Haartransplantation

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. Mai 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Pro Tag fallen einem Menschen 200 bis 300 Haare aus. Da der Haarfollikel dabei intakt bleibt, wächst kurze Zeit später das Haar nach. Ist der Haarfollikel geschädigt, kann das Haar nicht nachwachsen, die Haarmenge nimmt ab (Alopezie). Eine Haartransplantation kann die kahlen Stellen mit neuen Haaren auffüllen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Haartransplantation?

Die Haartransplantation bezeichnet die Verpflanzung von Körperhaar. Haartransplantationen kommen vor allem bei Haarausfall zur Anwendung. Klicken, um zu vergrößern.

Unter Alopezie leiden fast ausschließlich Männer. Die Gründe für den Haarausfall sind in aller Regel erblich bedingt. Es liegt eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegen Dihydrotestosteron (DHT) vor.

DHT ist ein Steoridhermon und wird bei Überschuss vom Körper ausgeschieden. Kann es nicht ausgeschieden werden – die Neigung dazu ist erblich bedingt – verbleibt das überschüssige DHT im Körper und bewirkt eine Schädigung des Haarfollikels.

Ein geschädigter Follikel kann ein Haar nicht mehr halten, es fällt aus und wächst nicht nach. Sofern der Haarausfall erblich und nicht krankheitsbedingt ist, kann durch eine Haartransplantation fehlendes Haar ersetzt werden.

Geschichte & Entwicklung

Die Geschichte der Haartransplantation reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, aber die modernen Techniken begannen sich im 20. Jahrhundert zu entwickeln. Der erste dokumentierte Versuch einer Hauttransplantation, bei der Haare transplantiert wurden, stammt aus dem Jahr 1822, als der deutsche Chirurg Johann Friedrich Dieffenbach experimentierte, um Wimpern und Augenbrauen zu ersetzen.

Ein bedeutender Fortschritt erfolgte in den 1930er Jahren in Japan, als Dr. Shoji Okuda eine Technik entwickelte, bei der kleine Hautstücke mit Haaren zur Behandlung von Kopfhautverletzungen transplantiert wurden. Diese Methode, bekannt als "Punch Grafting", legte den Grundstein für die moderne Haartransplantation.

In den 1950er Jahren brachte der amerikanische Dermatologe Dr. Norman Orentreich die Haartransplantation in den Westen und führte Studien durch, die zeigten, dass transplantierte Haare ihre ursprünglichen genetischen Eigenschaften beibehalten. Diese Entdeckung führte zur Entwicklung der "Donor Dominance"-Theorie, die besagt, dass transplantierte Haare ihre Resistenz gegen Haarausfall beibehalten.

In den 1980er Jahren führte Dr. William Rassman die Technik der Follicular Unit Transplantation (FUT) ein, bei der Haarfollikel in natürlichen Gruppierungen transplantiert werden. Diese Methode verbesserte die Natürlichkeit und das Erscheinungsbild der transplantierten Haare erheblich.

Ein weiterer Meilenstein war die Entwicklung der Follicular Unit Extraction (FUE) in den späten 1990er Jahren. Diese Technik, bei der einzelne Haarfollikel extrahiert und transplantiert werden, reduzierte die Narbenbildung und verkürzte die Erholungszeit im Vergleich zur FUT.

Heute sind Haartransplantationen dank technologischer Fortschritte und verfeinerter Techniken weit verbreitet und bieten natürliche und dauerhafte Lösungen für Menschen mit Haarausfall. Die kontinuierliche Forschung und Innovation in diesem Bereich verbessern weiterhin die Ergebnisse und die Patientenerfahrung.

Einsatz & Indikation

Eine Haartransplantation wird in der Regel durchgeführt, um Haarausfall zu behandeln, der durch verschiedene Faktoren verursacht wird. Der häufigste Grund ist androgenetische Alopezie, auch bekannt als erblich bedingter Haarausfall oder männlicher Haarausfall. Diese Form des Haarausfalls betrifft sowohl Männer als auch Frauen und ist durch eine fortschreitende Ausdünnung der Kopfhaare gekennzeichnet, die oft zu kahlen Stellen führt.

Eine Haartransplantation wird notwendig, wenn konservative Behandlungen wie Medikamente (z.B. Minoxidil oder Finasterid) nicht den gewünschten Erfolg bringen oder wenn der Haarausfall so weit fortgeschritten ist, dass kosmetische Beeinträchtigungen vorliegen. Sie wird auch bei Patienten durchgeführt, die unter Haarausfall aufgrund von Narbenbildung nach Unfällen oder Operationen leiden, sowie bei Personen, die genetisch bedingte oder durch Krankheiten verursachte kahle Stellen haben.

Die Entscheidung für eine Haartransplantation hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Alter des Patienten, das Ausmaß des Haarausfalls, die Dichte der Spenderhaare und die allgemeinen Gesundheitsbedingungen. Idealerweise sollte der Patient über ausreichende Spenderhaare im hinteren oder seitlichen Bereich der Kopfhaut verfügen, da diese Haare genetisch resistent gegen Haarausfall sind und nach der Transplantation weiterhin wachsen.

Haartransplantationen sind auch bei Augenbrauen-, Bart- und Körperhaarrekonstruktionen möglich, wenn diese aus ästhetischen oder rekonstruktiven Gründen notwendig sind. In all diesen Fällen bietet die Haartransplantation eine dauerhafte Lösung, um das Haarvolumen und das ästhetische Erscheinungsbild zu verbessern, was oft zu einer gesteigerten Lebensqualität und Selbstzufriedenheit der Patienten führt.

Vorteile & Nutzen

Eine Haartransplantation bietet mehrere Vorteile gegenüber anderen Behandlungs- und Untersuchungsmethoden bei Haarausfall. Einer der Hauptvorteile ist die Dauerhaftigkeit des Ergebnisses. Während topische Behandlungen wie Minoxidil und orale Medikamente wie Finasterid nur wirken, solange sie kontinuierlich angewendet werden, bietet eine Haartransplantation eine permanente Lösung. Die transplantierten Haare stammen aus Bereichen, die genetisch resistent gegen Haarausfall sind, wodurch sie lebenslang weiterwachsen.

Ein weiterer Vorteil ist die Natürlichkeit des Ergebnisses. Moderne Techniken wie die Follicular Unit Transplantation (FUT) und die Follicular Unit Extraction (FUE) ermöglichen es, Haarfollikel in ihren natürlichen Gruppierungen zu transplantieren. Dies führt zu einem ästhetisch ansprechenden und natürlichen Erscheinungsbild, das schwer von natürlichem Haarwuchs zu unterscheiden ist.

Die geringe Invasivität und die schnelle Erholungszeit sind ebenfalls bedeutende Vorteile. Insbesondere die FUE-Methode hinterlässt minimale Narben und erfordert nur eine kurze Erholungszeit. Die Patienten können in der Regel innerhalb weniger Tage zu ihren normalen Aktivitäten zurückkehren.

Darüber hinaus ist die Haartransplantation universell anwendbar. Sie eignet sich nicht nur für die Kopfhaut, sondern kann auch zur Rekonstruktion von Augenbrauen, Bart und anderen Körperbereichen eingesetzt werden. Dies bietet eine umfassende Lösung für verschiedene Arten von Haarausfall und ästhetischen Bedürfnissen.

Kosteneffizienz ist ein weiterer Vorteil. Trotz der höheren Anfangskosten im Vergleich zu medikamentösen Behandlungen sind die langfristigen Kosten niedriger, da keine fortlaufenden Ausgaben für Medikamente anfallen.

Die psychologischen Vorteile sind ebenfalls erheblich. Eine erfolgreiche Haartransplantation kann das Selbstbewusstsein und die Lebensqualität der Patienten erheblich verbessern, da sie sich wieder wohler in ihrer Haut fühlen.

Funktion Wirkung & Ziele

Bei einer Haartransplantation – welche üblicherweise mit eigenem Haar vorgenommen wird – haben sich zwei Verfahren als wirkungsvoll erwiesen.

Zum einen gibt es das Verfahren des Follicular Unit Extraction (FUE), zum anderen das Verfahren der Streifenentnahme (FUI). Eine Haartransplantation nach der FUE-Methode funktioniert wie folgt: An den Stellen des Kopfes, an denen das Haar noch voll ist, entnimmt der Operateur einzelne Haarfollikel. Dafür verwendet er eine Hohlnadel, mit der er den Follikel „absaugt“. Der Follikel wird anschließend in eine Nährlösung gegeben und aufbereitet.

Anschließend wird der Follikel an den zuvor gekennzeichneten kahlen Stellen eingebracht. Bei der FUI- oder Streifenentnahme werden ganze Streifen behaarter Stellen entnommen und anschließend in einzelne Follikel zerlegt. Auch hier folgen eine Aufbereitung der Follikel und das Verpflanzen auf die kahlen Stellen. Bei der Streifenmethode ist meist nur eine Sitzung notwendig, und die Haartransplantation ist abgeschlossen.

Bei der sehr viel aufwendigeren Methode nach FUE sind meist mehrere Sitzungen notwendig, um ein zufriedenstellendes Ergebnis der Haartransplantation zu erreichen. Welches Verfahren angewendet wird, ist wesentlich von der Ausgangssituation abhängig. Ist ein relativ dichter Haarkranz vorhanden, ist die wesentlich kostengünstigere Methode nach FUI für eine erfolgreiche Haartransplantation durchaus geeignet. Ist kein dichter Haarkranz mehr vorhanden, bietet sich eher die FUE-Methode an. Die Einzelentnahme der Follikel sorgt dafür, dass nicht an anderer Stelle lichte Flächen entstehen. Mit beiden Methoden wird das Ziel, an zuvor kahlen Stellen wieder Haare wachsen zu lassen, erreicht.

Haartransplantationen werden unter leichter Narkose vorgenommen, die Dauer der Haartransplantation richtet sich nach der Menge der Haare, die verpflanzt werden sollen. Während der Haartransplantation sitzt der Patient, so kommt der Operateur optimal an alle Stellen des Kopfes heran. Da die Narkose nur leicht ist, kann der Patient unmittelbar nach der Haartransplantation die Klinik verlassen, sollte sich jedoch von einer Person begleiten lassen. Nach 2 weiteren Tagen der Erholung ist die Haartransplantation zunächst abgeschlossen.


Durchführung & Ablauf

Eine Haartransplantation umfasst mehrere Schritte, die sorgfältig durchgeführt werden, um ein natürliches und dauerhaftes Ergebnis zu erzielen. Der Prozess beginnt mit einer umfassenden Konsultation, bei der der Chirurg die Kopfhaut des Patienten untersucht, den Grad des Haarausfalls bewertet und eine geeignete Behandlungsstrategie entwickelt.

1. Vorbereitung und Anästhesie: Am Tag der Operation wird die Spenderregion, normalerweise der Hinterkopf, rasiert und desinfiziert. Lokalanästhetika werden sowohl in die Spender- als auch in die Empfängerregion injiziert, um die Prozedur schmerzfrei zu gestalten.

2. Extraktion der Haarfollikel:

  • Follicular Unit Transplantation (FUT): Bei dieser Methode wird ein Streifen Haut aus der Spenderregion entnommen. Die Follikel werden dann unter einem Mikroskop präzise isoliert.
  • Follicular Unit Extraction (FUE): Einzelne Haarfollikel werden direkt aus der Kopfhaut extrahiert. Dies geschieht mit einem speziellen Gerät, das minimale Narben hinterlässt.

3. Vorbereitung der Empfängerregion: Der Chirurg erstellt kleine Schnitte oder Löcher in der kahlen oder dünnen Region der Kopfhaut. Die Platzierung und Richtung dieser Schnitte sind entscheidend, um ein natürliches Haarwachstum zu gewährleisten.

4. Implantation der Haarfollikel: Die extrahierten Haarfollikel werden einzeln in die vorbereiteten Bereiche implantiert. Dieser Schritt erfordert Präzision und Geschick, um sicherzustellen, dass die Haare in einem natürlichen Winkel und Muster wachsen.

5. Nachsorge: Nach der Transplantation erhält der Patient Anweisungen zur Pflege der Kopfhaut und zur Förderung der Heilung. Es können Medikamente verschrieben werden, um Schwellungen zu minimieren und Infektionen vorzubeugen. Die Heilungsphase variiert, aber die meisten Patienten können innerhalb weniger Tage ihre normalen Aktivitäten wieder aufnehmen.

6. Ergebnisse und Wachstum: Die transplantierten Haare fallen in den ersten Wochen oft aus, bevor sie nach etwa drei bis vier Monaten wieder nachwachsen. Das volle Ergebnis ist in der Regel nach 12 bis 18 Monaten sichtbar.

Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Eine Haartransplantation ist nicht gänzlich frei von Risiken. Die Operation selbst ist eher klein, die Narkose leicht. Trotzdem können während der Operation oder danach Schmerzen auftreten, gegen die ein Schmerzmittel gegeben werden kann.

Weitere Operationsrisiken bestehen nicht. Es kommt jedoch vor, dass transplantierte Haare nicht anwachsen und sich erneut kahle Stellen zeigen. Die Haartransplantation muss in einem solchen Fall wiederholt werden, sonst ist kein gutes Ergebnis möglich. Wird die Streifenmethode gewählt, können Narben zurückbleiben. Besonders dann, wenn es zu einer Wundheilungsstörung kommt – etwa, wenn Bakterien in die Wunde gelangen – werden die Wunden Zeit brauchen, bis sie abheilen.

Manche Menschen neigen außerdem dazu, wulstartiges Narbengewebe zu bilden. Auch in diesem Fall werden die Narben an den Entnahmestellen dauerhaft sichtbar bleiben. Es ist dann kaum möglich, das Haar im Bereich der Entnahmestellen kurz zu tragen. Mitunter kommt es vor, dass unerfahrene Operateure das Haar entgegen der natürlichen Wuchsrichtung transplantieren. So bleibt dauerhaft sichtbar, an welcher Stelle eine Haartransplantation vorgenommen wurde.

Alternativen

Es gibt mehrere alternative Verfahren zur Haartransplantation, die in Betracht gezogen werden können, wenn eine Haartransplantation nicht möglich oder nicht gewünscht ist.

1. Medikamente:

Minoxidil: Ein topisches Mittel, das direkt auf die Kopfhaut aufgetragen wird, um das Haarwachstum zu fördern und Haarausfall zu verlangsamen. Es ist für Männer und Frauen geeignet und in verschiedenen Konzentrationen erhältlich.

Finasterid: Ein orales Medikament, das hauptsächlich für Männer verwendet wird. Es wirkt, indem es die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) hemmt, ein Hormon, das für Haarausfall verantwortlich ist.

2. Low-Level-Lasertherapie (LLLT):

Diese Therapie verwendet niedrig dosierte Laserstrahlen, um die Durchblutung der Kopfhaut zu verbessern und das Haarwachstum zu stimulieren. LLLT ist nicht invasiv und kann in klinischen Umgebungen oder zu Hause mit speziellen Geräten durchgeführt werden.

3. Platelet-Rich Plasma (PRP):

PRP-Therapie beinhaltet die Entnahme von Blut, das dann zentrifugiert wird, um das plättchenreiche Plasma zu isolieren. Dieses Plasma wird dann in die Kopfhaut injiziert, um das Haarwachstum zu fördern. PRP nutzt die körpereigenen Wachstumsfaktoren, um die Haarfollikel zu stimulieren.

4. Microneedling:

Bei diesem Verfahren wird ein Gerät mit winzigen Nadeln verwendet, um die Kopfhaut leicht zu verletzen. Dies fördert die Produktion von Kollagen und verbessert die Durchblutung, was das Haarwachstum unterstützen kann.

5. Haarersatzsysteme:

Perücken und Haarteile: Diese bieten eine sofortige Lösung für Haarausfall und können speziell angepasst werden, um natürlich auszusehen und sich angenehm zu tragen.

Haarintegrationssysteme: Diese Systeme integrieren echtes oder synthetisches Haar mit dem verbleibenden natürlichen Haar des Patienten und bieten ein dauerhaftes und realistisches Aussehen.

6. Ästhetische Behandlungen:

Kopfhautpigmentierung: Eine kosmetische Tätowierung, die das Aussehen von dichtem Haar simuliert, indem winzige Punkte auf die Kopfhaut tätowiert werden, die wie Haarfollikel aussehen.

Diese Alternativen bieten verschiedene Möglichkeiten, Haarausfall zu behandeln und zu managen, je nach den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben des Patienten.

Quellen

  • Largiadèr, F., Saeger, H.-D., Keel, M.J.B.: Checkliste Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Raab, W.: Haarerkrankungen in der dermatologischen Praxis. Springer, Heidelberg 2012
  • Vogt, P. M.: Praxis der Plastischen Chirurgie. Springer, Heidelberg Berlin 2011

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