Wiesengräserdermatitis


Medizinische Qualitätssicherung am 27. Mai 2019 von Dr. med. Nonnenmacher
Als Wiesengräserdermatitis (Dermatitis protensis, Photodermatitis) bezeichnet man eine Hautentzündung, die auf Grund bestimmter Extrakte in Pflanzen und anschließender Sonneneinstrahlung hervorgerufen wird und nach dem Abheilen zu einer starken Pigmentierung führt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Wiesengräserdermatitis?

Eine Wiesengräserdermatitis ist eine entzündliche Hauterkrankung und tritt vor allem im Frühling bis Herbst auf. Sie betrifft vorwiegend Menschen, die sehr viel mit Pflanzen zu tun haben beziehungsweise häufig der Sonne ausgesetzt sind. Dazu zählen beispielsweise Landwirte oder Gärtner aber auch Kinder, die sich oft an der frischen Luft aufhalten.

Ursachen

Bei einer Wiesengräserdermatitis kommt es zu einer phototoxischen Hautreaktion, die durch bestimmte Pflanzenstoffe und UV-Licht ausgelöst wird. Diese Stoffe stammen hauptsächlich aus so genannten Psoralenen, die in Fruchtständen, Stängeln sowie Blättern von exotischen oder heimischen Pflanzen zu finden sind.

Dazu gehören Sellerie (Apium graveolens), Knorpelmöhre, Bergamotte (Citrus bergamia), Weinraute (Ruta gravedens), Feigenbaum (Ficus carica) und Engelwurz (Angelica). Aber auch Meisterwurz (Peucedanum ostruthium), Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium), Herkulesstaude (Heracleum montegazzianum) und Pastinak (Pastinaca) begünstigen die Entzündung der Haut.

Einige der genannten Pflanzen werden auch für Parfüms, Gewürze oder Getränke verwendet, sodass auch so eine phototoxische Reaktion ausgelöst werden kann. Darüber hinaus kann eine Wiesengräserdermatitis auch durch folgende Medikamente hervorgerufen werden: Alendronat, spezielle Nichtsteroidale Antirheumatika, Tetrazykline, Phenothiazine und 3,5- beziehungsweise 8-Methoxypsoralen.

Außerdem kann eine Wiesengräserdermatitis auch durch Kosmetika, Teere oder Akridinfarbstoffe entstehen. Einer Photodermatitis liegt keine Allergie zugrunde, daher kann sie auch bei jeder Person auftreten. Feuchte Haut begünstigt ihr Entstehen ebenfalls. Die Pflanzenstoffe, die als Auslöser für die Wiesengräserdermatitis gelten, sind so genannte Photosensibilatoren.

Diese Stoffe können UV-Licht absorbieren und die Energie, die dabei entsteht, auf die Haut übertragen. Während bei einem Sonnenbrand eine Strahlenüberdosierung vorliegt, so führt bei phototoxischen Reaktionen eine UV-Dosis, die im Toleranzbereich liegt, zur Dermatitis.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Nach dem Kontakt mit den Pflanzen treten nach etwa ein bis zwei Tagen Hautveränderungen auf, die ein blattförmiges, netzartiges oder streifiges Aussehen haben. Auf Grund des stark verzögerten Auftretens der Symptome wird daher der Auslöser von den Betroffenen häufig nicht erkannt. Es kommt zur Bildung von Blasen, die Haut ist gerötet und juckt stark. Außerdem klagen die Patienten häufig auch über brennende Schmerzen.

Wenn die Hautbarriere geschädigt wird, kann es außerdem zu einer Superinfektion kommen. Wenn nach dem Kontakt mit den Photosensibilisatoren die Lichtexposition nur sehr schwach ist, so verläuft die Wiesengräserdermatitis oftmals auch ohne entzündliche Phase. Diese Form wird als Photodermatitis pigmentaria bezeichnet. Nach etwa zwei bis vier Wochen heilen die Hautveränderungen unter starker Hyperpigmentierung ab.

Bei einer Photodermatitis auf Grund von Kosmetika zeigt sich häufig eine Hyperpigmentierung in Form eines herabsinkenden Tropfens. Die Hautpigmentierungen verschwinden oft erst nach einigen Monaten und können kosmetisch störend sein. Phototoxische Reaktionen folgen dabei einem bestimmten Verteilungsmuster, wobei die Hautveränderungen speziell an belichteten Hautbereichen auftreten. Die am häufigsten betroffenen Hautstellen sind Beine und Arme.

Wird die Dermatitis durch Kosmetika ausgelöst, so können auch Hautveränderungen am Dekolleté, am Hals sowie im Gesicht auftreten. Manchmal ist eine Abgrenzung zur so genannten aerogenen Kontaktdermatitis, deren Auslöser Pflanzenallergene sind, relativ schwierig. Bestimmte Photosensibilisatoren wie Chlorpromazin oder Steinkohleteer rufen oft auch eine sofortige Reaktion mit urtikariellen Erythemen, Brennen und Stechen hervor.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Arzt stellt die Diagnose auf Grund der Form der Hauterscheinungen. Durch die auftretenden Blasen, die oft sehr bizarre Muster haben, kann die Wiesengräserdermatitis auch vom Sonnenbrand abgegrenzt werden. Gegebenenfalls kann der Mediziner den Photosensibilisator auch durch einen Photopatchtest nachweisen. Bei einem Photopatchtest trägt der Arzt Testsubstanzen auf ein Pflaster auf und bringt es am Rücken des Patienten an.

Nach einem Tag wird eine Seite davon abgenommen und es erfolgt eine Bestrahlung mit UV-Licht. Nach zwei Tagen nimmt der Arzt auch das andere Testpflaster ab und markiert beide Areale mit einem Stift. Diese Stellen werden dann nach Bläschen, Papeln sowie Rötungen bewertet.

Komplikationen

Bei der Wiesengräserdermatitis leiden die Betroffenen in erster Linie an unterschiedlichen Hautbeschwerden. Diese Beschwerden wirken sich dabei sehr negativ auf die Ästhetik des Betroffenen aus und können damit auch zu Minderwertigkeitskomplexen oder zu einem deutlich eingeschränkten Selbstwertgefühl führen. Vor allem Kinder leiden dabei an Depressionen oder an anderen psychischen Beschwerden, da sie häufig gehänselt oder gemobbt werden.

Durch die Wiesengräserdermatitis leiden die Betroffenen an einem starken Juckreiz und an Blasen auf der Haut. Die Haut selbst ist dabei deutlich gerötet und kann auch brennen oder schmerzen. Vor allem in der Nacht kann dieser Schmerz zu Schlafbeschwerden und damit zu einer Gereiztheit des Patienten führen. Die Lebensqualität des Patienten wird durch die Erkrankung erheblich verringert.

Weiterhin kommt es zu einer sehr starken Pigmentierung, welche ebenfalls kosmetisch störend ist. Vor allem im Gesicht können die Beschwerden sehr unangenehm sein. Die Behandlung der Wiesengräserdermatitis erfolgt mit Hilfe von Cremes und Salben und führt dabei in den meisten Fällen zu einem positiven Krankheitsverlauf. Solange der Betroffene auch den Kontakt mit dem auslösenden Stoff vermeidet, treten in der Regel auch keine besonderen Beschwerden ein. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird von der Erkrankung nicht negativ beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Treten bei einem Aufenthalt im Freien Veränderung des Hautbildes oder gesundheitliche Besonderheiten auf, sollte zur Abklärung der Beschwerden ein Arztbesuch stattfinden. In vielen Fällen zeigen sich die Auffälligkeiten ungefähr ein bis zwei Tage nach einem Kontakt mit Pflanzen. Zur Diagnosestellung werden medizinische Tests benötigt und daher ist ein Arzt zu konsultieren. Bei Schmerzen, der Bildung von Blasen oder einer Hautrötung besteht Handlungsbedarf. Ein Juckreiz, ein allgemeines Unwohlsein oder ein Krankheitsgefühl sollten ebenfalls untersucht und ärztlich besprochen werden.

Schlafbeschwerden, Störungen der Konzentration sowie Verhaltensauffälligkeiten deuten auf eine gesundheitliche Unregelmäßigkeit hin, die abgeklärt werden müsste. Ein Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben, Stimmungsschwankungen, ein herabgesetztes Wohlbefinden sowie die Einschätzung einer verringerten Lebensqualität sind Anzeichen einer gesundheitlichen Störung. Damit eine Linderung der Beschwerden und eine Verbesserung der Lebensfreude eingeleitet werden kann, wird eine Klärung der Ursache sowie ein Behandlungsplan benötigt.

Kommt es aufgrund des Juckreizes zu offenen Wunden, können Komplikationen auftreten. Werden diese nicht fachmännisch versorgt, kann eine Sepsis und damit eine potentielle Gefährdung des menschlichen Lebens auftreten. Nehmen daher vorhandene Unregelmäßigkeiten an Umfang und Intensität zu, sollte ein Arzt konsultiert werden. Ein trockenes Hautbild sowie eine Spannung der Haut sind ebenfalls als Warnsignal des Organismus zu deuten und sollten entsprechend behandelt werden.

Therapie & Behandlung

Eine Wiesengräserdermatitis wird mit Lotionen und Cremes, in denen Glukokortikoide enthalten sind, lokal behandelt. Eine sehr schwere Photodermatitis wird wie eine Verbrennung zweiten Grades behandelt. Dafür punktiert, reinigt und desinfiziert der Arzt die größeren Blasen und schützt sie anschließend mit einer Wundauflage.

Außerdem werden die Rötungen wie ein Sonnenbrand gekühlt. Phototoxisch wirkende Medikamente sowie Kosmetika müssen sofort abgesetzt werden. Eine starke Depigmentierung kann durch eine Kombination aus Hydrocortison 1 Prozent, Hydrochinon 5,0 Prozent sowie Vitamin-A-Säure 0,1Prozent erreicht werden. Sollten bleibende Hyperpigmentierungen auftreten, so kann eine Laser-Therapie Abhilfe schaffen.

Die Patienten sollten außerdem den Kontakt mit dem auslösenden Pflanzenstoff meiden. Des Weiteren sollte direktes Sonnenlicht einige Tage lang gemieden werden. Bei sehr schweren Formen verordnet der Arzt oft auch Cortison zum Einnehmen oder als Infusion.

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Vorbeugung

Man kann sich vor einer Wiesengräserdermatitis durch Kleidung schützen, die Beine und Arme bedeckt und somit den Pflanzenkontakt verhindert. Besonders vorsichtig sollte man bei starkem Schwitzen beziehungsweise nach dem Baden sein, da die Haut feucht ist und die Wirkung der Pflanzenstoffe dadurch verstärkt wird.

Schatten oder ein bewölkter Himmel schützen dagegen nicht vor einer Wiesengräserdermatitis, da noch immer ausreichend ultraviolettes Licht vorhanden ist, um die Hauterkrankung hervorzurufen.

Nachsorge

Wiesengräserdermatitis ist eine allergische Erkrankung. Betroffene sollten sich umfassend über das Krankheitsbild informieren und die Umstände kennen, unter denen die gesundheitlichen Beeinträchtigungen auftreten können. Durch medizinische Tests kann der behandelnde Arzt herausfinden, auf welche Pflanzenstoffe der Betroffene reagiert.

Der Patient sollte Pflanzenstandorte und Wachstumszeiten kennen, um sein persönliches Risiko zu minimieren. Um vorbeugend zu handeln, können natürlich bestimmte Regionen gemieden werden. Vor Reisen ist es hilfreich, sich über die entsprechende Vegetation des Urlausgebietes zu informieren, um sich ausreichend vorzubereiten.

Die Einwirkung von UV – Strahlung verstärkt im allgemeinen die Beschwerden der Wiesengräserdermatitis und kann weitere Komplikationen hervorrufen. Deshalb sollte beim ersten Auftreten von Unregelmäßigkeiten der Haut Sonnenlicht weitestgehend gemieden werden. Beim Verlassen des Hauses ist darauf zu achten, den Körper mit entsprechender Kleidung so weit wie möglich zu bedecken.

Nach längerem Aufenthalt im Freien empfiehlt es sich, die Kleidung zu wechseln, um den Pollengehalt in der Luft möglichst gering zu halten. Wichtig ist es auch, in der Wachstums- und Blütezeit, die ärztlich verordneten Medikamente mitzuführen, um bei Bedarf direkt handeln zu können. Um Allergien vorzubeugen, ist eine vitaminreiche Ernährung sehr wichtig. Besonders Vitamin C, das sich in Paprika, Wirsing, Grünkohl und Fenchel befindet, hilft dem Körper, sich vor Allergien zu schützen.

Das können Sie selbst tun

Menschen mit einer Wiesengräserdermatitis sollten sich umfassend über den Umgang mit der Erkrankung informieren. Wichtig ist, dass sie ausreichend in Erfahrung bringen, unter welchen Umständen die gesundheitlichen Störungen auftreten und welche Auswirkungen ihr eigenes Verhalten hat.

In verschiedenen Tests wird herausgefunden, auf welche Pflanzenstoffe der Betroffene reagiert. Biologisches und geographisches Wissen es wichtig, um frühzeitig die Standorte sowie die Wachstumszeit der entsprechenden Pflanzen zu erfahren. In vielen Fällen wird im Alltag nach einer gewissen Zeit eine ausreichende Kenntnis darüber erworben, wo sich die auslösenden Pflanzen befinden. Die Region werden gemieden, damit vorbeugend gehandelt wird. Vor dem Antritt einer Reise oder dem Aufsuchen eines anderen Gebietes, sollte der Betroffene ebenfalls versuchen, Informationen über die dortige Fauna zu erhalten.

Bei ersten Unregelmäßigkeiten sollte das Sonnenlicht gemieden werden. Die Einwirkung der UV-Strahlung verstärkt Beschwerden und kann zu weiteren Komplikationen führen. Daher ist darauf zu achten, dass beim Verlassen des Hauses Kleidung getragen wird, die den Körper bestmöglich abdeckt. Mit dem Beginn der natürlichen Wachstums- und Blütezeit ist vorsorglich die vom Arzt verschriebene Arznei mitzuführen. Studien ergaben, dass eine ausgewogene und vitaminreiche Kost ebenfalls eine positive Auswirkung auf die weiteren Entwicklungen haben. Vor allem sollte auf eine ausreichende Zufuhr des Vitamin A geachtet werden.

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Sterry, W., Worm, M., Burgdorf, W.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2014

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