Hämatologie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Hämatologie ist die Lehre vom Blut und seinen Funktionen. Das Teilgebiet der Medizin bezieht sich dabei auf Physiologie und Pathologie des Blutes. Die Hämatologie hat in der Routinediagnostik, in der Verlaufskontrolle unterschiedlichster Erkrankungen aber auch in der Grundlagenforschung eine große Bedeutung. Hämatologische Befunde gehören zu den am häufigsten erhobenen Laborwerten und sind an einem erheblichen Teil aller medizinischen Diagnosen beteiligt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Hämatologie?

Hämatologie
Hämatologie ist die Lehre vom Blut und seinen Funktionen. Das Teilgebiet der Medizin bezieht sich dabei auf Physiologie und Pathologie des Blutes.

Hämatologie ist ein kombiniertes Wort griechischen Ursprungs aus den beiden Wortteilen Haima, das Blut, und Logos, die Lehre. Folglich bedeutet Hämatologie wörtlich übersetzt die Lehre vom Blut. In der klinischen Anwendung steht dabei besonders die Pathologie des Blutes im Vordergrund. Die Blutzusammensetzung ist bei den unterschiedlichsten Erkrankungen in charakteristischer Weise verändert, sodass hämatologische Werte einen direkten Rückschluss auf fehlerhafte Körperfunktionen zulassen.

Grundsätzlich besteht die Wissenschaft der Hämatologie aus der sogenannten numerischen Hämatologie und der Zellhämatologie. Die numerische Hämatologie befasst sich vor allem mit den Normwerten und den von diesen Normwerten abweichenden zirkulierenden Blutzellen.

Die Zellhämatologie als Teilgebiet umfasst die Analyse von Zellstrukturen von Blutzellen oder Zellen des Knochenmarks. Die wichtigste zellhämatologische Methode ist das sogenannte Differentialblutbild der weißen Blutzellen, Leukozyten. Ein weiteres Teilgebiet der Hämatologie ist die Hämatoonkologie, die sich speziell mit bösartigen Neubildungen des Blutes oder des Knochenmarks befasst.

Die bekannteste hämatologische, bösartige Erkrankung ist die Leukämie, zahlreiche verschiedene Leukämieformen sind bislang bekannt. Während einige Formen eine sehr gute Prognose und Heilungschance für den Patienten aufweisen – dazu zählt heute die akute lymphatische Leukämie des Kindesalters –, verlaufen unbehandelte akute Leukämien innerhalb weniger Wochen bis Monate tödlich.

Behandlungen & Therapien

Die simpelste hämatologische Fachuntersuchung ist das Erstellen eines kleinen Blutbilds, bestehend aus Anzahl der Leukozyten, Erythrozyten, Thrombozyten und Hämoglobin. Es handelt sich um eine generelle Untersuchung in der Hausarztpraxis oder als Eingangsuntersuchung bei einer Einweisung in ein Krankenhaus. Normale Werte können viele Erkrankungen bereits ausschließen. Sind die Werte des Blutbildes jedoch signifikant verändert, so müssen diese pathologischen Befunde stets differentialdiagnostisch weiter abgeklärt werden.

Die wichtigsten hämatologischen Normalwerte sind Leukozyten 4000-9000, Erythrozyten 4,5-5,5 Millionen, Thrombozyten 180.000-300.000, Hämatokrit 38-41 % und Hämoglobin 12-17 g/dl. Die Angaben zu den Zellzahlen beziehen sich auf 1 Kubikmillimeter Vollblut. Es handelt sich um grobe Richtwerte; die Referenzbereiche der Labore unterscheiden sich und hängen unter anderem von Alter und Geschlecht ab – der Hämatokrit liegt bei Männern regelmäßig höher als bei Frauen. Hämoglobin ist der in den roten Blutkörperchen, Erythrozyten, enthaltene Blutfarbstoff. Hämoglobin hat die Fähigkeit während des Gasaustausches in der Lunge, den Sauerstoff an sich zu binden und somit durch den Blutkreislauf alle Körperzellen mit dem lebenswichtigen Sauerstoff zu versorgen. Besteht aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls ein Mangel an Hämoglobin, so kann der Hämoglobinwert durch die Gabe von Blutkonserven, sogenannten Erythrozytenkonzentraten, wieder angehoben werden.

Dies bleibt jedoch meist erfolglos, wenn die Ursache des Hämoglobinabfalls eine innere Blutung, beispielsweise im Gastrointestinaltrakt, ist. Der Hämatokritwert gibt den Volumenanteil aller zellulären Bestandteile am Gesamtblut wider. Mit Ausnahme des Differentialblutbildes werden heute sämtliche numerisch-hämatologischen Parameter mit Vollautomaten in medizinischen Laboratorien bestimmt. Beim Differentialblutbild ist jedoch eine manuelle, mikroskopische Untersuchung des gefärbten Blutausstriches erforderlich.

Dabei geht es vor allem um die Aufspaltung der weißen Blutkörperchen in die einzelnen Leukozytenfraktionen. Wichtige Leukozytenfraktionen sind neutrophile Granulozyten, basophile Granulozyten, eosinophile Granulozyten sowie kleine und große Lymphozyten. Sie alle kommen im strömenden Blut physiologischerweise vor. Knochenmarkzellen, wie beispielsweise Myelozyten, Metamyelozyten oder Promyelozyten, kommen im Blut normalerweise nicht vor. Sind diese im Differentialblutbild zu sehen, so spricht man auch von einer Linksverschiebung, die immer als pathologisch anzusehen ist.

Häufigste Ursache einer Linksverschiebung sind entzündliche Veränderungen und Infektionen. Diese Art der Linksverschiebung ist reaktiv, also reversibel und verschwindet durch eine Therapie. Bei einer Leukämie ist die Linksverschiebung dagegen irreversibel, die pathologischen Knochenmarkzellen tauchen also dauerhaft im Blutstrom auf.


Diagnose & Untersuchungsmethoden

Alle hämatologischen Untersuchungsmethoden sind Bestandteil der Laboratoriumsmedizin. Das Blut wird im medizinischen Laboratorium von speziell ausgebildetem Fachpersonal hämatologisch untersucht. Dessen Berufsbezeichnung lautete bis 2023 medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin beziehungsweise medizinisch-technischer Laboratoriumsassistent (MTLA), seither Medizinische Technologin beziehungsweise Medizinischer Technologe für Laboratoriumsanalytik (MTL). Für die Untersuchung muss das venös entnommene Blut ungerinnbar gemacht werden. In den Blutröhrchen für hämatologische Untersuchungen ist deshalb ein Antikoagulanz, EDTA, enthalten. Die technische und medizinische Validation und Freigabe der hämatologischen Befunde obliegt stets einem Facharzt für Laboratoriumsmedizin.

Für die Zellhämatologie werden spezielle Halb- oder Vollautomaten genutzt, die innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl von Blutproben unter Aufsicht des Laborpersonals hämatologisch analysieren können. Die hämatologische Diagnose erscheint zunächst einfach, ist aber dann doch recht komplex, wenn es um die Zuordnung krankhafter Befunde zu den Beschwerden eines Patienten geht. Bei einer Vielzahl von hämatologischen Erkrankungen ist daher eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aus Laboratoriumsmedizin, Pathologie, Zytologie und auch Radiologie gefragt.

Bei der Therapie hämatoonkologischer Erkrankungen dienen die Werte der Hämatologie vor allem der Verlaufskontrolle, denn die Parameter lassen wesentliche Rückschlüsse auf den Verlauf und die Prognose hämatologischer Erkrankungen zu. Hämatologische Krankheiten sind sehr vielschichtig und komplex. Zu den wichtigsten hämatologischen Krankheitsbildern gehören die Leukämien, die Lymphome, die verschiedenen Arten der Anämien, Hämoglobinbildungsstörungen und die sogenannten Speicherkrankheiten wie beispielsweise Hämochromatose.

Die Prognose hämatologischer Krankheiten ist insbesondere auch von genetischen Faktoren abhängig. Im Einzelnen können diese Genfaktoren bis heute nicht beeinflusst werden. Die Hämatologie konnte gerade in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte verzeichnen, das Forschungsspektrum gilt aber noch längst nicht als ausgeschöpft. Die Veränderungen in diesem Teilgebiet der Laboratoriumsmedizin haben deshalb durch die Grundlagenforschung auch in Zukunft das Potential, Medizin am Patienten grundlegend zu verändern.

Wer hämatologisch arbeitet

Die Hämatologie wird in Deutschland von mehreren Berufsgruppen und Fachgebieten getragen, die sich die Arbeit teilen. Die klinische Betreuung von Menschen mit Bluterkrankungen liegt bei Fachärztinnen und Fachärzten, die nach der Weiterbildung in der Inneren Medizin das Gebiet Hämatologie und Onkologie absolviert haben. Blut- und Krebserkrankungen sind dabei bewusst in einer Weiterbildung zusammengefasst, weil die Behandlungsverfahren und ein großer Teil der eingesetzten Medikamente sich überschneiden. Für Kinder besteht mit der Kinderhämatologie und -onkologie ein eigener Schwerpunkt innerhalb der Pädiatrie, denn die im Kindesalter auftretenden Krankheitsbilder unterscheiden sich von denen Erwachsener erheblich.

Die Laboruntersuchung selbst ist Aufgabe der Laboratoriumsmedizin. Neben den bereits genannten technischen Berufen sind Fachärztinnen und Fachärzte für Laboratoriumsmedizin für die Freigabe der Befunde zuständig. Für alles, was mit Blutspende, Herstellung und Anwendung von Blutprodukten zu tun hat, besteht mit der Transfusionsmedizin ein weiteres eigenständiges Gebiet.

Behandelt wird an unterschiedlichen Orten. Ein großer Teil der Behandlungen findet ambulant in Praxen oder in Ambulanzen von Krankenhäusern statt, ein weiterer in Tageskliniken, in denen Patienten für eine Infusion kommen und am selben Tag wieder nach Hause gehen. Aufwendige Verfahren und Behandlungen, bei denen die Abwehr stark geschwächt wird, verlangen dagegen einen stationären Aufenthalt auf einer besonders ausgestatteten Station. Weil hämatologische Erkrankungen langwierig und belastend sein können, gehören psychoonkologische Begleitung, Sozialberatung und, wo eine Heilung nicht möglich ist, die Palliativmedizin zur Versorgung dazu.

Weiterführende Untersuchungen

Bleibt ein auffälliges Blutbild unerklärt, stehen weiterführende Untersuchungen zur Verfügung, die über die Betrachtung des strömenden Blutes hinausgehen. Am wichtigsten ist die Knochenmarkpunktion, denn alle Blutzellen entstehen im Knochenmark, und viele Erkrankungen sind dort früher und deutlicher erkennbar als im Blut. Die Entnahme erfolgt in der Regel am hinteren Beckenkamm unter örtlicher Betäubung; auf Wunsch und je nach Umständen kann zusätzlich ein Beruhigungsmittel gegeben werden. Gewonnen werden dabei sowohl flüssiges Mark für die mikroskopische Beurteilung der Zellen als auch ein kleiner Gewebezylinder, der histologisch untersucht wird und Auskunft über den Aufbau und den Zellgehalt des Marks gibt.

Aus Blut oder Mark lassen sich mehrere weitere Untersuchungen anschließen. Bei der Immunphänotypisierung werden die Zellen einzeln an einem Messgerät vorbeigeführt und anhand der Eiweiße auf ihrer Oberfläche bestimmten Zellreihen und Reifungsstufen zugeordnet; das erlaubt eine genauere Einordnung, als sie das Mikroskop leisten kann. Die Untersuchung der Chromosomen und einzelner Genabschnitte klärt, ob bestimmte Veränderungen im Erbgut der Zellen vorliegen. Diese Befunde sind heute nicht nur für die Einordnung einer Erkrankung von Bedeutung, sondern auch für die Auswahl der Behandlung und für die Einschätzung des zu erwartenden Verlaufs.

Daneben steht die Abklärung von Anämien mit eigenen Untersuchungen: Bestimmt werden der Eisenspeicher, Vitamin B12 und Folsäure, Zeichen eines gesteigerten Zerfalls roter Blutkörperchen sowie Hinweise auf einen Blutverlust. Für Blutungs- und Gerinnungsstörungen gibt es die Gerinnungsdiagnostik, die von einfachen Suchtests bis zur Bestimmung einzelner Gerinnungsfaktoren reicht, etwa bei Verdacht auf eine Hämophilie. Ergänzt werden diese Untersuchungen durch bildgebende Verfahren, mit denen vergrößerte Lymphknoten oder eine vergrößerte Milz erfasst werden, sowie durch die Entnahme eines Lymphknotens, wenn eine Lymphomerkrankung im Raum steht.

Was ein auffälliges Blutbild bedeutet

Ein vom Referenzbereich abweichender Blutwert ist zunächst ein Messergebnis und noch keine Krankheit. Die häufigsten Ursachen für abweichende Werte sind vorübergehender Natur: eine durchgemachte Infektion, eine Entzündung, eine Schwangerschaft, ein Flüssigkeitsmangel oder die Wirkung eines Medikaments. Auch die Umstände der Blutentnahme können das Ergebnis verändern, etwa wenn beim Abnehmen Zellen beschädigt werden oder die Probe zu lange bis zur Untersuchung braucht.

Aus diesem Grund wird ein einzelner auffälliger Wert häufig zunächst kontrolliert, bevor eine umfangreiche Abklärung beginnt. Aussagekräftiger als der Einzelwert ist der Verlauf: Ein Wert, der über Jahre stabil leicht außerhalb des Referenzbereichs liegt, ist anders zu bewerten als derselbe Wert, wenn er sich innerhalb weniger Wochen entwickelt hat. Ebenso wichtig ist, ob mehrere Zellreihen gleichzeitig betroffen sind, denn das deutet eher auf eine Störung im Knochenmark selbst hin als auf eine Reaktion auf etwas anderes.

Umgekehrt schließt ein unauffälliges Blutbild eine hämatologische Erkrankung nicht sicher aus. Frühe Stadien mancher Erkrankungen des Knochenmarks und Lymphknotenerkrankungen können mit normalen Werten einhergehen. Und eine Anämie ist selbst keine Diagnose, sondern ein Befund, dessen Ursache erst gesucht werden muss – bei einem Erwachsenen kann hinter einem Eisenmangel eine unbemerkte Blutungsquelle stehen, weshalb die Suche danach oft wichtiger ist als der Ausgleich des Mangels allein.

Behandlungsverfahren im Überblick

Die Behandlungsmöglichkeiten der Hämatologie sind so unterschiedlich wie ihre Krankheitsbilder, und ein erheblicher Teil der Befunde führt überhaupt nicht zu einer Behandlung: Bei manchen langsam verlaufenden Erkrankungen ist die abwartende Beobachtung mit regelmäßigen Kontrollen ein anerkanntes Vorgehen, weil eine frühzeitige Behandlung keinen Vorteil verspricht, aber mit Belastungen verbunden ist.

Kommt eine Behandlung infrage, stehen mehrere Ansätze zur Verfügung. Die Chemotherapie mit Zytostatika richtet sich gegen sich rasch teilende Zellen; sie wirkt daher nicht nur auf die Krankheitszellen, woraus sich ein Teil ihrer unerwünschten Wirkungen erklärt. Zielgerichtete Medikamente greifen an bestimmten Merkmalen der Krankheitszellen an und setzen voraus, dass dieses Merkmal zuvor nachgewiesen wurde. Antikörperpräparate machen kranke Zellen für die körpereigene Abwehr angreifbar. Bei einigen Erkrankungen wird ergänzend bestrahlt, wofür die Strahlentherapie zuständig ist.

Ein besonderes Verfahren ist die Übertragung blutbildender Stammzellen. Man unterscheidet die Übertragung eigener, zuvor entnommener Zellen von der Übertragung von Zellen eines Spenders. Der zweite Weg bietet die Aussicht, dass die übertragene Abwehr sich gegen verbliebene Krankheitszellen richtet, bringt aber zugleich das Risiko mit sich, dass sie sich gegen den Körper des Empfängers wendet. Die Auswahl eines möglichst gut passenden Spenders und die anschließende Betreuung sind daher aufwendig; die Stammzelltransplantation bleibt Zentren mit entsprechender Erfahrung vorbehalten.

Hinzu kommt die unterstützende Behandlung, deren Bedeutung leicht unterschätzt wird: die Gabe von Blutprodukten bei ausgeprägtem Mangel an roten Blutkörperchen oder Blutplättchen, die Vorbeugung und Behandlung von Infektionen bei geschwächter Abwehr, die Behandlung von Übelkeit und Schmerzen sowie bei Eisenüberladung die Entfernung überschüssigen Eisens aus dem Körper.

Abgrenzung zu benachbarten Fachgebieten

Zur Onkologie besteht die engste Verbindung, denn beide Gebiete werden gemeinsam weitergebildet. Die Trennlinie verläuft weniger zwischen den Ärzten als zwischen den Erkrankungen: Die Hämatologie befasst sich mit den vom blutbildenden und lymphatischen System ausgehenden Erkrankungen, die Onkologie im engeren Sinne mit Geschwülsten fester Organe.

Zur Transfusionsmedizin verläuft die Grenze zwischen Herstellung und Anwendung. Sie gewinnt Blutprodukte, prüft sie und bestimmt die Merkmale, die für die Verträglichkeit maßgeblich sind; die Hämatologie ist eine der Fachrichtungen, die diese Produkte anwendet. Zur Pathologie besteht eine Verbindung über die Beurteilung von Gewebe, denn die feingewebliche Untersuchung von Lymphknoten und Knochenmark wird dort vorgenommen.

Weitere Berührungspunkte ergeben sich fast überall im Körper, weil das Blut alle Organe erreicht. Die Nephrologie ist beteiligt, wenn eine Nierenschwäche zur Blutarmut führt, weil die Nieren an der Steuerung der Blutbildung mitwirken. Die Immunologie und die Rheumatologie berühren die Hämatologie dort, wo körpereigene Abwehrvorgänge Blutzellen zerstören. Die Gerinnungsmedizin liegt im Grenzbereich zwischen Hämatologie, Kardiologie und Gefäßmedizin, etwa bei der Abklärung wiederholter Thrombosen. Und die Humangenetik kommt ins Spiel, wenn eine erbliche Störung der Blutbildung vorliegt und Angehörige mitbetroffen sein können.

Geschichte

Die Hämatologie ist so alt wie die Möglichkeit, Blut zu vergrößern. Im 17. Jahrhundert wurden mit den ersten brauchbaren Mikroskopen die roten Blutkörperchen beschrieben. Über zwei Jahrhunderte blieb es jedoch bei einer im Wesentlichen beschreibenden Wissenschaft, denn ungefärbtes Blut lässt die verschiedenen weißen Blutkörperchen kaum unterscheiden.

Den entscheidenden Fortschritt brachte das späte 19. Jahrhundert mit der Entwicklung von Farbstoffkombinationen, die die einzelnen Zellarten des Blutausstrichs unterschiedlich anfärben. Damit wurde das Differentialblutbild möglich, und es entstand die Einteilung der weißen Blutkörperchen in Gruppen, die im Grundsatz bis heute gilt. Etwa zur selben Zeit wurden Leukämien als eigene Krankheitsgruppe beschrieben.

Das 20. Jahrhundert brachte drei weitere Umwälzungen. Die Entdeckung der Blutgruppenmerkmale zu Beginn des Jahrhunderts machte die Übertragung von Blut zu einem planbaren Verfahren, nachdem frühere Versuche an unerklärlichen Zwischenfällen gescheitert waren. Ab der Jahrhundertmitte kamen zellwachstumshemmende Medikamente hinzu, und aus einzelnen Substanzen entwickelten sich abgestimmte Behandlungspläne. Schließlich wurde die Übertragung blutbildender Stammzellen entwickelt, die zunächst nur zwischen eng verwandten Personen möglich war und erst mit dem Verständnis der Gewebemerkmale und mit dem Aufbau von Spenderdateien breiter anwendbar wurde. Die jüngere Entwicklung ist von der Molekulargenetik geprägt: Erkrankungen werden zunehmend nach Veränderungen im Erbgut der Zellen eingeteilt und nicht mehr allein nach ihrem Aussehen unter dem Mikroskop.

Quellen

  • Kreuzer, K.-A. (Hrsg.): Referenz Hämatologie.
    ISBN: 9783132400535
  • Berger, D. P., Engelhardt, M., Duyster, J.: Das Rote Buch – Hämatologie und Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783609512242
  • Andreesen, R., Heimpel, H. (Hrsg.): Klinische Hämatologie.
    ISBN: 9783437295904
  • Hallbach, J.: Klinische Chemie und Hämatologie.
    ISBN: 9783132457225
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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