren Organe, wie Herz oder Lunge haben. Vor allem wenn das Immunsystem geschwächt ist, kann die Erkrankung dann auch zum Tod führen.

Komplikationen

Die Komplikationen, die im Zusammenhang mit einer Tuberkulose auftreten, sind divers und abhängig davon, wo im Körper sich die Erreger bereits ausgebreitet haben. Zudem ist es im Fall einer ausbleibenden Therapie so, dass in circa 50 Prozent der Fällen binnen weniger Jahre als letzte Komplikation der Tod des Betroffenen eintritt.

Eine Tuberkulose kann als erste Komplikationen im Körper wandern. Meist geschieht dies über die Lymphbahnen von der Lunge aus. So erreichen die Erreger die inneren Organe, die Knochen, die Hirnhaut und andere Regionen des Körpers. Menschen mit geschwächter Immunabwehr sind davon besonders gefährdet.

Infolgedessen kommt es gelegentlich zu schweren Komplikationen, die von der Dauer der Krankheit und von der Behandlung abhängig sind. Eine Meningitis kann auftreten. Auch ein Befall des Darms stellt ein hohes Risiko dar, da es zu Perforationen und einer damit einhergehenden Sepsis kommen kann. Funktionsverluste oder -störungen einzelner Organe kommen vor.

Die Lunge wird zum einen durch den Erreger geschädigt. Zum anderen führen angeschwollene Lymphknoten in dem Bereich zu dem Risiko der Verlagerung von Atemwegen. Es kann zu einem Pneumothorax kommen. Dies bedeutet für den Betroffenen die Notwendigkeit eines schnellen medizinischen Eingriffs zum Stabilisieren der Atemwege.

Eine Entzündung des Knochenmarks ist möglich, die wiederum erhebliche Auswirkungen auf die Blutbildung und das Immunsystem haben kann. Ebenso kann die Blutgerinnung gestört werden. Komplikationen lassen sich bei frühzeitiger und konsequenter Behandlung größtenteils vermeiden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Zu Anfang ruft eine Tuberkulose meist keine eindeutigen Beschwerden hervor. Die Betroffenen fühlen sich allenfalls kränklich, husten gelegentlich und leiden unter Umständen unter leichter Erschöpfung. Nachtschweiß und Appetitlosigkeit sind Anzeichen, die abgeklärt werden müssen. Ebenso Gewichtsabnahme und blutiger Husten. Bei Symptomen wie andauerndem Husten, Auswurf oder Atemnot liegt womöglich eine fortgeschrittene Tuberkulose zugrunde. Ärztlicher Rat ist gefragt, wenn die Krankheitszeichen das Wohlbefinden beeinträchtigen und nicht innerhalb einiger Tage zurückgehen.

Sollten weitere Symptome wie Fieber oder eine zunehmende Abgeschlagenheit hinzukommen, muss umgehend der Arzt konsultiert werden. Die Antibiotika-Therapie muss eng von einem Arzt überwacht werden. Der Patient muss enge Rücksprache mit dem Arzt halten und gegebenenfalls schon erste Vorbeugungsmaßnahmen einleiten. Ein Arztbesuch ist notwendig, wenn die typischen Tuberkulose-Symptome bei einer schwangeren Frau oder Menschen mit Vorerkrankungen auftreten. Sollten sich starkes Fieber oder Anzeichen eines Kreislaufzusammenbruchs bemerkbar machen, wird am besten der ärztliche Notdienst oder direkt der Rettungsdienst gerufen, damit umgehend eine Behandlung erfolgen kann.

Behandlung & Therapie

Da die Tuberkulose hochgradig ansteckend sein kann, sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden. Weiterhin besteht in Deutschland die Pflicht Tuberkulosefälle zu beim Amtsarzt zu melden. Die Therapie von offenen, also infektiösen Tuberkuloseerkrankten findet stationär in einem Krankenhaus. Zumeist unter Quarantäne.

Zur Behandlung einer Tuberkulose werden verschiedene Kombinationen von Antibiotika verwendet. Dies ist notwendig, da manche Tuberkuloseerreger mitlerweise gegen Antiobiotika resistent geworden sind. Ziel dieser Therapie ist es, die Bakterien und deren Vermehrung zu stoppen bzw. sie abzutöten. Dabei kann eine Behandlung, z.B. bei der Lungentuberkulose, an die sechs Monate andauern.

Neben dieser Therapie sollten durch die Ärzte auch andere Mittel zur Linderung der Begleitsymptome eingesetzt werden. Vor allem sollte der sehr starke Husten bzw. Hustenreiz gemildert werden. Rauchen und Alkohol sind in dieser langen Phase der Tuberkulose-Therapie absolut verboten. Gab es bei der Behandlung keine Komplikationen, ist der Betroffene dennoch über mindestens zwei Jahre regelmäßig zu untersuchen. Manchmal wurde nicht alle Erreger der Tuberkulose restlos getötet, sodass es zu einem erneuten Ausbruch der Krankheit kommen kann.

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Vorbeugung

Die Vorbeugung gegen eine Tuberkulose besteht vor allem in Form einer Impfung. Allerdings ist die Wirkung dieser Schutzimpfung umstritten. Mehr Informationen darüber erfahren sie von ihrem Hausarzt. Eine weitere Vorbeugungsmaßnahme besteht in der raschen Diagnose anderer Tuberkulose-Erkrankter und deren isoloierte Behandlung im Krankenhaus.

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004


Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Blattlaus kommentierte am 16.08.2011

Hallo

Es geht um meinen Sohn. Er ist 22 Jahre alt, sehr schlank, da er wenig isst. Er hat oft Erkältung mit Husten und auch mit Schleim. Er ist Raucher. Nun meinte sein Hausarzt, dass es vielleicht Verdacht auf Tuberkolose sei. Er hat ihn aber nur ein Tag krankgeschrieben. Mein Sohn arbeitet bei einer Zeitfirma, in einem Lebensmittellager bei -5 Grad. Muss der Arzt ihn nicht zunächst krankschreiben und ihm Blut abnehmen, um die Sache eindeutig abzuklären?

Babe000 kommentierte am 15.01.2012

Meine Mama hustet immer so schlimm, dass sie meist aufs Klo rennen muss, weil es bei ihr den Kotzreiz auslöst und sie manchmal keine Luft bekommt. Zudem hat sie noch abgenommen und sieht auch müde aus. (Sie ist ja auch gläubig und fastet oft, vielleicht liegts daran.) Aber ich mache mir echt Sorgen. Besteht der Verdacht auf eine Tuberkulose?

eichklaus kommentierte am 04.09.2012

Ich hatte innerhalb der letzten 4 Wochen mehrmals mit einem, vor 8 Tagen an TBC Verstorbenen, Kontakt. z.B. 2 Stunden zum Kaffeeklatsch, zwei Besuche im Krankenhaus mit Umarmung, ein- und umpacken seiner persönlichen Sachen, einschließlich Waschbeutel. Bin ich gefährdet?

hahun kommentierte am 23.06.2015

Ich lebe seit 4 Jahren im Ausland. Ich musste trotz Vorzeigen eines Gesundheitszeugnis (TBC-negativ) aus Deutschland hier in das große staatliche Krankenhaus zur nochmaligen Kontrolle. Die Kontrolle ist, wie erwartet, auch positiv ausgefallen, nur habe ich den Verdacht, dass ich mich da angesteckt haben könnte. Da es dort sehr eng ist und es dort auch positiv Getestete gibt, teilweise offene TBC. Dort habe ich zum ersten Mal so etwas Schreckliches gesehen. Fünf Stunden auf engsten Raum anstellen, kennen die Meisten nicht, da viele aus Indien und Afrika kommen (Arbeiterinnen). Ich war kurz danach etwas krank mit Husten und Fieber. Es hat sich aber nach einem Monat wieder gelegt. Nun nach 3 1/2 Jahren habe ich wieder Husten mit blutigem Schleim. Auch die Mandeln sind nun dick und der ganze Hals tut weh. Zudem starke Abgeschlagenheit, Schwäche, Zusammenbrüche, Müdigkeit und immer wieder erhöhte Temperatur. Am frühen Abend und nachts schwitze ich stark und habe Kopfschmerzen und starke Bauchkrämpfe. Zudem Durchfall, Verstopfung, Appetitlosigkeit und ein Ekel vor dem Essen. Es kam zu einer starken Gewichtsabnahme.

Ich werde es, sobald mein Mann von der Reise zurück ist, das Ganze abklären müssen, da ohne Mann hier nichts läuft (zudem habe ich gerade auch kein Aufenthalt, also zieht es sich etwas hin). Ich hoffe, dass es nur von den Mandeln ist, falls so etwas auch möglich ist.

Doppi kommentierte am 26.10.2016

Mein Sohn ist 14 Jahre alt und hat seit Jahren unspezifische Symptome wie Bauchschmerzen, zunehmende Tagesmüdigkeit und zwischenzeitlich auch wiederkehrendes Erbrechen. Er ist immer schlapp und kraftlos. Nach einem Jahr intensivem Suchen und sechs Krankenhausaufenthalten wurde basierend auf einem positiven Interferontest latente Tuberkulose diagnostiziert. Die Erreger konnten bisher nicht gefunden werden. Derzeit bekommt er die vierfach Therapie mit Antibiotika. Die Behandlung läuft seit fünf Wochen, eine wirkliche Besserung ist bisher nicht da.
Hat jemand Erfahrungen mit latenter, untypischer Tuberkulose und kann mir Auskunft über den Heilungsverlauf geben? Was wäre in der derzeitigen Situation förderlich? Zur Reha möchte er nicht. Er geht vormittags in die Schule, verkraftet das aber schlecht. Er ist nach wie vor blass und hat dunkle Augenringe. Über Erfahrungen oder Ratschläge wäre ich dankbar.