Blutdruckmessung

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Behandlungen Blutdruckmessung

Der Blutdruck bezeichnet den Druck in den Arterien (Schlagadern) des Kreislaufs des Körpers. Er schwankt bei jedem Herzschlag zwischen dem Maximalwert (der systolische Wert) und dem Minimalwert (der diastolische Wert). Diese Werte können mit der Blutdruckmessung ermittelt werden, die in ihrer gebräuchlichen indirekten Form als risikoarm gilt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Blutdruckmessung?

Blutdruckmessung
Die von außen durchgeführte indirekte Blutdruckmessung wurde 1896 vom italienischen Mediziner Scipione Riva-Rocci entwickelt.

Die von außen durchgeführte indirekte Blutdruckmessung wurde 1896 vom italienischen Mediziner Scipione Riva-Rocci entwickelt. Deshalb wird sie auch heute noch mit der Abkürzung RR bezeichnet. Diese Messung wird mithilfe einer aufblasbaren Manschette indirekt getätigt – meistens am Arm oder am Bein des Patienten. Moderne Geräte arbeiten heute jedoch teilweise mit elektronischen Druckabnehmern.

Zudem kann der Blutdruck mittlerweile auch über einen Messgeber, der direkt in den Blutstrom eingeführt wird, bestimmt werden. Dieses Verfahren wird heute als direkte Blutdruckmessung bezeichnet und nur in der Intensivtherapie verwendet. Diese wird beispielsweise auf Intensivstationen und im Operationssaal genutzt, um möglichst genaue, schnelle und dauerhaft angezeigte Ergebnisse zu erhalten.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die eigentliche Blutdruckmessung dient dazu, um nähere Informationen über die Funktionen des Herzens und des Kreislaufs zu erhalten. Dies kann bei verschiedenen Erkrankungen, aber auch bei operativen Eingriffen und anderen körperlichen Zuständen (etwa einer Ohnmacht) notwendig sein. Welche Art der Blutdruckmessung im individuellen Einzelfall die besser geeignete ist, hängt in der Regel vom vorliegenden Informationsbedarf ab.

Die bekannteste Messmethode ist noch heute die indirekte Blutdruckmessung, von der in den meisten Fällen – etwa bei Vorsorgeuntersuchungen und bei vielen anderen Untersuchungen – Gebrauch gemacht wird. Ein Blutdruck-Messgerät besteht aus einer Gummimanschette, die aufblasbar und so sehr genau an den Arm oder an das Bein des Patienten angepasst werden kann. Die Manschette ist mit einem Manometer verbunden und wird stets so fest aufgepumpt, dass sie an der Anlegestelle kein Blut mehr durchlässt.

Durch das gleichmäßige Ablassen der Luft verringert sich im zweiten Messschritt der Druck in der Manschette, sodass es dem Herz ab einem bestimmten Druck wieder gelingt, Blut in die zusammengepresste Arterie zu drücken. Während dieses Vorgangs ist es möglich, mittels eines Stethoskops, das über der Arterie (am Oberarm beispielsweise in der Ellenbeuge) angesetzt wird, die Strömungsgeräusche des Blutes abzuhören. Diese Geräusche entstehen durch die beschleunigte Strömung des Blutes, die durch die Verengung der Arterie verursacht wird. Diese Geräusche lassen sich mittlerweile anhand zahlreicher vorliegender Daten und Kenntnisse sehr genau auswerten.

Bei der direkten Blutdruckmessung wird eine Messnadel oder auch ein Messfühler direkt in den Blutfluss eingeführt. Dadurch wird der Blutfluss selbst ausgewertet und alle notwendigen Informationen daraus ermittelt. Zum Teil ist diese Methode etwas genauer und zuverlässiger, da sie als Eingriff in ein Blutgefäß aber mit einem geringen Risiko verbunden ist, wird sie nur bei operativen Eingriffen, unter medizinischer Aufsicht und auf speziell ausgerüsteten Krankenstationen durchgeführt.

Da sich zahlreiche Krankheiten bereits im Frühstadium durch einen veränderten Blutdruck zeigen, wird empfohlen, diesen regelmäßig und mindestens einmal im Jahr durch einen Fachmann (also beispielsweise beim Hausarzt) messen zu lassen. Viele Menschen messen ihren Blutdruck darüber hinaus regelmäßig selbst und führen teilweise sogar Buch über die ermittelten Werte.

Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn gesundheitliche Gründe vorliegen oder wenn dies vom Hausarzt oder einem anderen Facharzt empfohlen wurde. Da bei einer Selbstmessung durch einen Laien allerdings Messfehler nicht ausgeschlossen werden können, ersetzen diese auf keinen Fall regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Fach- oder Hausarzt.

Lange Zeit galt als Faustregel, der obere (systolische) Normalwert liege bei 100 plus dem Lebensalter des Patienten. Diese Regel ist überholt: Nach heutigem Kenntnisstand gelten Werte ab 140/90 mmHg unabhängig vom Lebensalter als Bluthochdruck, und als optimal gilt ein Blutdruck unterhalb von 120/80 mmHg. Der Blutdruck ist jedoch von verschiedenen Faktoren, beispielsweise von der körperlichen Verfassung, der Tageszeit und auch der Jahreszeit abhängig und kann somit den ganzen Tag über schwanken. Zudem können die Messwerte von Blutdruckmessgerät zu Blutdruckmessgerät variieren.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die indirekte Blutdruckmessung gilt als risikoarm und bringt in der Regel keine Nebenwirkungen oder Gefahren mit sich. Einziges Risiko sind fehlerhafte Messungen und somit falsche Werte, wenn die Messung nicht korrekt durchgeführt wird.

Da dies gehäuft bei einer Messung zu Hause passiert, etwa durch fehlendes Wissen oder durch mangelhafte Messgeräte, könnte es hier im schlechtesten Fall dazu führen, dass ein zu hoher oder zu niedriger Blutdruck nicht rechtzeitig erkannt wird – und demnach auch die Ursache, die hinter ihm steckt. Deshalb sind die bereits genannten, regelmäßigen Messungen beim Hausarzt wichtig.

Der korrekte Umgang mit dem Blutdruckmessgerät kann aber auch durch einen Laien erlernt werden. Zahlreiche Haus- und Fachärzte bieten hier spezielle Beratungen an, bei denen sie die vorliegenden Messgeräte und auch alle notwendigen Vorgänge, die bei einer Messung des Blutdrucks beachtet werden müssen, Schritt für Schritt durchgehen. Das ist vor allem in Fällen sinnvoll, in denen der Patient seinen Blutdruck regelmäßig selbst messen und für den Arzt protokollieren soll.

Nicht zuletzt kommt es aber auch auf das Blutdruckmessgerät selbst an. Denn der Patient sollte dieses bedienen können, die Manschette sollte sich bequem und einfach anbringen und der Blutdruckwert problemlos von der Anzeige ablesen lassen. Aber da nicht jedes Messgerät das richtige Gerät für jeden Patienten ist, sollte dieser sich bei der Wahl eines geeigneten Blutdruckmessgerätes bestenfalls professionell beraten lassen – zum Beispiel von Fachpersonal im Sanitätshaus oder in der Apotheke des Vertrauens.

Geschichte & Entwicklung

Der Blutdruck wurde erstmals im 18. Jahrhundert gemessen, und zwar auf denkbar unmittelbare Weise: Der englische Geistliche und Naturforscher Stephen Hales führte 1733 ein senkrecht stehendes Glasrohr in die Halsschlagader eines Pferdes ein und las an der Höhe der Blutsäule ab, mit welchem Druck das Blut in der Arterie stand. Am Menschen war ein solches Vorgehen offensichtlich nicht anwendbar.

Handlicher wurde die Messung, als der französische Arzt und Physiker Jean Léonard Marie Poiseuille im frühen 19. Jahrhundert das Glasrohr durch ein Quecksilbermanometer ersetzte. Damit war zugleich die Maßeinheit geboren, die bis heute verwendet wird: Millimeter Quecksilbersäule, abgekürzt mmHg. Die Angabe „120 zu 80“ bezeichnet also die Höhe einer Quecksilbersäule, die das Blut anheben könnte – auch dann, wenn im Gerät längst kein Quecksilber mehr enthalten ist.

Der Weg zur unblutigen Messung führte über Geräte, die den Puls von außen abtasteten. Als erster praktisch brauchbarer Apparat dieser Art gilt der Sphygmomanometer des österreichischen Arztes Samuel Siegfried Karl von Basch aus dem späten 19. Jahrhundert. Der entscheidende Schritt gelang jedoch Scipione Riva-Rocci mit der aufblasbaren Oberarmmanschette, die den Druck gleichmäßig auf das gesamte Gefäß überträgt und deshalb bis heute die Grundlage jeder äußeren Messung bildet.

Riva-Roccis Verfahren erlaubte zunächst nur, den oberen Wert am Wiederauftreten des tastbaren Pulses zu bestimmen. Dass sich auch der untere Wert erfassen lässt, zeigte der russische Militärarzt Nikolai Sergejewitsch Korotkow im Jahr 1905: Er setzte ein Stethoskop unterhalb der Manschette an und beschrieb die Abfolge der Strömungsgeräusche, die beim langsamen Ablassen der Luft entstehen und wieder verschwinden. Diese Geräusche tragen bis heute seinen Namen, und das nach ihm benannte Abhörverfahren gilt weiterhin als Bezugsmethode, an der sich andere Messverfahren messen lassen müssen.

Im 20. Jahrhundert kamen zunächst Federmanometer und schließlich elektronische Geräte hinzu. Diese arbeiten überwiegend nach dem oszillometrischen Prinzip: Sie werten nicht Geräusche aus, sondern die feinen Druckschwankungen, die der Pulsschlag in der Manschette selbst erzeugt, und errechnen daraus die beiden Werte. Quecksilbergeräte, die lange als Goldstandard galten, sind aus Umweltgründen weitgehend aus dem Alltag verschwunden.

Voraussetzungen für eine verlässliche Messung

Der Blutdruck ist keine feste Größe, sondern eine Momentaufnahme. Er reagiert auf Anstrengung, Aufregung, Kälte, Schmerz, Koffein und volle Blase und schwankt außerdem im Tagesverlauf. Ein einzelner Wert erlaubt deshalb kaum eine Aussage; Fachgesellschaften stützen die Beurteilung stets auf mehrere Messungen an verschiedenen Tagen.

Damit die Werte vergleichbar sind, ist die Art der Messung standardisiert. Gemessen wird nach einer kurzen Ruhephase im Sitzen, mit angelehntem Rücken, unverschränkten Beinen und aufgestellten Füßen; der Arm liegt entspannt auf und befindet sich in Herzhöhe, weil ein tiefer gehaltener Arm zu hohe und ein angehobener zu niedrige Werte liefert. Während der Messung wird nicht gesprochen. Eine hochgeschobene, eng anliegende Ärmelmanschette kann das Ergebnis ebenso verfälschen wie eine über der Kleidung angelegte Manschette.

Von besonderer Bedeutung ist die Größe der Manschette. Ist sie im Verhältnis zum Oberarmumfang zu schmal, muss ein höherer Druck aufgewendet werden, um die Arterie zusammenzudrücken – gemessen wird dann ein zu hoher Wert; eine zu breite Manschette bewirkt das Gegenteil. Für kräftige wie für sehr schlanke Oberarme und für Kinder gibt es deshalb Manschetten in unterschiedlichen Größen.

Bei der ersten Untersuchung wird an beiden Armen gemessen. Unterschiede zwischen rechts und links sind ein Befund für sich: Ein deutlicher, wiederholt bestätigter Seitenunterschied kann auf eine Verengung einer Arterie im Schulter- oder Armbereich hinweisen und wird ärztlich abgeklärt. Für alle weiteren Messungen wird der Arm mit den höheren Werten verwendet.

Geräte, die statt am Oberarm am Handgelenk messen, sind bequemer, reagieren aber empfindlicher auf die Haltung: Das Handgelenk muss während der Messung auf Herzhöhe gehalten werden. Bei Menschen mit verkalkten Unterarmarterien oder Herzrhythmusstörungen können sie ungenauer ausfallen. Bei Vorhofflimmern ist die oszillometrische Messung generell weniger zuverlässig, weil der unregelmäßige Herzschlag die auszuwertenden Druckschwankungen ungleichmäßig macht; hier bleibt die Messung durch Abhören überlegen.

Praxismessung, Selbstmessung und Langzeitmessung

Die Messung beim Arzt hat einen bekannten Nachteil: Viele Menschen sind in der Sprechstunde angespannter als zu Hause und haben dort messbar höhere Werte. Fachleute sprechen von einer Weißkittelhypertonie oder Praxishypertonie. Der umgekehrte Fall kommt ebenfalls vor: Bei einer maskierten Hypertonie liegen die Werte in der Praxis im Normbereich, im Alltag jedoch darüber. Beide Konstellationen lassen sich nur erkennen, wenn außerhalb der Praxis gemessen wird.

Dafür stehen zwei Wege offen. Bei der Selbstmessung zu Hause führt der Patient über einen vereinbarten Zeitraum ein Protokoll, meist mit je einer Messreihe morgens und abends. Weil die häusliche Umgebung ruhiger ist, fallen die Werte im Mittel niedriger aus als in der Praxis; die Grenzwerte, ab denen ein Bluthochdruck angenommen wird, sind für die Selbstmessung deshalb entsprechend niedriger angesetzt. Wichtig ist, dass alle gemessenen Werte notiert werden und nicht nur die günstigen.

Bei der ambulanten Langzeit-Blutdruckmessung trägt der Patient über 24 Stunden ein kleines Gerät am Gürtel, das in festen Abständen automatisch misst – tagsüber häufiger, nachts seltener. Der Vorteil liegt darin, dass auch der Blutdruck im Schlaf erfasst wird. Normalerweise sinkt er nachts spürbar ab; bleibt dieses Absinken aus, gilt das als eigenständiger Hinweis, dem nachgegangen wird. Die Langzeitmessung wird unter anderem eingesetzt, wenn Praxis- und Heimwerte auseinanderfallen, wenn trotz Behandlung hohe Werte bestehen bleiben oder wenn abgeklärt werden soll, ob eine Behandlung den Blutdruck über den ganzen Tag hinweg senkt.

Was die Messwerte aussagen

Der obere, systolische Wert entsteht, während sich die linke Herzkammer zusammenzieht und Blut in die Hauptschlagader auswirft. Der untere, diastolische Wert ist der Druck, der in der Erschlaffungsphase des Herzens im Gefäßsystem verbleibt; er hängt vor allem davon ab, welchen Widerstand die kleinen Arterien dem Blutstrom entgegensetzen. Die Differenz zwischen beiden Werten wird als Blutdruckamplitude bezeichnet und nimmt im höheren Lebensalter häufig zu, weil die großen Gefäße an Elastizität verlieren.

Dauerhaft erhöhte Werte belasten Herz und Gefäße, ohne zunächst Beschwerden zu verursachen – der Bluthochdruck wird deshalb oft erst spät oder zufällig entdeckt. Zu den möglichen Spätfolgen zählen Schäden an den Herzkranzgefäßen, an den Nieren, an den Gefäßen des Auges und am Gehirn mit dem Risiko eines Schlaganfalls. Umgekehrt sind niedrige Werte für sich genommen kein Krankheitszeichen; eine Hypotonie wird erst dann behandlungsbedürftig, wenn sie Beschwerden wie Schwindel, Leistungsschwäche oder eine Ohnmacht verursacht.

Ein einzelner stark erhöhter Wert ist nicht gleichbedeutend mit einem Notfall. Entscheidend ist, ob gleichzeitig Beschwerden bestehen, die auf eine akute Schädigung hindeuten – etwa Brustschmerzen, ausgeprägte Atemnot, Sehstörungen, Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen. In diesem Fall ist umgehend ärztliche Hilfe erforderlich. Ohne solche Begleitsymptome wird zunächst nach einer Ruhephase erneut gemessen und der Befund mit dem behandelnden Arzt besprochen.

Blutdruckmessung in besonderen Situationen

In der Schwangerschaft gehört die Blutdruckmessung zu jeder Vorsorgeuntersuchung. Steigende Werte im zweiten Schwangerschaftsdrittel können auf eine Präeklampsie hinweisen, die Mutter und Kind gefährdet und deshalb engmaschig überwacht wird.

Bei Kindern werden die Werte nicht mit den Grenzwerten Erwachsener verglichen, sondern mit alters-, geschlechts- und größenabhängigen Vergleichswerten; außerdem sind kindgerechte Manschetten erforderlich.

Im höheren Lebensalter wird zusätzlich im Stehen gemessen, wenn der Verdacht besteht, dass der Blutdruck beim Aufstehen abfällt. Ein solcher Abfall erklärt Schwindel und Stürze und ist auch deshalb bedeutsam, weil er unter blutdrucksenkenden Medikamenten verstärkt auftreten kann.

Bei Menschen, die eine Shuntanlage zur Dialyse tragen, nach einer Operation an der Brust mit Entfernung von Lymphknoten oder mit einem Zugang für Infusionen wird der betroffene Arm für die Messung ausgespart. In der Intensiv- und Notfallmedizin schließlich ist die kontinuierliche Überwachung entscheidend; hier ergänzen sich die Manschettenmessung, die direkte Messung über einen Katheter in der Arterie und weitere Verfahren wie die Pulsoxymetrie zu einem Gesamtbild des Kreislaufs.

Quellen

  • Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
    ISBN: 9783662629314
  • Füeßl, H. S., Middeke, M.: Anamnese und klinische Untersuchung.
    ISBN: 9783132443099
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443471
  • Brandes, R., Lang, F., Schmidt, R. F. (Hrsg.): Physiologie des Menschen.
    ISBN: 9783662564677

Das könnte Sie auch interessieren