Vergiftung
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Eine Vergiftung oder Intoxikation ist eine krankhafte Funktionsstörung, die durch verschiedenartige Gifte (Toxine) verursacht worden ist. Diese Gifte dringen zumeist in den Blutkreislauf des Menschen ein und können schwere Krankheitsbeschwerden auslösen. Unbehandelt kann eine Vergiftung häufig auch zum Tod führen. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass bei einer Vergiftung schnellstens ein Arzt oder Krankenhaus aufgesucht werden sollte.
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Was ist eine Vergiftung?
Als Vergiftung wird die Aufnahme eines toxisch wirkenden Stoffs in Mengen bezeichnet, die lebensbedrohlich oder zumindest sehr riskant für die Gesundheit sein und zu Komplikationen und bleibenden Schäden führen können. Als Auslöser einer Vergiftung kommt jeder Stoff in Frage, der sich erheblich negativ auf die Gesundheit des Menschen auswirkt und beispielsweise den Ausfall oder die Beeinträchtigung von Organen zur Folge haben kann. Aus diesen Umständen heraus resultieren meist auch die lebensgefährlichen Umstände einer Vergiftung.
Typische und häufig auftretende Vergiftungen beim Menschen sind Pilzvergiftung und Lebensmittelvergiftung. Aber auch Vergiftungen durch verseuchtes Wasser kommen nicht selten vor. Auch das Gift einer Schlange oder anderer Tiere kann eine Vergiftung im Menschen hervorrufen.
Ursachen
Andere Giftstoffe sind schädlich, da sie beispielsweise die Muskelzellen blockieren und dafür sorgen, dass Herz- und Atemmuskulatur ausfallen und der Mensch dadurch stirbt. Eine Vergiftung entsteht immer dann, wenn ausreichend Schadstoffe im menschlichen Körper vorhanden sind, um Symptome hervorzurufen. Bei einigen Substanzen reichen bereits geringste Mengen, so etwa im Fall des Botulinumtoxins. Eine Vergiftung kann aber auch durch andere Stoffe entstehen, die an sich nicht giftig sind, aber eine Vergiftung hervorrufen können, wenn sie in zu großer Menge den Körper belasten - zu ihnen gehören beispielsweise Eisen und Ethanol.
Häufige Vergiftungen
- Lebensmittelvergiftung
- Alkoholvergiftung
- Pilzvergiftung
- Schlangenbissvergiftung
- Salmonellenvergiftung
- Schwermetallvergiftung
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Je nach Vergiftungsart können die auftretenden Symptome sehr unterschiedlich sein. Auf eine Vergiftung deuten oftmals Beschwerden des Magen-Darm-Trakts wie Magenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfall hin. Als begleitende Beschwerden können Kopfschmerzen auftreten. Außerdem kommen als Vergiftungssymptome Schwindel, Schweißausbrüche und Krämpfe sowie ein Kreislaufkollaps in Betracht.
Giftstoffe, die über die Haut oder Schleimhäute wirken, verursachen häufig Lähmungserscheinungen und verstärkten Speichelfluss. Dabei kann sich Hautausschlag bilden. Abhängig von der giftigen Substanz zeigen sich Anzeichen für eine Vergiftung unterschiedlich schnell. Nach einem Schlangenbiss können Vergiftungserscheinungen wie Atemnot, Lähmungserscheinungen und Schweißausbrüche binnen Sekunden eintreten.
Durch Vergiftungen können körperliche Abwehrreaktionen wie Fieber hervorgerufen werden. Schwerwiegende Vergiftungen können zur eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeit bis zur Bewusstlosigkeit führen. Unbehandelte Vergiftungen können ein Herz-Kreislauf-Versagen oder einen Atemstillstand bewirken.
Eine Vergiftung kann ebenfalls Beschwerden wie Luftnot, Müdigkeit sowie Abgeschlagenheit verursachen. Häufig treten Symptome nach Lebensmittelvergiftungen auf. Ungewaschenes, gespritztes Obst oder zur Haltbarkeit verwendete chemische Substanzen können zu Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen führen. Stärkere Reaktionen des Körpers können durch eine Pilzvergiftung auftreten.
Es kann neben Magenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen zu heftigen Beschwerden wie Lähmungen, Herzrasen und Halluzinationen kommen. Fischvergiftungen können Bauchkrämpfe und massive Magen-Darm-Beschwerden sowie Schüttelfrost und Fieber auslösen. Eine Alkoholvergiftung wird von Symptomen wie Gleichgewichtsstörungen, Bewusstseinsstörungen, Übelkeit und Erbrechen begleitet.
Komplikationen
Eine Vergiftung kann zu sehr schweren Beschwerden und im schlimmsten Fall auch zum Tod des Betroffenen führen. In der Regel tritt der Tod allerdings erst dann ein, wenn es sich um eine sehr schwere Vergiftung handelt, die weiterhin nicht behandelt wird. Auch die einzelnen Symptome hängen dabei stark von der genauen Art der Vergiftung ab, sodass hier keine allgemeine Voraussage erfolgen kann.
Die Betroffenen fühlen sich unwohl und es kommt zu einer inneren Unruhe oder zu einer Verwirrtheit. Auch Erbrechen oder Übelkeit können durch die Vergiftung auftreten und sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken. Die Patienten können auch an starken Schmerzen oder an Beschwerden im Bereich des Magens und des Darms leiden. Weiterhin führt eine Vergiftung in schwerwiegenden Fällen zu einem Bewusstseinsverlust.
Mitunter kann auch eine Blutvergiftung eintreten. Die Behandlung richtet sich immer nach der Art der Vergiftung. Auch bei rascher Behandlung kann das Leben des Patienten nicht in jedem Fall gerettet werden. Bei leichten Vergiftungen kommt es meistens zu einem positiven Krankheitsverlauf.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Zeigen sich nach dem Konsum von Lebensmitteln Beschwerden und plötzliche Veränderungen der Gesundheit, besteht Anlass zur Besorgnis. Bei Unwohlsein, einer inneren Schwäche oder Schwindel sollte ein Arzt aufgesucht werden. Magenkrämpfe, Durchfall oder rasche Veränderungen des Blutdrucks weisen auf eine gesundheitliche Beeinträchtigung hin, die untersucht und behandelt werden muss. Zeigen sich Verfärbungen, allgemeine Funktionsstörungen oder Störungen der Mobilität, ist dies von einem Arzt abklären zu lassen. In schweren Fällen muss über den Notruf 112 ein Rettungsdienst alarmiert werden. Bei Vergiftungen droht das plötzliche Ableben des Betroffenen.
Bis zur Ankunft eines Notarztes sind von anwesenden Personen Maßnahmen der Ersten Hilfe zu ergreifen. Treten die gesundheitlichen Veränderungen auf, obwohl keine Nahrungsmittel oder Flüssigkeiten konsumiert wurden, können sich Gase oder andere Schadstoffe in der Luft befinden. Es besteht ebenfalls ein schneller Handlungsbedarf, da die Giftstoffe über die Atmung in den Organismus gelangen und gleichermaßen schädlich sind. Bei Muskelkrämpfen, Erbrechen oder einem Zusammenbruch des Kreislaufs benötigt der Betroffene Hilfe. Der Verlust des Bewusstseins, Einbußen des Sehvermögens sowie Störungen der Sprache sollten schnellstmöglich einem Arzt vorgestellt werden. Juckreiz, Schwellungen oder Schmerzen sollten als Warnhinweise des Körpers verstanden werden. Nehmen vorhandene Beschwerden an Umfang und Intensität zu oder zeigen sich neue Symptome, wird ein Arzt benötigt.
Bei Bewusstlosigkeit, Atemnot, Krampfanfällen oder Herz-Kreislauf-Versagen ist der Notruf 112 zu wählen. Ist der Betroffene ansprechbar und beschwerdearm, ist ein Giftinformationszentrum die richtige Adresse; für allgemeine ärztliche Fragen außerhalb der Sprechzeiten steht der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 zur Verfügung.
Behandlung & Therapie
Eine Vergiftung ist ein Ernstfall, da der Körper gefährliche Symptome zeigt und den Giftstoff vermutlich selbst nicht mehr alleine aus dem Körper befördern bzw. ausscheiden kann. Daher erfolgt die Behandlung in der Regel im Krankenhaus. Steht für den Giftstoff ein Gegengift zur Verfügung, wird es meist intravenös verabreicht; es blockiert oder zerstört den Auslöser der Vergiftung. Früher wurde daneben regelmäßig der Magen ausgepumpt, um die Reste des Stoffträgers aus dem Körper zu entfernen. Diese Magenspülung wird heute nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt, etwa kurz nach der Aufnahme einer lebensbedrohlichen Giftmenge; in der Regel wird stattdessen medizinische Kohle gegeben, die das Gift im Verdauungstrakt bindet.
Eine Besserung der Vergiftung sollte sich binnen weniger Stunden zeigen, es kann parallel dazu auch symptomatisch behandelt werden. Die Problematik bei der Vergiftung besteht häufig jedoch darin, den Giftstoff auszumachen, der sie verursacht - bei einem Schlangenbiss ist es etwa nicht immer ersichtlich, welcher Stoff verantwortlich ist. Auch andere Vergiftungen zeigen gelegentlich allgemeine Symptome, die auf verschiedene Vergiftungen und Erkrankungen schließen lassen würden, die nichts mit dem Toxin zu tun haben.
Vorbeugung
Die Vorbeugung einer Vergiftung kann jeder Erwachsene selbst in die Hand nehmen. Vorsicht ist beispielsweise bei Spurenelementen wie Eisen und anderen metallischen Stoffen geboten - wenn sie als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden, können sie in guter Absicht überdosiert werden. Bei Kindern müssen Erwachsene besonderen Wert auf die Vorbeugung der Vergiftung legen und beispielsweise verhindern, dass sie draußen bunte, aber giftige Beeren essen oder mit Putzmitteln im Haus spielen.
Durch diese Ursachen entstehen die meisten behandlungsbedürftigen Vergiftungen bei Kindern - denn sie wissen nicht, welche Stoffe gefährlich für sie sind, und hören meist auch nicht auf Erwachsene, die sie warnen. Auch bei der Nahrungsergänzung von Kindern sollte aufgepasst werden, da eine Überdosis aus gutem Willen entstehen kann.
Ebenso sollten keine unbekannten Pilze gegessen werden. Sauberes Wasser, vor allem in tropischen Ländern, muss meist gekauft werden, da das Leitungswasser nicht unseren europäischen Standards entspricht.
Nachsorge
Die Nachsorge nach einer Vergiftung ist abhängig von der Art und Schwere der Vergiftung. In jedem Fall muss der Patient nach dem Vorfall einige Tage bis Wochen beobachtet werden. Bei schweren Vergiftungen, die mit ernsten körperlichen Beschwerden einhergehen, ist ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus angezeigt.
Der behandelnde Arzt kontrolliert regelmäßig den Allgemeinzustand des Patienten und leitet bei Bedarf weitere Maßnahmen ein. Der Arzt klärt hierbei die Beschwerden ab und informiert sich gegebenenfalls auch über die Hintergründe der Vergiftung. Die Nachsorge übernimmt in der Regel der Arzt, der bereits die Behandlung der Vergiftung übernommen hat. Je nach Art der Vergiftung kann dies der Hausarzt oder ein Facharzt sein.
Bei einer schweren Vergiftung erfolgt die Erstbehandlung oft durch den Notarzt und die Nachsorge durch den Klinikarzt. Wurde die Vergiftung absichtlich herbeigeführt, etwa durch die Überdosierung eines Medikaments oder übermäßigen Alkoholkonsum, kann unter anderem auch eine therapeutische Beratung notwendig sein. Welche Maßnahmen im Detail sinnvoll sind, hängt von der Art der Vergiftung und den Umständen, die dazu geführt haben ab und muss von Fall zu Fall entschieden werden.
Das können Sie selbst tun
Bei einer Vergiftung gilt es zunächst, Ruhe zu bewahren. Die betroffene Person sollte sich ruhig hinsetzen und ein Giftinformationszentrum anrufen; bei Bewusstlosigkeit, Atemnot, Krampfanfällen oder Herz-Kreislauf-Versagen gilt zuerst der Notruf 112. Je nach Art der Vergiftung können anschließend verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um die Vergiftungserscheinungen zu lindern und bestenfalls den Giftstoff auszuschwemmen.
Sind die Augen betroffen, sollte die Lidspalte mit lauwarmem Wasser ausgespült werden. Eine Vergiftung mit Beteiligung der Haut muss ebenfalls mit lauwarmem Wasser und Seife behandelt werden. Kleidung, die mit dem Giftstoff in Kontakt geraten ist, muss in jedem Fall entfernt werden. Bei Erbrechen muss die betroffene Person in Bauch- und Kopftieflage gehalten und stabilisiert werden. Wurde das Gift verschluckt, muss ein Erbrechen vermieden werden. Bei Bewusstlosigkeit ist über den Notruf 112 sofort der Rettungsdienst mit Notarzt zu alarmieren. Anschließend wird die Atmung geprüft; atmet die Person normal, wird sie in die stabile Seitenlage gebracht und überwacht. Atmet sie nicht oder nicht normal, beginnen Ersthelfer sofort mit der Herzdruckmassage in der Mitte des Brustkorbs, 100 bis 120 Mal je Minute, bis der Rettungsdienst übernimmt. Geeignete Gegenmittel aus dem Fachhandel sind Medizinalkohle und entschäumende Arzneimittel. Die Verabreichung erfolgt am besten in Rücksprache mit dem Giftnotruf oder ärztlichem Personal. In Deutschland beraten sieben Giftinformationszentren rund um die Uhr. Die meisten von ihnen sind unter der Ortsvorwahl der jeweiligen Stadt und der Rufnummer 19240 erreichbar, etwa Berlin unter 030 19240, Bonn unter 0228 19240, Freiburg unter 0761 19240, Göttingen unter 0551 19240 und Mainz unter 06131 19240; das Zentrum in Erfurt hat die abweichende Nummer 0361 730730. Bei Bewusstlosigkeit oder Atemnot geht der Notruf 112 vor.
Gegebenenfalls ist es erlaubt, Flüssigkeit aufzunehmen, um die Ausschwemmung des Giftstoffs zu fördern. Die genauen Maßnahmen, die bei einer Vergiftung zu ergreifen sind, kann ein Facharzt für innere Medizin nennen. Personen, die beruflich oder privat Giftstoffen ausgesetzt sind, sollten sich bereits im Vorfeld über Erste-Hilfe-Maßnahmen informieren.
Quellen
- Zilker, T.: Klinische Toxikologie für die Intensivmedizin.
ISBN: 9783837416480
- Marquardt, H., Schäfer, S. G., Barth, H. (Hrsg.): Toxikologie.
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- Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin.
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- Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
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- Suttorp, N., Möckel, M., Siegmund, B., Dietel, M. (Hrsg.): Harrisons Innere Medizin.
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