Unterschenkelbruch


Aktualisiert am 29. März 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Kommt es nach einem Verkehrsunfall oder einem Unfall beim Sport zu Bewegungseinschränkungen mit einer Schwellung im Bereich des Unterschenkels, kann ein Unterschenkelbruch aufgetreten sein. Weitaus häufiger tritt diese Verletzung jedoch als offene Fraktur auf. Skifahrer und Motorradfahrer sind dabei sehr oft betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Unterschenkelbruch

Ein Unterschenkelbruch ist eine Fraktur eines oder beider Röhrenknochen des Unterschenkels. Dabei wird zwischen dem Schienbein und dem Wadenbein unterschieden. Diese beiden Knochen gewährleisten die Stabilität des Unterschenkels, wobei das Schienbein einen Großteil des Körpergewichtes zu tragen hat, während dem Wadenbein dabei eine Stützfunktion zukommt.

Unterschenkelfrakturen treten durch direkte oder indirekte Krafteinwirkungen auf, die bei Unfällen im Sportbereich, im Haushalt oder im Straßenverkehr häufig auftreten können. Je nach der Art des Bruches wird zusätzlich zwischen der Stauchungsfraktur, der Biegungsfraktur sowie der Torsionsfraktur und der Segmentfraktur unterschieden. Alle Frakturarten können sowohl als offener oder geschlossener Unterschenkelbruch auftreten, offene Frakturen sind jedoch weitaus häufiger.

Bei geschlossen Frakturen besteht neben einer Bewegungseinschränkung mit ausgeprägten Schmerzen auch eine Fehlstellung sowie eine Schwellung des Unterschenkels. Eine offene Fraktur ist ein Notfall, der sofort ärztlich versorgt werden muss.

Ursachen

Die Ursache für einen Unterschenkelbruch ist immer eine Krafteinwirkung auf den betreffenden Unterschenkelbereich. Dabei werden Frakturen auf den Schaft der Unterschenkelknochen sowie körperferne Frakturen unterschieden. Der Schaft des Knochens ist dabei stärker als seine Struktur in körperfernen Abschnitten.

Während die Kräfte bei einem Verkehrsunfall noch ausgeprägter auf den Knochen einwirken können als das beim Sport der Fall ist, treten Frakturen am Knochenschaft deshalb vor allem nach Verkehrsunfällen auf, während die körperfernen Frakturen öfter nach Sportunfällen vorkommen. Diese Art des Unterschenkelbruches ist eine klassische Verletzung beim Skifahren.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Bruch des Unterschenkels ist in der Regel immer mit Symptomen und Anzeichen verbunden, die von der betroffenen Person selbst diagnostiziert werden können. In den meisten Fällen tritt in Verbindung mit einem Unterschenkelbruch eine starke Schwellung auf, die unmittelbar an der betroffenen Stelle zu erkennen ist. Handelt es sich um einen offenen Bruch des Unterschenkels, dann ist natürlich der Bruch mit dem bloßem Auge sichtbar.

Meist kommt es zu einem hörbarem Knirschen, sofern das Bein bewegt werden kann. Natürlich ist bei einer solchen Fraktur der gesamte Bewegungsablauf stark eingeschränkt, sodass ein normaler Gang überhaupt nicht möglich ist. Bereits kleinste Bewegungen verursachen einen starken Schmerz. Aus diesem Grund ist eine ärztliche beziehungsweise stationäre Behandlung unerlässlich, um die beschriebenen Symptome zu beseitigen.

Wer an dieser Stelle auf eine ärztliche und operative Behandlung verzichtet, der geht ein großes Risiko aus. In so einem Fall werden sich die einzelnen Symptome erheblich verschlimmern. Die Schmerzen werden stärker, sodass selbst im Ruhezustand ein stechender Schmerz bestehen bleibt. Wer den Gang zum Arzt nicht auf die lange Bank schiebt, der wird innerhalb kurzer Zeit eine Besserung verspüren können. Die auftretenden Symptome klingen ab und einer vollständigen Genesung steht somit nichts mehr im Wege.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose wird bei einem offenen Unterschenkelbruch durch Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen bestätigt. Dadurch können ebenfalls weitere Verletzungen ausgeschlossen oder festgestellt werden. Es kann vorkommen, dass durch den Unterschenkelbruch Blutgefäße verletzt wurden. Diese können durch die sogenannte Doppler-Sonografie untersucht werden. Dabei handelt es sich um eine schmerzlose Ultraschalluntersuchung.

Auch mit der sogenannten Angiografie können Gefäße dargestellt werden. Dazu wird ein Kontrastmittel in die betroffenen Blutgefäße eingespritzt, sodass diese bei einer anschließenden Röntgenaufnahme sichtbar sind. Wird die Verletzung von Sehnen und Bändern vermutet, muss ein MRT (Magnetresonanztomografie) Aufschluss über die Schwere der zusätzlichen Verletzungen geben.

Bei einer starken Schwellung des Unterschenkels wird häufig eine Kompartmentdruck-Messung vorgenommen. Eine eventuelle Druckerhöhung im Muskelgewebe des Patienten kann zu Schädigungen im Gewebe bis zum Absterben des vom Unterschenkelbruch betroffenen Bereiches führen.

Komplikationen

In erster Linie leiden die Betroffenen bei einem Unterschenkelbruch an sehr starken Schmerzen. Diese können dabei so stark sein, dass der Betroffene sein Bewusstsein verlieren und sich eventuell bei einem weiteren Sturz nochmals verletzt. Weiterhin breiten sich die Schmerzen nicht selten auch in die benachbarten Regionen des Körpers aus.

Es kommt zu erheblichen Einschränkungen in der Bewegung, sodass der Betroffene in der Regel immer auf die Hilfe anderer Menschen in seinem Alltag angewiesen ist. In den meisten Fällen handelt es sich beim Unterschenkelbruch um einen offenen Bruch, sodass es auch zu Infekten oder zu Entzündungen kommen kann. Die Betroffenen Regionen sind stark angeschwollen und es kommt zu deutlichen Rötungen und zu einem Bluterguss.

Komplikationen treten bei einem Unterschenkelbruch in den meisten Fällen nur dann auf, wenn keine Behandlung des Bruches stattfindet. Dabei kann es zu einem falschen Zusammenwachsen des Knochens kommen. Bei der Behandlung selbst kommt es nicht zu Komplikationen. Durch das Ruhigstellen der Region werden die Beschwerden gelindert. Hierbei kommt es zu einem positiven Krankheitsverlauf. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird durch den Unterschenkelbruch in der Regel nicht negativ beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Treten nach einem Sturz, einer Gewalteinwirkung oder einem Unfall starke Schmerzen im Bereich des Beines auf, sollten diese weiter beobachtet werden. Nehmen die Schmerzen an Intensität und Umfang zu oder bleiben sie über eine längere Zeit unverändert erhalten, ist ein Arztbesuch anzuraten. Kann der Fuß nach dem auslösenden Ereignis nicht mehr beschwerdefrei auf dem Boden aufgesetzt werden, ist dies ungewöhnlich. Der Betroffene sollte sich untersuchen und behandeln lassen. Störungen der Fortbewegung, Einschränkung der Bewegungsfreiheit sowie eine plötzliche Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit sind Anzeichen einer vorliegenden Erkrankung.

Ein Arzt wird benötigt, da bei einem Unterschenkelbruch mit keiner Spontanheilung zu rechnen ist. Liegen optische Veränderungen der Knochen im Bereich des Unterschenkels vor oder zeigen sich Auffälligkeiten des Hautbildes, ist dies ein Anzeichen einer gesundheitlichen Unregelmäßigkeit. Bei der Bildung von Blutergüssen oder einer Druckempfindlichkeit sind weitere Tests zur Klärung der Ursache und Stellung der Diagnose notwendig.

Sofern der Betroffene sein Eigengewicht nicht mehr beschwerdefrei auf eines seiner Beine verlagern kann benötigt er Hilfe. Können die körperlichen Aktivitäten nicht mehr wie gewohnt ausgeführt werden und zeigen sich Sensibilitätsstörungen des Beines oder der Füße, ist ein Arzt zu konsultieren. Durchblutungsstörungen und ein Kribbeln auf der Haut sind weitere Anzeichen einer bestehenden Unregelmäßigkeit.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung eines Unterschenkelbruchs richtet sich nach der Schwere der Verletzung und der weiteren Begleitverletzungen an Sehnen, Bändern oder Gefäßen. Dabei werden sämtliche offene Frakturen operativ versorgt. Dies gilt ebenfalls bei verschobenen Brüchen im Bereich des Schienbeins und bei Frakturen mit zusätzlichen Verletzungen des Sprunggelenks.

Der gebrochene Knochen kann mit einem Marknagel stabilisiert werden. Auch die Verwendung von Platten und Schrauben ist möglich. Ein äußerer Fixateur, der sogenannte Fixateur externe sorgt für die Stabilität der Bruchstelle durch äußerlich angebrachte Schrauben und Stangen. Sind die Muskeln und das Bindegewebe verletzt, sind mehrere Operationen notwendig, um den geschädigten Weichteilmantel zu rekonstruieren.

Offene Brüche erfordern häufig die Einnahme eines Antibiotikums durch den Patienten. Zur Wiederherstellung der Beweglichkeit des gebrochenen Unterschenkels muss im Anschluss an die Heilung mit physiotherapeutischen Übungen begonnen werden. Einfachere Frakturen des Schienbeins, deren Knochenenden sich nicht gegeneinander verschoben haben sowie Brüche des Wadenbeins können mit einem Gipsverband behandelt werden, in dem der Unterschenkelbruch ohne weitere Folgen für den Patienten in vier bis sechs Wochen ausheilen kann.

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Vorbeugung

Da ein Unterschenkelbruch meist durch eine Krafteinwirkung von außen auftritt, gibt es keine direkten Maßnahmen zur Vorbeugung dieser Verletzung. Durch die Auswahl der geeigneten Sportausrüstung beim Skifahren und entsprechender Motorradbekleidung können Begleitverletzungen des Unterschenkelbruchs wie die Beteiligung des Sprunggelenks oder Verletzungen an Sehnen und Bändern allenfalls vermindert werden.

Nachsorge

Regelmäßige Kontrollen des Unterschenkels durch Röntgenuntersuchungen sind eine unentbehrliche Maßnahme, um die Knochenheilung zu beurteilen. Komplikationen wie Fehlstellungen oder Verzögerungen bei der Frakturheilung können damit frühzeitig erkannt werden. Ansonsten hängt die Nachsorge der Patienten davon ab, ob der Unterschenkelbruch konservativ (ohne Operation) oder chirurgisch versorgt wurde.

Beim konservativen Verfahren muss in der Regel während vier bis sechs Wochen ein Gipsverband getragen werden. Während der Ruhigstellung werden gerinnungshemmende Medikamente verabreicht, um Thrombosen (Gefäßverstopfungen durch Blutgerinnsel) zu vermeiden. Erst nach der Abnahme des Gipses kann die Physiotherapie beginnen.

Wurde der Bruch chirurgisch mit Nägeln, Schrauben oder Platten versorgt, können die physiotherapeutischen Maßnahmen wenige Tage nach der Operation beginnen. Durch eine Zweitoperation müssen die eingebrachten Materialien nach 12 bis 18 Monaten operativ entfernt werden. Dazu ist ein weiterer Krankenhausaufenthalt erforderlich. Bei komplizierten Brüchen können aufgrund von Fehlstellungen oder Gelenkinstabilitäten zusätzliche chirurgische Eingriffe nötig sein.

Die Grundlage für eine effektive Wiederherstellung der Gesundheit ist die Rehabilitation (Reha). Nach der Knochenheilung wird durch Krankengymnastik die Belastungsfähigkeit des Beins kontinuierlich gesteigert. Durch eine systematische Gangschulung sollen Fehlstellungen beim Gehen vermieden werden. Weitere Ziele der Reha sind die Stärkung der Muskulatur des Unterschenkels und die Förderung der Beweglichkeit.

Das können Sie selbst tun

Ein unkomplizierter Schenkelbruch verheilt normalerweise schnell wieder. Der Patient muss sich schonen und die Krankengymnastik nach den Vorgaben des Arztes durchführen. Optimal ist ein aktiver Lebensstil, wobei das verletzte Glied bei Sport und Dehnungsmaßnahmen ausgeklammert werden muss. Raucher stellen ihren Zigarettenkonsum ein, ebenso gilt es weitgehend auf Genussmittel wie Alkohol oder Koffein zu verzichten.

Nach einer Fraktur empfiehlt sich eine Ernährungsumstellung. Wichtig ist eine vollwertige- vitamin- und ballaststoffreiche Diät. Außerdem tragen Kalzium- und Vitamin-D-Präparate sowie Omega-3-Fettsäuren und Curcumin zu der Bruchheilung bei. Bewährte Mittel sind Leinsamenöl, Krillöl sowie verschiedene Fischsorten, Eier und schonend zubereitetes Obst und Gemüse. Die Durchblutung der Bruchzone und dadurch die Genesung wird durch Stoßwellentherapie, Magnetfeldtherapie und Laser-Bestrahlung angeregt. Wenn diese Maßnahmen eingehalten werden, sollte der Unterschenkelbruch rasch ausheilen. Der Arzt muss über den Gesundheitszustand und etwaige Beschwerden informiert werden, damit die Therapie angepasst und der Heilungsverlauf optimal unterstützt werden kann.

Sollten Komplikationen wie Schmerzen oder Taubheitsgefühle auftreten, ist der zuständige Arzt zu informieren. Zur Selbsthilfe zählt außerdem die ordnungsgemäße Einnahme der verordneten Schmerzmittel und Entzündungshemmer. Bestimmte Medikamente wie Diclofenac oder Ibuprofen greifen in den Knochenstoffwechsel ein und sollten erst nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethardt, F.U.: Kinderorthopädie. Thieme, Stuttgart 2009
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015


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