Menière-Krankheit


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 27. September 2018
Kategorie: Krankheiten

Plötzlich auftretender Schwindel kann harmlos sein. Tritt er jedoch wiederholt und in Begleitung weiterer Beschwerden auf, ist an die Menière-Krankheit zu denken.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Menière-Krankheit?

Frau übt ihr Gleichgewicht
Gleichgewichtsstörungen treten bei der Menière-Krankheit kombiniert mit Schwindelanfällen auf.

Bei der Menière-Krankheit, auch Morbus Menière genannt, handelt es sich um eine Erkrankung des Innenohrs. Sie äußert sich durch Schwindelanfälle, die zwischen 20 Minuten und mehreren Stunden dauern.

Diese können zu starker Übelkeit mit anschließendem Erbrechen führen. Es kommt zusätzlich zu einer Verminderung der Hörfähigkeit eines Ohres sowie einem Druckgefühl und Ohrensausen oder Ohrgeräuschen ähnlich dem Tinitus. Manchmal können auch beide Ohren betroffen sein.

Als besondere Ausprägung der Erkrankung gelten die Drop attacks. Hier ist das Schwindelgefühl der Menière-Krankheit so stark ausgeprägt, dass der Patient die Orientierung im Raum verliert und dadurch schwer stürzen kann.

Ursachen

Die Ursachen der Menière-Krankheit sind weitestgehend unbekannt. Die vom französischen Arzt Prosper Menière bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschriebene und nach ihm benannte Krankheit tritt allerdings in betroffenen Familien gehäuft auf, sodass die Vermutung einer Vererbung bestimmter Abweichungen in der Form der Gehörkanäle sowie des Gleichgewichtsorgans und der Hörschnecke die Krankheit begünstigt.

Es wird davon ausgegangen, dass die Menière-Krankheit durch eine Veränderung des Flüssigkeitshaushaltes im Innenohr ausgelöst wird. Das Innenohr wiederum besteht aus dem Gleichgewichtsorgan und der Hörschnecke, die über Kanäle miteinander verbunden sind. In diesen Kanälen befinden sich die Flüssigkeiten Endolymphe und Perilymphe, die sich in ihrem Salzgehalt unterscheiden.

Bei der Menière-Krankheit sammelt sich zu viel Endolymphe in der Hörschnecke. Es ist nicht bekannt, ob diese Flüssigkeit vom Körper unzureichend resorbiert werden kann oder ob einfach zu viel gebildet wird.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Menière-Krankheit äußert sich in mehreren Symptomen, die anfallartig auftreten. Typischerweise finden die ersten Anfälle in der Nacht oder am Morgen statt. Das signifikanteste Anzeichen ist der Schwindel. Er kommt plötzlich und völlig ohne Vorzeichen. Er kann nur ein paar Minuten anhalten, aber vereinzelt auch bis zu mehrere Stunden oder Tage dauern.

Der Betroffene fühlt sich dabei, als ob er auf einer Drehscheibe stünde und nimmt seine Umgebung als schnell um sich drehend wahr. Das kann zu Übelkeit und Erbrechen führen. Oft wird es so schlimm, dass sich der Patient hinlegen muss. Begleitend dazu machen sich am Anfang des Anfalls Ohrgeräusche und ein unangenehmer Druck im Ohr bemerkbar, begleitet von Schwerhörigkeit für tiefe und mittelhohe Töne.

Häufig ist zuerst nur ein Ohr davon betroffen, im weiteren Verlauf des Anfalls breiten sich die Beschwerden auch auf das andere Ohr aus. Die Symptome der Krankheit wiederholen sich in unterschiedlichen Zeitabständen. Es können Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre zwischen den Anfällen liegen.

Manchmal kommen mehrere Schübe in kürzeren Abständen hintereinander und danach folgen längere Phasen ohne Symptome. Stress kann die Häufigkeit der Anfälle erhöhen. Während eines Menière-Anfalls sind die Patienten meist blass und können stark schwitzen. Auch ein unkontrolliertes Augenzittern (Nystagmus) tritt in manchen Fällen auf.

Diagnose & Verlauf

Die Menière-Krankheit wird im Allgemeinen vom HNO-Arzt diagnostiziert. Wichtige Anhaltspunkte sind dabei die aufgetretenen Symptome wie Ohrgeräusche und Druckgefühl sowie Schwindelanfälle, die vom Patienten typisch mit „als würde der Boden wanken“ oder „die Umwelt sich drehen“ beschrieben werden.

Hinzu kommt die Feststellung einer Schwerhörigkeit oder des Hörverlustes vor allem im Tieftonbereich durch einen Hörtest. Mit einer speziellen Brille, der Frenzel-Brille, kann nachgewiesen werden, ob der Patient unter einem Zittern der Augen leidet.

Durch das Zittern ist es oftmals unmöglich, sich auf einen festen Punkt im Raum zu konzentrieren, wodurch das Schwindelgefühl verstärkt wird.

Die Diagnose der Menière-Krankheit gilt als gesichert, wenn neben den anderen Symptomen mindestens zwei Schwindelanfälle aufgetreten sind.

Die Ohrgeräusche und das Druckgefühl können über die Anfälle hinaus weiterhin bestehen und sich nach jedem Anfall verschlechtern. Das Hörvermögen verschlechtert sich bei der Menière-Krankheit ebenfalls bis zu einer völligen Ertaubung des Ohres.

Komplikationen

Durch die Menière-Krankheit leiden die Betroffenen in der Regel an einem Schwindel, der dauerhaft auftritt. Dieser kann dabei auch zu Kopfschmerzen und zu einer Störung der Koordination und der Konzentration führen. Im Allgemeinen wird die Lebensqualität des Patienten durch die Menière-Krankheit deutlich verringert und eingeschränkt. Es klommt weiterhin auch zu einer Blässe und zu Störungen des Gleichgewichtes oder zu Angstzuständen.

Die Betroffenen leiden nicht selten an einem Tinnitus oder an starken und lauten Geräuschen in den Ohren. Allerdings kann es ohne Behandlung auch zu einer Schwerhörigkeit und im schlimmsten Falle auch zu einer Taubheit kommen. Nicht selten schwitzen die Betroffenen übermäßig und sind in ihrem Alltag durch die Beschwerden stark eingeschränkt. Der Schwindel selbst kann dabei auch zu Erbrechen oder zu einer Übelkeit führen.

Die Menière-Krankheit wird in der Regel mit Hilfe von Bettruhe und durch verschiedene Medikamente behandelt. Dabei treten keine besonderen Komplikationen oder Beschwerden ein. In einigen Fällen sind die Betroffenen allerdings auf ein Hörgerät angewiesen. Die Lebenserwartung wird in den meisten Fällen nicht durch die Menière-Krankheit beeinträchtigt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Menière-Krankheit ist gekennzeichnet durch wiederholt auftretenden Schwindel. Leidet der Betroffene mehrfach unter nicht nachvollziehbaren Schwindelgefühlen, sollte er einen Arzt aufsuchen. Kommt es durch die Beschwerden zu Gangunsicherheiten, allgemeinen Störungen der Motorik oder steigt das Verletzungs- und Unfallrisiko, wird ein Arzt benötigt. Nehmen die Beschwerden an Intensität zu oder treten sie in immer kürzer werdenden Zeitabständen auf, sollte schnellstmöglich ein Arztbesuch stattfinden. In vielen Fällen wird ein wiederholt auftretender Schwindel, der nur für wenigen Minuten anhält unterschätzt.

Trotz der scheinbar geringen oder nur kurzfristigen Beeinträchtigungen des Betroffenen ist eine Kontrolluntersuchung bei einem Arzt dringend zu empfehlen. Übelkeit und Erbrechen sind weitere Anzeichen einer bestehenden gesundheitlichen Störung. Kommt es zu Gleichgewichtsproblemen oder Funktionsstörungen des Hörens, wird ein Arzt benötigt. Ohrgeräusche, ein Druckgefühl im Ohr oder eine verminderte Hörfähigkeit sind untersuchen und behandeln zu lassen. Leidet der Betroffene unter emotionalem oder physischem Stress, ist eine Zunahme der Beschwerden zu erwarten. Daher ist oftmals eine begleitende psychische Unterstützung hilfreich, um die Intensität der Symptome insgesamt zu lindern. Bei einem anhaltenden Zittern der Augenlider, innerer Nervosität oder Unruhe sollte ebenfalls ein Arzt konsultiert werden. Bei Kopfschmerzen, Defiziten der Konzentration sowie Aufmerksamkeit und Wahrnehmungsstörungen ist ein Arztbesuch notwendig.

Behandlung & Therapie

Bei der Behandlung der Menière-Krankheit geht es zunächst darum, wirksame Medikamente zur Dämpfung der auftretenden Anfälle für den Patienten zu finden. Dazu zählen Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen. Es stehen auch Medikamente zur Verfügung, die zusätzlich auf das Gleichgewichtsorgan wirken. Welche Medikamente wirksam sind, muss individuell ausprobiert werden.

Während eines Anfalls sollte der Patient möglichst im Bett bleiben, um das Gleichgewichtsorgan zu schonen und einen Sturz zu vermeiden. Bei akuten Anfällen kann eine Besserung durch Infusionen erreicht werden, die die Durchblutung des Innenohres anregen. Durch die zunehmende Beeinträchtigung der Hörfähigkeit wird die Versorgung mit einem Hörgerät notwendig.

Sollten die Schwindelanfälle unerträglich werden und keines der Medikamente ausreichend zur Linderung beitragen, ist ein operativer Eingriff zur Linderung der Symptome möglich. Bei der Saccotomie wird das Innenohr geöffnet, um die Flüssigkeit nach außen abzuleiten. Zusätzlich gibt es bei der Menière-Krankheit weitere Eingriffe, die jedoch selten oder nur nach völliger Ertaubung des Patienten durchgeführt werden.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Eine aktive Vorbeugung gegen die Menière-Krankheit gibt es aufgrund der ungeklärten Ursache der Erkrankung nicht. Betroffene Patienten können die Wucht ihrer Anfälle lediglich durch die sofortige Einnahme von Medikamenten zur Minderung von Schwindel und Übelkeit sowie Erbrechen mindern. Außerdem sollte auf Kaffee, Nikotin und Alkohol sowie zu viel Salz nach Möglichkeit verzichtet werden, um keine Anfälle der Menière-Krankheit zu provozieren.

Das können Sie selbst tun

Bei der Menière-Krankheit stehen dem Betroffenen verschiedene Möglichkeiten zur Selbsthilfe zur Verfügung. In der Regel sollten Genussmittel wie Alkohol, Kaffee oder Nikotin vermieden werden, um die Schwindelanfälle nicht zu provozieren. Auch salzreiches Essen kann sich dabei negativ auf den Verlauf der Erkrankung auswirken und sollte ebenfalls vermieden werden.

Bei einem akuten Anfall können die Beschwerden mit Hilfe von Medikamenten gelindert werden. Dabei ist es sinnvoll, diese Medikamente immer parat zu haben. Sollte der Betroffene aufgrund der Menière-Krankheit das Bewusstsein verlieren, so ist ein Notarzt zu verständigen. Bis zum Eintreffen des Notarztes sollte die Atmung des Betroffenen kontrolliert und der Patient in eine stabile Seitenalge gebracht werden. Bei Hörbeschwerden eignet sich das Tragen eines Hörgerätes. Dadurch kann ein weitere Hörsturz durch laute Geräusche vermieden werden. Weiterhin wirkt sich eine ruhige und gleichmäßige Atmung in Stresssituationen sehr positiv auf die Erkrankung aus. Allerdings sollten anstrengende und stressige Situationen im Allgemeinen vermieden werden.

Bei einem akuten Anfall sollte sich der Betroffene in eine liegende Position begeben und sich beruhigen. Auch eine Massage des Kopfes oder der Schläfen kann die Übelkeit oder den Schwindelanfall bekämpfen.

Quellen

  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009


Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Bianca kommentierte am 09.01.2013

Ich leide seit 11 Jahren unter Schwindelanfälle, dabei bin ich erst 35 Jahre alt. Ich bin verzweifelt und weiß nicht, was ich machen soll. Zudem mache ich mir deshalb Sorgen um meinen Arbeitsplatz.

Eusebia kommentierte am 17.08.2014

Ich bin wohl einer der seltenen Fälle, bei dem beide Ohren betroffen sind. Seit 2003 hatte ich mehrere Akutphasen, die aber erst 2010 als Menière diagnostiziert wurden. Ich wurde beidseitig mit Hörgeräten versorgt. In einem Anfall bin ich derart heftig gestürzt, dass ich mir durch den Aufprall den Gleichgewichtssinn völlig ausgeknipst habe. Erst als nach einer Odyssee in der Kopfklinik Würzburg festgestellt wurde, wie sehr sich meine Wahrnehmung verändert hatte, war ich erst einmal erleichtert, dass mir keine Einbildung oder Simulieren mehr vorgeworfen wurde. In fast 2 Jahren habe ich mir durch mehrmonatige Aufenthalte in Neurologie/Psychiatrie/Neurologie/Psychosomatik, durch gnadenloses Expositionstraining das unabhängige Gehen bis hin zu Auto und Motorradfahren zurück erobert. Dann der Rückfall letzten Sommer. Nun bin ich wieder am Anfang, aber ich weiß ja jetzt wie es geht. Ich bleibe dran, fahre schon wieder ab und an Fahrrad, aber wenn ich absteige fährt mein Hirn noch weiter geradeaus. Schlimm sind die Bemerkungen und/oder Panik meiner Umwelt: Betrunken? Herzinfarkt? Die vielen Bewegungen um mich herum verstärken die Anfälle und machen es mir recht schwer, das Haus zu verlassen, um einkaufen zu gehen oder wichtige Gänge zu erledigen. Ich bin 52 Jahre alt und habe im Januar durch die Krankheit auch meinen Arbeitsplatz verloren. Dennoch bin ich überzeugt, auch wieder auf die Beine zu kommen. Traurig ist, dass die Krankenkasse mich unbedingt rausdrücken und in die Rente zwingen möchte. Das ist nicht förderlich für mein Gleichgewicht, da Aufregung und Ängste die Attacken verstärken.