Wurmmittel
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 6. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Je nach Art der Würmer kann ein Wurmbefall beim Menschen starke Beschwerden auslösen. Daher sollte dieser immer mit einem adäquaten Wurmmittel (Anthelminthikum) beseitigt werden.
Was sind Wurmmittel?
Ein Wurmmittel, auch Anthelminthikum genannt, ist ein Medikament, welches bei Infektionen mit Würmern eingesetzt wird.
Die meisten Wurmarten gelangen über die Nahrung oder auf anderen fäkal-oralen Wegen in den menschlichen Körper und halten sich überwiegend oder zumindest zu Anfang in den Eingeweiden auf. Daher heißt dieses Krankheitsbild auch Helminthiasis, durch Eingeweidewürmer hervorgerufene Wurmerkrankung.
Andere Würmer gelangen jedoch über die Haut in den Körper. Sie rufen zumeist starke Beschwerden hervor und können bestimmte Organe schädigen. Je nach Wurmart kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Alle chemisch-pharmazeutischen Wurmmittel haben jedoch das Ziel, den Wurm abzutöten oder zu lähmen, sodass er mit dem Stuhl ausgeschieden wird.
Geschichte & Entwicklung
Die Geschichte der Wurmmittel, auch bekannt als Anthelminthika, reicht viele Jahrhunderte zurück. Bereits in der Antike wurden natürliche Substanzen zur Behandlung von Wurminfektionen eingesetzt. Beispielsweise verwendeten die alten Ägypter Knoblauch und Granatapfelwurzelrinde als Mittel gegen Darmparasiten.
Im 19. Jahrhundert begann mit der Entwicklung der modernen Medizin auch eine systematischere Suche und Herstellung von Wurmmitteln. Eines der frühesten synthetischen Wurmmittel war das Piperazin, das in den 1950er Jahren eingeführt wurde und insbesondere gegen Spulwürmer wirksam ist. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden weitere wichtige Entdeckungen gemacht. Dazu gehört das Thiabendazol, das Anfang der 1960er Jahre eingeführt wurde und eine breitere Wirksamkeit gegen verschiedene Arten von Würmern zeigte.
Die bedeutendste Entwicklung in der Behandlung von Wurminfektionen war jedoch die Entdeckung des Ivermectins in den späten 1970er Jahren. Ivermectin, entwickelt aus den Bodenproben eines japanischen Golfplatzes, revolutionierte die Behandlung von parasitären Wurminfektionen, einschließlich Flussblindheit und Lymphatischer Filariose. Es erwies sich als so effektiv, dass es zur Kontrolle und Eliminierung dieser Krankheiten beitrug.
In den letzten Jahrzehnten hat die Forschung weiterhin neue Wurmmittel entwickelt, die sicherer und wirksamer sind. Die Entdeckung und Entwicklung von Wurmmitteln bleibt ein aktives Forschungsfeld, besonders in Regionen, wo parasitäre Infektionen weit verbreitet sind.
Welches Gewicht der Entdeckung des Ivermectins beigemessen wird, zeigte sich Jahrzehnte später: Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin des Jahres 2015 ging zur Hälfte an William C. Campbell und Satoshi Ōmura, ausdrücklich „für ihre Entdeckungen zu einer neuartigen Therapie gegen Infektionen, die von Rundwurm-Parasiten verursacht werden“. Die andere Hälfte erhielt Tu Youyou für ein Malariamittel – ein Hinweis darauf, in welchem Zusammenhang die Preisverleihung stand: bei Krankheiten, die vor allem arme Weltregionen treffen.
Ivermectin hat seither eine zweite, weniger rühmliche Karriere gemacht. Während der Coronavirus-Pandemie wurde der Wirkstoff in großem Umfang als Mittel gegen COVID-19 gehandelt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur trat dem im März 2021 entgegen: Die verfügbaren Belege reichten nicht aus, um eine Anwendung bei COVID-19 außerhalb kontrollierter Studien zu stützen; zugleich sei mit mehr Nebenwirkungen zu rechnen. Zugelassen ist Ivermectin in der EU zur Behandlung bestimmter Wurmerkrankungen sowie – als Zubereitung für die Haut – bei Hauterkrankungen wie der Rosazea. Der Vorgang zeigt, wie schnell ein bewährtes Mittel gegen eine Krankheit zum vermeintlichen Mittel gegen eine ganz andere wird – und dass die Zulassung eines Wirkstoffs immer an ein bestimmtes Anwendungsgebiet gebunden ist, nicht an den Stoff als solchen.
Anwendung, Wirkung & Gebrauch
Die medizinischen Wurmmittel werden oral eingenommen. Früher wurde geraten, den Darm zuvor mit Hilfe eines Einlaufs oder auf ähnlichem Wege zu entleeren; bei den heute gebräuchlichen Wurmmitteln ist das nicht erforderlich.
Aufgrund der Entwicklungszyklen der Würmer und ihrer Eier ist bei einigen Wurmarten eine Wiederholung der Behandlung nötig; ob und wann sie erfolgt, legt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest. Die chemischen Wurmmittel versuchen in den Organismus des Wurmes einzudringen und hier bestimmte Abläufe zu blockieren. Wurmmittel aus der Gruppe der Benzimidazole legen Stützeiweiße in den Zellen des Wurmes lahm, sodass die Zellen keinen für den Wurm lebenswichtigen Zucker mehr aufnehmen können.
Wurmmittel auf Grundlage des Wirkstoffes Pyrviniumembonat verhindern ebenfalls die Zuckerverwertung und lassen den Wurm verhungern. Der Wirkstoff Niclosamid führt stattdessen zu einer Anhäufung der Zwischenprodukte der Zuckerverwertung, welche zu einer Vergiftung des Wurmes führen.
Ein anderer Ansatzpunkt ist die Störung der Erregungsübertragung im Wurm. Hierbei werden durch Wurmmittel mit dem Wirkstoff Pyrantel die Reizübertragungen zwischen Nerven und Muskeln blockiert. Der Wirkstoff Praziquantel sorgt dafür, dass es zu einer Übererregung der Muskelzellen des Wurmes kommt. Bei beiden Mitteln kommt es zu einer Lähmung des Wurmes, der dadurch seinen Halt in der Darmwand verliert und mit dem Stuhl ausgeschieden wird.
Pflanzliche oder homöopathische Wurmmittel hingegen versuchen, das Milieu, in dem der Wurm wohnt, dahingehend zu ändern, dass sich der Wurm unwohl fühlt und den Körper verlässt. Auch soll hierdurch das körpereigene Immunsystem gestärkt werden, sodass es den Wurmbefall aus eigener Kraft abwehren kann. Ein Wirksamkeitsnachweis liegt für diese Mittel nicht vor; bei einem gesicherten Wurmbefall ersetzen sie die medikamentöse Behandlung nicht.
Pflanzliche, natürliche & pharmazeutische Wurmmittel
Es gibt verschiedene Wurmmittel, die gegen Wurmbefall eingesetzt werden können. Die chemisch-pharmazeutischen versuchen, wie beschrieben, in den Organismus des Wurmes einzugreifen und diesen dadurch zum Absterben zu bringen.
Hierzu stehen Medikamente als Saft oder Tabletten mit den Wirkstoffen Mebendazol, Albendazol, Niclosamid, Pyrantel und Praziquantel zur Verfügung. Einige wenige tropische Wurmarten müssen mit Hilfe ausländischer Medikamente bekämpft werden, da es hierfür auf dem deutschen Markt keine Medikamente gibt. Homöopathische Wurmmittel sind beispielsweise Spigelia anthelmia, Cina und Aspidium panna. Ihnen wird in der homöopathischen Lehre eine wurmabtreibende Wirkung und ein Bezug zu bestimmten Organen zugeschrieben; ein Nachweis dieser Wirkung über den Placeboeffekt hinaus liegt nicht vor.
Die Vorstellung, ein Wurmbefall deute auf eine Übersäuerung des Körpers hin, ist wissenschaftlich nicht belegt: Würmer gelangen über verschluckte Eier oder Larven in den Körper, unabhängig vom Säure-Basen-Haushalt. Verschiedenen Hausmitteln wie Knoblauch in gepresster oder gekochter Form, Sauerkraut, Möhren, Grapefruitkernöl und Papaya wird nachgesagt, die Würmer zu vertreiben; ein Wirksamkeitsnachweis fehlt, und ein Wurmmittel ersetzen sie nicht.
Ebenso wenig belegt ist der Rat, die Würmer durch einen Verzicht auf Weißmehl und Zucker auszuhungern: Ein Einfluss der Ernährung auf einen bestehenden Wurmbefall ist nicht nachgewiesen. Zur Spülung des Darmes werden Einläufe aus warmem Essigwasser mit Teebaum- und Grapefruitkernöl empfohlen; ein Nutzen bei Wurmbefall ist nicht belegt, und ätherische Öle können die Darmschleimhaut reizen. Um ein Wandern der Würmer zu verhindern, kann der After abends außen mit einer fetten Creme oder Teebaumöl, auch als Mischung mit Knoblauch möglich, eingecremt werden.
Bei Wurmbefall ist es besonders notwendig, auf eine gute Hygiene zu achten. Händewaschen sollte mehrmals täglich, nicht nur nach dem Toilettengang und vor dem Essen, erfolgen. Handtücher, Unterwäsche und Bettzeug werden besonders oft gewechselt und beim Waschen gekocht. Sinnvoll kann auch der vorübergehende Einsatz von Papierhandtüchern sein, damit das Wurmmittel nicht umsonst eingenommen wird. Bei Madenwürmern sollten außerdem alle im selben Haushalt lebenden Personen mitbehandelt werden, auch wenn sie keine Beschwerden haben; andernfalls kommt es rasch zu einer erneuten Ansteckung. Ebenso wichtig ist es, die Fingernägel kurz zu schneiden und das Kratzen am After zu vermeiden, weil die Eier auf diesem Weg an die Hände und von dort zurück in den Mund gelangen.
Darmwürmer & Gewebeparasiten
Dass ein Wurmmittel den Parasiten lähmt oder abtötet und dieser anschließend mit dem Stuhl ausgeschieden wird, setzt eines voraus: dass er tatsächlich im Darm sitzt. Für den überwiegenden Teil der Wurmerkrankungen trifft das zu. Es gibt jedoch Formen, bei denen die Larven den Darm verlassen und sich in Organen festsetzen; dort kann nichts ausgeschieden werden, und die Behandlung folgt anderen Regeln.
Das deutlichste Beispiel ist die alveoläre Echinokokkose, die Erkrankung durch den Fuchsbandwurm. Der Mensch nimmt hier nicht den Bandwurm selbst auf, sondern dessen Eier, aus denen im Körper ein langsam wachsendes Larvengewebe entsteht – meist in der Leber, und über Jahre hinweg unbemerkt. Nach dem Ratgeber des Robert Koch-Instituts sind viele Betroffene zum Zeitpunkt der Diagnose nicht mehr vollständig operabel; in diesen Fällen ist die medikamentöse Behandlung mit Benzimidazolen – Mebendazol oder Albendazol – Therapie der Wahl und wird lebenslang eingesetzt.
Daran zeigt sich, wie weit die Behandlungen auseinanderliegen, obwohl sie unter demselben Namen laufen: bei einem Darmwurmbefall eine Behandlung mit absehbarem Ende, bei einer Gewebeform eine Dauertherapie, die den Parasiten in Schach hält. Aussagen über „das Wurmmittel“ oder „die Wurmkur“ treffen deshalb regelmäßig nur auf einen Teil der Fälle zu.
Risiken & Nebenwirkungen
Ein chemisch-pharmazeutisches Wurmmittel hat verschiedene Nebenwirkungen. Gelegentlich ist mit Übelkeit, Magenschmerzen oder Durchfall zu rechnen. Anders als Antibiotika richten sich Wurmmittel nicht gegen Bakterien; ein gezielter Aufbau der Darmflora ist nach einer Wurmkur daher nicht erforderlich.
Rechtliche Einordnung
Die chemisch-pharmazeutischen Wurmmittel sind zugelassene Arzneimittel: Sie durchlaufen ein Zulassungsverfahren, in dem Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität geprüft werden. Für homöopathische Präparate gilt etwas anderes. Das Arzneimittelgesetz sieht für sie in seinem Paragrafen 38 eine Registrierung vor – „einer Zulassung bedarf es nicht“ –, und der Antrag muss dabei ausdrücklich weder Angaben über Wirkungen und Anwendungsgebiete noch Unterlagen über eine klinische Prüfung enthalten. Ausgeschlossen ist die Zulassung damit nicht: Wer für ein homöopathisches Mittel ein Anwendungsgebiet angeben will, muss das reguläre Zulassungsverfahren durchlaufen, das Paragraf 25 Absatz 6 des Gesetzes ausdrücklich auch für diese Therapierichtung vorsieht. Auch ein registriertes homöopathisches Mittel ist damit ein Arzneimittel im Sinne des Gesetzes; der Unterschied liegt nicht in der Herkunft des Stoffes, sondern in der Frage, ob jemand eine Wirkung nachweisen musste.
Hinzu kommt die Verschreibungspflicht. Die Wirkstoffe Mebendazol, Albendazol, Praziquantel, Pyrantel und Ivermectin sind sämtlich in der Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung aufgeführt. Präparate mit diesen Wirkstoffen sind in Deutschland folglich nicht frei verkäuflich, sondern setzen eine ärztliche Verordnung voraus. Ein Wurmbefall ist damit in aller Regel kein Fall für die Selbstbehandlung, schon weil die Wahl des Mittels von der Wurmart abhängt; rezeptfrei bleiben allein einzelne Wirkstoffe wie das Pyrviniumembonat, die in der Anlage nicht aufgeführt sind.
Eine eigene Kategorie bilden die Tierarzneimittel. Dieselben Wirkstoffe kommen in der Tiermedizin zum Einsatz, häufig in Kombinationen, die es für den Menschen nicht gibt: Die Verschreibungsverordnung führt eigene Einträge für Zubereitungen aus Ivermectin und Praziquantel zur Anwendung beim Pferd sowie für Praziquantel-Kombinationen zur Anwendung bei Hunden und Katzen. Diese Präparate sind auf die jeweilige Tierart zugeschnitten und für den Menschen weder geprüft noch bestimmt.
Alternativen
Neben den traditionellen pharmakologischen Wurmmitteln (Anthelminthika) gibt es alternative Ansätze und Therapien, die zur Behandlung von Wurminfektionen eingesetzt werden können. Diese Alternativen werden vor allem von Personen gewählt, die auf chemische Medikamente empfindlich reagieren oder Zugang zu natürlicheren Behandlungsmethoden suchen.
1. Natürliche Heilmittel:
Vielen natürlichen Substanzen werden anthelminthische Eigenschaften zugeschrieben; nachgewiesen sind sie überwiegend nur im Laborversuch. Zum Beispiel:
Knoblauch: Enthält Ajoen und Allicin, Substanzen, denen im Labor antiparasitäre Eigenschaften nachgewiesen wurden; eine Wirkung beim Menschen ist damit nicht belegt.
Kürbiskerne: Enthalten die seltene Aminosäure Cucurbitin, der eine lähmende Wirkung auf Würmer zugeschrieben wird; ein Wirksamkeitsnachweis beim Menschen fehlt. Die Cucurbitacine sind dagegen die giftigen Bitterstoffe der Kürbisgewächse.
Papayasamen: Enthalten Enzyme, die die Integrität der Würmer beeinträchtigen können.
2. Homöopathie:
Homöopathische Mittel wie Cina und Teucrium marum werden traditionell zur Behandlung von Wurminfektionen eingesetzt, ersetzen bei einem gesicherten Wurmbefall aber kein wirksames Wurmmittel. Obwohl für homöopathische Behandlungen keine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirksamkeit nachgewiesen ist, wählen einige Menschen diese Therapieform, weil sie sie als sanft und nebenwirkungsarm empfinden.
3. Diätetische Ansätze:
Einige Ernährungsumstellungen werden empfohlen, um den Körper weniger gastfreundlich für Parasiten zu machen. Eine Ernährung, die reich an Ballaststoffen und arm an verarbeiteten Zuckern ist, sowie die regelmäßige Aufnahme von probiotischen Lebensmitteln unterstützt die Verdauung; das Risiko einer Wurminfektion senkt sie jedoch nicht, da Würmer über verschluckte Eier oder Larven aufgenommen werden. Vorbeugend wirken vor allem Hygiene und der Verzicht auf rohes Fleisch und rohen Fisch.
4. Ayurvedische Medizin:
In der ayurvedischen Tradition werden verschiedene Kräuter und Praktiken zur Entfernung von Würmern eingesetzt. Kräutern wie Neem und Triphala werden dort entgiftende Eigenschaften zugeschrieben; sie werden häufig zur Reinigung des Darms verwendet.
Vergleich:
Während pharmazeutische Wurmmittel schnell und zielgerichtet wirken und für schwere oder akute Fälle oft unerlässlich sind, gelten alternative Therapien als weniger eingreifend; ein Wirksamkeitsnachweis gegen einen Wurmbefall liegt für sie jedoch nicht vor.
Allerdings sollten schwere Infektionen immer medizinisch evaluiert werden, da die natürlichen und homöopathischen Mittel in ihrer Wirksamkeit begrenzt und wissenschaftlich weniger fundiert sind. Ein zusätzlicher Nutzen natürlicher Therapien neben der medikamentösen Behandlung ist bislang nicht belegt.
Forschung & Zukunft
Die Forschung zu Anthelminthika, also Wurmmitteln, entwickelt sich ständig weiter, um effektivere und sicherere Behandlungen gegen parasitäre Würmer zu bieten. Aktuelle Trends in dieser Forschung konzentrieren sich auf mehrere Schlüsselbereiche:
1. Entwicklung neuer Wirkstoffe: Da sich Widerstandsfähigkeit gegen bestehende Medikamente entwickeln kann, ist die Entdeckung neuer Wirkstoffe entscheidend. Forscher untersuchen sowohl synthetische als auch natürliche Quellen, einschließlich mariner Organismen und traditioneller Medizinpflanzen, um neue Verbindungen mit potenzieller anthelminthischer Wirkung zu identifizieren.
2. Kombinationstherapien: Um die Effektivität zu verbessern und der Resistenzentwicklung entgegenzuwirken, werden Kombinationstherapien erforscht. Diese Ansätze kombinieren mehrere Wirkstoffe, die auf unterschiedliche Weise wirken, um die Behandlungswirksamkeit zu erhöhen und die Entwicklung von Resistenz zu minimieren.
3. Molekulare und genetische Ansätze: Die Forschung nutzt genetische Technologien, um die biologischen Mechanismen zu verstehen, die Würmern helfen, Medikamenten zu widerstehen. Diese Erkenntnisse können zur Entwicklung von Wirkstoffen führen, die gezielt diese Resistenzmechanismen blockieren.
4. Impfstoffentwicklung: Es gibt auch Fortschritte in der Entwicklung von Impfstoffen gegen bestimmte Wurmerkrankungen, wie z.B. Schistosomiasis. Diese Ansätze zielen darauf ab, die Immunantwort des Körpers zu stärken, um Infektionen zu verhindern oder deren Schwere zu reduzieren.
5. Präzisionsmedizin: Durch die Anpassung von Behandlungen an die genetischen Merkmale der Würmer und der individuellen Immunantwort der Betroffenen könnte die Präzisionsmedizin helfen, effektivere und personalisierte Therapien zu entwickeln.
Diese Trends spiegeln ein breites Spektrum an Forschungsaktivitäten wider, die darauf abzielen, die globalen Herausforderungen durch Wurminfektionen zu bewältigen, insbesondere in Regionen, wo sie am meisten verbreitet sind. Die Fortschritte in der Wissenschaft und Technologie bieten neue Möglichkeiten, diese langanhaltenden Gesundheitsprobleme anzugehen.
Wurmmittel in der globalen Gesundheit
In Mitteleuropa ist ein Wurmbefall eine unangenehme Episode. Weltweit betrachtet sind Wurmerkrankungen eines der größten Gesundheitsprobleme überhaupt: Die Weltgesundheitsorganisation rechnet allein bei den bodenübertragenen Würmern mit rund 1,5 Milliarden infizierten Menschen, also etwa einem Viertel der Weltbevölkerung. Gemeint sind damit drei Gruppen – der Spulwurm, der Peitschenwurm und die Hakenwürmer.
Diese drei werden über Eier weitergegeben, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden und im Boden erst mehrere Wochen reifen müssen, bevor sie ansteckend sind. Eine unmittelbare Übertragung von Mensch zu Mensch findet dabei nicht statt – ein Unterschied zu den Madenwürmern, bei denen genau dieser Weg die Regel ist und der erklärt, warum dort die Hygiene im Haushalt über den Erfolg der Behandlung mitentscheidet.
Die Weltgesundheitsorganisation setzt gegen die bodenübertragenen Würmer auf vorbeugende Massenbehandlungen mit Albendazol oder Mebendazol. Behandelt werden dabei nicht einzelne Erkrankte, sondern ganze Bevölkerungsgruppen mit hohem Risiko: Vorschul- und Schulkinder, Frauen im gebärfähigen Alter und Erwachsene in besonders exponierten Tätigkeiten. Der Ansatz setzt damit bewusst keine Einzeldiagnose voraus und erfasst auch Menschen ohne Befall. Und er hat eine Grenze, die im Übertragungsweg selbst liegt: Weil die Eier mit dem Stuhl in den Boden gelangen und dort auf den nächsten Menschen warten, endet die Ansteckungskette nicht mit der Behandlung, sondern erst mit sanitären Verhältnissen, die den Kreislauf unterbrechen.
Quellen
- Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., May, J. (Hrsg.): Tropenmedizin.
ISBN: 9783437216428
- Lucius, R., Loos-Frank, B.: Biologie von Parasiten.
ISBN: 9783662548615
- Brodt, H.-R., Hoerauf, A., Kresken, M., Solbach, W. (Hrsg.): Infektionstherapie.
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- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
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- Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
ISBN: 9783804746541
