Wirbelkörperfraktur (Wirbelkörperbruch)


Die Wirbelkörperfraktur, auch als Wirbelkörperbruch bekannt, betrifft eine Beschädigung des wie ein Teller geformten Teils des Wirbels. Dieser zum Körperinnern befindliche Wirbelteil kann krankheitsbedingt oder durch ein Trauma, wie einen Unfall, verletzt werden. Der Wirbelkörperbruch ist schmerzhaft und je nach Art oder Stärke sind Verletzungen des Rückenmarks, der Bänder und Sehnen möglich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Wirbelkörperfraktur?

Eine Wirbelkörperfraktur betrifft ausschließlich den scheibenförmigen Wirbelkörper, der zugleich die Auflagefläche der Bandscheiben darstellt. Die Wirbelkörperfraktur selbst ist in unterschiedliche Typen einteilt, die die Art des Bruchs beschreiben.

Die Einstufung in Frakturen des A-Typs, B-Typs und C-Typs weist dabei zugleich auf die Art der Krafteinwirkung hin, die die Wirbelkörperfraktur ausgelöst hat. Es wird unterschieden zwischen Kompressionsbrüchen, die durch eine Stauchung der Wirbel entstehen und als A-Frakturen bezeichnet werden.

Bei Distraktionsbrüchen kommt es zu einer Überstreckung nach vorne oder hinten, während Rotationsbrüche durch eine Verdrehung der Wirbelsäule entstehen. Diese Rotationsbrüche des C-Typs gehören zu den schwersten Formen der Wirbelkörperfraktur, da bei dieser Ursache häufig auch Frakturen des restlichen Wirbels auftreten.

Ursachen

Die Wirbelkörperfraktur ist in vielen Fällen Folge einer Sportverletzung oder eines Unfallgeschehens. Dabei wird durch die übermäßige Belastung und Krafteinwirkung auf die Wirbelsäule der Wirbelkörper Kräften ausgesetzt, die zu einer Wirbelkörperfraktur führen.

Die Bandscheiben reichen in diesen Fällen nicht aus den knöchernen Wirbelkörper zu schützen und den an unterschiedlichen Stellen plötzlich auf die Struktur einwirkenden Druck abzufedern. Neben der Wirbelkörperfraktur bei gesunden Patienten ist auch der Wirbelkörperbruch aus Krankheitsgründen möglich. Besonders häufig sind davon ältere Menschen betroffen, die noch dazu an einer die Knochenstruktur schwächenden Krankheit leiden.

Bei einer bestehenden Osteoporose kann ohne auffällige Krafteinwirkung auf den Knochen eine Wirbelkörperfraktur auftreten. Auch einige Krebserkrankungen greifen die Knochenstabilität an und führen schon bei einer normalen Bewegung zu einem Wirbelkörperbruch.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Wirbelkörperfraktur äußert sich durch einen starken Schmerz im Rücken. Nach einem Unfallgeschehen ist dies immer ein Indikator, einen Arzt für eine nähere Untersuchung zu konsultieren. Patienten mit einer bekannten Knochenerkrankung sollten ebenfalls bei neu auftretenden Rückenschmerzen die Ursache durch ihren behandelnden Arzt abklären. Dieser wird im bildgebenden Verfahren die Wirbelsäule auf Schäden untersuchen und zumeist schon auf dem Röntgenbild die Wirbelkörperfraktur feststellen.

Auch ein zunächst nur schmerzhafter Wirbelkörperbruch kann Empfindungsstörungen, Lähmungen der Extremitäten und dauerhafte Schmerzen verursachen. Inkontinenz und Darmlähmungen sind ebenfalls als Symptome und Folge der Wirbelkörperfraktur möglich. Heilt die Wirbelkörperfraktur aus, ist eine Verengung des Wirbelkanals durch die Veränderung der Oberfläche entlang der Bruchstellen als Spätfolge realistisch.

Komplikationen

Die Komplikationen im Zusammenhang mit einem Wirbelkörperbruch sind mitunter von der Art und Kompliziertheit des Bruchs und von einer erfolgten oder nicht erfolgten Behandlung abhängig. Die meisten Wirbelkörperfrakturen können, insofern rechtzeitig erkannt und behandelt, ohne größere Folgeschäden ausheilen, wobei mögliche Ursachen betrachtet werden müssen.

Die gravierendste Komplikation in diesem Zusammenhang ist die Querschnittslähmung, die durch ein Einklemmen und Verletzen des Rückenmarks bedingt sein kann. Dies kommt vor allem bei stark verschobenen Fragmenten der Wirbelkörper oder durch ein Zusammenfallen einzelner Wirbelkörper (meist im Zusammenhang mit Osteoporose) vor. Aber auch teilweise entstehende Lähmungen können, je nach Höhe des gebrochenen Wirbels, vorkommen.

So können etwa die Arme, die Beine oder auch die Darm- und Blasenentleerung betroffen sein. Eine Rückenmarksschädigung kann zudem zu Atemproblemen und neurologischen Störungen führen. Hierunter fallen Ausfälle der bewussten Wahrnehmung, Gefühlsstörungen und das Unvermögen, die eigenen Körperteile zielgerichtet zu verwenden.

Wird ein Wirbelkörper derart gebrochen, dass er dauerhaft in seiner Struktur geschädigt sein wird, kann es zu einer Schiefstellung des Rückens (Buckelbildung), einer Körpergrößenverringerung und zu chronischen Schmerzen kommen. Die operativen Verfahren zur Behandlung einer Wirbelkörperfraktur können, je nach Lokalisation und Bruch, ein Komplikationsrisiko mit sich führen, das vor allem im Zusammenhang mit möglichen Verletzungen des Rückenmarks steht.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Kommt es nach einer starken körperlichen Aktivität, einem Unfall, Sturz oder einer Gewalteinwirkung zu Schmerzen im Bereich des Rückens, besteht oft Handlungsbedarf. Vorerst sollte der Betroffene prüfen, ob sich die Beschwerden nach einer ausreichenden Ruhe und Schonung zurückbilden. Zeigt sich nach einigen Stunden oder einem erholsamen Nachtschlaf eine Beschwerdefreiheit, wird in den meisten Fällen kein Arzt benötigt.

Halten die gesundheitlichen Unregelmäßigkeiten jedoch an oder nehmen sie an Umfang und Intensität zu, ist ein Arztbesuch anzuraten. Schmerzen im Bereich des Rückens, Einschränkungen der Mobilität oder Störungen der allgemeinen Bewegungsabläufe sind untersuchen und behandeln zu lassen. Erleidet der Betroffene Lähmungserscheinungen, besteht akuter Handlungsbedarf.

In besonders schweren Fällen ist ein Rettungsdienst zu kontaktieren. Um Folgeschäden zu vermeiden, ist den Anweisungen des Rettungsteams Folge zu leisten. Bei einer plötzlichen Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit, einer Entstehung von Hautveränderungen oder der Entwicklung von Blutergüssen wird ein Arzt benötigt.

Es handelt sich um Anzeichen einer gesundheitlichen Störung, die abgeklärt und gegebenenfalls behandelt werden muss. Nimmt der Betroffene aufgrund der Beschwerden eine Schonhaltung ein, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Es drohen Langzeitschäden und in einigen Fällen muss schnellstmöglich gehandelt werden, damit langfristig eine Linderung der Unregelmäßigkeiten erreicht wird. Bei einigen Erkrankungen kann es ansonsten zu lebenslangen Beeinträchtigungen kommen.

Behandlung & Therapie

Die Wirbelkörperfraktur wird je nach Art und Schweregrad konservativ oder operativ behandelt. Bei einem unfallbedingten Bruch ist zunächst die Stabilisierung bis zur genaueren Diagnose wichtig, um weitere Schäden am Wirbel und dem Rückenmark zu verhindern.

Ergibt die Untersuchung, dass der Bruch sich mit einer weiteren Stabilisierung behandeln lässt, muss der Patient mit einer guten Schmerztherapie die Ausheilphase in relativer Ruhe, aber nicht in Bewegungslosigkeit durchleben. Auslösende Krankheiten wie Osteoporose werden in einer Kombinationstherapie mitbehandelt, um die Ursachen wirksam zu bekämpfen. Wirbelkörperbrüche im Bereich der Brustwirbelsäule werden durch den Brustkorb selbst ausreichend gestützt und auf zusätzliche Stützen kann zumeist verzichtet werden.

Erst, wenn zu befürchten ist, dass das Rückenmark durch den Wirbelkörperbruch geschädigt oder noch mehr beeinträchtigt wird, ist ein operativer Eingriff erforderlich. Dabei ist es das Ziel des Operateurs, die Wirbelkörperfraktur wieder mit unterschiedlichen Mitteln wie Platten, Schrauben oder körpereigenem Knochenmaterial zu stabilisieren. Der Druck wird bei der Korrektur der Wirbelkörperfraktur vom Rückenmark genommen und die entstandene Stellungsveränderung der Wirbelsäule möglichst komplett korrigiert.

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Vorbeugung

Eine Wirbelkörperfraktur lässt sich zumindest dann vermeiden, wenn bei unfallgeneigten Sportarten auf eine gute Ausrüstung und den korrekt erlernten Bewegungsverlauf Wert gelegt wird. Krankheitsbedingte Wirbelkörperbrüche können dagegen gut vermieden werden, indem die Grunderkrankung frühzeitig und sorgfältig behandelt wird. So lassen sich die Beeinträchtigungen der Knochenstruktur aufhalten oder zumindest verlangsamen und ein Wirbelkörperbruch abwehren.

Nachsorge

Tritt die Wirbelkörperfraktur im Rahmen einer Osteoporose auf, kommt der Linderung der Grunderkrankung bei der Nachsorge eine große Bedeutung zu. Durch die Gabe spezieller Medikamente können der Kalziumstoffwechsel beeinflusst und die Knochendichte verbessert werden. Eine Physiotherapie kann helfen, Schmerzen zu lindern und die Rückenmuskulatur gezielt aufzubauen und zu stärken: Dadurch wird die Wirbelsäule entlastet und das Risiko einer erneuten Fraktur minimiert.

Bei Wirbelkörperbrüchen nach Unfällen, die operativ versorgt werden müssen, sollte an die Operation umgehend die Rehabilitation anschließen. Häufig kann schon einen Tag nach dem Eingriff mit leichten physiotherapeutischen Übungen begonnen werden. Mithilfe gezielter Bewegungen soll die Wirbelsäule mobilisiert und eine normale Beweglichkeit wiederhergestellt werden.

Ob dies in vollem Umfang erreicht werden kann, hängt davon ab, ob und in welchem Ausmaß neurologische Ausfälle vorhanden sind. Bei Menschen im Erwerbsalter ist der Wiedereinstieg ins Berufsleben oberstes Ziel: Berufe mit geringer bis mittlerer körperlicher Belastung können in der Regel nach einer Rehabilitationsphase von zwei bis drei Monaten wieder ausgeübt werden.

Für Patienten mit einer körperlich schweren Tätigkeit stellt sich häufig eine Umschulung auf eine physisch weniger belastende Tätigkeit als sinnvoll heraus. Bei Wirbelkörperfrakturen, die Lähmungserscheinungen nach sich ziehen, steht die weitgehende Herstellung der Selbstständigkeit durch Physiotherapie und nützliche Hilfsmittel im Vordergrund.

Das können Sie selbst tun

Bei Störungen des Skelettsystems sind die allgemeinen Bewegungsabläufe im Alltag zu kontrollieren und in regelmäßigen Abständen zu optimieren. Einseitige oder starre Körperhaltungen können zu einer Zunahme von Beschwerden führen. Daher sind sie nach Möglichkeit zu vermeiden oder Ausgleichsbewegungen sollten durchgeführt werden. Beim Heben und Tragen von Gegenständen ist darauf zu achten, dass diese nur leicht sind. Alle körperlichen Bewegungen sollten im Genesungsprozess langsam und mit einem verstärkten Bewusstsein durchgeführt werden. Ruckartige Bewegungen, springen oder laufen stören bei der Heilung und können zu Komplikationen führen. Daher sollten sportliche Aktivitäten oder die Ausführung beruflicher Tätigkeiten unterlassen werden.

Im Alltag empfiehlt es sich, bei der Erfüllung der täglichen Pflichten, Hilfe und Unterstützung von Angehörigen oder Menschen aus dem nahen sozialen Umfeld in Anspruch zu nehmen. Physiotherapeutische Trainingseinheiten können auch außerhalb der Therapie eigenverantwortlich durchgeführt werden. Diese helfen bei der Alltagsbewältigung und fördern gleichzeitig den Heilungsprozess. Zugluft hat einen ungünstigen Einfluss bei einer Wirbelkörperfraktur. Daher sollte der betroffene Bereich ausreichend geschützt werden. Wärmezufuhr lindert mögliche vorhandene Beschwerden.

Zu überprüfen ist ebenfalls das Eigengewicht. Bei Übergewicht können Störungen auftreten und eine Zunahme von Beschwerden ist möglich. Daher muss gegebenenfalls eine Ernährungsumstellung sowie eine Gewichtsreduktion erfolgen, um langfristig eine Genesung zu erreichen.

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Grifka, J., Krämer, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Heidelberg 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014


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