Vitamin-K-Mangel
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Vitamin-K-Mangel
Vitamin-K-Mangel zählt zu den Hypovitaminosen. Er kommt jedoch nur selten vor.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist Vitamin-K-Mangel?
Von einem Vitamin-K-Mangel ist die Rede, wenn dem Körper nicht ausreichend Vitamin K zur Verfügung steht, weil zu wenig davon mit der Nahrung aufgenommen oder im Darm nicht ausreichend verwertet wird. Ursächlich für die Mangelerscheinung sind in der Regel bestimmte Erkrankungen oder eine fehlerhafte Ernährung. Zu einem Vitamin-K-Mangel kann es auch bei Babys kommen, da sie nur geringe Vorräte anlegen und ihr Darm noch nicht mit den Bakterien besiedelt ist, die einen kleinen Teil des Vitamins beisteuern.
Auch die Milch der Mutter verfügt nur über kleinere Vitamin-K-Mengen. Aus diesem Grund erhalten die neugeborenen Kinder zusätzliches Vitamin K. Vitamin K ist ein fettlösliches Vitamin, das eine wichtige Rolle bei der Regulierung der menschlichen Blutgerinnung spielt. Ebenso ist es für die Mineralisierung der Knochen von Bedeutung. Der größte Teil an Vitamin K lässt sich mit grünem Blattgemüse wie Kohl, Salat und Spinat decken.
Weiterhin ist es in Hähnchenfleisch, Weizenkeimen sowie in Raps- und Sojaöl enthalten. Darüber hinaus wird das Vitamin im Körper von den Darmbakterien hergestellt. Lange galt diese Eigenproduktion als wichtige Quelle. Nach heutigem Kenntnisstand trägt sie nur in geringem Umfang zur Versorgung bei; entscheidend ist die Zufuhr über die Nahrung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt als Schätzwert für eine angemessene Zufuhr bei Erwachsenen 60 bis 80 µg Vitamin K am Tag, was etwa einem µg je Kilogramm Körpergewicht entspricht. Bei Kindern und Jugendlichen liegt der Schätzwert je nach Alter zwischen 15 und 70 µg am Tag, bei Säuglingen zwischen 4 und 10 µg.
Ursachen
In manchen Fällen kann auch eine Behandlung mit Antibiotika für einen Vitamin-K-Mangel verantwortlich sein. So besteht die Gefahr, dass manche Antibiotika die Darmbakterien schädigen, die einen kleinen Teil des Vitamins herstellen. Darüber hinaus können auch die Funktionen des Vitamins von den antibiotischen Mitteln gestört werden.
Als weitere Ursachen für einen Mangel an Vitamin K kommen Leberkrankheiten, die das Lebergewebe schädigen, die Verdünnung des Blutes durch den Einsatz bestimmter Medikamente oder eine Mangelernährung infrage. Andere Erkrankungen, die für einen Mangel an Vitamin K verantwortlich sein können, sind langer Alkoholmissbrauch, Zöliakie, Morbus Crohn oder Krebserkrankungen. Da Vitamin K nur zusammen mit Nahrungsfett aufgenommen wird, kann auch eine gestörte Fettverdauung, etwa durch einen Gallestau oder eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse, einen Mangel nach sich ziehen.
Fatal kann sich ein Vitamin-K-Mangel besonders auf Säuglinge auswirken, da schon kleinere Abweichungen bei der Vitamin-K-Aufnahme gravierende Folgen für die Gesundheit des betroffenen Kindes haben können.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ein Mangel an Vitamin K bewirkt Beeinträchtigungen des menschlichen Blutgerinnungssystems. So besteht ab einer bestimmten Konzentration das Risiko von spontanen Blutungen. Bei Verletzungen kann es sogar zu einem erheblichen Blutverlust kommen. Aber auch ohne äußere Einwirkung von Gewalt sind starke Blutungen in sämtlichen Organen und Geweben im Bereich des Möglichen. Bemerkbar machen sich die Blutungen durch ausgeprägte blaue Flecken auf der Haut. Ebenso sind Blutungen im Gehirn denkbar.
Beschwerden bei Babys aufgrund von Vitamin-K-Mangel nennen Ärzte Morbus haemorrhagicus neonatorum, was verstärkte Blutungsneigung bedeutet. Die Blutungen zeigen sich bei Säuglingen in erster Linie in Darm, Leber, Lunge, Bauch, Haut, Schleimhaut und Gehirn und sind von unterschiedlicher Intensität. Des Weiteren kann ein Vitamin-K-Mangel eine Abnahme der Knochendichte zur Folge haben. Dadurch erhöht sich das Risiko von Knochenfrakturen.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Besteht Verdacht auf einen Vitamin-K-Mangel, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Der Mediziner überprüft eventuelle Veränderungen, die durch die Mangelerscheinung entstehen können. Dabei erkundigt er sich auch nach den Nahrungsgewohnheiten und möglichen Vorerkrankungen, die einen Vitamin-K-Mangel hervorrufen.
Darüber hinaus nimmt der Arzt eine gründliche körperliche Untersuchung vor. Um die Diagnose zu sichern, erfolgt eine Blutabnahme. Dabei hält der Arzt die Zeit fest, in der das Blut gerinnt. Verlängert sich die Gerinnungszeit, gilt dies als Hinweis auf einen Vitamin-K-Mangel. Im weiteren Verlauf versucht der Arzt den Grund für den Mangel an Vitamin K herauszufinden, wozu er weitere Untersuchungen vornimmt.
Außerdem gilt es, eventuelle zusätzliche Mangelerscheinungen zu überprüfen. Wird der Mangel an Vitamin K durch eine entsprechende Behandlung wieder ausgeglichen, nimmt die Erkrankung in der Regel einen positiven Verlauf. Ohne eine Therapie kann der Vitamin-K-Mangel bei Babys jedoch lebensbedrohliche Folgen haben.
Komplikationen
Ein Vitamin-K-Mangel wirkt sich vor allem auf die Blutgerinnung aus. Personen, die an einer K-Hypovitaminose leiden, bekommen schneller blaue Flecken, Nasenbluten oder Zahnfleischbluten. Blutergüsse entstehen vor allem in Haut und Schleimhäuten, bei ausgeprägtem Mangel auch an den Gelenken; dort verursachen sie Schmerzen und Druckempfindlichkeit. Auf lange Sicht können dadurch auch Verwachsungen, Narben und Sensibilitätsstörungen auftreten.
Unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche oder eine erhöhte Infektanfälligkeit werden einem beginnenden Mangel zwar häufig zugeschrieben, sind für ihn aber nicht kennzeichnend; im Vordergrund stehen die Blutungszeichen. Ernste Komplikationen treten bei inneren Blutungen auf, zum Beispiel bei Magen- und Darmgeschwüren oder bei Verletzungen. Dann kann es zu Blutarmut und im schlimmsten Fall zum Verbluten kommen.
Innere Blutungen können bei K-Hypovitaminose auch ohne äußeren Anlass auftreten. Bedingt durch die gestörte Blutgerinnung, bluten dann bereits kleinste innere Verletzungen, die zunächst Schmerzen verursachen und sich bei einem weiteren Fortbestand des Mangels zu schwerwiegenden Komplikationen entwickeln können. Die Einnahme von Vitamin-K-Präparaten kann Nebenwirkungen hervorrufen.
Beschrieben sind unter anderem Magenschmerzen, Kopfschmerzen und Hautreaktionen. Eine Vergiftung durch die heute verwendeten Formen Vitamin K1 und K2 ist dagegen nicht bekannt; wer jedoch Gerinnungshemmer aus der Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten einnimmt, hebt mit solchen Präparaten deren Wirkung auf. Vitamin-K-Präparate gehören deshalb nicht in die Selbstbehandlung, sondern werden vom Arzt verordnet. Werden die K-Vitamine über die Vene verabreicht, kann es in seltenen Fällen zu einer schweren allergieartigen Kreislaufreaktion kommen; die Gabe erfolgt deshalb langsam und unter ärztlicher Aufsicht. Hinzu kommen die üblichen Risiken einer Kanüle wie Infektionen, Verletzungen am Gewebe und Wundheilungsstörungen nach dem Ziehen der Kanüle.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Beim Vitamin-K-Mangel sollte der Betroffene immer einen Arzt aufsuchen. Je früher die Krankheit diagnostiziert und die Behandlung eingeleitet wird, desto besser ist in der Regel auch der weitere Verlauf, da es bei dieser Erkrankung nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen kann. Der Betroffene sollte daher schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen einen Arzt kontaktieren, um weitere Komplikationen zu verhindern.
Ein Arzt ist beim Vitamin-K-Mangel dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an einer starken Beeinträchtigung der Blutgerinnung leidet. Dabei kommt es schon bei leichten Schnitten und Verletzungen zu einem starken Blutverlust, da das Bluten häufig nicht aufhört.
Dabei kann es auch zu Einblutungen unter der Haut kommen, die auf den Vitamin-K-Mangel hindeuten können. Ebenso ist das Risiko von Knochenbrüchen durch diesen Mangel stark erhöht. Sollte der Betroffene sich häufig verletzen und häufig an Knochenbrüchen leiden, so ist ebenso ein Arzt zu konsultieren. In der Regel kann der Vitamin-K-Mangel von einem Allgemeinarzt erkannt werden. Die weitere Behandlung erfolgt dann durch die Einnahme von Medikamenten, die die Beschwerden dauerhaft lindern. Der Betroffene sollte behandelnde Ärzte jedoch auf den Vitamin-K-Mangel hinweisen, damit es bei Untersuchungen oder bei einer gewöhnlichen Blutabnahme nicht zu starken Blutungen kommt.
Eine Blutung, die sich nicht stillen lässt, ist ein Notfall: Betroffene oder Anwesende wählen dann sofort den Notruf 112. Das gilt ebenso, wenn ein Säugling ungewöhnlich blass oder teilnahmslos wirkt, erbricht, krampft oder aus Nase, Mund, Darm oder Nabel blutet, denn dahinter kann eine Hirnblutung stecken. Für Fragen ohne Lebensgefahr ist außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der 116 117 erreichbar.
Behandlung & Therapie
Die Behandlung eines Mangels an Vitamin K richtet sich nach seiner auslösenden Ursache, die stets bekämpft werden sollte. Sind zum Beispiel Darmerkrankungen oder Leberkrankheiten für die Mangelerscheinung verantwortlich, erhalten die Patienten entsprechende Medikamente. Darüber hinaus wird den Patienten solange eine ausreichende Menge an Vitamin K verabreicht, bis der Mangel behoben ist.
Die Aufnahme des Vitamins erfolgt entweder durch die Nahrung oder mit Vitaminpräparaten. In schweren Fällen sind auch Injektionen mit Vitamin K möglich. Sollten noch weitere Mangelerscheinungen vorliegen, müssen auch diese entsprechend therapiert werden. Für den Fall, dass eine medikamentöse Blutverdünnung der Auslöser des Vitamin-K-Mangels ist, erfolgt eine entsprechende Anpassung der blutverdünnenden Arzneimittel.
Kommt es durch den Mangel an Vitamin K zu starken Blutungen, werden den Betroffenen Konzentrate von Gerinnungsfaktoren verabreicht, die sie über die Vene zugeführt bekommen. Auf diese Weise lassen sich die Blutungen stoppen und die Blutgerinnung wieder normalisieren.
Vorbeugung
Damit es bei Babys gar nicht erst zu einem Vitamin-K-Mangel kommt, erhalten die neugeborenen Kinder in zahlreichen Ländern bereits in ihren ersten Lebenswochen systematisch Vitamin K. In Deutschland bekommen Neugeborene das Vitamin bei den Vorsorgeuntersuchungen U1, U2 und U3 als Tropfen. Dieses Vorgehen ist sehr wichtig, da bei ihnen eine ausreichende Zufuhr an dem Vitamin nicht einfach ist und durch einen Mangel erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen drohen.
Nachsorge
Nach einem behobenen Vitamin-K-Mangel sollte auf eine gesunde und Vitamin-K-reiche Ernährung geachtet werden. Vitamin-K1 ist vor allem in grünem Gemüse (Spinat, Grünkohl, Brokkoli) und Vitamin-K2 in Fleisch, Eiern und Milchprodukten enthalten. Da eine Vergiftung durch das Vitamin K aus Lebensmitteln bei erwachsenen Menschen nicht möglich ist, dürfen diese Lebensmittel auch nach behobenem Vitamin-K-Mangel regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. So kann ein erneuter Vitamin-K-Mangel vermieden werden.
Bei der Einnahme von Gerinnungshemmern aus der Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten kommt es dagegen weniger auf die Menge als auf eine gleichmäßige Zufuhr an: Schwankt sie stark, schwankt auch die Wirkung des Medikaments. Lässt die Wirkung nach, können sich erneut Blutgerinnsel bilden und eine Thrombose oder eine Embolie nach sich ziehen. Außerdem sind regelmäßige Kontrollen des Quick- und INR-Wertes im Blut nötig. Bei Patienten, die Vitamin-K-Antagonisten einnehmen, dient diese Messung der richtigen Einstellung der Dosis; darüber hinaus weist eine verlängerte Gerinnungszeit auf einen erneuten Vitamin-K-Mangel hin. Diese Untersuchungen können zu Hause mit Blutmessgeräten vorgenommen werden, die auf Rezept in der Apotheke erhältlich sind.
Allerdings ist bei der Messung schlechter Werte im Blut ein erneuter Besuch beim Arzt unerlässlich. Daneben sollten, insbesondere wenn Medikamente zur Hemmung der Gerinnungsfunktion des Blutes eingenommen werden, in regelmäßigen Abständen größere Kontrolluntersuchungen beim Haus- und gegebenenfalls auch Facharzt durchgeführt werden. Außerdem sollten Patienten auf ihre Blutungsneigung achten. Ist diese erhöht, kann ein erneuter Vitamin-K-Mangel die Ursache sein.
Das können Sie selbst tun
Ein Vitamin-K-Mangel kann medikamentös und durch eine Umstellung der Ernährung behoben werden. Eine ausreichende Menge Vitamin K ist zum Beispiel in Lebensmitteln wie Schnittlauch, Spinat, Kalbsleber oder Speisequark enthalten. Betroffene Personen sollten außerdem viel Flüssigkeit aufnehmen und sich generell ausgewogen ernähren, um den Stoffwechsel anzuregen. Da Vitamin K fettlöslich ist, nimmt der Körper es besser auf, wenn die Mahlzeit etwas Fett enthält, etwa einen Löffel Öl im Salat.
Sollte der Mangel bestehen bleiben, muss der Arzt konsultiert werden. Anzeichen wie eine verstärkte Blutungsneigung oder Knochenbrüche nach geringer Belastung deuten auf einen ausgeprägten Mangel hin. Der Arzt muss die Ursache abklären und gegebenenfalls ein geeignetes Nahrungsergänzungsmittel verordnen. Durch die regelmäßige Einnahme sollte der Mangel zurückgehen.
Da ein Vitamin-K-Mangel zumeist aus einer Erkrankung resultiert, muss diese zunächst behandelt werden. Bei Alkoholismus ist eine Therapie vonnöten. Die Betroffenen sollten sich außerdem an einen Facharzt wenden, der ihnen wirkungsvolle Ergänzungsmittel verordnen kann, da meist nicht nur ein Vitamin-K-Mangel, sondern auch ein Mineralstoff- und genereller Vitaminmangel vorliegt. Die Zufuhr von Ergänzungsmitteln oder großen Mengen der genannten Lebensmittel sollte in Rücksprache mit dem Allgemeinarzt oder einem Internisten erfolgen. Andernfalls kann es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen; Präparate mit Vitamin K heben insbesondere die Wirkung von Gerinnungshemmern aus der Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten auf.
Quellen
- Biesalski, H. K., Bischoff, S. C., Pirlich, M., Weimann, A. (Hrsg.): Ernährungsmedizin.
ISBN: 9783132445956
- Pötzsch, B., Madlener, K. (Hrsg.): Hämostaseologie.
ISBN: 9783642015434
- Berger, D. P., Engelhardt, M., Duyster, J. (Hrsg.): Das Rote Buch.
ISBN: 9783609512235
- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
ISBN: 9783132443471
- Speer, C. P., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
ISBN: 9783662572948

