Übersäuerung (Azidose)

Man spricht von einer Übersäuerung oder Azidose beim Menschen, wenn der pH-Wert des Blutes unter dem Wert von mind. 7,36 liegt. Gesunde Menschen haben ein ausgeglichenes Säure-Basen-Verhältnis zwischen 7,36 und 7,44. Man unterscheidet eine Übersäuerung in Stoffwechsel bedingte (metabolisch) und auf Atmung beruhende (respiratorisch) Azidose. Typische Anzeichen sind blaue Lippen und häufiges Wasserlassen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Übersäuerung (Azidose)?

Übersäuerung oder Latente Azidose – der schleichende Feind. Fast 90 Prozent der Bevölkerung sind nach Meinung von Medizinern, die sich mit dem Thema Übersäuerung beschäftigen und forschen, mehr oder weniger übersäuert, wobei demnach jede chronische Krankheit mit einer Übersäuerung des Bindegewebes zu tun hat.

Dabei gibt es für den Grad einer Übersäuerung eine bestimmte Messlatte: Hat eine normale Zelle einen pH-Wert von 7,4, so sinkt dieser etwa durch direkte Elektro-Strahlung unter 7,0. Tumorzellen, wie sie jeder Mensch jeden Tag entwickelt ohne krank zu werden, legen sich einen Strahlen-Säure-Mantel zu, so dass die körpereigenen Abwehrzellen zum Stillstand gebracht werden. Von Übersäuerung spricht man demnach dann, wenn der pH-Wert einer Zelle deutlich unter 7,4 sinkt. (Merke: je niedriger der pH-Wert, desto saurer sind die Zellen, je höher der pH-Wert, desto basischer sind die Zellen)

Ursachen

Die Gründe für die allgemeine Übersäuerung liegen nach Meinung von Experten auf der Hand, denn Säure ist praktisch überall: Industrieemissionen, industriell aufbereitete Nahrung mit etlichen Zusatzstoffen, Strahlungen durch Elektrogeräte, Stress, Depressionen, chemische Behandlungen in Form von Medikamenten, usw., sorgen für eine regelrechte „Säureflut“. Auch Rauchen und andere Suchtformen können zu einer Übersäuerung führen. Aber auch der vermehrte Verzehr von zuviel Wurst, Fleisch und Käse lässt den Körper rasch übersäuern.

Diese Säureflut wiederum muss durch Basen im Körper gepuffert, d.h. ausgeglichen werden. Denn der Körper hat natürliche Funktionen entwickelt, um Säure wieder auszuscheiden: Auf Platz eins steht dabei die Leber, dann die Niere, die Lunge, um Co² wieder auszuscheiden, der Magen und auch der Oberschenkelknochen ist ein hervorragender Basenspender. Gelingt dem Körper die Pufferung durch Basen nicht mehr, dann wird er sauer und Krankheiten sind die Folge.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Übersäuerung des Organismus geht schleichend, also in der Regel nicht von heute auf morgen, einher. Die Symptome der Azidose des Zwischenzellgewebes und der Organe sind oft sehr vielgestaltig und lassen sich keinem eindeutigen Krankheitsgeschehen zuordnen. Das gilt insbesondere in der Frühphase der Übersäuerung.

Die Betroffenen äußern also eher unklare Symptome, Beschwerden und Anzeichen, die sich nicht klar einem bestimmten Krankheitsbild zuordnen lassen. Auch Adipositas, also Übergewicht, muss heute als Alarmsignal im Hinblick auf eine sich entwickelnde Übersäuerung des Körpers angesehen werden. Ist der Körper übersäuert, so äußert sich dies häufig in einer vorher nicht gekannten Tagesmüdigkeit, Schläfrigkeit, Energielosigkeit und einem schlaffen, inkonsistenten Körpergefühl.

Im Laufe der Zeit treten weitere Zeichen einer möglichen Übersäuerung hinzu. Das Hautbild verändert sich negativ, nicht nur die Gesichtshaut wirkt fahl, zunehmend blass und faltig. Ursache ist die immer schlechter werdende Hautdurchblutung bei Übersäuerung. Das Immunsystem ist bei chronischer Azidose ebenfalls nicht mehr so leistungsfähig.

Dies äußert sich in einer vermehrten Infektanfälligkeit mit ständigen Erkältungskrankheiten, Schnupfen oder Allergiesymptomen. Vielfach verschlechtert sich auch der Zahnstatus und dass obwohl die Zähne täglich geputzt werden. Ursache ist der zu niedrige pH-Wert des Speichels in der Mundhöhle bei Übersäuerung. Auf dieser Grundlage können sich jedoch schädliche Keime wie Pilze, Bakterien und Viren explosionsartig vermehren.

Krankheitsverlauf

Die Folgen und der Verlauf einer Übersäuerung sind je nach Mensch unterschiedlich. Dabei gilt die Devise: Die Zelle im Körper vergisst nichts und Übersäuerung hemmt die Heilungsgenetik. Eine typische Übersäuerungs-Krankheit ist zum Beispiel die Osteoporose. Da der Oberschenkelknochen ein Basenspender ist, wird er bei andauernder Übersäuerung porös und brüchig.

Übersäuerungs-Experten betonen dabei, dass nicht der allgemein angenommene Kalziummangel für die Osteoporose verantwortlich ist; denn üblicherweise sei genügend Kalzium im Körper bei Osteoporose zu finden. Rote Blutzellen bilden dabei im Blut ursprünglich die Puffer für Säure und passieren im gesunden Zustand nacheinander die Kapillare. Bei Übersäuerung verklumpen diese jedoch und es fließt nur noch Plasma durch die Kapillare.

Die Folge sind Bluthochdruck, Herzinfarkt oder ein Schlaganfall. Im Anfangsstadium sind Leistungsabfall, Schlappheit durch Atemprobleme zu verzeichnen. Im schlimmsten Fall kann eine Krebserkrankung eintreten. Ein pH-Wert von 6,3 oder weniger im Blut ist für die Bildung von Tumorzellen außerordentlich günstig.

Komplikationen

Eine milde Form der Übersäuerung, die zudem nur kurz- bis mittelfristig anhält, geht in aller Regel nicht mit ernsthaften Komplikationen einher. Je mehr sich der pH-Wert des Körpers jedoch dem sauren Bereich annähert und je länger dieser Zustand anhält, desto wahrscheinlicher stellen sich auch Komplikationen ein.

In mittelschweren Fällen verstärken sich zunächst die typischen Begleiterscheinungen. Eines der häufigsten Symptome, Kopfschmerzen, kann migräneartige Züge annehmen. Die ebenfalls typische Tagesmüdigkeit kann so stark empfunden werden, dass die Betroffenen keinem Achtstundenarbeitstag mehr durchstehen und nachmittags eine Schlafpause einlegen müssen.

Darüber hinaus kann die Konzentrationsschwäche so stark zunehmen, dass viele Arbeiten nicht mehr verrichtet werden können. Tritt die Störung in jungen Jahren auf, kann dies den schulischen Erfolg oder den erfolgreichen Abschluss eines Studiums gefährden.

Darüber hinaus können sich Koordinationsstörungen einstellen, die dazu führen, dass der Betroffene keine Maschinen mehr bedienen und nicht mehr selbst Auto oder Fahrrad fahren darf. Die Einschränkungen im Beruf und die stark verminderte Mobilität können ernsthafte psychische Probleme verursachen.

Bei einer starken Übersäuerung, die nicht behandelt wird, muss außerdem noch mit weit ernsteren Folgen gerechnet werden. So kann Bluthochdruck zu einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall führen. Neuere Studien machen permanente Übersäuerung auch für Osteoporose verantwortlich.

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Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer steten Zunahme eines Krankheitsgefühl oder allgemeinen Unwohlseins, besteht Anlass zur Besorgnis. Bei einer Übersäuerung kommt es über einen langen Zeitraum zu Veränderungen der allgemeinen Gesundheit. Ein Arztbesuch ist notwendig, sobald der Prozess dem Betroffenen bewusst wird. Übergewicht, eine innere Schwäche oder eine Abnahme der geistigen wie körperlichen Leistungsfähigkeit gehören zum Symptombild der Erkrankung. Müdigkeit, schnelle Zustände der Erschöpfung und auch eine Tagesmüdigkeit deuten auf eine gesundheitliche Störung hin. Ein Arzt ist zu konsultieren, damit die Auffälligkeiten und Besonderheiten besprochen werden können. Letztlich führt nur ein medizinischer Test zur Klärung der Ursache.

Wird eine Zunahme von Infektanfälligkeit oder Erkältungserkrankungen bemerkt, ist dem nachzugehen. Es handelt sich hierbei um Warnsignale des Organismus, die kontrolliert werden sollten. Veränderungen des Verhaltens, eine Abnahme der Lebensfreude und ein Rückzug aus dem sozialen sowie gesellschaftlichen Leben deuten auf bestehende Unregelmäßigkeiten hin. In den meisten Fällen gibt es dafür eine organische Erklärung, die diagnostiziert werden sollte. Wird über eine längere Zeit eine ungesunde Lebensweise geführt, ist grundsätzlich ein Kontrollbesuch bei einem Arzt anzuraten. Ab dem Erwachsenenalter sollte darüber hinaus an den angebotenen Vorsorgeuntersuchungen teilgenommen werden. Die Untersuchungen ermöglichen eine Früherkennung und können daher rechtzeitig gesundheitliche Missstände aufdecken.

Behandlung & Therapie

Eine Maßnahme zur Vorbeugung und zur Heilung von Übersäuerung (Azidose) ist eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Bei der Übersäuerung spielen tierische Eiweiße eine große Rolle (Fleisch, Wurst, Käse). Daher gilt es, diese zu reduzieren. Fleisch, raffinierter Zucker, Weißmehl, Alkohol und Bohnenkaffee sind besonders säurelastig. Reich an Basen sind wiederum Kartoffeln (an erster Stelle), Gemüse, Salat, Obst, ungeschälter Reis, Sojaprodukte, Rohmilch, Nüsse, Gewürze und Kräutertees.

Auch seelische Stressmomente wie Trauer und andauernde Überbelastung verstärken die Säureflut im Körper. Um Säure zu neutralisieren, werden im Handel sogenannte basische Produkte in Form von Pulver für Shakes oder in Form von Tabletten angeboten. Regelmäßig eingenommen sollen sie helfen, die Säure-Basen-Balance wiederherzustellen.

Mediziner, die sich mit Übersäuerung beschäftigen, verabreichen außerdem Infusionen, um die Säurelast abzumildern. Viele betonen dabei, dass gesunde Ernährung nicht genug ist, wenn sich jemand in einem "Säureloch" befindet. Dann werden Infusionen, basische Produkte und eine ausgewogene Ernährung empfohlen.

Dennoch bleibt anzuraten, sich gesund und vielseitig zu ernähren. Fleisch und Wurst sollte noch einmal wöchentlich verzehr werden. Viel Bewegung und Sport unterstützt ausserdem die Säureregulation im Körper.

Das können Sie selbst tun

Übersäuerung kann die Ursache vieler Krankheiten und Beschwerden sein. Man fühlt sich schlapp und müde, antriebslos und nimmt Medikamente zur Abhilfe. „Selbst verordnet“ oder vom Arzt verschrieben gegen Sodbrennen oder andere aus Übersäuerung entstandenen Probleme.

Bei einer gesunden Ernährung werden keine schädlichen Stoffe produziert und so sollten auch keine Probleme mit Azidose auftreten. Hat man erkannt, dass eine Übersäuerung vorliegt, sollten die Essgewohnheiten überprüft werden. Säurebildende Nahrungsmittel wie hauptsächlich Fleisch, Wurst, Milch, Kaffee, süße Getränke oder Softdrinks können die Ursache sein. Dazu kommen noch Geschmacksverstärker und Süßstoffe. Nicht zuletzt sind es aber auch die Probleme des Alltags wie Stress, Sorgen, negative Gedanken und Ärger, die zur Übersäuerung beitragen. Zu viele entstandene Säuren und Schlacken werden im Bindegewebe, in den Gelenken oder auch in den Blutgefäßen eingelagert.

Ist mittels eines Teststreifens ein positives Ergebnis festgestellt worden, kann über eine Ernährungsumstellung das Gleichgewicht im Körper wiederhergestellt werden. Mit einem Verhältnis von 80 : 20 sollten mehr basische als saure Lebensmittel zu sich genommen werden, basische Mineralstoffe wie z. B. Magnesium und Calzium sind dabei hilfreich. Mit einem basischen Ernährungsprogramm kann der Körper gereinigt und das Wohlbefinden innerhalb weniger Monate wiederhergestellt werden. Reduzierung der Alltagsprobleme und eine positive Lebenseinstellung tragen zur Steigerung der Lebensqualität bei.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 3. November 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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