Kryptitis

Eine Kryptitis ist eine entzündliche Erkrankung im Bereich des menschlichen Enddarms. Sie entsteht besonders durch Probleme beim Stuhlgang, in deren Folge es zu Entzündungen der Analpapillen kommt. Später kann sich darauf eine Infektion der Analdrüse selbst entwickeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Kryptitis?

Unter der Bezeichnung Kryptitis verstehen Mediziner eine Entzündung im Enddarmbereich. Der Übergang vom Analkanal zum Mastdarm besteht aus Analpapillen und aus sogenannten Krypten.

Bei Letzteren handelt es sich um Taschen, die in Analdrüsen münden. Verstopft eine dieser Mündungen, entsteht eine Kryptitis, eine Entzündung, die sich im späteren Verlauf zu einer Infektion der Analdrüse selbst auswachsen kann. Meist sind Probleme beim Stuhlgang für die Entzündung verantwortlich, bei denen Kot in die Taschen der Analpapillen gelangt.

Die Kryptitis bleibt zunächst oft unbemerkt, bis sie sich durch Symptome wie Juckreiz, Schmerzen oder ein Fremdkörpergefühl im Bereich des Anus äußern. In vielen Fällen verläuft die Erkrankung ohne Komplikationen; im Einzelfall kann aber ein operativer Eingriff notwendig werden, um entstandene Abszesse zu öffnen.

Ursachen

Die Ursachen für eine Kryptitis liegen in den meisten Fällen in Problemen mit dem Stuhlgang. Normalerweise wird der Darm entleert, ohne dass Kot in die Krypten gelangt bzw. sich dort festsetzt.

Kommt es aber beispielsweise zu einer Verstopfung, sodass über einen längeren Zeitraum keine Entleerung stattfinden kann, wird der Kot unter Umständen zurückgepresst. Auf diesem Wege kann er auch in die Krypten geraten. Da der Kot in diesem Zustand meist sehr hart ist, kann es passieren, dass die empfindliche Schleimhaut Verletzungen davonträgt.

Kommt der Stuhlgang mit diesen in Berührung, bilden sich entzündliche Zustände; Experten sprechen dann von einer Kryptitis. Die Infektion kann sich auch dann bilden, wenn der Betroffene dauerhaft unter zu weichem oder breiigem Stuhl leidet und sich dieser langfristig in den Krypten festsetzt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Kryptitis zeigt sich mit recht typischen Symptomen. Diese stimmen oftmals mit den Symptomen einer Analfistel überein. So kommt es mit dem Aufkommen des Leidens zu Juckreiz in der Analregion und zu Schmerzen beim Stuhlgang. Diese Schmerzen während oder nach der Entleerung sind das Leitsymptom einer Kryptitis. Gelegentlich kommt es zudem zu Blutungen nach dem Stuhlgang.

Nach einiger Zeit kommt es vermehrt zu Stuhlentleerungsstörungen. Der Stuhl wird zurückgehalten und hart. Zudem herrscht in der Analregion ein Gefühl, als ob ein Fremdkörper darin sei. Dies kann zu weiterem Stuhlverhalt führen, was gelegentlich zu Verstopfungen führt. Der harte Stuhlgang führt zudem zu weiteren Schmerzen.

Die zunehmende Entzündung kann zu einem Brennen am After führen. Der Juckreiz bleibt meist dennoch zusätzlich bestehen. Schließlich kann die Entzündung zur Bildung von Abszessen und Fisteln führen, was das Fremdkörpergefühl und die Schmerzen beim und nach dem Stuhlgang verstärkt. Die Abzessbildung kann mit allgemeinem Unwohlsein und Fieber einhergehen.

Psychische Symptome einer Kryptitis sind vor allem ein gesteigertes Schamgefühl und ein großer Leidensdruck aufgrund der problematischen Toilettengänge. Das Schamgefühl speist sich vor allem aus dem Bereich, der von einer Kryptitis betroffen ist.

Diagnose & Verlauf

Eine Kryptitis wird oftmals nicht direkt erkannt, da sich die Beschwerden denen einer Hämorrhoiden-Erkrankung stark ähneln und die entzündeten Krypten so fälschlicherweise für Hämorrhoiden gehalten werden.

Wird ein Arzt aufgesucht, weil es zu Jucken, Brennen oder Schmerzen nach dem Stuhlgang kommt, kann dieser nur mittels einer sehr genauen Untersuchung mit dem Finger festgestellt werden. Dabei wird die betroffene Region im Analbereich Stück für Stück abgetastet und zusätzlich mit einem Analspekulum und einer sehr dünnen Sonde untersucht.

Darmspiegelungen oder ähnliche Untersuchungsmethoden liefern hier eine aussagekräftige Diagnose. Eine unbehandelte Kryptitis führt im weiteren Verlauf zu stärkeren Problemen beim Stuhlgang und ist mit Schmerzen und anderen unangenehmen Symptomen verbunden. Sie kann sich zu Abszessen oder Fisteln auswachsen, die dann unter Umständen chirurgisch entfernt werden müssen.

Komplikationen

Aufgrund der Kryptitis leiden die Betroffenen an verschiedenen Beschwerden, die vor allem am Darm und am Magen auftreten. Die Lebensqualität des Patienten wird durch die Kryptitis deutlich eingeschränkt und verringert. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an starken Schmerzen, die beim Stuhlgang auftreten.

Dabei kommt es nicht selten auch zu psychischen Beschwerden oder Depressionen. Nicht selten leiden die Betroffenen dadurch an einem Gewichtsverlust, da absichtlich weniger Nahrung aufgenommen wird, um den Stuhlgang zu verhindern. Ebenso können sich Juckreize ausbilden. Viele Patienten schämen sich für diese Beschwerden, sodass es dadurch häufig zu einer verspäteten Behandlung kommt. Ebenso können die Betroffenen über ein Fremdkörpergefühl im Anus klagen.

In den meisten Fällen kann die Kryptitis relativ gut und einfach behandelt werden. Dabei kommt es in der Regel nicht zu besonderen Komplikationen oder zu anderen Beschwerden. Auch die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch die Kryptitis in der Regel nicht verringert. Ebenso muss der Patient auf eine gesunde Ernährung achten. Weiterhin können auch verschiedene Übungen des Schließmuskels die Beschwerden lindern. In den meisten Fällen kommt es dabei zu einem positiven Krankheitsverlauf beim Patienten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Treten wiederholt Schmerzen und Beschwerden beim Stuhlgang auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Ist die Nahrungsaufnahme ausgewogen und gesund, gelten Auffälligkeiten des Kotens als Warnhinweis und sind ärztlich abklären zu lassen. Bei einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr sind Besonderheiten des Stuhlgangs ein Anzeichen für eine Unregelmäßigkeit, die untersucht und behandelt werden muss. Ist der Stuhl über mehrere Tage oder Wochen weich bis breiig, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Breiten sich die Beschwerden aus oder nehmen vorhandene Schmerzen zu, wird ein Arzt benötigt. Kommt es zu einem Juckreiz am Anus, offenen Wunden oder Blutungen, ist ein Arzt zu konsultieren.

Es können Krankheitserreger in den Organismus gelangen, die in schweren Fällen eine Blutvergiftung auslösen. Ein Arztbesuch ist daher erforderlich, sobald sich Eiter am Ausgang des Darms bildet oder es zu starken Rötungen am Anus kommt. Nimmt der Betroffene das Gefühl eines Fremdkörpers oder ein diffuses Druckgefühl im Bereich des Enddarms wahr, ist ein Arzt aufzusuchen. Bei einer inneren Unruhe, Probleme der Fortbewegung oder Unwohlsein in einer Sitzposition sollte ein Arzt um Hilfe gebeten werden. Besteht ein allgemeines Krankheitsgefühl, eine erhöhte Körpertemperatur oder verweigert der Betroffene aufgrund der Beschwerden die Nahrungsmittelzufuhr, muss ein Arzt aufgesucht werden.

Behandlung & Therapie

Wurde eine Kryptitis diagnostiziert, kann diese meist recht gut behandelt werden. Um die Entzündung zu beseitigen, wird der behandelnde Arzt entsprechende Medikamente verordnen. Diese müssen direkt auf bzw. in die betroffene Region gegeben werden.

Es handelt sich dabei um Cremes, Salben oder auch Zäpfchen, die den genauen Ort der Entzündung in den Krypten am besten erreichen können. Haben sich bereits Abszesse oder Fisteln gebildet oder sind die entzündeten Krypten so stark betroffen, dass sie sich nicht mehr medikamentös behandeln lassen, muss ein chirurgischer Eingriff stattfinden. Auch der Patient selbst kann in der Folge einiges tun, um die Beschwerden zu lindern.

Dazu gehört oftmals eine Anpassung der Ernährung, damit es zu einem festen und regelmäßigen Stuhlgang kommt. Schließmuskelübungen verbessern die Durchblutung in der Analgegend und tragen ebenfalls zu einem schnelleren Abheilen der Kryptitis bei. Das Gleiche gilt für eine sanfte Massage des Analrandes mit dem Finger.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose der Kryptitis wird als günstig beschrieben. Unter normalen Umständen findet eine Diagnosestellung mit anschließender Erarbeitung eines Behandlungsplan statt. Dieser sieht eine kurze Behandlungszeit vor, die im Anschluss in einer Beschwerdefreiheit endet. Ohne eine medizinische Versorgung drohen Folgestörungen und schwere gesundheitliche Folgen. Der Darm kann aufgrund der Zurückbehaltung des Kots seiner natürlichen Arbeit nicht mehr vollumfänglich nachkommen. In besonders schweren Fällen können sich Tumore entwickeln oder Schmerzen ausbilden. Wird weiterhin die Möglichkeit einer Behandlung ausgeschlossen, droht dem Betroffenen das vorzeitige Ableben.

In Zusammenarbeit mit einem Mediziner werden Präparate verabreicht, die zu einer schnellen Linderung der Beschwerden führen. Entzündliche Prozesse werden gestoppt und eine Überwachung eines regelmäßigen Stuhlgangs wird eingeleitet. Durch Massagen im Analbereich kann der Betroffene darüber hinaus selbstständig etwas für die Verbesserung seines gesundheitlichen Zustandes beitragen. Damit unterstützt der den Genesungsprozess und beugt Folgestörungen vor.

Bilden sich Gewebeveränderungen, kann bei einigen Patienten eine Entfernung dieser Folgestörungen veranlasst werden. Eingriffe dieser Art verlaufen im Normalfall ohne weitere Komplikationen und sind von einer kurzen Behandlungszeit geprägt. Nach dem Abklingen der Wundheilung wird der Betroffene als genesen aus der Therapie entlassen. Trotz guter Heilungsaussichten kann die Kryptitis im Verlauf des Lebens erneut auftreten. Daher ist anzuraten sich über einen gesunden Stuhlgang ausreichend zu informieren.

Vorbeugung

Einer Kryptitis kann in gewissem Maße durch eine ausgewogene Ernährung und einen regelmäßigen Stuhlgang von fester, aber nicht zu harter Konsistenz vorgebeugt werden. So kann verhindert werden, dass sich Kot in den Krypten festsetzt und eine Entzündung hervorruft. Treten Beschwerden wie Schmerzen oder Juckreiz in der Analgegend auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Nachsorge

Eine Kryptitis bringt nach einer Abheilung kein Nachsorgeerfordernis mit sich. Der Patient kann sein reguläres Leben weiterführen. Im Alltag ergeben sich keine wesentlichen Einschränkungen. Um erneute Komplikationen zu vermeiden, empfiehlt sich eine ausgewogene Ernährung. Diese ist aber ohnehin für ein gesundes und ausgeglichenes Leben notwendig.

Die Verantwortung hierfür liegt im Lebensbereich des Patienten. Ärzte können gegebenenfalls eine Ernährungsberatung veranlassen. Wird eine Behandlung hinausgezögert, kann sich der Zeitraum der Therapie auf mehrere Monate ausdehnen. Neben der Einnahme von Schmerzmitteln werden dann auch Massagen und Schließmuskelübungen notwendig. Die Nachsorge erfolgt nach individueller Absprache und ist vom Beschwerdeumfang abhängig.

In den planmäßigen Nachuntersuchungen kommt es zu einer Abtastung des Anusbereichs. Auch eine Darmspieglung verschafft Klarheit über den Fortbestand der Kryptitis. Eine Nachsorge verbindet man meist mit Krebserkrankungen. Durch sie soll eine lebensgefährliche Neubildung im Frühstadium erkannt werden. Dadurch versprechen sich Ärzte den bestmöglichen Behandlungserfolg.

Demgegenüber bedroht die Kryptitis in der Regel nicht das Leben der Betroffenen. Eine Neubildung aus einer ersten Erkrankung heraus ist zudem nahezu ausgeschlossen. Die Vermeidung eines Wiederauftritts der Kryptitis resultiert aus einer allgemeinen Umstellung der Ernährungsgewohnheiten. Nur bei akuten Anzeichen am Enddarm sucht der Patient seinen Arzt auf.

Das können Sie selbst tun

Eine Kryptitis kann während des Heilungsverlaufes derselben gut vom Betroffenen begleitet werden. Hierfür sind Umstellungen der Ernährung und eine sanfte Pflege der betroffenen Stellen - zusätzlich zu eventuellen Medikamentengaben - nötig.

So sollte die Ernährung etwa dahingehend umgestellt werden, dass der Betroffene einen regelmäßigen, nicht zu weichen und in einem Stück vorhandenen Stuhlgang ermöglicht. Dies wird durch ballaststoffeiche Ernährung (Flohsamen, Trockenfrüchte etc.) erreicht. Zusätzlich hilft Bewegung dem Darm dabei, den Kot einzudicken und ihm Wasser zu entziehen. Durch den regelmäßigeren Stuhlgang kann ein weiteres Haftenbleiben von Kot an den entzündeten Stellen verhindert werden. Zudem ist regelmäßiger Stuhlgang weniger belastend für den Analbereich.

Sitzbäder können, angereichert mit ätherischen Ölen, Gerbstoffen oder Meersalz, dabei helfen, Schmerzen zu lindern, die durch die Kryptitis bedingt sind. Sie eignen sich aber nicht zur ursächlichen Behandlung. Die Afterregion selbst sollte zu einer Durchblutung angeregt werden, um Heilungsprozesse zu beschleunigen. Massagen des Afterrandes und vorsichtige Dehnübungen können hierfür eingesetzt werden.

Selbsthilfemaßnahmen sind bei einer Kryptitis, die bereits Fisteln oder Abzesse gebildet hat, nicht mehr ausreichend. Ein Abheilen solch schwerer Entzündungserscheinungen ist ohne ärztliche Hilfe als sehr unwahrscheinlich einzustufen.

Quellen

  • Brühl, W., Wienert, V., Herold, A.: Aktuelle Proktologie. Uni-Med, Bremen 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 23. November 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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