Wut

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 13. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Nicht verwunderlich, dass das Wort Wut im Lateinischen „Furor“ heißt, was so viel bedeutet wie Raserei, Leidenschaft oder Wahnsinn. Dahinter verbirgt sich eine heftige, gar übertrieben impulsive Emotion, die häufig mit starker Aggression einhergeht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Wut?

Nicht verwunderlich, dass das Wort Wut im Lateinischen „Furor“ heißt, was so viel bedeutet wie Raserei, Leidenschaft oder Wahnsinn.

Wut ist schwerwiegender als einfacher Ärger oder Zorn und ist auch nicht so einfach zu beherrschen. Gründe dafür können Kränkungen, Bemerkungen, Ungerechtigkeit, unterdrückte Gefühle, unerwartete Ereignisse oder Unsicherheit sein, einhergehend mit dem Gefühl der Ohnmacht.

Die Empfindung von Wut ist wohl jedem Menschen vertraut. Dennoch reagieren die verschiedenen Charaktere unterschiedlich auf Situationen, der Ausdruck der Wut kann mehr oder weniger schlimme Folgen annehmen, sogar seelische Probleme bewirken.

Meistens zerstören Wutausbrüche mehr als sie bewirken, da sie aufgrund der Emotionalität auch dazu führen können, dass Menschen unsachlich werden. Das wiederum führt dazu, dass Beziehungen, ob nun im privaten oder geschäftlichen Bereich, schnell geschädigt werden können. So sehr es hinterher auch Bedauern hervorrufen mag, das Gesagte bleibt deshalb nicht unvergessen und hinterlässt Kratzer, die manchmal nicht mehr heilen. Das Zurücknehmen des Gesagten ist dann nicht mehr möglich.

Zumeist drückt sich so ein Anfall in dem völligen Verlust der eigenen Gefühle aus. Dieser Ausbruch wird Affekthandlung genannt und richtet sich gegen Dinge, Menschen, Institutionen und Tiere. Häufig hat Wut einen ganz konkreten Auslöser, der allerdings nicht immer mit dem Ausbruch selbst identisch sein muss. Wer sich lange über etwas ärgert und nach dem bekannten Bild agiert, dass der Tropfen nach und nach das Fass füllt und zum Überlaufen bringt, kann bei einem völlig unbedeutenden Vorfall auf einmal in Wut geraten und dabei die Kontrolle über sich selbst verlieren. Meistens bringt ein Wutausbruch mit sich, dass sich der Mensch auch stark in die eigene Emotionalität hineinsteigert.

Funktion & Aufgabe

Dennoch kann Wut auch hilfreich sein und den Charakter eines Menschen stärken. Wer lernt, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, seine Wut unter Kontrolle zu bringen, Methoden anzuwenden, den Wutanfall zu vermeiden oder doch wenigstens zu verringern, wird auch innerlich zu einer harmonischen Ausgeglichenheit zurückfinden. Den Moment der Erregung zu dämpfen und den Ärger zurückzuhalten, sich Zeit zu nehmen, darüber zu reflektieren, all das hat größere Chancen, das Gewünschte schließlich auch zu erreichen.

Bekannte Mittel sind Übungen, die helfen, die Wut zu beschwichtigen. Bis Zehn zählen, den Raum verlassen, tief durchatmen sind nur einige der Möglichkeiten, die Anwendung finden, ohne den Ärger hinunterschlucken zu müssen. Wichtig bleibt, dass der Betroffene, auf den sich die Wut richtet, auch mitbekommt, dass er Wut ausgelöst hat.

Wer häufiger wütend wird, kann versuchen, die Emotionen schriftlich festzuhalten. Der Auslöser wird auf diesem Weg besser erkannt, die Gedanken klären sich und das Ereignis wird so strukturiert wiedergegeben, bis es die Emotion dämpft. Genauso hilfreich ist es, sich immer bewusst zu machen, was derjenige empfindet, auf den sich die Wut richtet, sich also in dessen Lage zu versetzen. Die Handlungen können so besser verstanden werden, wenn sie auch auf sich selbst bezogen Sinn ergeben.

Letztendlich bleibt noch die Alternative, eine Nacht über alles zu schlafen. Sobald die Emotionen aufkochen, ist der Rückzug keine schlechte Idee. Der nächste Morgen bringt mehr Ruhe mit sich, die Probleme werden klarer erkannt und können dann sachlicher angegangen werden.

Wut ist dennoch auch ein Mittel, Änderungen zu bewirken und der Stein des Anstoßes für die Problembewältigung zu sein. Sie zwingt zum Erfassen der Probleme und der Notwendigkeit, Lösungen finden zu müssen. Damit wird der kreative Prozess gestartet, so dass Wut auch produktiv macht.

Normalerweise findet der Wutausbruch nur in bestimmten Situationen statt, die meistens Lösungen notwendig machen. Durch das Zeigen der Wut kann ein kreativer Lösungsweg gefunden werden, die Bedingungen besser zu bewältigen und hoffentlich zu verändern. Auch wird der Mensch in seinen Kontrollverlusten viel über sich selbst erfahren, dabei erkennen, wann Wut auftritt, wodurch sie ausgelöst wird und wie er sie beherrschen kann.


Krankheiten & Beschwerden

Wut kann allerdings auch krankhaft werden, da der Ausbruch von so starker Intensität ist, dass er psychologische Schwankungen und körperliche wie seelische Probleme nach sich zieht. Dauerhaft in Wut zu geraten, ist ein Zeichen für bestimmte Krankheitsbilder, die sich auf die gesamte Psyche auswirken. Das häufige Empfinden von Wut wird in der Psychologie insbesondere durch Nachahmung erklärt: Wut entsteht aufgrund eines erlernten Verhaltens, wobei hier von einem Verhaltensmuster gesprochen wird, das durch bestimmte Erlebnisse und Erfahrungen geprägt ist oder auch von Vorbildern abgeschaut wird.

Wenn Wut zu häufig auftritt, wird der Mensch als Choleriker bezeichnet. Solche unbeherrschten Emotionen führen seelisch häufig zu Depressionen, Angst, Menschenhass oder allgemeiner Feindseligkeit; körperlich wiederum zu Herzinfarkt und Bluthochdruck.

Krankheitsbilder dieser Art verhindern, dass der Mensch das Leben gelassen angehen kann, sich mit Situationen konfrontiert fühlt, die er bewältigen kann. In dieser Hinsicht ist es ratsam, einen Psychologen aufzusuchen und sich beraten zu lassen.

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Davison, G.C., Neale, J.M., Hautzinger, M.: Klinische Psychologie. Beltz PVU, München 2007
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

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