Wassernesselsucht

Die Wassernesselsucht ist eine dermatologische Reaktion auf den Kontakt mit Wasser. Die Betroffenen zeigen nach einem Wasserkontakt geschwollene und juckende Quaddeln auf der Haut. Therapeutisch kommt die Gabe von Antihistaminika zur Linderung der Symptome infrage.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Wassernesselsucht?

Die Nesselsucht ist eine dermatologische Reaktion. Es handelt sich dabei um eine Hautreaktion, die der Körper im Kontakt mit Allergenen hervorbringt. Die Hautreaktion entspricht punktartigen, knopfähnlichen oder geröteten Quaddeln und Erythemen, die durch allergische Prozesse der dermalen Blutgefäße verursacht werden.

Nesselsucht kommt nicht nur im Zusammenhang mit Medikamenten, Nahrungsmitteln, psychischem Stress oder immunologischen Phänomenen vor. Auch als Reaktion auf den Kontakt mit Wärme, Licht, Druck oder Wasser kann es zu den beschriebenen Symptomen kommen. Abhängig von der Ursache unterscheidet die Medizin verschiedene Arten der Nesselsucht. Die Wassernesselsucht ist eine davon.

Bei dieser aquagenen Form der Urtikaria reagiert die Haut mit einem Ausschlag auf die Einwirkung von Wasser. Der Ausschlag entsteht oft schon Sekunden nach dem Kontakt und hält durchschnittlich etwa zwei Stunden an. Neben angeborenen Formen der Wassernesselsucht wurden erworbene Formen der Erkrankung beobachtet. Einige Patienten berichten im Verlauf ihres Lebens von einem langsamen Rückgang der Symptome.

Die Wassernesselsucht ist eine eher seltene Form der Nesselsucht und wurde gegen Mitte des 20. Jahrhunderts erstmals beschrieben. Als Erstbeschreiber gelten Shelley und Rawnsley. Laut einer britischen Boulevardzeitung sollen nach der Erstbeschreibung weltweit nur 35 Fälle dokumentiert worden sein.

Ursachen

Die Wassernesselsucht wird zuweilen zu den Allergien gezählt. Das ist aber nicht vollständig richtig. Allergien sind durch die Ausschüttung des Neurotransmitters Histamin gekennzeichnet, der die charakteristischen Abwehrreaktionen hervorruft. Die Wassernesselsucht ist zwar oft, aber nicht in allen Fällen mit der Ausschüttung von Histamin assoziiert.

Daher handelt es sich vermutlich nicht um eine eigentliche Wasserallergie, sondern eher um eine dermatologische Reaktion auf Substanzen wie Chlor oder bestimmten Ionen, wie sie in nichtdestilliertem Wasser zu finden sind. Einige der bisher dokumentierten Fälle legen für die Wassernesselsucht eine genetische Disposition nahe. So wurde zuweilen eine familiäre Häufung beobachtet. Für eine genetische Disposition spricht vor allem die Untersuchung der Reaktionen an Zwillingspaaren.

Neben der genetischen Form der Wassernesselsucht existiert offenbar aber auch eine nichterbliche Form, wie sie zum Beispiel für die erworbenen Arten der Wassernesselsucht angenommen wird. Da es sich bei einem Großteil der bisher dokumentierten Patienten um isolierte Einzelfälle ohne familiäre Häufung gehandelt hat, scheint das sporadische Auftreten der Symptome die häufigere Variante zu sein. Die ursächlichen Zusammenhänge sind für diese Variante nicht abschließend geklärt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Patienten der Wassernesselsucht reagieren auf den Kontakt mit Wasser mit ähnlichen Symptomen, wie sie der Kontakt mit Brennnesseln verursacht. Rund 15 Minuten nach dem Kontakt zeigen sich an den Berührungsstellen des Wassers weißliche Papeln geringer Größe, die oft zwei Stunden lang bestehen bleiben. Begleitsymptomatisch besteht in der Regel mehr oder weniger starker Juckreiz.

Auch leichte Rötungen der umliegenden Hautpartien wurden an den Patienten beobachtet. Nicht jede Art von Wasser muss diese Reaktionen auslösen. Oft führt ausschließlich Regenwasser zu den Hautveränderungen. Andere Patienten reagieren ausschließlich auf den Kontakt mit Meerwasser. Einige Betroffene berichten aber auch von regelmäßigen Ausschlägen nach dem Duschen. Nur in Ausnahmefällen spielt die Art des Wassers für die Reaktion keine Rolle.

Das klinische Bild der Hautreaktionen kann sich von Fall zu Fall deutlich unterscheiden. So liegen bei manchen Patienten zusätzlich zu den Farbveränderungen und dem Juckreiz zum Beispiel Schwellungen vor, die meist auf die vermehrte Ausschüttung des Botenstoffes Histamin zurückgehen. Ob und wie viel Histamin die Patienten im Kontakt mit Wasser ausschütten, unterscheidet sich von Fall zu Fall.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose auf eine Wassernesselsucht wird vom Arzt zunächst über die Anamnese gestellt. Um eine solche Verdachtsdiagnose auf Basis der Anamnese zu bestätigen, werden dem Patienten körperwarme Kompressen aufgelegt, die mit Wasser durchtränkt wurden. Falls sich daraufhin die beschriebenen Hautreaktionen zeigen, gilt die Diagnose als gesichert. Die Prognose für die Patienten ist meist günstig. In vielen Fällen stellt sich im Laufe des Lebens eine absolute Remission der Erkrankung ein.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es bei der Wassernesselsucht nicht zu schwerwiegenden Komplikationen oder zu schwerwiegenden Beschwerden. Die Symptome können relativ einfach behandelt werden, sodass es auch zu keinen bleibenden Schäden kommt. In erster Linie führt die Wassernesselsucht bei den Betroffenen zu einer starken Rötung auf der Haut und ebenso zu einem Juckreiz. Dieser kann sich weiterhin verstärken, wenn der Patient die Haut kratzt.

Weiterhin kann es auch zu Schwellungen auf der Haut kommen. Viele Patienten fühlen sich mit den Beschwerden unwohl und leiden damit an einem deutlich verringerten Selbstwertgefühl und auch an Minderwertigkeitskomplexen. Bei Kindern kann es dabei zu Mobbing oder zu Hänseleien kommen, sodass diese an psychischen Beschwerden erkranken.

Sollte die Wassernesselsucht schon bei einem einfachen Kontakt mit gewöhnlichem Wasser auftreten, so kann es dadurch zu erheblichen Einschränkungen im Alltag des Patienten kommen. In der Regel werden die Symptome der Wassernesselsucht mit Hilfe von Medikamenten behandelt. Eine vollständige und kausale Heilung ist allerdings nicht möglich. Bei der Behandlung kommt es nicht zu Komplikationen. Ebenso verringert diese Erkrankung nicht die Lebenserwartung des Patienten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Wassernesselsucht ist ein Besuch bei einem Arzt notwendig. Bei dieser Erkrankung kann es in der Regel nicht zu einer Selbstheilung kommen, sodass sich eine frühe Diagnose und Behandlung immer positiv auf den weiteren Verlauf der Krankheit auswirkt. Dabei ist schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen ein Arzt zu kontaktieren, um weitere Beschwerden zu verhindern. Ein Arzt ist bei der Wassernesselsucht dann aufzusuchen, wenn der Betroffene nach dem Kontakt mit Wasser eine sehr starke Rötung auf der Haut zeigt. Dabei kommt es weiterhin auch zu einem starken Juckreiz, wobei die Beschwerden über mehrere Stunden andauern.

Ebenso können Schwellungen nach dem Kontakt auf die Wassernesselsucht hindeuten und sollten von einem Arzt untersucht werden. Die Farbe der Haut verändert sich nicht selten und deutet auf diese Krankheit hin. Die erste Diagnose kann von einem Allgemeinarzt oder einem Allergologen durchgeführt werden. Nicht immer ist eine Behandlung notwendig, sodass der weitere Verlauf sehr stark von der Ausprägung der Beschwerden abhängig ist. In der Regel verringert die Wassernesselsucht nicht die Lebenserwartung des Betroffenen.

Behandlung & Therapie

Falls die Wassernesselsucht der Patienten mit der Ausschüttung von Histamin in Verbindung gebracht werden kann, gilt die Gabe von Antihistaminika als wichtigster Therapieschritt. Antihistaminika sind Histamin-Rezeptorblocker, die als Histamin-Rezeptorantagonisten bekannt sind. Die Wirkstoffe dieser Medikamente schwächen die Wirkung des Histamins ab oder heben sie sogar ganz auf, indem sie die körpereigenen Bindungsstellen für Histamin blockieren.

Antihistaminika gibt es für vier verschiedene Histamin-Rezeptoren. Die Medikamente werden demzufolge in H1-, H2-, H3- und H4-Antihistaminika unterschieden. Die H1- und H2-Antihistaminika zeigen therapeutisch die meiste Wirkung und gelten bei der Behandlung von Allergien aus diesem Grund als relevanteste Medikamente.

Falls die Hautreaktionen von Patienten mit Wassernesselsucht nicht auf die Wirkung des Botenstoffs Histamin rückführbar sind, bleibt eine symptomatische Behandlung mit Antihistaminka erfolglos. Manchmal wird an diesen Patienten eine kausale Therapie der Wassernesselsucht in Betracht gezogen. Die Betroffenen werden in dieser Therapie regelmäßig destilliertem Wasser ausgesetzt, bis die wiederholte Exposition die Symptome zurückgehen lässt.

Diese Therapieoption ist allerdings nicht immer von Erfolg gekrönt. Zu den supportiven Therapieschritten zählt vor allem eine umfangreiche Beratung des Patienten. Der Betroffene sollte seinen Alltag auf die Krankheit ausrichten und Duschgänge zum Beispiel so kurz wie möglich halten.

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Vorbeugung

Bislang stehen für die Wassernesselsucht keine Vorbeugemaßnahmen zur Verfügung, da die Zusammenhänge nicht abschließend geklärt sind.

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Saloga, J. et al.: Allergologie-Handbuch. Schattauer, Stuttgart 2011

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 23. Oktober 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Sarah26 kommentierte am 18.04.2016

Meine Wassernesselsucht tauchte urplötzlich auf. Innerhalb eines Jahres kam dann auch eine ausgeprägte Alkoholallergie dazu, wobei das Stichwort Histamin wieder auftaucht. In den Berichten über Wassernesselsucht erkenne ich alle Symptome etc. wieder, zusätzlich wird bei mir die Hautreaktion auch durch das Schwitzen ausgelöst. Kein Sport, Sonnenbaden, Duschen, Baden etc. ohne die juckenden Pusteln auf dem Rücken. Sie sind mal stärker, mal schwächer auf dem Rücken verteilt. Da ich nicht täglich Antiallergika einnehmen möchte, habe ich Akupunktur ausprobiert. Die Therapie hat extrem geholfen die Wassernesselsucht zu mindern, ebenfalls die Alkoholallergie. Sobald es langsam Sommer wird, starte ich wieder eine Intensiv-Therapie und bin zu 95 Prozent frei von Pusteln und kann unbeschwert ins Freibad, an den Strand oder in leichten Tops Sport betreiben. Ich hoffe, dass die Wassernesselsucht mit dem Alter auch wieder zurück geht, kann schon recht mühsam sein. Hat jemand noch einen Rat?

Kathi kommentierte am 18.11.2016

Ich habe auch eine wasserbedingte Urtikaria. Unter der Dusche und als Reaktion beim Anstieg der Körperwärme, was mich zunächst vermuten ließ, dass es eine wärmebedingte Urtikaria sei. Ich kann nach über zehn Jahren sagen, dass es an den Bestandteilen im Wasser liegt. Als Test ist es möglich destilliertes Wasser zu verwenden. Mir wurde nahe gelegt dies mithilfe der Umweltmedizin zu klären. Vielleicht kann ich auf diesem Wege dem ein oder anderen helfen.