Unterschenkelbruch
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Kommt es nach einem Verkehrsunfall oder einem Unfall beim Sport zu Bewegungseinschränkungen mit einer Schwellung im Bereich des Unterschenkels, kann ein Unterschenkelbruch aufgetreten sein. Die meisten Unterschenkelbrüche sind geschlossen; unter allen langen Röhrenknochen bricht der Unterschenkel jedoch am häufigsten offen, weil das Schienbein nur von wenig Weichteilgewebe bedeckt ist. Skifahrer und Motorradfahrer sind dabei sehr oft betroffen.
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Was ist ein Unterschenkelbruch?
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Ein Unterschenkelbruch ist eine Fraktur eines oder beider Röhrenknochen des Unterschenkels. Dabei wird zwischen dem Schienbein und dem Wadenbein unterschieden. Diese beiden Knochen gewährleisten die Stabilität des Unterschenkels, wobei das Schienbein einen Großteil des Körpergewichtes zu tragen hat, während dem Wadenbein dabei eine Stützfunktion zukommt.
Unterschenkelfrakturen treten durch direkte oder indirekte Krafteinwirkungen auf, die bei Unfällen im Sportbereich, im Haushalt oder im Straßenverkehr häufig auftreten können. Je nach der Art des Bruches wird zusätzlich zwischen der Stauchungsfraktur, der Biegungsfraktur sowie der Torsionsfraktur und der Segmentfraktur unterschieden. Alle Frakturarten können sowohl als offener als auch als geschlossener Unterschenkelbruch auftreten, geschlossene Frakturen sind dabei häufiger.
Bei geschlossenen Frakturen besteht neben einer Bewegungseinschränkung mit ausgeprägten Schmerzen auch eine Fehlstellung sowie eine Schwellung des Unterschenkels. Eine offene Fraktur ist ein Notfall, der sofort ärztlich versorgt werden muss. Dabei ist über den Notruf 112 der Rettungsdienst zu alarmieren. Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte wird die Wunde keimfrei abgedeckt; das Bein darf weder bewegt noch selbst gerichtet werden.
Ursachen
Während die Kräfte bei einem Verkehrsunfall noch ausgeprägter auf den Knochen einwirken können als das beim Sport der Fall ist, treten Frakturen am Knochenschaft deshalb vor allem nach Verkehrsunfällen auf, während die körperfernen Frakturen öfter nach Sportunfällen vorkommen. Diese Art des Unterschenkelbruches ist eine klassische Verletzung beim Skifahren.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ein Bruch des Unterschenkels ist in der Regel immer mit Symptomen und Anzeichen verbunden, die der betroffenen Person selbst schon einen Bruch nahelegen. Sicher nachweisen und von einer Prellung oder einer Bänderverletzung unterscheiden lässt sich der Bruch aber erst mit einer Röntgenaufnahme. In den meisten Fällen tritt in Verbindung mit einem Unterschenkelbruch eine starke Schwellung auf, die unmittelbar an der betroffenen Stelle zu erkennen ist. Handelt es sich um einen offenen Bruch des Unterschenkels, dann ist natürlich der Bruch mit dem bloßen Auge sichtbar.
Meist kommt es zu einem hörbaren Knirschen, sofern das Bein bewegt werden kann. Natürlich ist bei einer solchen Fraktur der gesamte Bewegungsablauf stark eingeschränkt, sodass ein normaler Gang überhaupt nicht möglich ist. Bereits kleinste Bewegungen verursachen einen starken Schmerz. Aus diesem Grund ist eine ärztliche beziehungsweise stationäre Behandlung unerlässlich, um die beschriebenen Symptome zu beseitigen.
Wer an dieser Stelle auf eine ärztliche und operative Behandlung verzichtet, der geht ein großes Risiko ein. In so einem Fall werden sich die einzelnen Symptome erheblich verschlimmern. Die Schmerzen werden stärker, sodass selbst im Ruhezustand ein stechender Schmerz bestehen bleibt. Wer den Gang zum Arzt nicht auf die lange Bank schiebt, der wird innerhalb kurzer Zeit eine Besserung verspüren können. Die auftretenden Symptome klingen ab und die Aussichten auf eine vollständige Genesung sind dann gut.
Diagnose & Verlauf
Die Diagnose eines Unterschenkelbruchs wird durch Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen bestätigt. Dadurch können ebenfalls weitere Verletzungen ausgeschlossen oder festgestellt werden. Es kann vorkommen, dass durch den Unterschenkelbruch Blutgefäße verletzt wurden. Diese können durch die sogenannte Doppler-Sonografie untersucht werden. Dabei handelt es sich um eine schmerzlose Ultraschalluntersuchung.
Auch mit der sogenannten Angiografie können Gefäße dargestellt werden. Dazu wird ein Kontrastmittel in die betroffenen Blutgefäße eingespritzt, sodass diese bei einer anschließenden Röntgenaufnahme sichtbar sind. Wird die Verletzung von Sehnen und Bändern vermutet, muss ein MRT (Magnetresonanztomografie) Aufschluss über die Schwere der zusätzlichen Verletzungen geben.
Bei einer starken Schwellung des Unterschenkels wird häufig eine Kompartmentdruck-Messung vorgenommen. Eine eventuelle Druckerhöhung im Muskelgewebe des Patienten kann zu Schädigungen im Gewebe bis zum Absterben des vom Unterschenkelbruch betroffenen Bereiches führen. Dieses Krankheitsbild heißt Kompartmentsyndrom und ist ein Notfall: Der Druck muss innerhalb weniger Stunden operativ entlastet werden, sonst gehen Muskeln und Nerven dauerhaft zugrunde.
Komplikationen
In erster Linie leiden die Betroffenen bei einem Unterschenkelbruch an sehr starken Schmerzen. Diese können dabei so stark sein, dass der Betroffene sein Bewusstsein verlieren und sich eventuell bei einem weiteren Sturz nochmals verletzen kann. Weiterhin breiten sich die Schmerzen nicht selten auch in die benachbarten Regionen des Körpers aus.
Es kommt zu erheblichen Einschränkungen in der Bewegung, sodass der Betroffene in der Regel immer auf die Hilfe anderer Menschen in seinem Alltag angewiesen ist. Handelt es sich beim Unterschenkelbruch um einen offenen Bruch, kann es auch zu Infekten oder zu Entzündungen kommen. Die betroffenen Regionen sind stark angeschwollen und es kommt zu deutlichen Rötungen und zu einem Bluterguss.
Komplikationen treten bei einem Unterschenkelbruch vor allem dann auf, wenn keine Behandlung des Bruches stattfindet. Dabei kann es zu einem falschen Zusammenwachsen des Knochens kommen. Aber auch unter der Behandlung selbst sind Komplikationen möglich. Durch das Ruhigstellen der Region werden die Beschwerden gelindert. Hierbei kommt es zu einem positiven Krankheitsverlauf. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird durch den Unterschenkelbruch in der Regel nicht negativ beeinflusst.
Zu den gefürchteten Komplikationen zählt das Kompartmentsyndrom. Dabei steigt der Druck in den von festen Bindegewebshüllen umschlossenen Muskellogen des Unterschenkels so weit an, dass Muskeln und Nerven nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Es kann sich nicht nur beim unbehandelten Bruch entwickeln, sondern ebenso unter einem zu engen Gipsverband oder nach einer Operation. Warnzeichen sind stärker werdende Schmerzen, die sich mit den verordneten Schmerzmitteln nicht mehr beherrschen lassen, ein pralles Spannungsgefühl im Unterschenkel, Taubheit oder Kribbeln in den Zehen sowie heftige Schmerzen, wenn Zehen oder Fuß von außen bewegt werden. In diesem Fall muss sofort der behandelnde Arzt oder die Klinik aufgesucht werden, denn ohne rasche operative Entlastung stirbt das Muskelgewebe innerhalb weniger Stunden ab.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Treten nach einem Sturz, einer Gewalteinwirkung oder einem Unfall starke Schmerzen im Bereich des Beines auf, sollten diese weiter beobachtet werden. Nehmen die Schmerzen an Intensität und Umfang zu oder bleiben sie über eine längere Zeit unverändert erhalten, ist ein Arztbesuch anzuraten. Kann der Fuß nach dem auslösenden Ereignis nicht mehr beschwerdefrei auf dem Boden aufgesetzt werden, ist dies ungewöhnlich. Der Betroffene sollte sich untersuchen und behandeln lassen. Störungen der Fortbewegung, Einschränkung der Bewegungsfreiheit sowie eine plötzliche Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit sind Anzeichen einer vorliegenden Erkrankung.
Ein Arzt wird benötigt, da bei einem Unterschenkelbruch mit keiner Spontanheilung zu rechnen ist. Liegen optische Veränderungen der Knochen im Bereich des Unterschenkels vor oder zeigen sich Auffälligkeiten des Hautbildes, ist dies ein Anzeichen einer gesundheitlichen Unregelmäßigkeit. Bei der Bildung von Blutergüssen oder einer Druckempfindlichkeit sind weitere Tests zur Klärung der Ursache und Stellung der Diagnose notwendig.
Sofern der Betroffene sein Eigengewicht nicht mehr beschwerdefrei auf eines seiner Beine verlagern kann, benötigt er Hilfe. Können die körperlichen Aktivitäten nicht mehr wie gewohnt ausgeführt werden und zeigen sich Sensibilitätsstörungen des Beines oder der Füße, ist ein Arzt zu konsultieren. Durchblutungsstörungen und ein Kribbeln auf der Haut sind weitere Anzeichen einer bestehenden Unregelmäßigkeit.
Behandlung & Therapie
Die Behandlung eines Unterschenkelbruchs richtet sich nach der Schwere der Verletzung und der weiteren Begleitverletzungen an Sehnen, Bändern oder Gefäßen. Dabei werden sämtliche offene Frakturen operativ versorgt. Dies gilt ebenfalls bei verschobenen Brüchen im Bereich des Schienbeins und bei Frakturen mit zusätzlichen Verletzungen des Sprunggelenks.
Der gebrochene Knochen kann mit einem Marknagel stabilisiert werden. Auch die Verwendung von Platten und Schrauben ist möglich. Ein äußerer Fixateur, der sogenannte Fixateur externe, sorgt für die Stabilität der Bruchstelle durch äußerlich angebrachte Schrauben und Stangen. Sind die Muskeln und das Bindegewebe verletzt, sind mehrere Operationen notwendig, um den geschädigten Weichteilmantel zu rekonstruieren.
Offene Brüche erfordern häufig die Einnahme eines Antibiotikums durch den Patienten. Zur Wiederherstellung der Beweglichkeit des gebrochenen Unterschenkels muss im Anschluss an die Heilung mit physiotherapeutischen Übungen begonnen werden. Einfachere Frakturen des Schienbeins, deren Knochenenden sich nicht gegeneinander verschoben haben sowie Brüche des Wadenbeins können mit einem Gipsverband behandelt werden, der in der Regel vier bis sechs Wochen getragen wird.
Vorbeugung
Da ein Unterschenkelbruch meist durch eine Krafteinwirkung von außen auftritt, gibt es keine direkten Maßnahmen zur Vorbeugung dieser Verletzung. Durch die Auswahl der geeigneten Sportausrüstung beim Skifahren und entsprechender Motorradbekleidung können Begleitverletzungen des Unterschenkelbruchs wie die Beteiligung des Sprunggelenks oder Verletzungen an Sehnen und Bändern allenfalls vermindert werden.
Nachsorge
Regelmäßige Kontrollen des Unterschenkels durch Röntgenuntersuchungen sind eine unentbehrliche Maßnahme, um die Knochenheilung zu beurteilen. Komplikationen wie Fehlstellungen oder Verzögerungen bei der Frakturheilung können damit frühzeitig erkannt werden. Ansonsten hängt die Nachsorge der Patienten davon ab, ob der Unterschenkelbruch konservativ (ohne Operation) oder chirurgisch versorgt wurde.
Beim konservativen Verfahren muss in der Regel während vier bis sechs Wochen ein Gipsverband getragen werden. Während der Ruhigstellung werden gerinnungshemmende Medikamente verabreicht, um Thrombosen (Gefäßverstopfungen durch Blutgerinnsel) zu vermeiden. Erst nach der Abnahme des Gipses kann die Physiotherapie beginnen.
Wurde der Bruch chirurgisch mit Nägeln, Schrauben oder Platten versorgt, können die physiotherapeutischen Maßnahmen wenige Tage nach der Operation beginnen. Die eingebrachten Materialien können nach 12 bis 18 Monaten in einer Zweitoperation wieder entfernt werden. Zwingend ist das jedoch nicht: Viele Betroffene behalten das Metall, weil es ihnen keine Beschwerden bereitet; über die Entfernung wird deshalb im Einzelfall gemeinsam mit dem Operateur entschieden. Wird sie vorgenommen, ist dazu ein weiterer Krankenhausaufenthalt erforderlich. Bei komplizierten Brüchen können aufgrund von Fehlstellungen oder Gelenkinstabilitäten zusätzliche chirurgische Eingriffe nötig sein.
Die Grundlage für eine effektive Wiederherstellung der Gesundheit ist die Rehabilitation (Reha). Nach der Knochenheilung wird durch Krankengymnastik die Belastungsfähigkeit des Beins kontinuierlich gesteigert. Durch eine systematische Gangschulung sollen Fehlstellungen beim Gehen vermieden werden. Weitere Ziele der Reha sind die Stärkung der Muskulatur des Unterschenkels und die Förderung der Beweglichkeit.
Das können Sie selbst tun
Ein unkomplizierter Unterschenkelbruch verheilt normalerweise ohne bleibende Folgen. Der Patient muss sich schonen und die Krankengymnastik nach den Vorgaben des Arztes durchführen. Optimal ist ein aktiver Lebensstil, wobei das verletzte Glied bei Sport und Dehnungsmaßnahmen ausgeklammert werden muss. Raucher stellen ihren Zigarettenkonsum ein, ebenso gilt es weitgehend auf Genussmittel wie Alkohol oder Koffein zu verzichten.
Nach einer Fraktur empfiehlt sich eine Ernährungsumstellung. Wichtig ist eine vollwertige, vitamin- und ballaststoffreiche Diät. Für die Knochenheilung ist vor allem eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D wichtig; ein zusätzlicher Nutzen von Omega-3-Fettsäuren oder Curcumin für die Bruchheilung ist dagegen nicht belegt. Empfehlenswert sind Lebensmittel mit viel Kalzium und Vitamin D, etwa Milchprodukte, grünes Gemüse, fetter Seefisch und Eier, dazu schonend zubereitetes Obst und Gemüse. Bei einer verzögerten Bruchheilung wird gelegentlich eine Stoßwellentherapie eingesetzt. Für Magnetfeldtherapie und Laser-Bestrahlung ist ein Nutzen für die Bruchheilung dagegen nicht belegt. Wenn diese Maßnahmen eingehalten werden, wird die Ausheilung des Unterschenkelbruchs unterstützt; erzwingen lässt sich ein rascher Verlauf damit aber nicht, denn die Knochenheilung braucht mehrere Wochen bis Monate. Der Arzt muss über den Gesundheitszustand und etwaige Beschwerden informiert werden, damit die Therapie angepasst und der Heilungsverlauf optimal unterstützt werden kann.
Sollten Komplikationen wie Schmerzen oder Taubheitsgefühle auftreten, ist der zuständige Arzt zu informieren. Zur Selbsthilfe zählt außerdem die ordnungsgemäße Einnahme der verordneten Schmerzmittel und Entzündungshemmer. Bestimmte Medikamente wie Diclofenac oder Ibuprofen greifen in den Knochenstoffwechsel ein und sollten erst nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.
Quellen
- Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie.
ISBN: 9783132443150
- Weigel, B., Nerlich, M. (Hrsg.): Praxisbuch Unfallchirurgie.
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- Stannard, J. P., Schmidt, A. H., Wentzensen, A. (Hrsg.): Spezielle Unfallchirurgie.
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- Wirth, C. J., Mutschler, W., Kohn, D., et al. (Hrsg.): Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie.
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- Ewerbeck, V., Wentzensen, A., Grützner, P. A., et al. (Hrsg.): Standardverfahren in der operativen Orthopädie und Unfallchirurgie.
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