Erythem

Unter dem Begriff Erythem versteht der Dermatologe eine Hautrötung, die durch eine verstärkte Durchblutung der betroffenen Körperstelle verursacht wird. Die Ursachen sind vielseitig und müssen eindeutig festgestellt werden, um eine adäquate Behandlung einleiten zu können. Die Prognose richtet sich nach der Grunderkrankung, meist jedoch verblasst das Erythem nach kurzer Zeit von selbst.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Erythem?

Hautrötungen sind eine Reaktion der Haut und des Körpers auf bestimmte Körperprozesse oder sind durch äußere Einflüße verursacht.

Das Wort Erythem leitet sich vom altgriechischen Begriff "erýthema" ab, der so viel bedeutet wie „Röte" oder „Entzündung". Er beschreibt damit das einzige Symptom des Erythems, die Hautrötung. Diese kann in unterschiedlicher Farbintensität, Größe, Ausweitung und Stärke auftreten.

Das Erythem gehört zu den sogenannten Primäreffloreszenzen. Das sind Hautrötungen und Hautveränderungen, die sich aus einem krankhaften Prozess ergeben, welcher direkt in der Haut stattfindet.

Auf sie wirken keine anderen Erkrankungen ein. Aus diesem Grund haben Primäreffloreszenzen eine hohe diagnostische Aussagekraft. Andere wichtige Hautveränderungen dieser Gruppe sind Macula, eine Hautrötung durch Pigmentstörungen, Papeln und Zysten.

Ursachen

Die Ursachen des Erythems sind vielseitig. Es ist daher nicht möglich, allgemeine Aussagen zu treffen.

Grundsätzlich lässt sich jedoch sagen, dass das Erythem einerseits eine normale, bei allen Menschen mögliche, Erscheinung sein kann, wenn es als Schamesröte auftritt. Schamesröte, die von Dermatologen Erythema pudoris genannt wird, wird umgangssprachlich beispielsweise mit dem Sprichwort "Jemandem die Röte ins Gesicht treiben" thematisiert und ist harmlos. Andererseits ist das Erythem ein wichtiges Symptom vieler Hauterkrankungen. Wichtige Beispiele sind die Scheibenrose, das Stevens-Johnson-Syndrom und das "Verbrühte-Haut-Syndrom".

Die Scheibenrose betrifft vor allem Jugendliche und zeigt sich an den Extremitäten und im Gesicht. Die scheibchenartigen, fingernagelgroßen Erytheme treten häufig gemeinsam mit Gelenkschmerzen, Müdigkeit und leichtem Fieber auf und heilen nach einiger Zeit spontan ab.

Betroffene des Stevens-Johnson-Syndroms leiden zusätzlich unter einem schwer gestörten Allgemeinbefinden. Symptome dieser Erkrankung sind Erytheme, hohes Fieber, herpesähnliche Bläschen im Mund- und Genitalbereich und eine Bindehautentzündung. Ursachen des Steven-Johnson-Syndroms sind häufig nicht ausreichend verheilte Infekte oder allergische Reaktionen.

Das "Verbrühte-Haut-Syndrom", das auch als Lyell-Syndrom bekannt ist, ist lebensbedrohlich, denn bei Betroffenen löst sich die gesamte Oberhaut vom Körper. Sie stirbt dann ab und die Schutzfunktion der Haut ist massiv gestört. Ursache dieser Erkrankung sind schwere Allergien oder Nebenwirkungen bestimmter Medikamente.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Erythem kann verschiedene Symptome und Beschwerden hervorrufen. Die Erkrankung äußert sich in erster Linie durch eine auffällige Hautrötung, die sich an unterschiedlichen Körperstellen bemerkbar machen kann. Meist tritt ein Erythem in stark durchbluteten Körperregionen auf, zum Beispiel an der Brust, den Armen oder dem Intimbereich.

Ein Erythem kann daran erkannt werden, dass es sich bei Druck verfärbt. Meist ruft es selbst keine Schmerzen hervor. Die ursächliche Erkrankung kann in den späteren Stadien jedoch Schmerzen und andere Symptome bedingen. Abhängig von der Ursache des Erythems können ernste Beschwerden auftreten. Liegt den Beschwerden eine Hautblutung zugrunde, treten meist auch Juckreiz und Schmerzen auf.

Wenn das Erythem als Vorstufe eines Ekzems auftritt, kommt es im Verlauf zu weiteren Hautveränderungen, bis hin zu Blutungen und Hautjucken. Bei fehlender Behandlung nimmt ein Erythem an Größe zu und kann sich unter Umständen über den gesamten Arm, die Brust oder die Genitalregion ausbreiten.

Bei größeren Erythemen sind Sensibilitätsstörungen denkbar. Zudem verspüren die Betroffenen oft ein Krankheitsgefühl, das mit der Vergrößerung der Hautrötung zunimmt. Wird ein Erythem frühzeitig behandelt, treten normalerweise keine weiteren Symptome oder Beschwerden auf.

Diagnose & Verlauf

Die Hautrötung fällt dem Betroffenen meist selbst auf und er begibt sich zum Dermatologen. Wichtig ist, bei der Terminvereinbarung das beobachtete Symptom möglichst genau zu schildern, damit eine Dringlichkeitseinstufung erfolgen kann. Sonst könnte es passieren, dass der Patient sehr lange auf einen Termin wartet.

Der Dermatologe sollte bereits auf den ersten Blick erkennen können, ob ein Erythem, eine Hautblutung oder die Vorstufe eines Ekzems vorliegt. Hilfreich bei der Diagnose ist es, Druck auf die betroffene Stelle auszuüben, denn wenn sich diese hiermit verfärben lässt, liegt eindeutig ein Erythem vor.

Meist wird der Hautarzt den Patienten an einen Allgemeinmediziner verweisen, um die Diagnose und Behandlung der Grunderkrankung einzuleiten. Dennoch sollte zunächst ein Dermatologe aufgesucht werden, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Komplikationen

Bei einem Erythem hängt es von der Ursache ab, welche Komplikationen im Zusammenhang mit der Hautrötung auftreten können. Wenn das Erythem durch eine Infektion verursacht wurde, können sich ohne Behandlung unter Umständen gefährliche Symptome entwickeln. So können sich Sekundärinfektionen der betroffenen Hautpartien aber auch anderer Organe ausbilden, die lebensbedrohlich sein können.

Eine Behandlung mit Antibiotika ist bei einer bakteriellen Infektion als Ursache des Erythems angezeigt, und auch durch Pilzinfektionen verursachte Erytheme sollten medikamentös behandelt werden. Doch auch die Behandlung mit Medikamenten kann zu Komplikationen führen, da allergische Reaktionen und Unverträglichkeiten möglich sind. Diese können sich ebenfalls in Hauterscheinungen äußern, im Extremfall kann auch ein lebensbedrohlicher allergischer Schock mit Kreislaufversagen vorkommen.

Wenn eine allergische Reaktion der Grund für das Auftreten eines Erythems ist, reicht bei einer Kontaktallergie meist das Vermeiden des auslösenden Stoffes. Die Hautrötung verschwindet dann normalerweise von selbst, ohne dass es einer weiteren Behandlung bedarf. Es kann im Rahmen allergischer Reaktionen jedoch auch zu entzündlichen Veränderungen des Erythems kommen, die sich auf tiefere Hautschichten ausbreiten.

Sekundärinfektionen sind hier eine weitere mögliche Komplikation. Ebenso kann es auch bei einer adäquaten Behandlung zur Narbenbildung in den betroffenen Bereichen kommen. Als Komplikation entzündlicher Hautprozesse sind auch Fieber und ein gemindertes Allgemeinbefinden möglich.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Erythem sollte ärztliche abgeklärt werden, sobald sich Komplikationen einstellen. Rötungen auf der Haut, Fieber oder Gelenkschmerzen bedürfen in jedem Fall einer ärztlichen Abklärung. Dasselbe gilt bei Blutungen, Juckreiz und anderweitigen Symptomen, die das Wohlbefinden beeinträchtigen. Vor allem wenn die Beschwerden nach spätestens zwei bis drei Tagen nicht abgeklungen sind, sollte ein Termin beim Allgemeinmediziner ausgemacht werden. Menschen, die das Erythem als kosmetischen Makel empfinden, sprechen am besten auch mit einem Therapeuten.

Insbesondere über großflächige Läsionen sollte mit einem Fachmann gesprochen werden, bevor sich psychische Verstimmungen einstellen. Sollten sich bereits Minderwertigkeitskomplexe oder Depressionen bemerkbar machen, gilt: Sofort psychologischen Rat einholen. Je früher seelische Leiden behandelt werden, desto unwahrscheinlicher sind Langzeitfolgen. Davon ab sollten Personen, die an einer Vorerkrankung wie dem Stevens-Johnson-Syndrom oder an einer Hauterkrankung leiden, mit einem Erythem zum Arzt gehen. Im Allgemeinen weist das Erythem auf eine ernste Erkrankung hin und muss deshalb untersucht und gegebenenfalls behandelt werden. Bei starken Komplikationen wird am besten der ärztliche Notdienst eingeschaltet.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung eines Erythems richtet sich nach der diagnostizierten Grunderkrankung. Während manche Ursachen, wie die Scheibenrose, nicht behandelt werden können, können andere Ursachen bei rechtzeitiger Diagnose noch therapiert werden. Das Erythem selbst kann nicht behandelt werden.

Eine Sonderform des Erythems ist die Erythrodermie: Diese liegt vor, wenn mehr als 90 % des Körpers betroffen sind. Erythrodermie bedeutet auf Altgriechisch so viel wie "rote Haut". Die Haut ist stark entzündet und die Gefäße sind erweitert. Es kommt zu einem Flüssigkeits-, Eiweiß- und Salzverlust, der zu lebensbedrohlichen Folgeinfektionen führen kann.

Patienten leiden durch die Gefäßerweiterung unter starkem Wärmeverlust des Körpers und damit übersteigerter Kälteempfindlichkeit. Ein erster Hinweis auf Erythrodermie ist daher der von Anderen als stets zu warm empfundene Kleidungsstil Betroffener. Wie das Erythem ist die Erythrodermie keine eigenständige Erkrankung.

Sie ist ein Symptom und damit ein wichtiges Indiz für andere Erkrankungen und Erscheinungen, beispielsweise des Alters, einer Arzneimittelunverträglichkeit oder der Schuppenflechte.

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Aussicht & Prognose

Je nachdem, welche Ursache dem Erythem zugrunde liegt, kann die Hautrötung sich unterschiedlich entwickeln. Ist eine harmlose Entzündung ursächlich, klingt sie meist schon nach wenigen Stunden bis Tagen wieder ab. Bei ernsten Hautkrankheiten können die Erytheme dagegen Wochen und Monate bestehen bleiben. Patienten einer chronischen Hauterkrankung leiden dauerhaft an Hautveränderungen. Dennoch ist die Prognose meist gut – ein Erythem ist normalerweise unproblematisch und ruft neben Juckreiz und Schmerzen keine weiteren Beschwerden hervor.

In Einzelfällen kann sich aus einem Erythem ein Ekzem entwickeln, welches an Größe zunehmen und Begleitsymptome wie Fieber hervorrufen kann. Ein Ekzem kann im schlimmsten Fall zu einer Entzündung und dadurch zu einer Sepsis führen. Auch eine Ausbreitung auf die inneren Organe ist denkbar und mit einer eher schlechten Allgemeinprognose verbunden. Bei einer frühzeitigen Behandlung ist die Aussicht auf eine rasche Genesung jedoch gut.

Der Hautarzt kann geeignete Medikamente und Pflegeprodukte verordnen, mit denen die Hautveränderungen zuverlässig behandelt werden können. Grundsätzlich haben Erytheme also eine gute Prognose. Werden die Hautveränderungen frühzeitig abgeklärt und behandelt, klingen sie normalerweise wieder ab oder schreiten zumindest nicht weiter voran.

Nachsorge

In der Regel stehen dem Betroffenen bei dieser Krankheit kaum Maßnahmen und Möglichkeiten einer Nachsorge zur Verfügung. Die Erkrankung muss dabei in erster Linie von einem Arzt behandelt werden, damit es nicht zu weiteren Komplikationen und Beschwerden kommt. Dabei hängt der weitere Verlauf auch sehr stark von der genauen Grunderkrankung ab, die für das Erythem zuständig ist, sodass hierbei keine allgemeine Prognose über den weiteren Verlauf gemacht werden kann.

Eine frühzeitige Erkennung und die anschließende Behandlung wirken sich jedoch immer positiv auf den weiteren Verlauf der Krankheit aus. In den meisten Fällen sind die Betroffenen bei dieser Krankheit auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen. Diese sollten regelmäßig eingenommen werden, wobei vor allem auf die Anweisungen des Arztes zu achten ist.

Bei Fragen oder Unklarheiten sollte dabei immer zuerst ein Arzt kontaktiert werden. In vielen Fällen müssen die Betroffenen auch ihren Kleidungsstil anpassen, da durch die Krankheit auch das Empfinden von Wärme oder Kälte gestört sein kann. Dabei kann ebenfalls ein Arzt behilflich sein. Im Alltag sind viele Betroffene auf die Hilfe der Familie und der Freunde angewiesen, wobei allerdings auch der Kontakt zu anderen Betroffenen sinnvoll sein kann.

Das können Sie selbst tun

Mit einem Erythem sollte in jedem Fall zum Hausarzt oder Dermatologen gegangen werden. Welche Maßnahmen die Betroffenen selbst unternehmen können, hängt davon ab, welche Ursache der Mediziner ermittelt und wie stark ausgeprägt die Hautveränderung ist.

Ist eine Arzneimittelunverträglichkeit ursächlich, genügt eine Umstellung der Medikation. Die eigentliche Rötung sollte anschließend von selbst zurückgehen. Regelmäßige Hautpflege mit schonenden Produkten unterstützt den Abbau des beschädigten Gewebes. Auch verschiedene Mittel aus der Naturheilkunde reduzieren die Hautrötungen, sollten jedoch nur in Rücksprache mit dem zuständigen Arzt angewendet werden. Selbiges gilt für alternative Heilmethoden wie Hitze- oder Kältebehandlungen oder die Ultraschalltherapie. Liegt dem Erythem ein ungesunder Lebensstil zugrunde, empfehlen sich entsprechende Veränderungen der alltäglichen Gewohnheiten. Sind äußere Einflüsse wie übermäßige Sonneneinstrahlung oder Umweltgifte ursächlich, hilft ein umsichtiges Verhalten im Alltag ebenso wie vorbeugende Maßnahmen. Ganz allgemein lassen sich Erytheme durch geeignete Kleidung (z.B. Baumwolle oder Leinen) und die Vermeidung reizender Parfüms und Pflegeprodukte reduzieren.

Bleiben die Hautveränderungen trotz allem bestehen, muss ein Arzt die Behandlung übernehmen. Patienten mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis sollten von Selbstmaßnahmen grundsätzlich absehen.

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Sterry, W., Worm, M., Burgdorf, W.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2014

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 26. September 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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