Femidom
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 6. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Das Femidom wird umgangssprachlich „Kondom für die Frau“ oder „Frauenkondom“ genannt. Dabei lässt der Name des Verhütungsmittels bereits darauf schließen, um was genau es sich bei diesem handelt – ein Femidom ist einem Kondom sehr ähnlich, wird allerdings nicht über den Penis des Mannes gestülpt, sondern in die Vagina der Frau eingeführt.
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Was ist ein Femidom?
Ein Femidom, auch bekannt als weibliches Kondom, ist ein Verhütungsmittel, das speziell für Frauen entwickelt wurde. Es handelt sich um eine Hülle, die in die Vagina eingeführt wird, um während des Geschlechtsverkehrs eine Barriere zu bilden, die Spermien daran hindert, in die Gebärmutter zu gelangen und eine Schwangerschaft zu verursachen. Femidome dienen ebenfalls als Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen (STIs), einschließlich HIV/AIDS.
Das Femidom besteht aus weichem, dünnem und synthetischem Material wie Nitril, Latex oder Polyurethan und ist an einem Ende geschlossen. Das geschlossene Ende des Femidoms besitzt einen flexiblen Ring, der dazu dient, das Kondom in der Vagina zu positionieren und an seinem Platz zu halten. Das andere Ende des Femidoms bleibt außerhalb der Vagina und hat ebenfalls einen Ring, der das Femidom während des Geschlechtsverkehrs stabilisiert.
Die Anwendung des Femidoms erfordert etwas Übung und kann anfangs ungewohnt sein. Es kann jedoch bereits einige Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingeführt werden, was den Nutzern mehr Flexibilität im Vergleich zum männlichen Kondom bietet. Femidome sind ohne Rezept erhältlich und bieten Frauen eine eigenständige Kontrolle über ihren Schutz vor Schwangerschaft und STIs.
Insgesamt bieten Femidome eine wichtige Option im Bereich der weiblichen Verhütungsmittel und des Schutzes vor sexuell übertragbaren Infektionen, insbesondere für Frauen, die eine eigenständige Kontrolle über ihre sexuelle Gesundheit ausüben möchten.
Geschichte und Entwicklung
Die Entwicklung des Femidoms ist ein bedeutender Meilenstein in der Geschichte der Verhütungsmethoden, der Frauen mehr Autonomie über ihren eigenen Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen (STIs) und ungewollten Schwangerschaften bietet.
Die Idee eines weiblichen Kondoms entstand in den frühen 1980er Jahren als Reaktion auf die wachsende Notwendigkeit, Frauen wirksamere Möglichkeiten zur Kontrolle über ihre sexuelle Gesundheit zu geben. Das erste Femidom wurde 1993 von der FDA in den USA zugelassen und kam unter dem Markennamen FC1 auf den Markt. Es war aus Polyurethan gefertigt, was es sowohl für Latexallergiker geeignet machte als auch eine gute Haltbarkeit und Stärke bot.
Trotz seiner Innovation stieß das Femidom anfangs auf gemischte Reaktionen. Herausforderungen bezüglich der Benutzerfreundlichkeit und höhere Kosten im Vergleich zu männlichen Kondomen begrenzten seine Popularität. Um diese Probleme anzugehen, wurde das Design überarbeitet. Die zweite Generation, das FC2, wurde eingeführt. Es war aus Nitril hergestellt, was es billiger in der Produktion machte und somit auch preiswerter für die Endverbraucher.
Heute wird das Femidom weltweit vertrieben und bleibt eine wichtige Option für den Schutz vor STIs und als Verhütungsmittel. Es bietet Frauen eine eigenständige Methode, die unabhängig vom Partner genutzt werden kann, was besonders in Regionen mit hoher Prävalenz von HIV/AIDS von großer Bedeutung ist. Femidome sind nicht nur in ihrer ursprünglichen Form als Empfängnisverhütungsmittel vertreten, sondern auch als Teil globaler Gesundheitsinitiativen zur Stärkung der Frauenrechte und Gesundheit.
Formen, Arten & Typen
In den meisten Fällen kommt das Femidom in einer schlauchartigen Einheitsform daher, die recht flexibel ist. Dadurch passt sich das Femidom in seinem Durchmesser der Weite der Vagina an.
In der Länge sind verschiedene Femidome erhältlich, die jedoch meistens zwischen 15 und 18 Zentimeter lang sind und gänzlich oder zum Teil entrollt werden können. Neben Femidomen aus Kunststoff (Polyurethan oder Nitril) gibt es auch Femidome aus Latex und verschiedene Sonderformen. So gibt es Femidome, die nicht in einem oberen Ring enden, sondern in einem Schwamm.
Erprobt wurden auch hülsenförmige Vorrichtungen, die sich mit kleinen Haken am Vergewaltiger festsetzen sollen. Über das Prototypenstadium sind diese Konzepte nie hinausgekommen; zugelassene Produkte dieser Art gibt es nicht, und mit dem Femidom als Verhütungs- und Infektionsschutzmittel haben sie nichts zu tun.
Aufbau, Funktion & Wirkungsweise
Bei einem Femidom handelt es sich um eine bis zu 18 Zentimeter lange, an einem Ende geschlossene Hülle aus Kunststoff oder Latex mit je einem Ring am offenen und am geschlossenen Ende. Die beiden Ringe werden bei richtiger Anwendung einmal vor dem Eingang der Scheide, außerhalb dieser, und innen vor dem Muttermund positioniert.
Da der Muttermund sehr empfindlich ist, sollte man das Femidom nur so weit entrollen wie nötig – soweit, dass der Partner den Penis beim Geschlechtsakt weitgehend uneingeschränkt in der Scheide bewegen kann, aber ohne dass der obere Ring des Femidoms dauerhaft gegen den Muttermund der Gebärmutter stößt.
Das Femidom ist sehr weich und flexibel und passt sich so der Länge und Weite der Vagina an. Wie ein Diaphragma wird das Femidom vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt; anders als dieses wird es jedoch nicht über den Muttermund gestülpt. Hier wirkt es ähnlich wie ein Kondom, indem es einen direkten Kontakt des Penis und der Körperflüssigkeiten zwischen den beiden Partnern verhindert.
Hierdurch wird das Risiko einer Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten und einer ungewollten Schwangerschaft gesenkt. Femidom und Diaphragma werden häufig verwechselt: Das Diaphragma ist eine wiederverwendbare Kappe, die den Muttermund abdeckt, wird zusammen mit einem Verhütungsgel verwendet – in Deutschland auf Milchsäurebasis, das die Spermien unbeweglich macht – und schützt nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen.
Medizinischer & gesundheitlicher Nutzen
Bei korrekter Anwendung schützt das Femidom nicht nur vor einer ungewollten Schwangerschaft, sondern auch vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten.
Bestes Beispiel hierfür ist der HI-Virus, aber auch viele andere Krankheiten, die über die Schleimhäute übertragen werden können. Der Pearl-Index des Femidoms liegt übrigens bei etwa 5 bis 25. Das bedeutet, dass Statistiken nach rund 5 bis 25 von 100 befragten Frauen, die nachweislich ein Jahr lang mit dem Femidom verhütet haben, trotzdem schwanger wurden.
Als direkter Vergleich: Der Pearl-Index eines Kondoms für den Mann liegt bei 2 bis 12. Der Grund dafür, dass der Pearl-Index des Femidoms etwas schlechter ausfällt, ist das erhöhte Risiko, dieses falsch anzuwenden. Denn gerade bei der Passgenauigkeit und der richtigen Anwendung muss man unter Umständen etwas üben. Jedoch hat das Femidom auch jede Menge Vorteile vorzuweisen.
In der Gegenüberstellung zu anderen Verhütungsmitteln für Frauen, beispielsweise die Pille oder das Diaphragma, wird hier nicht nur vor einer Schwangerschaft geschützt, sondern auch vor der Übertragung von Krankheiten. Im Vergleich zu einem Kondom wird das Femidom von manchen Paaren als gefühlsechter und flexibler empfunden. Denn zum einen ist es nicht von der Steifheit des Penis abhängig und zum anderen kann es bereits Stunden vor dem eigentlichen Geschlechtsakt eingeführt werden.
Rechtliche Einordnung & Prüfung
Ein Femidom ist kein Arzneimittel, sondern ein Medizinprodukt. Die europäische Medizinprodukte-Verordnung führt Produkte zur Empfängnisverhütung ausdrücklich in ihrer Begriffsbestimmung auf, und das deutsche Arzneimittelgesetz nimmt Medizinprodukte umgekehrt von seinem eigenen Arzneimittelbegriff aus. Die Verordnung ordnet Produkte, die der Empfängnisverhütung oder dem Schutz vor der Übertragung sexuell übertragbarer Krankheiten dienen, der Klasse IIb zu – der zweithöchsten von vier Risikoklassen; nur implantierbare Produkte und invasive Produkte zur langzeitigen Anwendung stehen noch eine Stufe höher. Daraus folgt ein praktischer Unterschied zu einfachen Alltagsprodukten: Der Hersteller darf die Übereinstimmung mit den Anforderungen nicht allein erklären, sondern muss eine Benannte Stelle einschalten, die sein Qualitätssicherungssystem bewertet und die technischen Unterlagen prüft. Sichtbar wird das auf der Packung am CE-Zeichen, dem in diesem Fall die Kennnummer dieser Benannten Stelle folgt.
Was dabei zu prüfen ist, regelt eine eigene internationale Produktnorm, die ISO 25841 „Female Condoms – Requirements and Test Methods“. Zu den Prüfungen gehört bei Materialien, die vom klassischen, im Tauchverfahren hergestellten Naturkautschuklatex abweichen, ein Test der Barrierewirkung gegen Viren, für den ein sehr kleiner Bakteriophage als Prüfkörper dient. Für die Beschaffung durch die Vereinten Nationen kommt ein zweites Verfahren hinzu: Weltgesundheitsorganisation und UNFPA betreiben ein Präqualifizierungsprogramm, das die Herstellungsstätte jedes Produkts besichtigt, Proben prüft und den einmal erteilten Status in Abständen erneut bewertet.
Auch die Haltbarkeit ist Gegenstand der Prüfung und nicht der Schätzung. Nach den Festlegungen des zuständigen Sachverständigengremiums beider Organisationen muss ein Hersteller für sein Femidom eine Haltbarkeit von mindestens drei Jahren belegen; längere Angaben – bis zu sieben Jahren – sind möglich, verlangen aber entsprechende Stabilitätsuntersuchungen. Besteht das Produkt oder eines seiner Teile aus feuchtigkeitsempfindlichem Material, ist die Einzelpackung aus Aluminiumfolie zu fertigen. Für Zusatzelemente wie den oben erwähnten Schwamm gilt der Vorbehalt, dass sie sich anders verändern können als die Hülle selbst.
Gleitmittel und Materialverträglichkeit
Welches Gleitmittel zu einem Femidom passt, hängt am Material – und eine pauschale Antwort führt hier in die Irre. Naturkautschuklatex verliert nach einer gemeinsamen Empfehlung von Weltgesundheitsorganisation, UNFPA und FHI360 rasch an Festigkeit, sobald es mit ölhaltigen Mitteln in Berührung kommt; als Haushaltsprodukte, die Latex angreifen, nennt die Empfehlung unter anderem Babyöl, Speiseöl, Mineralöl, Körper- und Handlotion, Vaseline sowie Hämorrhoidencreme. Für Femidome aus Polyurethan gilt diese Einschränkung nach derselben Quelle nicht; dort ist nahezu jedes für den Menschen unbedenkliche Gleitmittel verwendbar. Auf andere Kunststoffe lässt sich das jedoch nicht übertragen – Polyisopren etwa reagiert auf Öl ähnlich empfindlich wie Latex. Aus welchem Material ein Femidom besteht, ist auf der Verpackung angegeben.
Zwei weitere Punkte betreffen die Sicherheit unmittelbar. Femidom und Männerkondom werden nicht gleichzeitig verwendet: Nach Auskunft des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit erhöht sich dadurch das Risiko, dass die Kondome reißen. Und jedes Femidom ist nach Angabe derselben Behörde ein Einmalartikel – anders als das Diaphragma, das mehrfach verwendet wird.
Empfindlich ist ein Femidom nicht nur gegen die falschen Gleitmittel. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit weist darauf hin, dass die Hülle beim Geschlechtsverkehr vollständig in die Vagina rutschen oder mit dem Penis herausgezogen werden kann und dabei Sperma in die Vagina gelangt; ein Gleitmittel wirkt dem entgegen. Auch das ungeöffnete Päckchen verträgt weder spitze Gegenstände noch Hitze, weshalb die Aufbewahrung in der Hosen- oder Kosmetiktasche und in der Sonne als ungeeignet gilt. Zwei Materialeigenschaften wirken sich unmittelbar auf den Alltag aus: Weil die meisten Femidome heute latexfrei sind, kommen sie auch für Frauen mit einer Latexallergie in Betracht; bei Polyurethan kann dafür ein hörbares Knistern auftreten, das manche beim Sex als störend empfinden.
Methodensicherheit und Gebrauchssicherheit
Dass der Pearl-Index des Femidoms in einer Spanne angegeben wird, ist kein Messfehler, sondern die Antwort auf zwei verschiedene Fragen. Die erste lautet: Wie viele Schwangerschaften treten ein, wenn alles richtig gemacht wird? Die zweite: Wie viele treten ein, wenn der Alltag mitgerechnet wird – mit Anwendungsfehlern, vergessener Verhütung und Pannen? Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit beziffert das erste mit etwa 50 Schwangerschaften je 1000 Frauen und Jahr, das zweite mit bis zu 210. Diese Schätzungen stützen sich auf wenige Studien aus den 1990er Jahren; zugleich gibt es Hinweise darauf, dass die Sicherheit mit wachsender Übung zunimmt.
Weil das Femidom rezeptfrei ist, fällt es aus der Kostenübernahme der gesetzlichen Krankenversicherung heraus. Diese trägt die Versorgung mit empfängnisverhütenden Mitteln nur bis zum vollendeten 22. Lebensjahr – und auch dann ausdrücklich nur bei verschreibungspflichtigen Mitteln. Femidome sind deshalb in jedem Lebensalter selbst zu bezahlen, während für die Pille oder ein Hormonpflaster in derselben Altersgruppe eine Erstattung in Betracht kommt. Zu haben sind Femidome in der Apotheke und im Versandhandel.
Alternativen
Das Femidom bietet Frauen eine Methode zur Kontrolle über ihre reproduktive Gesundheit und Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen. Es gibt jedoch auch alternative Verhütungsmethoden und Schutzmaßnahmen, die Frauen nutzen können:
1. Männliche Kondome: Die gängigste Alternative zum Femidom sind männliche Kondome. Sie werden über den erigierten Penis des Mannes gerollt und verhindern so den direkten Kontakt und den Austausch von Körperflüssigkeiten zwischen den Partnern, was die Übertragung von STIs und die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft minimiert. Männliche Kondome sind in der Regel leichter verfügbar und kostengünstiger als Femidome, erfordern jedoch die Kooperation des männlichen Partners.
2. Hormonelle Verhütungsmittel: Zu den hormonellen Verhütungsmethoden zählen die Pille, Vaginalringe, Verhütungspflaster und Hormonimplantate. Diese Methoden wirken durch die Regulierung der Hormone, die die Ovulation kontrollieren, und bieten einen sehr hohen Schutz vor Schwangerschaften, schützen jedoch nicht vor STIs. Hormonelle Verhütungsmittel erfordern eine ärztliche Verschreibung und regelmäßige Anwendung.
3. Intrauterinpessare (IUPs): IUPs sind kleine Kunststoffkörper, die von einem Arzt in die Gebärmutter eingesetzt werden und langfristigen Schutz vor Schwangerschaften bieten. Es gibt kupferhaltige IUPs und solche, die Hormone freisetzen. Wie hormonelle Verhütungsmittel bieten IUPs keinen Schutz vor STIs.
4. Diaphragmen und Zervixkappen: Diese barrierebasierten Methoden werden in die Vagina eingeführt, um den Gebärmutterhals abzudecken und so das Eindringen von Spermien zu verhindern. Sie werden zusammen mit einem Verhütungsgel verwendet und erfordern eine sorgfältige Platzierung und Entfernung nach dem Geschlechtsverkehr.
5. Natürliche Familienplanung: Methoden der natürlichen Familienplanung beinhalten das Überwachen von Zeichen der natürlichen Fruchtbarkeit, wie Basaltemperatur und Zervixschleim, um fruchtbare und unfruchtbare Tage zu bestimmen. Diese Methoden erfordern keine Medikamente oder Geräte, bieten jedoch keinen Schutz vor STIs und erfordern präzise tägliche Überwachung.
Jede dieser Methoden hat ihre eigenen Vor- und Nachteile, und die Wahl der geeigneten Methode hängt von individuellen Gesundheitsbedürfnissen, Lebensstil und persönlichen Präferenzen ab.
Quellen
- Weyerstahl, T., Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783132411012
- Kiechle, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe.
ISBN: 9783437424076
- Janni, W., Hancke, K., Fehm, T., Scholz, C. (Hrsg.): Facharztwissen Gynäkologie.
ISBN: 9783437239175
- Beier, K. M., Bosinski, H. A. G., Loewit, K.: Sexualmedizin.
ISBN: 9783437180781
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
