Wolff-Parkinson-White-Syndrom

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Vom Wolff-Parkinson-White-Syndrom (kurz: WPW-Syndrom) betroffene Menschen leiden unter einem gewöhnlich nicht lebensbedrohlichen Herzfehler. Durch eine zusätzliche Leitungsbahn für die Herzfunktion steuernden elektrischen Impulse kommt es zu Herzrasen. Tachykardien bei jungen Erwachsenen sind häufig ein Anzeichen, dass ein Wolff-Parkinson-White-Syndrom vorliegt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Wolff-Parkinson-White-Syndrom?

Der Arztbesuch ist beim ersten Auftreten des Wolff-Parkinson-White-Syndroms obligatorisch. Wer erstmals bei Belastungen oder im Ruhezustand plötzliches Herzrasen erlebt, ist verunsichert.
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Beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom wird die Störung der Herzfrequenz durch eine zusätzliche Leitungsbahn für die elektrischen Impulse verursacht. Es handelt sich um einen angeborenen Herzfehler, der sich zumeist erst bei den Betroffenen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr zeigt. Deutlich früheres Auftreten bei Kindern oder aber sehr viel später im fortgeschrittenen Erwachsenenalter ist ebenfalls möglich.

Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom äußert sich durch eine unvermittelt einsetzende starke Erhöhung der Herzschläge. Es kommt zu einer Tachykardie, die manchmal nur wenige Minuten anhält, in schweren Fällen auch mehrere Stunden anhalten kann. Das Wolff-Parkinson-White-Sydrom ist in der Regel nicht lebensgefährlich.

Ursachen

Durch das Wolff-Parkinson-White-Syndrom ist der normale Kontraktionsablauf des Herzens gestört. Er wird über ein Erregungsleitersystem gesteuert. In diesen Herzmuskelzellen entstehen elektrische Impulse, die dazu führen, dass sich das Herz zusammenzieht oder entspannt. Übertragen werden diese Impulse ausschließlich über den AV-Knoten.

Beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom existiert eine Ergänzung dieses normalen Erregungsleitersystems. Die Impulse verbreiten sich mehr nur alleine über den AV-Knoten, sondern sie finden einen oder auch selten mehrere zusätzliche Leiter. Dies führt zu einem Kreisen der Impulse zwischen Vorhöfen und Herzkammern. Der Herzschlag beschleunigt sich ohne jede Vorankündigung.

Er kann eine Frequenz erreichen, die gesundheitsgefährdend ist, obwohl die beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom nicht unbedingt auftritt. Eher kommt es zu Engegefühlen, Benommenheit oder auch den oft mit Herzrasen verbundenen Angstgefühlen. So schnell wie der vermehrte herschlag auftritt, so abrupt hört er beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom auch wieder auf.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Beim Wolff-Parkinson-White Syndrom treten nicht immer Beschwerden auf und manchmal werden Veränderungen nur durch ein Elektrokardiogramm festgestellt. Eines der häufigsten Symptome ist Herzrasen, das plötzlich auftritt. Das Herz kann dann bis zu 240 Mal pro Minute schlagen, der Puls ist allerdings sehr regelmäßig. Das Herzrasen wird von manchen Patienten als übermäßiges Herzpochen empfunden, was in der Medizin als "Palpitation" bezeichnet wird.

Andere verspüren wiederum ein "Herzstolpern". Darüber hinaus leiden viele Betroffene auch an Atemnot, Brustschmerzen und Schwindel. Nach dem Herzrasen klagen viele über Müdigkeit und ausgeprägten Harndrang. Bei vielen Patienten löst das Herzrasen (Tachykardie) auch Angst aus, die durch Atemnot und Schwindel noch verstärkt wird.

Manchmal ist das Herz durch die erhöhte Herzfrequenz nicht in der Lage, genügend Blut in die Organe zu pumpen, sodass manche Betroffene auch das Bewusstsein verlieren können. Im Babyalter sind WPW-Syndrom-Symptome eher selten. Tritt bei einem Baby eine Tachykardie auf, so atmet es schnell und ist sehr blass. Möglicherweise kann es auch das Trinken und Essen verweigern und ist leicht reizbar. Da der Herzaufbau bei Kindern noch nicht ausgereift ist, kann das Wolff-Parkinson-White-Syndrom gefährlich sein als bei Erwachsenen.

Diagnose & Verlauf

Treten die auf ein Wolff-Parkinson-White-Syndrom hinweisenden Tachykardien auf, wird durch den behandelnden Arzt ein EKG angeordnet. Zeigen sich dort Abweichungen, ist im nächsten Schritt ein Langzeit-EKG erforderlich, um die Herztätigkeit über einen längeren Zeitraum zu beobachten.

In einigen Fällen wird beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom auch eine Herzkatheter-Untersuchung durchgeführt, um die genaue Position des zusätzlichen Erregungsleiters zu ermitteln, der als Kent-Bündel bezeichnet wird. Gewöhnlich verläuft das Wolff-Parkinson-White-Syndrom ohne weitere Beeinträchtigungen des Betroffenen. Die Anfälle von Herzrasen sind unangenehm, aber nur selten lebensbedrohlich.

Bei schweren Ausprägungen ermüden die Betroffenen schneller als gesunde Menschen und neigen zu Ohnmachts- oder Schwindelanfällen. In Einzelfällen kann es allerdings mit anderen Herzerkrankungen zusammentreffen und Kammerflimmern bis zum Herztod auslösen. Kinder, die bereits Symptome des Wolff-Parkinson-White-Syndroms zeigen, leiden oft an Appetitlosigkeit, haben Konzentrationsschwierigkeiten und es kann zu Entwicklungsverzögerungen kommen.

Komplikationen

Beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom handelt es sich um eine schwerwiegende Erkrankung, die von einem Arzt behandelt werden muss. Eine Selbstheilung tritt dabei nicht ein und die Betroffenen können im schlimmsten Falle am Herzfehler versterben. In der Regel führt das Wolff-Parkinson-White-Syndrom zu Störungen des Herzrhythmus.

Dabei können die Patienten keine anstrengenden Tätigkeiten oder Sportarten ausführen und sind in ihrem Alltag dadurch deutlich eingeschränkt. Auch Herzrasen tritt dabei häufig auf und kann zu Schweißausbrüchen oder zu einer Panikattacke führen. In vielen Fällen leiden die Betroffenen auch an einer Atemnot und damit an Schwindelgefühlen oder an Erbrechen.

Weiterhin kommt es häufig zu Angstzuständen oder zu einer Verwirrung. Bei einer starken Atemnot können die Patienten auch das Bewusstsein verlieren. Die Behandlung des Wolff-Parkinson-White-Syndroms wird durch einen operativen Eingriff durchgeführt. Dabei kommt es nicht zu besonderen Komplikationen.

Die Betroffenen sind allerdings auch nach dem Eingriff auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen. In Notfällen muss eine Behandlung durch einen Notarzt durchgeführt werden. Auch die Lebenserwartung des Patienten ist durch das Wolff-Parkinson-White-Syndrom deutlich verringert und eingeschränkt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Der Arztbesuch ist beim ersten Auftreten des Wolff-Parkinson-White-Syndroms obligatorisch. Wer erstmals bei Belastungen oder im Ruhezustand plötzliches Herzrasen erlebt, ist verunsichert. Ist das Herzrasen nicht auf Panik, Angst, Stress, Eile oder andere erklärbare Impulse zurückzuführen, ist der Arztbesuch umgehend zu vereinbaren. Es handelt sich vermutlich um eine spezielle Form von Herzrhythmusstörungen.

Das WPW-Syndrom stellt eine anlagedingte atrioventrikuläre Reentry-Tachykardie dar. Sie ist behandlungsbedürftig - vor allem, wenn zeitgleich ein Vorhofflimmern besteht. Dann ist das Wolff-Parkinson-White-Syndrom lebensgefährlich, weil es durch Kammerflimmern zum Herzstillstand führen kann. Durch ein Elektrokardiogramm wird vom Arzt festgestellt, ob das plötzliche Herzrasen eine organische Ursache hat oder nicht.

Im Falle des Wolff-Parkinson-White-Syndroms sind überflüssige Reizleiter zum Herzen ursächlich für das Herzrasen. Da die Anfälle von Herzrasen beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom häufiger auftreten, wird vom behandelnden Arzt meist ein Langzeit-EKG veranlasst. Dieses hat besondere Aussagekraft, wenn es einen Anfall von Herzrasen verzeichnen kann. Problematisch ist, dass die Behandlung des Wolff-Parkinson-White-Syndroms anders abläuft, als die Behandlung anderer Herzerkrankungen. Bestimmte Herzmedikamente wie Digitalis oder Verapamil sind beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom nicht passend.

Stattdessen ist die Verödung der auslösenden, aber überflüssigen Leitungsbahnen zum Herzen per Katheter-Ablation meist erfolgreich. Dieser kathedergestützte Eingriff auf der linken Vorhofseite ist nur mit geringen Operationsrisiken behaftet. Er schafft meist dauerhafte Abhilfe.

Behandlung & Therapie

Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom ist nicht in jedem Fall behandlungsbedürftig. Vielfach wird es nur durch Zufall diagnostiziert, da die Betroffenen beschwerdefrei sind. In anderen Fällen erlernen die Patienten sogenannte Vagusmanöver, die aus Bewegungen, Schlucken von kalten Getränken oder anderen Aktionen bestehen, die den Vagusnerv stimulieren und den Herzschlag wieder normalisieren.

Neben diesen einfachen Methoden besteht die Möglichkeit der medikamentösen Behandlung beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom. Herzmedikamente, die geeignet sind, die Tachykardie zu unterbrechen sind in Tablettenform oder auch als Injektionen erhältlich. Sie werden in der Regel dann eingenommen, wenn sich die Symptome zeigen, und sind keine Dauermedikamente zur Behandlung des Wolff-Parkinson-White-Syndroms.

Bei einem besonders schwerwiegenden Anfall von Herzrasen kommt ein Defibrillator zum Einsatz. Durch den verabreichten Stromstoß wird der Impulskreis unterbrochen und der Herzschlag normalisiert sich wieder. Ist die genaue Position des Kent-Bündels bekannt, besteht außerdem die Möglichkeit, die Anomalie des Wolff-Parkinson-White-Syndroms mit einer hohen Erfolgsquote zu beseitigen.

Dabei wird über einen Herzkatheter die betreffende Muskelstelle im Herzen mit Strom soweit erhitzt, dass die Zellen dort gezielt absterben und vom Wolff-Parkinson-White-Syndrom ausgelöste Tachykardien gar nicht mehr erst entstehen können.


Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen sind beim angeborenen Wolff-Parkinson-White-Syndrom nicht möglich. Dies gilt für das eigentliche Auftreten der Erkrankung ebenso wie für die ohne Ankündigung auftretenden Phasen des Herzrasens. Die Herzgesundheit sollte aber bei einem Wolff-Parkinson-White-Syndrom aber regelmäßig kontrolliert werden.

Nachsorge

Dem Betroffenen stehen beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom in den meisten Fällen nur sehr wenige und eingeschränkte Maßnahmen der direkten Nachsorge zur Verfügung. Aus diesem Grund sollte der Betroffene bei dieser Krankheit schon frühzeitig einen Arzt aufsuchen, um dadurch mögliche andere Komplikationen und Beschwerden zu verhindern. Eine selbstständigen Heilung kann nicht erfolgen.

Da es sich beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom um eine genetisch bedingte Krankheit handelt, kann diese in der Regel auch nicht vollständig wieder geheilt werden. Daher sollte bei einem Kinderwunsch immer zuerst eine genetische Untersuchung und Beratung durchgeführt werden, um ein erneutes Auftreten der Krankheit bei den Nachfahren zu verhindern. Die meisten Betroffenen des Wolff-Parkinson-White-Syndroms sind auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen.

Dabei sollten alle Anweisungen des Arztes beachtet werden. Ebenso ist die richtige Dosierung und auch die regelmäßige Einnahme zu beachten. In vielen Fällen kann beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom auch der Kontakt zu anderen Betroffenen der Krankheit sehr sinnvoll sein, da es dabei zu einem Austausch an Informationen kommen kann, welcher den Alltag erleichtern kann.

Das können Sie selbst tun

Patienten des Wolff-Parkinson-White-Syndroms leiden unter einem starken Herzfehler. Dieser stellt eine Lebensbedrohung dar. Aus diesem Grund ist die Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt enorm wichtig. Alle Situation der körperlichen oder emotionalen Belastung sollten vermieden oder auf ein Mindestmaß reduziert werden.

Im Bereich der Selbsthilfe ist darauf zu achten, dass keine körperlichen Überanstrengung stattfinden und dass bei dem Einsetzen erster Beschwerden Ruhephasen eingelegt werden. Übergewicht sollte vermieden werden, da dieses zu einer weiteren starken Beeinträchtigung der Herztätigkeit führt. Daher ist die tägliche Lebensmittelzufuhr zu kontrollieren und gegebenenfalls zu optimieren. Ebenso sind sportliche Aktivitäten nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt durchzuführen. Die meisten Sportarten sind von Patienten das Wolff-Parkinson-White-Syndroms nicht ausführbar. Daher ist die Freizeitgestaltung auf die gesundheitlichen Möglichkeiten abzustimmen.

Um Situationen der seelischen Belastung besser verarbeiten zu können, hilft die Zusammenarbeit mit einem Psychotherapeuten. Alltägliche Entwicklungen und Geschehnisse sollten zu keiner kognitiven Problematik führen. Bei Schlaflosigkeit oder kreisenden Gedanken sind daher vorhandene Unstimmigkeiten offen anzusprechen. Vorhandene Streitigkeiten und zwischenmenschliche Missverständnisse sollten schnellstmöglich geschlichtet werden. Hilfreich hat sich die Förderung der Lebensfreude und das Wohlbefinden des auf die weitere gesundheitliche Entwicklung erwiesen. Da sollte der Fokus des eigenen Lebens verstärkt auf Aktivitäten und Situationen gerichtet werden, die zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen.

Quellen

  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004

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