Bedside-Test

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Der Bedside-Test ist eine Kontrolle der Blutgruppe direkt am Bett des Patienten, ohne dass Probenmaterial an ein Labor geschickt wird. Er ersetzt die laborseitige Blutgruppenbestimmung und die Verträglichkeitsprobe nicht, sondern bestätigt unmittelbar vor der Übertragung die AB0-Blutgruppe des Empfängers, damit sie mit der Beschriftung der Konserve verglichen werden kann.

Das Verfahren ist Pflicht für jeden Arzt vor einer Bluttransfusion, um etwaige Verwechslungen von Blutkonserven zu verhindern. Der Test dient dem unmittelbaren Abgleich der Blutgruppe des potentiellen Empfängers mit der Beschaffenheit der zur Verwendung bestimmten Konserve, die bereits im Labor klassifiziert und entsprechend beschriftet worden ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Bedside-Test?

Das Prinzip des Bettseite-Tests wurde von dem US-amerikanischen Arzt und Hämatologen Reuben Ottenberg (1882-1959) erfunden, der im Jahr 1907 spezielle Prüfungen der Blutverträglichkeit in die Praxis einführte.

Der bis heute übliche Test wird auf einer kleinen Karte vorgenommen, die zwei oder drei Testfelder mit Anti-A-, Anti-B- und gegebenenfalls Anti-D-Serum aufweist. Auf jedes Feld wird ein Tropfen Blut gegeben und dort mit jeweils einem speziellen Stäbchen aus Kunststoff verteilt. Somit können die Blutgruppe im sogenannten AB0-System sowie der Rhesusfaktor unmittelbar am Krankenbett überprüft werden. Beispielsweise wird Blut der Blutgruppe A mit Rhesusfaktor positiv auf den Feldern Anti-A und Anti-D agglutinieren (verklumpen), während es bei Anti-B unverändert bleibt.

Auf dem Feld Anti-B verklumpen Blutstropfen der Gruppen B und AB, während sich Blut der Gruppen A und 0 nicht verändert. Damit es zu keinen Fehlbestimmungen kommt, wird jedes einzelne Serum den üblicherweise im Labor verwendeten Farben zugeordnet. Das Testfeld mit Anti-A-Serum ist grundsätzlich blau gefärbt, jenes mit Anti-B-Serum gelb. Das Testergebnis wird in der Patientenkarte langfristig dokumentiert, die Testkarte mit den eingetrockneten Blutstropfen nach einigen Tagen aus hygienischen Gründen vernichtet. Nach den relevanten Blutgruppen wird das Verfahren auch AB0-Identitätstest genannt.

Funktion, Wirkung & Ziele

Das Agglutinieren ist die Folge der Vermischung zweier oder mehrerer Blutgruppen, die nicht zusammenpassen. Der menschliche Körper stößt das ab, was er nicht kennt, also kommt es zum Verklumpen fremden Blutes einer anderen Blutgruppe als der körpereigenen.

Diese Unverträglichkeit resultiert aus den verschiedenen Merkmalen, die auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen sitzen. Diese Antigene werden mit A und B sowie als Rhesusfaktor bezeichnet. Blutgruppe A Rhesus positiv (A+) heißt somit, dass das Merkmal A auf den roten Blutkörperchen vorkommt und der positive Nachweis für den Rhesusfaktor gegeben ist. Rhesus negativ bedeutet, dieses Merkmal ist in der konkreten Blutgruppe nicht vorhanden. Wer der Blutgruppe AB Rh-positiv angehört, besitzt mithin alle drei Merkmale. Dagegen fehlen in der Gruppe 0 Rhesus negativ alle drei Merkmale.

Deshalb ist diese Blutgruppe universell als Spenderblut für Notfälle einsetzbar. Alle anderen Blutgruppen müssen jedoch übereinstimmen, wenn Blut von einem Spender auf einen Empfänger übertragen wird. Mit dem Bedside-Test kann unmittelbar vor einer Transfusion festgestellt werden, ob diese Übereinstimmung tatsächlich gegeben ist. Bei der Übertragung von Fremdblut wird dabei das Blut des Empfängers untersucht; nur bei einer Transfusion von Eigenblut wird zusätzlich das Blut aus der Konserve getestet.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Vorgeschrieben ist der Test vor der Übertragung von Erythrozytenkonzentraten und von den selten benötigten Granulozytenkonzentraten; vor der Gabe von Thrombozytenkonzentraten und Plasma ist er bei Erwachsenen dagegen in der Regel nicht erforderlich.

Der Bedside-Test ist auch im Notfall bei Lebensgefahr des Patienten zwingend vorgeschrieben. Das Patientenblut muss immer direkt vor Ort abgenommen werden. Ein Zurückgreifen auf gelagerte Blutproben des Patienten, egal welcher Art, ist kategorisch ausgeschlossen. Nur bei einer Transfusion von Eigenblut müssen Patienten- und Konservenblut beide frisch dem Bedside-Test unterzogen werden. Unmittelbar nach der Test-Durchführung hat der detaillierte Vergleich der erhobenen Blutdaten des Empfängers und des Spenders zu erfolgen. Bei geringsten Abweichungen muss der bevorstehende Transfusionsprozess definitiv unterlassen werden.

Werden mehrere Transfusionen hintereinander durchgeführt, muss der Bedside-Test für jede einzelne Transfusion wieder neu erfolgen. Das gilt gleichfalls bei jedem Wechsel des beteiligten medizinischen und ärztlichen Personals. Außerdem ist der Bettseite-Test vom transfundierenden Arzt selbst oder unter seiner direkten Aufsicht durchzuführen. Die Verantwortung dafür darf er auf keine andere Person übertragen. Will er einem unerfahreneren Kollegen den Test beibringen, muss der transfundierende Arzt die direkte Aufsicht darüber ausüben.

Größtmögliche Vorsicht und Achtsamkeit im Zusammenhang mit Bluttransfusionen sind notwendig, weil äußerst vielfältige Verwechslungsmöglichkeiten bestehen und in der Vergangenheit immer wieder Realität wurden, die kein transfundierender Arzt überschauen kann. Die Verwechslungen können bei der Blutentnahme entstehen und sich bis zu vertauschten Konserven auf einer Station oder im Operationssaal erstrecken. In allen diesen Fällen können sich schwerwiegende Konsequenzen für Empfänger von Blutkonserven ergeben, die nicht selten lebensbedrohend sind. Aus diesen Gründen stehen die verschiedenen herkömmlichen Verfahren des Bedside-Tests permanent auf dem Prüfstand.

Unwägbarkeiten sind vor allem mit den Stäbchen verbunden, mit denen die Blutstropfen auf die Prüffelder der kleinen Karten mit den Serumproben gegeben werden. In einem neu entwickelten Verfahren wird deshalb das Blut unter Zuhilfenahme einer Spritze mit Kanüle durch eine elastische Deckfolie hindurch auf das jeweilige Antiserum gegeben. Weil die Folie die Nadel eng umschließt, soll verhindert werden, dass Blut oder Serum verschleppt werden oder in fremde Testfelder gelangen. Außerdem wird die kleine Öffnung in der Folie sofort nach dem Einstich wieder verschlossen. Nach einem Aufschütteln kann die Reaktion des Blutes mit dem Serum sofort wahrgenommen werden. Diese moderne Form des Bedside-Tests dauert insgesamt nur maximal zehn Sekunden. Diese kurze Zeitspanne kann in Notfallsituationen unschätzbaren Wert für den Patienten haben.

Ablauf am Krankenbett

Der Test steht nicht für sich allein, sondern ist der letzte Prüfschritt einer längeren Kette. Bevor die Testkarte überhaupt hervorgeholt wird, vergewissert sich der transfundierende Arzt, dass Patient, Begleitpapiere und Konserve zusammengehören. Dazu gehört die aktive Identitätssicherung: Ein ansprechbarer Patient wird gebeten, seinen Namen und sein Geburtsdatum selbst zu nennen, statt dass ihm ein Name zur Bestätigung vorgelegt wird. Bei bewusstlosen oder nicht orientierten Patienten tritt an diese Stelle das Identifikationsarmband oder ein anderes im Haus festgelegtes Verfahren.

Ebenso wird die Konserve selbst in Augenschein genommen. Geprüft werden das Verfallsdatum, die Unversehrtheit des Beutels und der Anschlussstutzen sowie das Aussehen des Inhalts. Verfärbungen, Trübungen, Gerinnsel oder ein aufgeblähter Beutel sind Gründe, die Konserve nicht zu verwenden und an das Labor zurückzugeben. Der Begleitschein wird mit dem Etikett am Beutel abgeglichen, denn beide tragen die Konservennummer und die im Labor bestimmte Blutgruppe.

Erst danach folgt die eigentliche Untersuchung. Das benötigte Blut wird frisch gewonnen, meist als Kapillarblut aus der Fingerbeere oder dem Ohrläppchen, alternativ aus einer frischen Punktion oder einem sicher zugeordneten Zugang. Auf jedes Testfeld kommt ein Tropfen, der mit einem eigenen Stäbchen verteilt wird. Die Karte wird anschließend leicht geschwenkt oder gekippt, damit sich Blut und Serum durchmischen. Die Reaktion ist innerhalb kurzer Zeit sichtbar; die genaue Wartezeit gibt der Hersteller des jeweiligen Kartensystems vor. Das Ergebnis wird abgelesen, mit der Angabe auf dem Konservenetikett verglichen und in der Krankenakte festgehalten.

Wie das Ergebnis abgelesen wird

Der Unterschied zwischen den beiden möglichen Reaktionen ist mit bloßem Auge zu erkennen. Bleibt der Tropfen homogen rot und gleichmäßig durchgefärbt, hat keine Reaktion stattgefunden. Verklumpt das Blut, wird das Feld körnig oder flockig: Es bilden sich sichtbare rote Klümpchen, zwischen denen die Flüssigkeit aufklart. Diese Verklumpung ist das eigentliche Signal des Tests.

In der Praxis sind allerdings nicht alle Reaktionen so eindeutig, wie es die Lehrbuchabbildung nahelegt. Schwach ausgeprägte Antigenmerkmale können zu einer nur zarten, spät einsetzenden Verklumpung führen. Umgekehrt können bestimmte Antikörper, die bei niedrigen Temperaturen aktiv werden, eine Verklumpung vortäuschen, die mit der AB0-Gruppe nichts zu tun hat. Auch eine bereits eingetrocknete oder zu lange liegen gelassene Karte lässt sich nicht mehr sicher beurteilen. Grundsätzlich gilt: Ein unklares Ergebnis ist kein Grund, sich auf die im Labor bestimmte Gruppe zu verlassen und die Übertragung trotzdem zu beginnen. Bleibt der Befund zweifelhaft, wird die Transfusion zurückgestellt und mit dem transfusionsmedizinischen Labor Rücksprache gehalten. Ein Testergebnis, das der Laborbestimmung widerspricht, ist immer ein Anlass zur Klärung und niemals ein Ergebnis, das man stillschweigend übergeht.

Was der Test nicht leisten kann

Der Bedside-Test hat eine eng umrissene Aufgabe, und es gehört zum Verständnis des Verfahrens, seine Grenzen zu kennen. Er beantwortet allein die Frage, ob die AB0-Gruppe des Empfängers am Bett dieselbe ist wie diejenige, die für die vorgesehene Konserve dokumentiert wurde. Alles andere leistet er nicht.

Er ersetzt weder den Antikörpersuchtest, mit dem im Labor nach irregulären Antikörpern gefahndet wird, noch die serologische Verträglichkeitsprobe, die im deutschen Sprachraum meist Kreuzprobe genannt wird. Er sagt nichts darüber aus, ob die Konserve auf Infektionserreger untersucht wurde oder ob sie korrekt gelagert worden ist. Und er hat eine systematische Lücke: Werden zwei Konserven derselben AB0-Gruppe vertauscht, fällt das im Test nicht auf, weil beide Beutel zu demselben Ergebnis passen. Genau deshalb ist die sorgfältige Zuordnung von Konservennummer, Begleitschein und Patient durch nichts zu ersetzen. Der Test ist die letzte Sicherung vor der Übertragung, nicht die einzige.

Zu beachten ist ferner, dass die Untersuchung am Bett das Merkmal des Empfängers erfasst und nicht die Qualität der Konserve prüft. Das Blut aus dem Beutel wird bei der Gabe von Fremdblut nicht mitgetestet; die Ausnahme der Eigenbluttransfusion ist weiter oben beschrieben.

Einordnung in die Sicherheitskette vor einer Transfusion

Vor der Übertragung von Erythrozytenkonzentraten steht eine Reihe aufeinander aufbauender Schritte. Am Anfang steht die Blutgruppenbestimmung im Labor, bei der die AB0-Gruppe und der Rhesusfaktor aus einer eingesandten Probe ermittelt werden. Es folgt der Antikörpersuchtest, der klären soll, ob der Empfänger Antigenmerkmale erkennende Antikörper gebildet hat, etwa nach früheren Transfusionen oder einer Schwangerschaft. Auf dieser Grundlage wählt das Labor passende Konserven aus und führt die Verträglichkeitsprobe durch, bei der Empfängerserum und Spendererythrozyten zusammengebracht werden.

Erst dann wird die Konserve auf die Station oder in den Operationsbereich gegeben. Dort schließen sich Identitätssicherung, Sichtprüfung, Bedside-Test und die eigentliche Übertragung an. Während der ersten Minuten der Transfusion bleibt der Patient unter besonders enger Beobachtung, weil sich schwere Unverträglichkeitsreaktionen typischerweise früh ankündigen. Nach dem Ende der Übertragung werden Konservennummer und Verlauf dokumentiert; die Beutel werden noch eine gewisse Zeit aufbewahrt, damit im Fall einer Reaktion nachträglich untersucht werden kann, was übertragen wurde.

Rechtlicher Rahmen und Dokumentation

In Deutschland ist der Umgang mit Blutprodukten gesetzlich geregelt. Das Transfusionsgesetz bildet den Rahmen; die fachlichen Anforderungen an Herstellung, Anwendung und Qualitätssicherung sind in den Richtlinien der Bundesärztekammer zur Hämotherapie und in den ergänzenden Querschnitts-Leitlinien niedergelegt. Aus diesen Vorgaben leitet sich die Pflicht zum AB0-Identitätstest unmittelbar vor der Übertragung ab, ebenso die Zuordnung der Verantwortung an den transfundierenden Arzt.

Ein zweiter Schwerpunkt dieser Regelwerke ist die Rückverfolgbarkeit. Jede angewendete Konserve muss dem Patienten eindeutig zugeordnet werden können, und umgekehrt muss zu jedem Patienten nachvollziehbar sein, welche Produkte er erhalten hat. Deshalb werden Konservennummer, Blutgruppe, Zeitpunkt und Ergebnis des Bedside-Tests festgehalten. Diese Dokumentation dient nicht der Bürokratie, sondern dem Fall, in dem sich später ein Problem zeigt — etwa wenn nachträglich bekannt wird, dass eine Spende zurückgerufen werden muss. Auch unerwünschte Reaktionen im Zusammenhang mit einer Transfusion unterliegen einer Meldepflicht. In Österreich und der Schweiz bestehen eigene, im Grundgedanken vergleichbare Regelungen.

Häufige Fragen von Patienten

Für Patienten ist der Bedside-Test meist nur ein kurzer, unauffälliger Moment kurz vor der Transfusion, und viele bemerken ihn kaum. Die Blutgewinnung entspricht einem kleinen Stich in die Fingerbeere oder das Ohrläppchen und ist rasch vorüber; eine besondere Vorbereitung ist nicht nötig, und nüchtern sein muss man dafür nicht. Der gesamte Vorgang beansprucht nur wenige Minuten.

Häufig wird gefragt, warum die Blutgruppe nochmals bestimmt wird, obwohl sie doch längst im Labor ermittelt und vielleicht sogar in einem Ausweis eingetragen ist. Der Grund liegt nicht in einem Misstrauen gegenüber dem Labor, sondern in der Erfahrung, dass die gefährlichsten Zwischenfälle bei Transfusionen weniger auf falsche Laborergebnisse als auf Verwechslungen auf dem Weg zwischen Labor und Krankenbett zurückgehen. Ein Blutgruppenausweis oder ein Notfallausweis kann den Test daher nicht ersetzen.

Ebenso wird gefragt, ob der Test bei jeder einzelnen Konserve wiederholt werden muss. Das ist der Fall: Werden nacheinander mehrere Konserven übertragen, wird vor jeder einzelnen erneut geprüft. Wer eine Transfusion ablehnen möchte, kann das tun; die Einwilligung in die Übertragung von Blutprodukten wird im Rahmen der ärztlichen Aufklärung eingeholt, und der Bedside-Test ist Teil der dann folgenden Durchführung.

Manche Patienten wundern sich schließlich darüber, dass der Arzt den Test selbst durchführt, obwohl im Klinikalltag sonst viele Handgriffe an die Pflege übertragen werden. Auch das hat mit der Verantwortungszuweisung zu tun: Die Entscheidung, eine bestimmte Konserve bei einem bestimmten Patienten anzuhängen, bleibt beim transfundierenden Arzt, und der letzte Prüfschritt vor dieser Entscheidung bleibt es ebenfalls.

Quellen

  • Kiefel, V., Sachs, U. J. (Hrsg.): Transfusionsmedizin und Immunhämatologie.
    ISBN: 9783662718247
  • Niederau, C., Böhm, B. O. (Hrsg.): Klinikleitfaden Labordiagnostik.
    ISBN: 9783437210945
  • Hallbach, J.: Klinische Chemie und Hämatologie.
    ISBN: 9783132457225
  • Eucker, J., Scholz, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Hämatologie Onkologie.
    ISBN: 9783437212833
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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