Miller-Dieker-Syndrom (MDS)
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Das Miller-Dieker-Syndrom ist eine seltene angeborene Entwicklungsstörung des Gehirns und verursacht schwerwiegende Schäden bei der Ausbildung der Gehirnstruktur. Das Miller-Dieker-Syndrom wird durch einen Gendefekt verursacht. Die Krankheit ist nicht therapierbar und erfordert eine lebenslange und liebevolle Betreuung.
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Was ist das Miller-Dieker-Syndrom?
Das Miller-Dieker-Syndrom ist eine Fehlbildung des Gehirns, die man auch als Lissenzephalie bezeichnet. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie »glattes Gehirn«, (lissos = glatt und enzephalon = Gehirn). Die Struktur eines normalen Gehirns weist zahlreiche Furchen (sulci) und Windungen (gyri) auf, die sich etwa ab der 22. Schwangerschaftswoche ausbilden.
Beim Miller-Dieker-Syndrom ist diese Entwicklung gestört und das Gehirn bleibt weitgehend glatt. Die Störung kann in unterschiedlichen Ausprägungen vorkommen, von der verminderten Anzahl bis zum völligen Fehlen der Hirnwindungen. Oft fehlt beim Miller-Dieker-Syndrom auch der Balken (Corpus callosum), eine Struktur, welche die beiden Gehirnhälften miteinander verbindet und für deren Koordination sorgt.
Die Fehlentwicklung des Gehirns führt zu zahlreichen schweren Behinderungen des Neugeborenen und verursacht eine geringe Lebenserwartung. Das Miller-Dieker-Syndrom kommt sehr selten vor; die Häufigkeit wird auf weniger als einen Fall unter einer Million Geburten geschätzt.
Trotz des ähnlichen Namens hat das Miller-Dieker-Syndrom nichts mit dem Miller-Fisher-Syndrom zu tun. Dabei handelt es sich um eine erworbene Autoimmunerkrankung der Nerven, die nach einem Infekt auftritt und nicht angeboren ist.
Ursachen
Die Ursache des Miller-Dieker-Syndroms liegt im Erbgut und besteht im Verlust eines kleinen Stücks am Ende des kurzen Arms von Chromosom 17 (Genlocus 17p13.3), auf dem mehrere für die Ausbildung der Hirnrinde wichtige Gene liegen. Andere Formen der Lissenzephalie können zwar durch Infektionen oder schädliche Einwirkungen während der Schwangerschaft entstehen; für das Miller-Dieker-Syndrom trifft das jedoch nicht zu.
Die Veränderungen des Genmaterials können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Je nach Fall geht ein kleineres oder ein größeres Stück des Chromosomenarms verloren; davon hängt ab, wie viele Gene betroffen sind. Die dort gelegenen Gene sorgen normalerweise für die Wanderung der Nervenzellen von den inneren Hohlräumen (Ventrikel) des Gehirns nach außen in die Hirnrinde. Beim Miller-Dieker-Syndrom ist diese Wanderung gestört (Migrationsstörung) und die Nervenzellen gelangen nicht bis in die Großhirnrinde.
Dadurch kommen die vielen notwendigen Verbindungen unter den Nervenzellen nicht zustande, die Furchen und Windungen bilden sich nicht und es entsteht die für das Miller-Dieker-Syndrom typische glatte Oberfläche des Gehirns.
In den meisten Fällen entsteht der Chromosomenverlust neu, ohne dass ein Elternteil ihn in sich trägt. Bei einem kleineren Teil der Betroffenen beruht er dagegen auf einer balancierten Chromosomentranslokation eines Elternteils, der selbst gesund ist. Da davon das Wiederholungsrisiko für weitere Kinder abhängt, werden im Rahmen einer genetischen Beratung auch die Chromosomen der Eltern untersucht.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Kennzeichen der seltenen angeborenen Erkrankung ist das nicht normal entwickelte Gehirn. Typisch ist, dass die Furchen und Falten der Großhirnrinde, die in einem gesunden Gehirn vorhanden sind, fast völlig fehlen. Die Oberfläche ist nahezu glatt. In manchen Fällen bestehen in wenigen Arealen ein paar grobe Furchen.
Bereits bei der Geburt fallen die Säuglinge durch niedrige Apgar-Werte auf, auch Atemstörungen können vorkommen. Es besteht eine deutliche geistige Behinderung. Der Schädel des Babys hat keine normale Form. Während der Hinterkopf meist recht stark ausgeformt ist, ist der Kopf insgesamt zu klein und sehr schmal, was man als Mikrozephalie bezeichnet.
An den Schläfenknochen zeigen sich häufig kleine Einsenkungen, die Stirn ist relativ hoch und kann eine verstärkte Faltenbildung aufweisen. Auch die Nase zeigt Auffälligkeiten. Sie ist nur kurz, hat eine breite Nasenwurzel und die Nasenlöcher richten sich nach vorne, statt nach unten. Die Ohren sitzen tiefer und weichen in Form und Furchenbildung von der Norm ab.
Der Abstand zwischen Nase und Lippen ist übermäßig lang. Der Unterkiefer ist klein und nach hinten verschoben, sodass ein fliehendes Kinn besteht. Betroffene Kinder können unter Krampfanfällen leiden, sowie an zu schlaffer oder zu angespannter Muskulatur. Auch Anomalien der Genitalien, Fehlbildungen innerer Organe, Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme und Sprachstörungen kommen vor.
Diagnose & Verlauf
Die typischen Symptome des Miller-Dieker-Syndroms sind ein niedriges Geburtsgewicht und ein kleiner Kopf, der durch die Mikroenzephalie (kleines Gehirn) verursacht wird. Während der Geburt kann es zu Atemschwierigkeiten kommen und die Apgarwerte, ein Punktesystem, das den Zustand des Kindes unmittelbar nach der Geburt beurteilt, sind sehr niedrig.
Säuglinge mit Miller-Dieker-Syndrom weisen Auffälligkeiten im Gesicht auf, wie eine hohe Stirn, eine breite Nase mit nach vorne gerichteten Nasenlöchern, tief sitzende Ohren, ein fliehendes Kinn und eine schmale Oberlippe. Beim Miller-Dieker-Syndrom kommt es auch zu Fehlbildungen an Organen, wie beispielsweise am Herzen, am Magen, an den Geschlechtsorganen oder den Harnwegen. An den Extremitäten sind gelegentlich mehr Finger oder Zehen vorhanden als normal (Polydaktylie) oder einzelne Glieder sind zusammengewachsen (Syndaktylie).
Zusätzlich treten beim Miller-Dieker-Syndrom Krampfanfälle und Bewegungsstörungen auf. Die Diagnose wird in der Regel anhand der Symptome gestellt. Mit einer Sonografie (Ultraschalluntersuchung) durch die noch offene Fontanelle und mit einer Magnetresonanztomografie (erzeugt Schnittbilder) wird die Fehlentwicklung des Gehirns sichtbar. Im EEG (Messen der Hirnströme) sind typische Veränderungen erkennbar. Schließlich kann ein Gentest letzte Sicherheit für die Diagnose Miller-Dieker-Syndrom bringen. Heute wird der Chromosomenverlust dabei in der Regel mit einer Array-Untersuchung des gesamten Erbguts nachgewiesen, die zugleich die Ausdehnung des fehlenden Abschnitts bestimmt.
Komplikationen
Diese können in der Regel nicht behandelt oder therapiert werden, da diese Fehlbildungen irreversibel sind. Der Schädel des Patienten ist klein und es kommt zu erheblichen Störungen bei der Entwicklung des Patienten. Ebenso kann es zu einem Herzfehler kommen, sodass der Betroffene an einem Herztod versterben kann. Die Lebenserwartung wird durch das Miller-Dieker-Syndrom verringert. In einigen Fällen führen die Fehlbildungen am Gehirn auch zu Bewegungsstörungen oder zu Krämpfen.
Die Patienten leiden nicht selten an einer Spastik und an verschiedenen Auffälligkeiten im Gesicht. Eine kausale Behandlung des Miller-Dieker-Syndroms ist nicht möglich. Die Betroffenen sind auf eine lebenslange Therapie und Betreuung angewiesen. Im Verlauf treten häufig schwer einstellbare Krampfanfälle, Schluckstörungen mit der Gefahr des Verschluckens und wiederkehrende Lungenentzündungen hinzu. Die meisten Kinder sterben bereits in den ersten Lebensmonaten; nur einzelne erreichen ein Alter von etwa zehn Jahren.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Da es sich beim Miller-Dieker-Syndrom um eine angeborene Erkrankung handelt, sollte diese in jedem Falle durch einen Arzt untersucht und behandelt werden. Es stellt sich hierbei keine Selbstheilung ein, sodass die Beschwerden und Symptome nur durch den Einsatz eines Mediziners gelindert werden können. Ein Arzt muss beim Miller-Dieker-Syndrom in der Regel dann aufgesucht werden, wenn der Betroffene unter Atem- und Entwicklungsstörungen leidet. Die Betroffenen sind dabei schwerstbehindert und können am Alltag nicht eigenständig teilnehmen.
Ebenfalls kann durch das Miller-Dieker-Syndrom der Kopf deformiert sein, sodass auch diese Beschwerden von einem Arzt untersucht werden sollten. In den meisten Fällen wird das Syndrom selbst schon vor oder kurz nach der Geburt durch einen Arzt diagnostiziert. Weiterhin sollte ein Arzt dann besucht werden, wenn der Patient an Krämpfen oder an Sprachstörungen leidet. Nicht selten führt das Syndrom auch zu psychischen Beschwerden, die nicht nur beim Betroffenen, sondern auch bei den Angehörigen oder bei den Eltern auftreten können. Hierbei empfiehlt sich der Besuch eines Psychologen. Das Miller-Dieker-Syndrom selbst wird dabei durch verschiedene Fachärzte behandelt. Hält ein Krampfanfall länger als fünf Minuten an, folgen mehrere Anfälle unmittelbar aufeinander oder setzt die Atmung des Kindes aus, ist sofort der Notruf 112 zu wählen.
Behandlung & Therapie
Es gibt keine heilende Therapie für das Miller-Dieker-Syndrom, da die Hirnschäden irreversibel sind. Hat das Gehirn die fehlerhafte Entwicklung durchlaufen, so kann man dies nicht mehr rückgängig machen. Man kann nur begleitend behandeln, um die Symptome abzuschwächen.
Antikonvulsive Medikamente helfen gegen Krampfanfälle und mit Physiotherapie können Bewegungsstörungen verringert werden. Wenn Organe geschädigt sind, so werden hier entsprechende Behandlungen durchgeführt.
Insgesamt benötigen die Kinder mit Miller-Dieker-Syndrom eine umfassende und lebenslange Betreuung. Die Lebenserwartung ist von der Ausprägung der Krankheit abhängig, die meisten Kinder sterben jedoch innerhalb der ersten sechs Monate, einige wenige wurden bis zu zehn Jahre alt.
Aussicht & Prognose
Die Prognose für ein Kleinkind mit einem Miller-Dieker-Syndrom (MDS) ist denkbar ungünstig. Wird das Syndrom bereits vor der Geburt festgestellt, entscheiden sich viele Eltern für einen Schwangerschaftsabbruch. Belastbare Zahlen dazu liegen für die deutschsprachigen Länder allerdings nicht vor.
Sowohl die Lebenserwartung als auch die Lebensqualität leiden bei einem Miller-Dieker-Syndrom (MDS). Die meisten Kleinkinder sterben um den sechsten Lebensmonat herum. Insbesondere Herzfehler führen zu einem frühen Kindstod. Sie kommen bei gut zwei Dritteln aller Kinder mit MDS vor. Ausreißer nach oben sind selten. Das älteste Kind wurde vermutlich zehn Jahre alt. Da Behinderungen vorliegen, ist das Leben von Anfang an auf eine intensive ärztliche Begleitung angewiesen. Die Therapie vermag ausschließlich die Beschwerden zu lindern. Eine Heilung ist hingegen ausgeschlossen.
Die Situation ist nicht nur für das Kind selbst belastend. Gerade die Eltern leiden oft unter der Missbildung. Manche benötigen zur Bewältigung eine psychologische Betreuung. Von Bedeutung ist es, das Kind in seinem kurzen Leben als Bereicherung wahrzunehmen. Nur so kann eine Begleitung angesichts eines Miller-Dieker-Syndroms (MDS) glücken.
Vorbeugung
Man kann dem Miller-Dieker-Syndrom nicht vorbeugen, da die Krankheit von einem Gendefekt verursacht wird. Man kann aber pränatale (vorgeburtliche) Untersuchungen durchführen lassen. Wenn das Miller-Dieker-Syndrom vorliegt, besteht die Möglichkeit, die Schwangerschaft abzubrechen. Diese Entscheidung treffen allein die Eltern nach einer ausführlichen und ergebnisoffenen genetischen Beratung.
Nachsorge
Betroffenen stehen bei Hirnerkrankungen in den meisten Fällen nur sehr wenige oder gar keine Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung. Eine frühzeitige Diagnose ändert beim Miller-Dieker-Syndrom zwar nichts an der Fehlbildung des Gehirns selbst, ermöglicht aber eine rechtzeitige Behandlung von Krampfanfällen und Begleiterkrankungen.
Da die Behandlung des Miller-Dieker-Syndroms relativ komplex und langwierig ist, konzentriert sich die Nachsorge auf einen guten Umgang mit der Erkrankung. Die Eltern sollten versuchen, eine grundsätzlich positive Haltung aufzubauen, um ihr Wohlbefinden zu steigern. Dabei können Entspannungsübungen und Meditation helfen, den Geist zu beruhigen und zu fokussieren.
Da die Hirnerkrankungen auch zu psychischen Verstimmungen, zu Depressionen oder zu einer veränderten Persönlichkeit führen können, sind die meisten Patienten auch auf die Unterstützung und die Hilfe der eigenen Familie und der Freunde im Alltag angewiesen. Mitunter kann eine begleitende Therapie bei einem Psychologen die Strapazen lindern und das seelische Gleichgewicht wieder herstellen. Der weitere Verlauf der Nachsorge hängt dabei stark von der genauen Ausprägung der Erkrankung ab, sodass keine allgemeine Voraussage erfolgen kann.
Das können Sie selbst tun
Patienten, die vom Miller-Dieker-Syndrom betroffen sind, leiden unter schweren geistigen Behinderungen und meist auch unter starken körperlichen Defekten oder Beeinträchtigungen. Die meisten Patienten versterben bereits im Kindesalter noch vor ihrem zehnten Geburtstag. Diese Patienten sind weder in der Lage, einen normalen Alltag zu bewältigen, noch verfügen sie über die Fähigkeit zur Selbsthilfe.
In den meisten Fällen sind die Eltern mit der Betreuung und der Pflege ihrer schwerstbehinderten Kinder betraut. Dies stellt die Eltern vor eine sehr schwierige Situation, auf die sie sich häufig nicht vorbereiten konnten, und der sie sich oftmals nicht gewachsen fühlen. Das ist nur allzu verständlich. Eltern oder andere pflegende Angehörige können sich jedoch fachmännische Hilfe holen und sollten auch nicht zögern, dies zu tun. Erste Informationen über diese Möglichkeiten sind bereits im Krankenhaus erhältlich, auch der Kinderarzt kann die Eltern beraten.
Vom Miller-Dieker-Syndrom betroffene Kinder leiden häufig bereits von Geburt an unter starken Schmerzen, die durch ihre gesundheitlichen Probleme ausgelöst werden. Auch viele Formen der Atemnot, erschwerten Atmung und sehr stark erschwerter Nahrungsaufnahme treten meist auf. Für Patienten ist es also besonders wichtig, dass sie verantwortungsbewusst und liebevoll gepflegt und betreut, aber auch fachmännisch behandelt werden. In den meisten Fällen kommt eine palliative Versorgung zum Einsatz, die auch zuhause erfolgen kann.
Quellen
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