Meckel-Divertikel

Das Meckel-Divertikel ist eine blinde Ausstülpung des Darms, die bei unzureichender Rückbildung des embryonalen Dottergangs entsteht. In den meisten Fällen bleibt das Phänomen zeitlebens asymptomatisch und muss in diesem Fall nicht weiter therapiert werden. Nur bei entzündlichen Prozessen auf Basis des Divertikels sind Eingriffe zur Behandlung erforderlich, die vorwiegend einer Entfernung des Divertikels entsprechen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Meckel-Divertikel?

Bei der Abfaltung des embryonalen Keimlings entsteht der sogenannte Ductus omphaloentericus. Der Ductus omphaloentericus wird auch als Dottergang bezeichnet. Es handelt sich um eine embryonale Struktur, die den embryonalen Dottersack ans Darmrohr anbindet. In der sechsten Schwangerschaftswoche wird der Dottergang zurückgebildet und obliteriert.

Mit einer Häufigkeit von rund drei Prozent bleibt ein Anteil des Dottergangs erhalten und wird zu einer blind endenden Aussackung des Darms. Bei dieser Aussackung handelt es sich um das sogenannte Meckel-Divertikel. Benannt ist das Phänomen nach dem deutschen Anatomen Johann F. Meckel, der es im 19. Jahrhundert erstmals dokumentierte.

Aus dem Meckel'schen Divertikel können Sekundärerkrankungen hervorgehen, so vor allem die entzündliche Meckel-Divertikulitis. In einem Großteil aller Fälle bleibt der minimale Rest des embryonalen Dottergangs allerdings vollständig symptomlos. Klinische Bedeutung hat das Meckel-Divertikel fast ausschließlich als Differentialdiagnose zu einer akuten Blinddarmentzündung.

Ursachen

Das Meckel-Divertikel ist die Konsequenz aus einer verminderten Rückbildung des embryonalen Dottergangs. Damit handelt es sich bei dem Phänomen um das Symptom einer embryonale Entwicklungsstörung. Besonders häufig sind Menschen mit Trisomie 21, dem sogenannten Down-Syndrom, vom Meckel-Divertikel betroffen.

Vermutlich spielen exogene Faktoren für das Zurückbleiben des embryonalen Dottergangs eine wesentliche Rolle. In vielen Fällen lässt sich das Meckel-Divertikel allerdings nicht auf einen bestimmten Einfluss von außen zurückführen. Auch der Zusammenhang mit übergeordneten Mutationen wie der Trisomie 21 ist nicht zwingend ursächlich für das Phänomen. Damit kann das Divertikel auch vollständig isoliert vorliegen und muss nicht unbedingt mit weiteren Fehlbildungen oder anderen Entwicklungsstörungen vergesellschaftet sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Meckel-Divertikel ist eine Aussackung des Ileus, die bei Säuglingen rund 30 bis 50 Zentimeter proximal der Ileozökal-Klappe liegt. Bei Erwachsenen erhöht sich die Distanz durch das Wachstum der Eingeweide auf rund 60 bis 100 Zentimeter. In aller Regel sind mit dem Meckel-Divertikel keine Symptome verbunden.

Beschwerden treten nur auf, wenn im Divertikel ektopische Magen- oder Pankreasgewebe enthalten sind. Bei diesem Phänomen treten häufig Entzündungen mit möglicher Perforation auf. Außerdem kann es in diesem Fall zu einer Ulkusbildung mit Blutungen kommen, da die Magenschleimhaut versprengt ist. Falls zwischen dem Dünndarm und dem Divertikel eine Öffnung liegt, tritt in vielen Fällen Darminhalt ins Divertikel ein.

Mit der Anstauung von Darminhalt im Meckel-Divertikel kann sich die Struktur bakteriell entzünden. Die Symptome einer solchen Entzündung ähneln den Symptomen einer akuten Blinddarmentzündung. Neben Fieber tritt Brechreiz und rechtsseitig heftiger Bauchschmerz auf.

Diagnose & Krankheitsverlauf

In den meisten Fällen ist die Diagnose eines Meckel-Divertikels ein Zufallsbefund. Meist wird das Phänomen in der Laparotomie entdeckt. In vielen Fällen wird anlässlich einer geplanten Blinddarmoperation aus Gründen der Differentialdiagnostik gezielt danach gesucht. Viele Menschen mit Meckel-Divertikel erfahren ihr gesamtes Leben lang nicht, dass sie mit dem Divertikel zur Welt gekommen sind.

Der Grund hierfür ist die Asymptomatik, die für das Meckel-Divertikel charakteristisch ist. In Ausnahmefällen wird die Diagnose bereits unmittelbar nach der Geburt gestellt. Ein Tastbefund kann dabei einen ersten Verdacht auf das Meckel-Divertikel entstehen lassen, der mittels Bildgebung abgeklärt werden kann.

Bei Patienten mit diagnostizierter Trisomie 21 liegt das Vorhandensein des Divertikels nahe. Säuglinge mit einem diagnostizierten Down-Syndrom werden vor diesem Hintergrund meist ausführlich auf das Phänomen untersucht. Die Prognose für Menschen mit Meckel-Divertikel ist extrem günstig, da das Phänomen in der Regel beschwerdelos bleibt.

Komplikationen

Nicht in jedem Fall kommt es durch das Meckel-Divertikel zu Beschwerden oder zu Komplikationen. Aus diesem Grund ist auch nicht in jedem Falle eine Behandlung dieser Beschwerde notwendig. Allerdings kann es dabei zu Blutungen im Magen oder zu Beschwerden an der Magenschleimhaut kommen, die die Lebensqualität des Patienten einschränken können.

Dabei kommt es zu Entzündungen und Infekten im Magen und im Darm, sodass eine Behandlung durch einen Arzt auf jeden Fall notwendig ist. Nicht selten kann es durch das Meckel-Divertikel auch zu einer Entzündung des Blinddarms kommen, sodass dieser entfernt werden muss. Ebenso kommt es zu starkem Fieber und weiterhin zu Erbrechen.

Weiterhin leiden die Patienten an starken Schmerzen im Bauch und im Magen. Im schlimmsten Falle kommt es zu einer Darmdurchbruch, welcher auch tödlich verlaufen kann. Die Behandlung dieser Beschwerde erfolgt dabei durch einen operativen Eingriff, der in der Regel nicht mit besonderen Komplikationen verbunden ist.

Die meisten Beschwerden können dadurch relativ gut eingeschränkt werden. Auch die Lebenserwartung wird nicht verringert. Nach der Operation sind die Betroffenen meistens noch auf die Einnahme von Antibiotika angewiesen, damit es nicht zu weiteren Entzündungen oder Infekten kommt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Treten Auffälligkeiten und Besonderheiten im Bereich des Darms auf, wird ein Arzt benötigt. Kommt es zu Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang, Durchfall, Verstopfungen oder Schmerzen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Veränderungen der Darmschleimhaut erhöhen das Infektionsrisiko. Leidet der Betroffene wiederholt unter Fieber, Entzündungserkrankungen oder innerer Gereiztheit, sollte eine umfassende gesundheitliche Begutachtung beim Betroffenen durchgeführt werden. In medizinischen Tests kann die Ursache der Beschwerden ermittelt werden und ein entsprechender Behandlungsplan wird aufgestellt. Ein allgemeines Krankheitsgefühl, eine verminderte Leistungsfähigkeit, Bauchschmerzen und Brechreiz sind Anzeichen einer gesundheitlichen Störung. Ein Arztbesuch ist notwendig, wenn die Beschwerden über eine längere Zeit anhalten oder an Intensität zunehmen.

Blut im Stuhl und Blutungen des Afters müssen einem Arzt vorgestellt werden. Entsteht ein Juckreiz oder offenen Wunden, ist die Konsultation eines Arztes zu empfehlen. Kommt es zu Störungen im Sitzen oder erlebt der Betroffene bei der Fortbewegung ein Unwohlsein, ist ein Arztbesuch anzuraten. Bei Schlafstörungen, emotionalen Problemen, Sensibilitätsstörungen oder Abgeschlagenheit sollte ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es aufgrund der Beschwerden zu einer verminderten Lebensmittelzufuhr und dadurch zu einer starken Gewichtsabnahme, wird ein Arzt benötigt. Probleme bei der Verdauung, eine Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Lebensmitteln sowie eine erhöhte Müdigkeit sollten von einem Arzt abgeklärt werden.

Behandlung & Therapie

Das Meckel-Divertikel verursacht meist keinerlei Symptome. Solange das Phänomen gänzlich asymptomatisch bleibt, ist eine gezielte Behandlung nicht erforderlich. Falls eine Öffnung zwischen Divertikel und Dünndarm dokumentiert wurde, kann eine Behandlung indiziert sein.

Meist wird eine Behandlung aber erst in die Wege geleitet, wenn eine Entzündung durch aufgestauten Darminhalt entsteht. Eine Therapie kann auch erforderlich sein, wenn das Divertikel Magenschleimhaut des Corpus-Typ oder Gewebe der Bauchspeicheldrüse enthält. Da diese Zellen Säuren bilden, können Geschwüre oder Blutungen eintreten.

Im Extremfall entsteht so ein Durchbruch, der in eine Bauchfellentzündung münden kann. Zur Behandlung eines Meckel-Divertikels ist eine Operation der einzig sinnvolle Weg. Da Operationen für den Patienten immer mit gewissen Risiken verbunden sind, müssen vor der OP Nutzen und Gefahren des Eingriffs gegeneinander abgewogen werden.

Diese Abwägung führt dazu, dass das Meckel-Divertikel meist erst entfernt wird, wenn durch die Ausstülpung Folgeerkrankungen aufgetreten sind. Bei der Operation durchtrennt der Chirurg die Gefäßversorgung des Meckel-Divertikels. Nach dieser Durchblutungsunterbindung wird das Divertikel an seiner Basis entfernt.

So entsteht eine Öffnung am Darm, die vom Operateur quer vernäht wird. Falls das Divertikel außergewöhnlich groß ist, wird statt der beschriebenen Operation eine Segmentresektion vorgenommen. Dabei werden Teile des Divertikels entfernt. Sobald durch das Divertikel Entzündungen eingetreten sind, wird der entzündliche Prozess vor der Operation meist soweit wie möglich zum Abklingen gebracht.

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Aussicht & Prognose

Im Normalfall bildet sich das Meckel-Divertikel selbstständig vollständig zurück. Bei den meisten Patienten kommt es daher zu einer Spontanheilung aufgrund des natürlichen Entwicklungsprozesses des Embryos. Bereits in der sechsten Schwangerschaftswoche wird der Dottergang ganz ohne den Eingriff von Ärzten oder die Unterstützung von Medikamenten zurückgebildet. Lediglich bei weniger als 3 Prozent der Neugeborenen kommt es zu Unregelmäßigkeiten und Auffälligkeiten. Häufig zeigt sich im weiteren Verlauf des Wachstums ein vermehrtes Auftreten von Entzündungen oder Problemen des Magen-Darm-Traktes. Schmerzen in der Magengegend oder die Entwicklung eines akuten Zustandes im Darm können auftreten. Die Prognose ist bei diesen Menschen daher verschlechtert.

Bleibt die fehlende Rückbildung des Meckel-Divertikel unbemerkt, kann es bei einem ungünstigen Krankheitsverlauf zu einer Notfallsituation kommen. Der Darm kann durchbrechen und damit zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen. Ohne eine intensivmedizinische und schnellstmögliche Versorgung, kommt es zum vorzeitigen Ableben des Betroffenen.

In den meisten Fällen wird jedoch aufgrund der veränderten und geschwächten Gesundheitslage bereits rechtzeitig bemerkt, dass die Rückbildung nicht im Unterleib stattgefunden hat. Bei diesen Patienten findet ein operativer Eingriff, der routiniert abläuft und unter optimalen Bedingungen zu keinen besonderen Auffälligkeiten führt. Nach der Wundheilung kann der Patient als beschwerdefrei aus der Behandlung entlassen werden. Eine Wiederkehr der gesundheitlichen Unregelmäßigkeiten ist nicht zu erwarten.

Vorbeugung

Das Meckel-Divertikel entsteht auf Basis einer embryonalen Fehlentwicklung. Daher lässt sich dem Phänomen nur insoweit vorbeugen, wie embryonalen Entwicklungsstörungen vorgebeugt werden kann.

Das können Sie selbst tun

Ein Meckel-Divertikel verläuft in vielen Fällen ohne Beschwerden und bedarf deshalb auch keiner gezielten Behandlung. Die wichtigste Selbsthilfe-Maßnahme, die Betroffene ergreifen können, besteht deshalb darin, auf auffällige körperliche Symptome zu achten und diese abklären zu lassen.

Bei einem schweren Verlauf, etwa wenn sich eine Öffnung zwischen Divertikel und Dünndarm bildet, ist eine rasche Behandlung durch einen Arzt erforderlich. Akute Beschwerden wie Brechreiz und Bauchschmerzen können mit Hilfe von Hausmitteln gelindert werden. So empfehlen sich bei den typischerweise einseitig auftretenden Bauchschmerzen warme Auflagen oder Kühlung, je nachdem, welche Methode die Schmerzen lindert. Bei Brechreiz können unter Umständen auch ätherische Öle oder sanfte Beruhigungsmittel aus der Apotheke Linderung verschaffen. Eine ärztliche Abklärung ist aber in jedem Fall notwendig.

Nach einer Operation sind Schonung und Bettruhe angezeigt. Die Wunde muss nach den Vorgaben des zuständigen Arztes versorgt werden, um Wundheilstörungen und andere Komplikationen zu vermeiden. Begleitend dazu empfiehlt es sich, zunächst auf Sport und körperliche Bewegung im Allgemeinen zu verzichten, um ein Aufreißen der Naht zu vermeiden. In den ersten Wochen sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen in der Arztpraxis angezeigt.

Quellen

  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 25. November 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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