Irukandji-Syndrom

Letzte Aktualisierung am 21. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Unter dem Begriff Irukandji-Syndrom werden Symptome zusammengefasst, die durch Nesselgifte einer kleinen Gruppe von Würfelquallen hervorgerufen werden können. Typische Symptome sind heftige Brust-, Rücken- und Kopfschmerzen sowie Muskelkrämpfe, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bluthochdruck und Schweißausbrüche. In einigen schweren Fällen des normalerweise nicht-tödlichen Irukandji-Syndroms kommt es auch zu Lungenödemen und Gehirnblutungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Irukandji-Syndrom?

Das Irukandji-Syndrom stellt eine Zusammenfassung der Symptome dar, die durch Berührung mit dem Nesselgift einer kleinen Gruppe von Würfelquallen (Cubozoa) entstehen können. Der Name Irukandji-Syndrom leitet sich von der Würfelqualle Irukandji (Carukia barnesi) ab, weil irrtümlich angenommen wurde, dass die Vergiftungen ausschließlich von dieser Würfelqualle hervorgerufen werden.

Der Name der Irukandji-Qualle geht auf einen in den Northern Territories Australiens beheimateten Stamm der Aborigines zurück. Die Qualle Irukandji ist mit ihren zwei Zentimeter Schirmdurchmesser und bis zu einem Zentimeter langen mit Nesselzellen besetzten Tentakeln im Wasser kaum auszumachen. Die Berührung mit einem der Nesseltentakeln ist kaum unmittelbar zu spüren und im taktilen Gefühl in etwa vergleichbar mit einem Mückenstich.

Die typischen Symptome des Irukandji-Syndroms stellen sich bei etwa zwei Drittel aller Menschen ein, deren Haut mit dem Nesselgift in Berührung kommt. Die Symptome treten mit 30 bis 60 minütiger Verzögerung ein ab dem Eindringen des Giftes in die Haut. Normalerweise lassen die starken Beschwerden bald wieder nach, nur in Ausnahmefällen können sich ernsthafte Komplikationen wie Lungenödeme durch Einblutungen oder Hirnblutungen einstellen.

Ursachen

Die Symptome des Irukandji-Syndroms werden von dem Gift verursacht, das die Nesselzellen der Tentakel bei Berührung in die Haut „schießen“. Die Nesselzellen der Würfelqualle Irukandji enthalten einen mit Widerhaken besetzten Nesselschlauch und einen Vorrat an ihrem spezifischen Neurotoxin. Eine Sinnesgeißel (Cilie), die aus der Zelle herausragt, aktiviert bei Berührung den „Schussmechanismus“, die Zelle platzt auf und der Nesselschlauch bohrt sich in die Haut und injiziert das Gift.

Die Sinnesgeißel entspricht in ihrem Aufbau und Arbeitsprinzip dem von Mechanorezeptoren. Das injizierte Gift ist ein komplexes Neurotoxin, dessen Zusammensetzung und Wirkungsweise (noch) nicht hinreichend geklärt ist. Die Quallen verfügen über Nesselzellen auf ihrem Schirm und an ihren Tentakeln. Die Nesselzellen des Schirms und der Tentakel enthalten unterschiedliche Gifte. Wenn auch die Struktur beider Gifte nicht vollständig bekannt ist, wird als gesichert angenommen, dass das Quallengift eine Komponente enthält, die die glatte Muskulatur des Herzmuskels angreift, also kardiomyopathisch wirkt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Wenige Minuten nach Hautkontakt mit dem Nesselgift der Würfelqualle – meist aber erst nach 30 bis 60 Minuten - zeigen circa zwei Drittel der betroffenen Menschen typische Symptome wie starke Brust-, Rücken- und Kopfschmerzen. Es stellen sich Muskelkrämpfe und Bauchschmerzen ein, die von heftigen Brechreizen begleitet werden.

Akute und krisenhafte Bluthochdruckphasen treten auf, gepaart mit Schweißausbrüchen. Die Symptome können auch in sich wiederholenden zyklischen Mustern auftreten. In den meisten Fällen stellt sich eine vorübergehende Todesangst ein. In Einzelfällen kommt es zu Komplikationen wie Lungen- oder Hirnblutungen, die von den akuten Bluthochdruckphasen verursacht werden können. Da die Einstiche der Nesselschläuche in die Haut häufig nicht bemerkt werden, gibt es in der Regel keine Frühwarnzeichen, die auf die kommenden krisenhaften, äußerst schmerzhaften, Symptome hinweisen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Irukandji-Würfelquallen treten in der Regel nicht isoliert auf, so dass ihr Vorkommen in bestimmten Küstenabschnitten Australiens zu bestimmten Jahreszeiten bekannt ist und Warnschilder an den Stränden darauf hinweisen. Das schockartige Erscheinungsbild der Symptome in Verbindung mit der Möglichkeit, dass an dem entsprechenden Strand vereinzelt mit Irukandji-Würfelquallen gerechnet werden muss, erübrigen zunächst weitere Diagnoseverfahren.

Wenn sich aufgrund der akuten Bluthochdruckphasen keine weiteren Komplikationen wie Lungenödeme oder Hirnblutungen einstellen, klingen die Symptome nach einiger Zeit wieder ab. Ein direktes Gegengift, das die Wirkung der injizierten Neurotoxine aufheben könnte, gibt es (noch) nicht. An den Küsten Australiens, dem Hauptverbreitungsgebiet der Quallen, sind jährlich etwa 60 Menschen vom Irukandji-Syndrom betroffen.

Komplikationen

Durch das Irukandji-Syndrom kommt es zu verschiedenen Beschwerden und Komplikationen. Im schlimmsten Falle kann es ohne Behandlung zum Tode des Patienten führen, wenn es zu Blutungen und Lähmungen im Gehirn oder in der Lunge kommt. Aus diesem Grund sollten Berührungen mit Quallen grundsätzlich immer von einem Arzt behandelt werden. Die meisten Betroffenen leiden dabei an starken Schmerzen im Rücken und am Kopf.

Diese Schmerzen können sich nicht selten auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten und dort zu Beschwerden führen. Nicht selten leiden die Patienten auch an Erbrechen und an einer Übelkeit. Weiterhin kommt es zu Schweißausbrüchen und nicht selten auch zu einer Todesangst. Die Lebensqualität des Betroffenen wird durch das Irukandji-Syndrom erheblich eingeschränkt und verringert. Die betroffenen Stellen schmerzen dabei oft sehr stark und schwellen an.

Bei der Behandlung selbst kann es dann zu Komplikationen kommen, wenn Blasen auf der Haut aufplatzen und es damit zu einer Vergiftung kommt. In der Regel können Medikamente und Schmerzmittel die Beschwerden lösen. Die Lebenserwartung wird nicht verringert, wenn die Behandlung frühzeitig eingeleitet wird. Auch weitere Vergiftungen können mit Hilfe von Medikamenten vorgebeugt werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Arztbesuch ist erforderlich, sobald sich auffällige Hautveränderungen einstellen. Kommt es zu schmerzenden Einstichen am Körper, besteht Handlungsbedarf. Die Einstiche befinden sich häufig am Rücken, Bauch, im Brustbereich und an den Extremitäten. Schwellen die betroffenen Regionen an oder zeigen sich Verfärbungen auf der Haut, wird ein Arzt benötigt. Bei einer inneren Unruhe, starker Reizbarkeit, einem Krankheitsgefühl oder, wenn der Glaube, dass der eigene Tod bevorsteht, beherrschend ist, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Stellen sich starke Ängste ein, kommt es zu panischen Anfällen oder einem aggressiven Verhalten, ist ein Arztbesuch erforderlich.

Bei Schweißausbrüchen, Erbrechen, Übelkeit und Schwindel, sollten nähere Untersuchungen zur Abklärung der Ursache stattfinden. Nehmen vorhandene Beschwerden innerhalb kurzer Zeit rasant an Intensität zu, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Kommt es zu Bluthochdruck, Muskelkrämpfen und einem plötzlichen Gefühl des Brechreizes, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Das Irukandji-Syndrom zeichnet sich durch ein schnelles und plötzliches Auftreten der Symptome aus. Häufig werden die Einstiche nicht bemerkt, jedoch innerhalb von 30-60 Minuten starke Beschwerden wahrgenommen. Da es in schweren Fällen zu Hirn- oder Lungenblutungen kommen kann, ist ein Arzt schnellstmöglich aufzusuchen. Bei Bewusstseinsstörungen, Atembeschwerden oder einem blutigen Auswurf muss ein Rettungsdienst alarmiert werden. Erste Hilfe Maßnahmen sind erforderlich, um das Überleben des Betroffenen zu sichern.

Therapie & Behandlung

Bei ersten Anzeichen, die auf das Irukandji-Syndrom hinweisen, besteht die wichtigste Maßnahme darin, an der Haut anhaftende Nesselzellen, die noch nicht „gefeuert“ haben, also noch intakt sind, am Aufplatzen zu hindern, um weitere Vergiftungen zu vermeiden. Am wirksamsten hat sich das Abwaschen der betroffenen Hautstellen mit Essig erwiesen. Der niedrige pH-Wert verhindert die Aktivierung der noch intakten Nesselzellen, weil die Cilien, die Sinneshärchen der Nesselzellen, in dem stark sauren Milieu inaktiviert werden.

Abwaschen mit Trink- oder Salzwasser ist kontraproduktiv, weil die Cilien der Nesselzellen dann auslösen und es zu weiteren Vergiftungen kommt. Ebenso dürfen sichtbare Tentakel nicht mechanisch entfernt werden, weil dadurch weitere Nesselzellen zum Aufplatzen gebracht werden mit der Konsequenz, dass weiteres Gift in die Haut eingebracht wird. Um die starken Schmerzen erträglicher zu machen, kommt eine Behandlung mit opioiden Schmerzmitteln in Betracht.

Auch eine Behandlung mit Magnesiumsulfat kann hilfreich sein, weil Magnesiumsulfat eine krampflösende Wirkung hat. Während die äußere Anwendung von Essig lediglich der Vorbeugung vor zusätzlichen Vergiftungen schützen soll, dienen alle weiteren Maßnahmen der Symptombekämpfung, weil (noch) kein Mittel existiert, das das Neurotoxin der Irukandji-Quallen neutralisieren könnte.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose des Irukandji-Syndroms ist abhängig von den gewählten Schritten nach einem Kontakt mit der Nesselqualle. Wird schnellstmöglich eine medizinische Versorgung in Anspruch genommen, ist die Aussicht auf eine Heilung günstig.

Beginnt der Betroffene, die betroffenen Stellen mit Trink- oder Salzwasser zu reinigen, verschlechtert sich die Prognose. Es kommt bei diesem Vorgehen zu einer Zunahme der Beschwerden, da diese Handlung zu einer Ausbreitung der erlittenen Vergiftung führt. Bei schweren Vergiftungen droht dem Betroffenen ohne eine medizinische Behandlung ein tödlicher Verlauf. Es kann zu Blutungen der Lunge oder des Gehirns kommen. Lähmungen und Gewebeschäden sind die Folge. Die Blutungen lösen irreparable Schädigungen im Organismus aus und können unbehandelt den Tod des Patienten herbeiführen. Überlebt ein Betroffener trotz innerer Blutungen, muss er mit starken Einschränkung seiner Lebensqualität rechnen.

Die beste Prognose erhalten Patienten, die unmittelbar nach dem Kontakt mit der Qualle die betroffene Stelle mit Essigwasser abwaschen und anschließend sofort einen Arzt konsultieren. Es hat sich gezeigt, dass dieses Vorgehen die Vergiftung eingedämmt und im weiteren Verlauf stoppt. Die anschließenden Behandlungsmaßnahmen konzentrieren sich auf die Heilung der Hautveränderungen, bis sich eine Beschwerdefreiheit einstellt. Es kann dennoch zu einer Narbenbildung auf der Haut oder anderen Rückständen kommen.

Vorbeugung

Direkt vorbeugende Maßnahmen, die das Auftreten des Irukandji-Syndroms nach Kontakt mit dem Neurotoxin der kleinen Irukandji-Würfelquallen verhindern könnten, sind nicht bekannt. Der wichtigste Schutz besteht darin, Gewässer mit bekanntem Vorkommen der Quallen zu meiden oder beim Baden, Schwimmen und Tauchen entsprechende Schutzanzüge zu tragen, die in den betroffenen Küstenregionen – hauptsächlich in Australien – angeboten werden.

Das können Sie selbst tun

Einige Beschwerden des Irukandji-Syndroms können vermieden werden, indem der Betroffene einige Punkte beachtet. In der Regel sind anstrengende und vor allem stressige Situationen zu vermeiden, da diese zu einem hohen Blutdruck und weiterhin zu Schweißausbrüchen oder zu starken Kopfschmerzen führen können. Im Falle von Angstzuständen oder bei einer Todesangst muss der Betroffene auf jeden Fall beruhigt werden. In schwerwiegenden Fällen kann dabei auch ein Notarzt gerufen werden. Der Patient muss auf eine regelmäßige und tiefe Atmung achten, um das Bewusstsein nicht zu verlieren. Sollte es zu einem Bewusstseinsverlust kommen, so ist ein Besuch im Krankenhaus notwendig, um Blutungen im Gehirn oder in der Lunge auszuschließen. Bis zum Eintreffen des Notarztes ist eine sichere Atmung und eine stabile Seitenlage sicherzustellen.

Die durch die Nesselzellen entstandenen Blasen auf der Haut dürfen beim Irukandji-Syndrom auf keinen Fall aufplatzen, da es dadurch zu Infektionen oder zu Vergiftungen kommen kann. Mögliche Krämpfe können dabei durch Magnesiumsulfat behandelt werden, wobei das Medikament immer griffbereit sein sollte. Sollten die Blasen allerdings aufplatzen, so können sie mit Essig ausgewaschen werden, um Infekte zu verhindern.

Quellen

  • Plewig, G. et al.: Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Springer, Heidelberg 2012
  • Reichl, F.-X.: Taschenatlas der Toxikologie. Thieme, Stuttgart 2009
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin. Springer, Heidelberg 2011


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