Venographie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Venographie ist ein radiologisches Verfahren, das zur Abbildung des venösen Systems speziell an den Venen der Beine Einsatz findet. In den meisten Fällen stellt sich die Indikation durch den Verdacht auf Thrombosen oder Krampfadern. Wegen der Strahlen- und Kontrastmittelbelastung der Venographie kommt heute vorrangig die Sonografie zur Darstellung von Venen zum Einsatz.
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Was ist die Venographie?
Der Ausdruck der Venographie bezieht sich auf das Verfahren der Phlebografie. Dabei handelt es sich um ein diagnostisch radiologisches Verfahren, das Venen darstellt und dem Arzt eine Beurteilung der venösen Strukturen ermöglicht. Phlebographien finden innerhalb der Phlebologie statt und stellen eines der aussagekräftigen Diagnostika zum Nachweis von Thromben dar.
Vor allem bei Verdacht auf Beinvenenthrombosen wurde das Verfahren der Venographie lange Zeit als Standard genutzt. Heute wird bei diesem Verdacht zuerst die Kompressionssonografie eingesetzt; die Venographie bleibt Fällen vorbehalten, in denen die Ultraschalluntersuchung keine eindeutige Aussage erlaubt. Die Darstellung der einzelnen Venen wird durch die Injektion von Röntgenkontrastmittel ermöglicht, das meist in die oberflächlichen epifaszialen Venen gegeben wird. Bei dem radiologischen Diagnoseverfahren finden Funktionsaufnahmen in verschieden angelegten Zeitfenstern statt, die eine umso detailliertere Beurteilung des venösen Systems zulassen.
An größeren Hohlvenen des Oberkörpers findet das Verfahren eher selten Einsatz. Alternativ zur Venographie kann eine Sonographie stattfinden, die vor allem an Venen größeren Kalibers häufiger zum Einsatz kommt als die strahlenbelastete Venographie.
Die Bezeichnungen Venographie, Venografie und Phlebografie meinen dasselbe Verfahren; im klinischen Sprachgebrauch überwiegt die Phlebografie. Unterschieden werden mehrere Spielarten. Bei der aufsteigenden Beinphlebografie wird das Kontrastmittel am Fuß eingebracht und mit dem Blutstrom nach oben verfolgt; sie ist die Standardform und dient vor allem der Beurteilung des tiefen Venensystems. Die absteigende Form arbeitet umgekehrt von der Leiste aus und wird eingesetzt, wenn die Frage lautet, ob die Venenklappen dem Rückstrom standhalten. Bei der Varikografie wird gezielt eine erweiterte oberflächliche Vene punktiert, um ihren Verlauf und ihre Verbindungen sichtbar zu machen – eine Frage, die vor allem bei erneut aufgetretenen Krampfadern nach einer Operation auftaucht.
Dargestellt werden dabei nicht nur die tiefen Leitvenen und die oberflächlichen Venen, sondern auch die Verbindungsvenen zwischen beiden Systemen und, bei einem Abflusshindernis, die Umgehungskreisläufe. Gerade diese Gesamtschau über längere Strecken hinweg ist der eigentliche Grund, warum das Verfahren trotz seiner Nachteile nicht völlig verschwunden ist.
Röntgenaufnahmen von Venen nach Gabe eines Kontrastmittels werden seit den 1920er-Jahren angefertigt. Über Jahrzehnte war die Phlebografie das Verfahren, an dem sich jede neue Methode der Thrombosediagnostik messen lassen musste. Mit der Verbreitung der Ultraschalluntersuchung, insbesondere der Kompressionssonografie, hat sich das gewandelt: Diese ist rasch verfügbar, beliebig wiederholbar und kommt ohne Strahlen und ohne Kontrastmittel aus. Die Venographie ist damit von der Regel- zur Ausnahmeuntersuchung geworden.
Durchgeführt wird sie in radiologischen Abteilungen und Praxen. Wie bei jeder Anwendung von Röntgenstrahlen muss zuvor ein Arzt mit der erforderlichen Fachkunde prüfen, ob der zu erwartende Nutzen die Strahlenanwendung rechtfertigt und ob nicht ein Verfahren ohne Strahlenbelastung zum selben Ergebnis führt.
Aufgenommen wird heute digital. Die Bilder stehen unmittelbar zur Verfügung, lassen sich nachbearbeiten und, wo die Fragestellung es erfordert, so verrechnen, dass störende Überlagerungen durch Knochen und Weichteile herausfallen. Der Vorteil dieser Technik liegt nicht nur in der besseren Erkennbarkeit feiner Gefäße, sondern auch darin, dass für ein verwertbares Bild weniger Kontrastmittel und eine geringere Strahlendosis genügen als zu Zeiten der Aufnahme auf Film.
Funktion, Wirkung & Ziele
Nach der Kontrastmittelgabe werden vom Bein Röntgenaufnahmen erstellt, die auch als Zielaufnahmen bezeichnet werden. Bei der Armphlebografie geht der Untersuchende analog zum beschriebenen Verfahren vor. Die Beurteilung der Röntgenbilder wird deshalb besonders beim Verdacht auf Thrombosen eingesetzt, weil Thrombosen in den Bildern als Kontrastmittel-Aussparungen innerhalb des Gefäßverlaufs zum Ausdruck kommen. Bei Thrombosen handelt es sich um Verstopfungen, die auf Blutgerinnsel zurückzuführen und mittels der Venographie klar zu identifizieren sind.
Im Laufe des Verfahrens entsteht bei der Venographie ein sogenanntes Phlebogramm, das dem Arzt neben Hinweisen auf Thrombosen auch Anzeichen für Krampfadern und sogar deren Ursachen liefern kann. In den meisten Fällen werden venographische Untersuchungen innerhalb der Medizin in Kombination mit anderen Untersuchungsverfahren, so etwa komplementär dazu oder in Ergänzung dazu, eingesetzt. Mitunter am häufigsten findet die Venographie kombiniert mit einer Duplex-Sonografie statt, so vor allem bei resultatloser Duplex-Sonographie. Obwohl Venen mittlerweile durch weniger belastende Verfahren abgebildet werden können, hat die Venographie besonders an verzweigten und dünnen Venen des Unterschenkels oder Unterarms noch immer ihre Vorteile.
Vorteile bietet das Verfahren auch bei komplexeren Krampfadern oder an Patienten mit postthrombotischem Syndrom. Auch zur Darstellung von Venenklappen ist die Methode gegenüber anderen Verfahren von Vorteil. Weil das Phlebogramm den Venenverlauf vollständig abbildet, kann die Venographie vor einer Krampfader-Operation noch immer zusätzliche Klarheit bringen. Nur in seltenen Fällen findet eine Phlebografie an den großen Hohlvenen im Bereich des Oberkörpers statt. Dasselbe gilt für den Bereich des Bauchraums. Die dabei angewandte Technik gleicht der eben beschriebenen, erfordert aber meist größere Mengen von Kontrastmittel und höhere Flussgeschwindigkeiten.
In dieser Abwandlung des Verfahrens ist häufig auch von einer oberen oder unteren Cavografie die Rede. Diese Variante der Venographie ist mittlerweile allerdings annähernd vollständig von der Computertomografie und der Magnetresonanztomografie ersetzt worden, da beide Verfahren bei vergleichbarer oder geringerer Belastung des Organismus deutlich mehr zusätzliche Information liefern. Als größter Vorteil der Phlebografie gilt die komplette Darstellung von verzweigt oder komplex venösen Systemen, die über längere Strecke hinweg erfolgen kann. Außerdem ermöglicht die Venographie eine bildliche Dokumentation von funktionellen Besonderheiten, wie sie bei Bewegungen der Extremitäten oder bei einer Positionsveränderung im venösen System entstehen können.
Zur Vorbereitung gehören ein Aufklärungsgespräch und die Frage nach früheren Unverträglichkeitsreaktionen auf Kontrastmittel, nach Erkrankungen der Schilddrüse und nach der Nierenfunktion, weil jodhaltige Röntgenkontrastmittel beides beeinflussen können. Bei Frauen im gebärfähigen Alter wird eine Schwangerschaft ausgeschlossen. Nüchtern muss der Patient für die Untersuchung nicht sein.
Für die Aufnahmen wird der Patient auf einem Kipptisch in eine halb aufrechte bis stehende Position gebracht. In dieser Haltung füllen sich die Beinvenen, ohne dass die Muskelpumpe das Kontrastmittel zu schnell weitertransportiert. Über eine dünne Kanüle am Fußrücken wird das Mittel eingebracht; die Stauung oberhalb des Knöchels und gegebenenfalls oberhalb des Knies verschließt die oberflächlichen Venen, sodass es in das tiefe Venensystem gelenkt wird. Unter Durchleuchtung verfolgt der Untersucher die Füllung und fertigt etagenweise Aufnahmen vom Unterschenkel über den Oberschenkel bis in das Becken an. Ergänzend wird der Patient gebeten, zu pressen oder den Fuß zu bewegen, damit sich das Verhalten der Venen unter veränderten Druckverhältnissen zeigt. Zum Abschluss wird das Kontrastmittel mit Kochsalzlösung nachgespült und das Bein hochgelagert, damit es rasch abfließt.
Ein Thrombus zeigt sich im Bild als scharf berandete Aussparung im sonst gleichmäßig gefüllten Gefäß, als vollständiger Abbruch der Kontrastierung oder daran, dass sich das Blut über Umgehungswege einen neuen Weg gesucht hat. Ob ein Gerinnsel der Wand breit anliegt oder bereits umspült wird, erlaubt zusätzlich eine grobe Einschätzung, ob ein frischer oder ein älterer Befund vorliegt.
Am Anfang der Abklärung eines Thromboseverdachts steht heute nicht die Bildgebung, sondern die Einschätzung der klinischen Wahrscheinlichkeit anhand von Beschwerden, Vorgeschichte und Risikofaktoren, die mit einem standardisierten Punkteschema erfolgt. Ist die Wahrscheinlichkeit gering, kann ein unauffälliger Laborwert, das D-Dimer, eine Thrombose weitgehend ausschließen; andernfalls folgt die Kompressionssonografie. Erst wenn diese kein eindeutiges Ergebnis liefert oder wenn Beckenvenen und Hohlvene beurteilt werden müssen, kommen weiterführende Verfahren infrage.
Erhalten geblieben sind der Venographie vor allem Fragestellungen, bei denen es um die Vorbereitung eines Eingriffs geht: die genaue Darstellung von Becken- und Hohlvenen vor einer Aufdehnung oder einer Stentversorgung, die Beurteilung der Venen vor der Anlage eines Gefäßzugangs für die Dialyse oder eines Portsystems und die Klärung des Venenverlaufs bei Fehlbildungen der Gefäße. In diesen Fällen wird die Untersuchung häufig nicht mehr rein diagnostisch durchgeführt, sondern geht unmittelbar in den therapeutischen Eingriff über.
Für den Patienten ist die Untersuchung mit einem Nadelstich am Fußrücken und mit einem Druck- oder Wärmegefühl beim Einlaufen des Kontrastmittels verbunden; schmerzhaft ist sie in der Regel nicht. Wer nicht sicher stehen kann, wird auf dem Kipptisch entsprechend gelagert. Nach den Aufnahmen ist keine besondere Überwachung nötig, sofern das Kontrastmittel gut vertragen wurde; Bewegung unterstützt den Abtransport.
Der Befund entsteht nicht nebenbei am Bildschirm, sondern durch die Beurteilung aller Aufnahmen im Zusammenhang, denn erst die Abfolge der Bilder zeigt, ob eine Aussparung an derselben Stelle bleibt oder nur eine ungleichmäßige Durchmischung von Blut und Kontrastmittel abbildet. Genau hier liegt auch die häufigste Fehlerquelle: Eine unvollständige Füllung ist für sich genommen noch kein Nachweis eines Gerinnsels.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Ein etwas höheres Risiko birgt die Kontrastmittelinjektion, die Allergien hervorrufen kann. Die mitunter häufigsten Nebenwirkungen von Kontrastmitteln sind Kopfschmerzen und Übelkeit. Der Patient wird nach der Kontrastmittelgabe dazu aufgefordert, am selben Tag viel Flüssigkeit aufzunehmen und das Mittel auf diese Weise schnellstmöglich auszuschwemmen. Wenn Kontrastmittel zu lange im Körper bleibt, belastet es vor allem die Nieren. Auch für die durchführende Institution birgt die Venographie einige Nachteile, so vor allem die kostspielige und standortgebundene Gerätetechnik und die Erfordernis radiologisch erfahrener Spezialisten. Aus diesem Grund wird modernen Alternativen bei der Beurteilung der Venen heutzutage oft der Vortritt gelassen, so zum Beispiel der Sonografie.
Thrombosen können über das weniger belastende Verfahren ausgeschlossen oder bestätigt werden. Für großkalibrige Venen wird außerdem häufig auf das MRT zurückgegriffen, das seinerseits ohne Strahlenbelastung auskommt, aber ebenfalls Kontrastmittel erfordern kann. An allen übrigen Venen wird mittlerweile am häufigsten die Duplex-Farbdopplersonografie angewandt, da diese Methode für den Patienten weder mit Strahlen-, noch Kontrastmittelbelastung einhergeht. Während sonografische Verfahren mit einem beweglichen Gerät auch am Krankenbett durchgeführt werden können, sind Verfahren wie das MRT, das CT oder die Venographie an eine ortsfeste und aufwendige Gerätetechnik gebunden.
Die Verträglichkeit der jodhaltigen Kontrastmittel hat sich mit dem Übergang zu Mitteln mit niedrigerer Teilchenkonzentration deutlich verbessert. Leichte Reaktionen wie Wärmegefühl, Übelkeit oder Hautausschlag sind nicht selten; schwere, allergieähnliche Reaktionen sind ausgesprochen selten, müssen aber sofort behandelbar sein, weshalb die Untersuchung nur mit entsprechender Ausstattung erfolgt. Bei vorbestehender Einschränkung der Nierenfunktion kann Kontrastmittel die Nieren zusätzlich belasten; deshalb werden die Nierenwerte vorher bestimmt und die Patienten bei Bedarf vor und nach der Untersuchung mit Flüssigkeit versorgt. Jod kann außerdem eine bislang unerkannte Überfunktion der Schilddrüse entgleisen lassen, sodass bei entsprechendem Verdacht auch die Schilddrüsenwerte vorab kontrolliert werden.
Örtlich kann das Kontrastmittel neben die Vene laufen. Ein solches Paravasat verursacht Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle und heilt meist folgenlos ab; nur bei größeren Mengen sind Gewebeschäden möglich. Die Punktionsstelle selbst kann nachbluten oder sich, sehr selten, entzünden. Früher war eine Reizung der Venenwand mit nachfolgender Entzündung eine gefürchtete Folge der Untersuchung; mit den heute verwendeten Mitteln und dem Nachspülen ist sie selten geworden.
Für die Strahlenanwendung gilt, dass die Dosis so niedrig gehalten wird, wie es für eine verwertbare Aufnahme nötig ist. Eine bestehende Schwangerschaft ist ein Grund, die Untersuchung zu verschieben oder auf ein Verfahren ohne Röntgenstrahlen auszuweichen.
Zu einer redlichen Abwägung gehört schließlich, was die Alternativen nicht leisten. Die Sonografie hängt stark von der Erfahrung des Untersuchers ab und stößt bei kräftigem Unterhautfettgewebe, bei Verbänden und Gipsen sowie im Becken an Grenzen. Die Magnetresonanztomografie steht nicht überall und nicht jederzeit zur Verfügung, dauert länger und kommt für Patienten mit bestimmten Implantaten oder mit ausgeprägter Platzangst nicht infrage. Die Entscheidung für oder gegen eine Venographie fällt deshalb nicht pauschal, sondern für den einzelnen Patienten und die konkrete Fragestellung.
Neben der Belastung durch Strahlen und Kontrastmittel ist der Aufwand der zweite Grund, warum die Venographie zurückgetreten ist. Sie bindet einen Untersuchungsplatz, eine Röntgeneinrichtung und geschultes Personal, sie erfordert einen Venenzugang, und sie lässt sich nicht beliebig oft wiederholen – schon deshalb nicht, weil sich die Strahlenanwendungen eines Menschen über sein Leben hinweg summieren. Für Verlaufskontrollen, wie sie bei einer Thrombose regelmäßig anfallen, ist sie damit von vornherein ungeeignet, und als Suchuntersuchung bei geringem Verdacht kommt sie ebenfalls nicht in Betracht.
Wo sie heute noch eingesetzt wird, geschieht das gezielt: nach Ausschöpfung der belastungsärmeren Verfahren und mit einer klar umrissenen Frage, deren Beantwortung die Behandlung tatsächlich verändert. Diese Zurückhaltung ist kein Werturteil über die Methode, die nach wie vor verlässliche Bilder liefert. Sie folgt allein daraus, dass eine ebenso verlässliche Antwort heute meist auch ohne Strahlen und ohne Kontrastmittel zu bekommen ist.
Quellen
- Hirsch, T., Schick, K., Stücker, M. (Hrsg.): Referenz Phlebologie.
ISBN: 9783132455634
- Noppeney, T., Nüllen, H.: Repetitorium Phlebologie.
ISBN: 9783662683842
- Reiser, M., Kuhn, F.-P., Debus, J. (Hrsg.): Duale Reihe Radiologie.
ISBN: 9783132444621
- Meletiadis, K., Pfeifer, J.: Gefäßmedizin. Diagnostik, Therapie, Nachsorge.
ISBN: 9783437152054
- Debus, E. S., Gross-Fengels, W. (Hrsg.): Operative und interventionelle Gefäßmedizin.
ISBN: 9783662674550
