Kompomer

Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 24. Februar 2025Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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In der Zahnmedizin wird Kompomer als Füllmaterial benutzt, um Kavitäten (das "Loch" im Zahn) aufzufüllen. Kompomere zählen zu den modernen Kunststofffüllungen und sind eine Alternative zu etwa den klassischen Amalgam-Füllungen. Sie werden in der Regel für kleinere Defekte oder provisorisch eingesetzt.
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Was ist Kompomer?
Kompomere wurden Mitte der 1990er Jahre entwickelt, um gängige Füllungen wie Amalgam oder Zemente zu ergänzen. Vor allem sollte der Füllstoff eine Alternative zu den damals verwendeten Kunststoffharzen sein, die nicht als besonders haltbar und langlebig galten und Verträglichkeitsrisiken aufwiesen.
Der Name "Kompomer" ist eine Wortschöpfung des ersten Herstellers und geht auf die Zusammensetzung des Materials zurück. Kompomere werden aus zwei Werkstoffen hergestellt, die einzeln ebenfalls als Füllmaterial für Zähne einsetzbar sind: KOMPOsit und GlasionoMERzement.
Komposit ist eine Mischung aus Kunststoff und anorganischen Stoffen wie Kieselsäure oder Glaspartikeln, Glasionomerzement besteht aus Glas- und Quarzteilchen. Kompositfüllungen gelten als stabil und zudem ästhetisch, da sie mit Einfärbetechniken der individuellen Farbe des Zahns angepasst werden können. Glasinomerzement weist eine hohe Haftfähigkeit auf und verbindet sich über chemische Reaktionen mit der Zahnsubstanz. Außerdem enthalten Glasinomerzemente Fluorid, das über die Dauer der Füllung langsam an den Zahn abgegeben wird. Das verhindert die Entstehung von neuer Karies an den Rändern der Füllung und hält den Zahn gesund.
Geschichte
Kompomer ist ein Hybridmaterial, das in der Zahnmedizin als Füllstoff verwendet wird und Eigenschaften von Kompositen (kunststoffbasierten Füllungen) sowie Glasionomerzementen kombiniert. Die Entwicklung dieses Materials begann in den 1990er-Jahren, als Zahnärzte nach einer Lösung suchten, die sowohl die Ästhetik und Belastbarkeit von Kompositen als auch die Fluoridfreisetzung von Glasionomeren bietet.
Frühe Kompomer-Varianten wurden zunächst für die Versorgung von Milchzähnen und wenig belastete Zahnbereiche entwickelt. Sie bestanden aus einer Mischung von Methacrylaten und Glasionomer-Bestandteilen, wodurch sie adhäsiv befestigt werden konnten und eine gewisse chemische Haftung am Zahn aufwiesen. Ein großer Vorteil war die Fluoridfreisetzung, die das Kariesrisiko reduzieren konnte.
Mit der Weiterentwicklung verbesserten sich die mechanischen Eigenschaften, sodass Kompomer auch in permanenten Zähnen für kleine bis mittlere Restaurationen genutzt wurde. Moderne Varianten bieten eine optimierte Polymerisation und höhere Abriebfestigkeit. Dennoch blieb Kompomer hinter hochfesten Kompositen zurück und wird heute vor allem in der Kinderzahnheilkunde, bei Zahnhalsfüllungen oder als Unterfüllungsmaterial verwendet. Die Entwicklung dieses Werkstoffs zeigt die kontinuierliche Verbesserung dentaler Materialien, um Funktionalität und Langlebigkeit zu optimieren.
Vorteile & Nutzen
Kompomer bietet eine Reihe von Vorteilen gegenüber anderen dentalen Füllungsmaterialien wie reinen Kompositen oder Glasionomerzementen. Einer der größten Vorteile ist die Kombination aus mechanischer Stabilität und Fluoridfreisetzung. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kompositen gibt Kompomer kontinuierlich Fluorid ab, was das Risiko einer Sekundärkaries reduziert und die Zahngesundheit langfristig unterstützt.
Ein weiterer Vorteil ist die verbesserte Haftung am Zahn. Durch eine chemische Bindung an die Zahnhartsubstanz bietet Kompomer eine gute Randdichtigkeit und reduziert das Risiko von Mikrospalten und bakteriellen Infiltrationen. Zudem ermöglicht die adhäsive Verarbeitung eine minimalinvasive Präparation, da der Zahn nicht stark beschliffen werden muss.
Kompomer besitzt eine gute Ästhetik und ist in verschiedenen Zahnfarben erhältlich, wodurch es sich optisch gut an die natürliche Zahnsubstanz anpasst. Im Vergleich zu Glasionomerzementen weist es eine höhere Abriebfestigkeit und bessere Polierbarkeit auf, was zu einer längeren Haltbarkeit und glatteren Oberflächen führt.
Besonders in der Kinderzahnheilkunde wird Kompomer geschätzt, da es einfach zu verarbeiten ist, schnell aushärtet und gut für Milchzahnrestaurationen geeignet ist. Auch bei Zahnhalsfüllungen oder gering belasteten Füllungen im bleibenden Gebiss stellt es eine sinnvolle Alternative zu reinen Kompositen dar.
Formen, Arten & Typen
Sowohl Komposit als auch Glasinomerzement weisen eine hohe Transparenz auf und sind der Zahnfarbe sehr ähnlich oder können entsprechend farblich angepasst werden. Deshalb werden sie beispielsweise gern an den Frontzähnen oder anderen sichtbaren Bereichen eingesetzt.
Kompomer soll in seiner Verbindung aus beiden Werkstoffen die Vorteile aus Komposit und Glasinomerzement verbinden und gleichzeitig verschiedene Nachteile dieser Materialien ausgleichen. So lassen sich Kompomere beispielsweise schneller und einfacher am Zahn verarbeiten als Komposit, das vom Zahnarzt vorbehandelt und mit einer aufwendigeren Schichttechnik eingesetzt werden muss. Von den Kompsiten erhalten Kompomere Stabilität, Abriebfestigkeit und Oberflächenhärte. Durch die Kombination mit dem Glasinomerzement, der weniger haltbar und fest ist, werden diese guten Eigenschaften jedoch wieder etwas reduziert.
Kompomere fallen, wie Komposit, durch die Möglichkeit der optischen Anpassung an die Zahnsubstanz nicht auf. Ähnlich wie Glasinomerzement weisen auch sie eine gute Haftung an der Zahnsubstanz ohne Vorbehandlung auf. Kompomere geben ebenfalls Fluorid an den Zahn ab, allerdings in geringerem Maß als Glasinomerzement und über einen deutlich kürzeren Zeitraum von wenigen Wochen.
Aufbau & Funktionsweise
Um Kompomere einzufüllen, bohrt der ZahnarztIn die kranke Zahnsubstanz möglichst schonend aus. Danach wird der Zahn mit dem sogenannten Adhäsiv, einem lichthärtenden Spezial-Kunststoffkleber, vorbereitet. Dieses Adhäsiv ist notwendig, um die Adaptation der Kompomere an der Zahnhartsubstanz zu verbessern (durch die Kompositbestandteile haftet das Material nicht so gut wie ein Glasinomerzement).
Anschließend wird das Kompomer mit einer Dosierspritze direkt in die vorbereitete Kavität gefüllt oder geschichtet. Die Schichttechnik ist dabei etwas weniger kompliziert als bei den Kompositen. Sie muss bei etwas tieferen Löchern im Zahn angewendet werden, um eine gute Stabilität zu gewährleisten. Durch ein Spezial-Kaltlicht oder mit Hilfe von UV-Licht härtet das Material direkt im Mund aus. Bei der Schichttechnik muss jede Schicht einzeln ausgehärtet werden.
Während der Aushärtung können Kompomere eine leichte Materialschrumpfung aufweisen. Dadurch besteht die Gefahr einer sogenannten Randspaltbildung zwischen Zahnsubstanz und Füllung. So kann Karies an den Rändern der Füllung entstehen. Dies muss der ZahnarztIn beim Einfüllen entsprechend berücksichtigen und korrigieren, denn auch die Fluoridabgabe des Materials kann Kariesentstehung nur eingeschränkt verhindern. Nach dem Aushärten arbeitet der ZahnarztIn die Füllung entsprechend den anatomischen Gegebenheiten des Zahnes aus. Im letzten Schritt wird das Material noch geglättet und poliert.
Medizinischer & gesundheitlicher Nutzen
Kompomer-Füllung sind, auf Grund der etwas geringeren Abriebhärte, eher für kleinere Füllungen ohne große Kaudruckbelastung geeignet. Auch die bessere Bioverträglichkeit der Kompomere (im Vergleich zur Quecksilberbelastung des Amalgams) erweist sich als Vorteil. Nur sehr selten zeigen sich Allergien gegen Bestandteile der Kompomere oder des Adhäsives.
Kompomere eignen sich, durch die Anpassungsfähigkeit der Farbe, insbesondere für Zahnfüllungen im sichtbaren Bereich, wie etwa am Zahnhals. Kompomere nehmen allerdings, im Gegensatz zu Kompositen, die hierfür ebenfalls eingesetzt werden, unter Umständen Wasser auf. Das kann im Frontzahnbereich zu unschönen Randverfärbungen führen.
Einen weiteren Einsatzbereich finden Kompomere bei provisorischen Füllungen, um einen Zahn zB nach einer Wurzelkanalbehandlung bis zu seiner endgültigen Zahnversorgung (beispielsweise mit einem Inlay) funktionsfähig zu erhalten.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Kompomere zur Versorgung von Frontzahndefekten und für Füllungen im Zahnhalsbereich. Für Füllungen von Milchzähnen werden die Kosten anteilig übernommen.
Anwendung & Sicherheit
Die Anwendung von Kompomer erfolgt ähnlich wie bei Kompositen, jedoch mit einigen spezifischen Eigenschaften. Zunächst wird der betroffene Zahn gereinigt und je nach Indikation minimalinvasiv präpariert. Anschließend wird ein Dentinadhäsiv aufgetragen, um die Haftung des Materials zu verbessern. Der Kompomer wird in Schichten in die Kavität eingebracht und durch Lichthärtung polymerisiert. Nach der Aushärtung erfolgt die Ausarbeitung durch Feinschliff und Politur, um eine glatte Oberfläche und eine optimale Anpassung an die Zahnstruktur zu gewährleisten.
Die Sicherheit von Kompomer ist umfassend untersucht worden. Es enthält keine schädlichen Stoffe wie Quecksilber, das in Amalgam enthalten ist, und gilt als biokompatibel. Dennoch enthalten Kompomer-Materialien Methacrylate, die bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen hervorrufen können. Durch die kontrollierte Anwendung in der Zahnmedizin und die Einhaltung der Verarbeitungsrichtlinien ist das Risiko jedoch gering.
Die Qualitätskontrolle bei der Herstellung von Kompomer erfolgt nach strengen dentalen Normen. Hersteller unterliegen regulatorischen Vorgaben, die chemische Zusammensetzung, mechanische Eigenschaften und Biokompatibilität betreffen. Prüfverfahren umfassen Härte-, Abrieb- und Stabilitätstests, um eine gleichbleibende Qualität sicherzustellen. Durch kontinuierliche Forschung und Entwicklung wird das Material stetig verbessert, um Sicherheit und Haltbarkeit weiter zu optimieren.
Alternativen
Es gibt mehrere alternative Füllungsmaterialien zu Kompomer, die je nach Indikation, Patientensituation und medizinischer Notwendigkeit eingesetzt werden können.
Eine häufig genutzte Alternative ist Komposit, ein kunststoffbasiertes Material, das durch Lichthärtung ausgehärtet wird. Komposit bietet eine hervorragende Ästhetik, hohe Belastbarkeit und eine gute Haftung am Zahn, benötigt jedoch ein spezielles Adhäsivsystem. Es ist besonders für Frontzahnrestaurationen oder hochbelastete Kauflächen geeignet.
Glasionomerzement (GIZ) stellt eine weitere Alternative dar und wird vor allem bei Milchzahnfüllungen, Zahnhalsläsionen oder als Unterfüllung verwendet. Es haftet chemisch am Zahn und setzt Fluorid frei, hat aber eine geringere Abriebfestigkeit als Kompomer und Komposit.
Für größere Defekte oder Patienten mit erhöhtem Kariesrisiko kann Amalgam eine Option sein. Dieses quecksilberhaltige Material ist zwar sehr widerstandsfähig und langlebig, wird aber aufgrund ästhetischer und gesundheitlicher Bedenken zunehmend seltener verwendet.
Bei sehr großen Zahndefekten oder wenn Füllungsmaterialien nicht ausreichen, sind Inlays oder Onlays aus Keramik oder Gold eine hochwertige Lösung. Diese werden im Dentallabor gefertigt und in den Zahn eingesetzt, bieten eine hohe Stabilität und lange Haltbarkeit, sind jedoch kostenintensiver als direkte Füllungen.