Stethoskop

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das akustische Stethoskop wird in der Humanmedizin zum Abhören und Auskultieren verschiedener Körpergeräusche verwendet. Typischerweise handelt es sich dabei um Herztöne, Geräusche in Lunge und Bronchien beim Ein- und Ausatmen, um Darmgeräusche, die durch die Peristaltik hervorgerufen werden, und evtl. um Flussgeräusche in bestimmten Adern (z.B. den Halsschlagadern). Das Abhören geschieht nicht-invasiv, und das Stethoskop ist vollkommen autark, also unabhängig von irgendwelchen Strom- oder sonstigen Energiequellen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Stethoskop?

Stethoskop
Das akustische Stethoskop ist ein nicht-invasives Diagnosegerät zur besseren Hörbarmachung bestimmter Körpergeräusche.

Das akustische Stethoskop ist ein nicht-invasives Diagnosegerät zur besseren Hörbarmachung bestimmter Körpergeräusche. Das Wort Stethoskop setzt sich aus den zwei altgriechischen Begriffen stethos und skopos zusammen und bedeutet so viel wie „Brustwächter“. Erfunden wurde das Instrument 1816 von dem französischen Arzt René Laënnec, der zunächst ein zusammengerolltes Blatt Papier und später ein hölzernes Hörrohr benutzte. Ein Stethoskop besteht in der Regel aus einem Kopf mit 30 bis 46 mm Durchmesser, einem angeschlossenen Schlauch und einem Ohrbügel, mit dem die beiden verzweigten Enden des Schallschlauchs verbunden sind.

Mit seiner Erfindung suchte Laënnec zunächst einen Ausweg aus einer praktischen Verlegenheit. Bis dahin legte der Arzt das Ohr unmittelbar auf den Brustkorb des Patienten, was bei Frauen als unschicklich galt und bei kräftigen Patienten schlechte Ergebnisse lieferte. Das zusammengerollte Blatt Papier übertrug den Schall zu seiner eigenen Überraschung besser als das bloße Ohr. Aus dieser Beobachtung entwickelte er das hölzerne Hörrohr und eine ganze Systematik der damit hörbaren Befunde; 1819 legte er sie in seinem Werk „De l'auscultation médiate“ vor, das die Auskultation als Untersuchungsverfahren begründete. Laënnec selbst starb 1826 im Alter von 45 Jahren an der Tuberkulose, also an genau der Erkrankung, deren Zeichen er mit seinem Instrument zu beschreiben gelernt hatte.

Einohrig blieb das Instrument nicht lange. In den 1850er Jahren entwickelten Arthur Leared und George Cammann Ausführungen mit biegsamem Schlauch und zwei Ohrstücken, aus denen die heute übliche Bauform hervorgegangen ist. Aurelio Bianchi schuf gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit einer wasserdichten Abdichtung die Grundlage für das moderne Membranbruststück. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigten Versuche von Rappaport und Sprague, dass kurze, steife Schläuche und gut abdichtende Ohroliven die Übertragung erheblich verbessern. David Littmann meldete 1963 ein Kombinationsstethoskop zum Patent, bei dem der Doppelkopf auf der einen Seite als Trichter und auf der anderen als Membran ausgeführt ist.

Der Kopf dient zur Sammlung des Körperschalls wie ein umgekehrter Schalltrichter und leitet den Schall über den Schallschlauch an die Enden des Ohrbügels weiter. In dem Kopf befindet sich meist auf einer Seite eine Membran, die durch die ankommenden Schallwellen ähnlich wie ein Trommelfell in Schwingungen versetzt wird und diese an die Luft im Schallschlauch weitergibt. Es existieren auch Modelle, bei denen der Kopf beidseitig genutzt werden kann. In der Regel weist dann eine Seite des Kopfes eine Membran auf und die andere Seite ist membranlos.

Die membranlose Seite ist besser für die Auskultation tiefer Töne geeignet, was besonders für das Abhören von Herzgeräuschen von Vorteil ist. Die Membranseite überträgt umgekehrt vor allem die höheren Frequenzen und eignet sich damit für Atemgeräusche und die normalen Herztöne. Die Wirkungsweise eines akustischen Stethoskops beruht auf einfachen physikalisch-akustischen Gesetzmäßigkeiten.

Der Unterschied zwischen den beiden Seiten des Kopfes lässt sich damit einfach erklären. Die gespannte Membran folgt schnellen Schwingungen bereitwillig und dämpft langsame; sie wirkt wie ein Filter, der vor allem die hohen Anteile durchlässt. Der offene Trichter überträgt dagegen die Bewegung der Haut nahezu unverändert und lässt damit auch die tiefen Anteile durch. Über den Anpressdruck lässt sich diese Wirkung sogar steuern: Wird der Trichter fest aufgedrückt, spannt sich die Haut unter ihm und übernimmt selbst die Rolle einer Membran, sodass die tiefen Töne wieder zurücktreten. Wer tiefe Geräusche sucht, setzt den Trichter deshalb nur leicht auf.

Zum Aufbau gehören außerdem die Ohroliven, die weichen Einsätze an den Enden des Bügels. Sie schließen den Gehörgang gegen Umgebungsgeräusche ab; sitzen sie schlecht oder ist der Bügel zu weit gespreizt, geht ein erheblicher Teil des Schalls verloren, bevor er das Ohr erreicht. Der Bügel steht deshalb unter Federspannung und wird so aufgesetzt, dass die Oliven leicht nach vorne in Richtung der Gehörgänge zeigen. Auch die Länge des Schlauchs ist keine Frage der Bequemlichkeit: Je länger und je weicher er ist, desto mehr Schall geht auf dem Weg verloren.

Neben dem üblichen Modell für Erwachsene gibt es Sonderformen. Kinder- und Säuglingsstethoskope haben ein kleineres Bruststück, damit es sich vollständig an den schmalen Brustkorb anlegen lässt und an den Rändern keine Nebengeräusche entstehen. Für das Abhören kindlicher Herztöne in der Schwangerschaft diente lange das Pinard-Hörrohr, ein einfacher hölzerner Trichter, der auf den Bauch der Schwangeren aufgesetzt wird; in der heutigen Vorsorge ist es weitgehend durch Geräte auf Ultraschallbasis abgelöst worden.

Funktion, Wirkung & Ziele in der Diagnostik

Eines der Hauptanwendungsgebiete des Stethoskops liegt in der Auskultation der Herzgeräusche und Herztöne. Für alle vier Herzklappen existieren Punkte auf dem Brustkorb, die meisten davon nahe des Brustbeins, die als Auflagepunkte für das Stethoskop dem erfahrenen Arzt Rückschlüsse auf die Funktion der entsprechenden Herzklappe erlauben.

Rechts vom Brustbein – alle Richtungsangaben aus Sicht des Patienten – liegen der Punkt der Aortenklappe im zweiten Zwischenrippenraum und der Punkt der Trikuspidalklappe am unteren Rand des Brustbeins. Links vom Brustbein befinden sich der Punkt der Pulmonalklappe im zweiten Zwischenrippenraum, der sogenannte Erbsche Punkt im dritten Zwischenrippenraum, an dem die Geräusche mehrerer Klappen gebündelt zu hören sind, typischerweise das Geräusch einer Aorteninsuffizienz, und über der Herzspitze der Punkt der Mitralklappe. Außer Erkenntnissen über die Qualität der Funktion der Herzklappen lassen sich über die Auskultation der Herztöne auch ein Atriumseptumdefekt (ASD), ein Loch in der Scheidewand (Septum) zwischen den beiden Vorhöfen, und eine evtl. vorliegende Myokarditis, eine Herzmuskelentzündung, feststellen.

Damit diese Punkte etwas hergeben, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Die Auskultation steht am Ende der körperlichen Untersuchung, nach dem Betrachten, dem Tasten und dem Beklopfen des Brustkorbs, und sie verlangt einen ruhigen Raum. Das Bruststück wird unmittelbar auf die Haut aufgesetzt und nicht auf die Kleidung, weil schon das Reiben eines Hemdes Geräusche erzeugt, die alles Übrige überdecken. Ein kaltes Bruststück lässt den Patienten zusammenzucken und verändert seine Atmung; erfahrene Untersucher wärmen es deshalb kurz an. Abgehört wird stets im Seitenvergleich, und die Lagerung wird der Fragestellung angepasst: Geräusche der Mitralklappe treten in Linksseitenlage deutlicher hervor, solche der Aortenklappe beim vorgebeugten Sitzen in der Ausatmung.

Bei den Herztönen selbst unterscheidet man den ersten und den zweiten Ton. Der erste entsteht, wenn sich die Kammermuskulatur um das nicht zusammendrückbare Blut zusammenzieht und die Klappen zwischen Vorhöfen und Kammern schließen; er klingt dumpf und ist über der Herzspitze am besten zu hören. Der zweite Ton ist heller, lauter und kürzer und entsteht, wenn nach dem Schluss der Taschenklappen die Blutsäule in den großen Gefäßen nachschwingt; ihn hört man am besten über der Herzbasis. Ein dritter und ein vierter Herzton sind bei Kindern und Jugendlichen normal, bei Erwachsenen dagegen ein Hinweis auf eine Erkrankung, etwa auf eine Herzinsuffizienz. Von den Tönen zu trennen sind die Herzgeräusche, die sich über einen längeren Abschnitt des Herzzyklus erstrecken und meist auf einen Herzklappenfehler hindeuten. Ob ein solches Geräusch in die Auswurfphase oder in die Füllungsphase des Herzens fällt, ist dabei die erste und wichtigste Unterscheidung, weil sich daraus schon eingrenzen lässt, welche Klappe in Frage kommt.

Diagnosen, die aufgrund von Auskultationen des Herzens erstellt wurden, bedürfen gegebenenfalls einer Verifizierung durch weitere Diagnoseverfahren wie EKG und Ultraschalluntersuchungen. Ultraschalluntersuchungen am Herzen sind besonders aussagekräftig, wenn sie ösophageal, also durch die Speiseröhre, erfolgen. Den Anfang macht dabei in aller Regel die Untersuchung von außen durch die Brustwand; die Sonde in der Speiseröhre kommt bei besonderen Fragestellungen hinzu, etwa beim Verdacht auf eine Endokarditis oder auf ein Gerinnsel im Vorhof. Auch die auskultierten Atemgeräusche geben dem erfahrenen Arzt wichtige Hinweise auf Vorliegen bestimmter Erkrankungen oder bestimmter Fehlfunktionen innerhalb des Atmungsapparates. Der Arzt benötigt eine gewisse Erfahrung, um normale Atemgeräusche von abnormen oder pathologischen Atemgeräuschen unterscheiden zu können und vor allem, um aus wahrgenommenen pathologischen Atemgeräuschen eine treffsichere Diagnose stellen zu können.

Ein normales Atemgeräusch entsteht durch turbulente Luftströmungen in der Luftröhre und den Bronchien (zentrales Atemgeräusch). Dazu kommen die Atemgeräusche, die durch Lungengewebe und Brustwand gedämpft werden und fälschlicherweise häufig als peripheres Atemgeräusch bezeichnet werden. Abnorme Atemgeräusche können z. B. zu leise oder zu laut sein aufgrund ihrer Entstehung oder aufgrund gestörter Schallleitung, etwa wegen einer Ansammlung von Flüssigkeit (Pleuraerguss).

In der Praxis lassen sich dabei einige Befundmuster gut auseinanderhalten. Ist Lungengewebe verdichtet, etwa bei einer Lungenentzündung mit einem betroffenen Lungenlappen, wird der Schall aus den zentralen Atemwegen weniger gedämpft und kommt verschärft an der Brustwand an. Umgekehrt wird das Atemgeräusch leiser, wenn der Weg zwischen den Bronchien und dem Stethoskop länger oder schlechter leitend geworden ist, etwa beim Lungenemphysem, beim Pneumothorax oder bei einer Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustwand. Die unterbrochenen Nebengeräusche, das Rasseln, werden nach der Größe der Blasen in feinblasige und grobblasige Formen unterteilt. Die durchgehenden Nebengeräusche – Giemen, Pfeifen und Brummen – entstehen dagegen an Engstellen, an denen die Luftsäule ins Schwingen gerät; sie sind typisch für Asthma und die COPD. Ein hörbares Einatemgeräusch am Hals, der Stridor, weist auf eine Enge im Kehlkopf oder in der Luftröhre hin und ist ein Warnzeichen, das rasches Handeln verlangt. Reiben sich die entzündeten Blätter des Rippenfells aneinander, entsteht ein knarrendes Geräusch, das an das Gehen auf frischem Schnee erinnert.

Atemnebengeräusche wie typisches Rasseln werden vor allem durch Flüssigkeiten oder Sekrete in den Atemwegen verursacht und bedürfen weiterer Abklärung nach der Auskultationsdiagnose. Ein weiteres Anwendungsgebiet für eine Auskultation mittels Stethoskop sind die Halsschlagadern, die Arteria carotis communis und die Arteria carotis interna, die von einer krankhaften Verengung, einer Stenose, betroffen sein können. Die Stenose wird meist durch eine Arteriosklerose verursacht.

Vor allem, wenn sich die Stenose – wie es häufig vorkommt – an der Gabelung der Halsschlagader bildet, sind die typischen Flussgeräusche mittels Stethoskop mit großer Sicherheit diagnostizierbar, so dass ein drohender Schlaganfall möglicherweise abgewendet werden kann. Die Auskultation des Bauchraums kann Rückschlüsse auf eine gestörte Darmperistaltik geben. Normalerweise sollten etwa alle 10 Sekunden Darmgeräusche zu hören sein. Ständige laute Geräusche oder das Fehlen jeglicher Darmgeräusche über mehrere Minuten hinweg deuten auf möglicherweise ernsthafte Störungen hin, die unmittelbar mit anderen Diagnoseverfahren abgeklärt werden müssen.

Über die genannten Anwendungen hinaus hat das Stethoskop einen festen Platz bei der Blutdruckmessung nach der Methode von Riva-Rocci. Dabei wird eine Manschette am Oberarm so weit aufgepumpt, dass der Blutfluss unterbrochen ist, und beim langsamen Ablassen des Drucks mit dem Stethoskop in der Ellenbeuge abgehört. Das erste Auftreten der Strömungsgeräusche, die nach ihrem Beschreiber Korotkow benannt sind, markiert den oberen Wert, ihr Verschwinden den unteren. Automatische Messgeräte haben dieses Verfahren im Alltag weitgehend verdrängt, doch bei unregelmäßigem Puls oder auffälligen Werten gilt die Messung mit Manschette und Stethoskop weiterhin als das Verfahren, an dem sich die Geräte messen lassen müssen.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren bei der Diagnostik

Die Nutzung des akustischen Stethoskops zur Auskultation bestimmter Körperfunktionen ist nicht-invasiv und frei von chemischen oder sonstigen Belastungen des Körpers. Ein Risiko kann darin bestehen, dass ein unerfahrener Arzt eine Fehldiagnose stellt und aufgrund der gestellten Fehldiagnose eine „falsche“ Therapie einleitet.

Bei einer Auskultation der Atemwege kann es allerdings passieren, dass eine interstitielle Pneumonie, die zunächst „nur“ das stützende Bindegewebe zwischen den Alveolen betrifft, nicht erkannt wird, weil die Atemgeräusche normal sind. Mittlerweile werden auch elektronische Stethoskope angeboten, die mit elektronischen Algorithmen arbeiten. Störgeräusche werden gedämpft und die für die Diagnostik wichtigen Töne werden verstärkt.

Die auskultierten Töne und Geräusche können auf einem PC gespeichert werden und sind daher reproduzierbar. Diese „high tech“ Stethoskope scheinen sich aber nur sehr langsam durchzusetzen, möglicherweise wegen des hohen Preises oder wegen (noch) unzulänglicher Algorithmen oder wegen der komplizierteren Handhabung. An Bedeutung gewonnen haben sie inzwischen vor allem in der Ausbildung und in der Telemedizin, bei der ein zweiter Arzt die aufgezeichneten Geräusche aus der Ferne mitbeurteilen kann.

Neben der Erfahrung des Untersuchers setzen der Auskultation auch äußere Umstände Grenzen. Umgebungslärm, eine dicke Fettschicht, eine stark behaarte Brustwand oder ein unruhiger Patient können den Befund so verwaschen, dass er nicht mehr verwertbar ist. Auch die Beurteilung selbst ist in gewissem Maß subjektiv: Zwei Untersucher kommen bei demselben Patienten nicht immer zum selben Ergebnis, und leise Befunde werden leichter übersehen als laute. Die Auskultation ist deshalb ein orientierendes Verfahren. Sie zeigt an, wo genauer hingesehen werden muss, und liefert vor allem im ersten Kontakt mit dem Patienten rasch verwertbare Hinweise, ohne Bildgebung oder Laborwerte ersetzen zu können. Ihre Stärke liegt darin, dass sie überall verfügbar ist, keine laufenden Kosten verursacht und beliebig oft wiederholt werden kann – am Krankenbett, im Rettungswagen und in Gegenden, in denen aufwendigere Geräte gar nicht zur Verfügung stehen.

Quellen

  • Füeßl, H. S., Middeke, M.: Anamnese und klinische Untersuchung.
    ISBN: 9783132443099
  • Neurath, M. F., Lohse, A. W.: Checkliste Anamnese und klinische Untersuchung.
    ISBN: 9783132419797
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Kramme, R. (Hrsg.): Medizintechnik.
    ISBN: 9783662487709
  • Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
    ISBN: 9783132443488

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