Morbus Wolman

Bei Morbus Wolman handelt es sich um eine lysosomale Speicherkrankheit, die auf autosomal-rezessivem Weg vererbt wird. Bei der Erkrankung liegt ein Verlust der Aktivität der sogenannten lysosomalen sauren Lipase vor. Die Erkrankung Morbus Wolman kommt relativ selten vor.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Morbus Wolman?

Morbus Wolman ist eine genetische Erkrankung, bei der ein Defekt in Bezug auf das Enzym der lysosomalen sauren Lipase vorliegt. Das Enzym ist notwendig, um spezielle Lipide im Körper verstoffwechseln zu können. Folglich ist die Metabolisation beeinträchtigt. Morbus Wolman wird stets autosomal-rezessiv vererbt.

Das für die saure Lipase kodierte Gen befindet sich auf Chromosom Nummer 10. Die Lipidstoffspeicherkrankheit (medizinische Bezeichnung Xanthomatose) im Rahmen von Morbus Wolman ist durch eine Verkalkung der Nebennieren gekennzeichnet, die in den meisten Fällen bereits in den ersten Lebenstagen ihren Anfang nimmt.

Ursachen

Die Hauptursache der Erkrankung Morbus Wolman findet sich ausschließlich in einer Vererbung eines genetischen Defekts. Die Erkrankung beruht auf einem kompletten Verlust der Funktion der Lipase, bedingt durch Mutationen auf dem sogenannten LIPA Gen. Dieses Enzym ist für die Spaltung von Lysosomen in Cholesterinester und Triacylglyceride verantwortlich, die auf endozytotische Weise in der Form des Stoffes LDL, einem speziellen Lipoprotein, in die entsprechende Zelle aufgenommen werden.

Unter normalen Umständen bildet sich im Rahmen dieses Vorgangs Cholesterin in freier Form, welches in das sogenannte Zytosol transportiert wird und für die Regulation der Cholesterinsynthese im Endoplasmatischen Reticulum zuständig ist. Bei Vorliegen der Erkrankung Morbus Wolman sammeln sich Cholesterinester in den Lumen der Lysosmen an.

Gleichzeitig erfolgt eine Störung des normalen Ablaufs der Cholesterinsynthese, sodass immer mehr Lipoprotein LDL aufgenommen wird. Es findet eine immer stärkere Akkumulation der Stoffe Cholesterinester und Triacylglyceride statt, was zur Folge hat, dass die Zellen auf langfristige Sicht absterben.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Im Rahmen der Erkrankung Morbus Wolman kann es zu einer Reihe von Symptomen verschiedener Art kommen. Diese Symptome werden in erster Linie durch die übermäßig stattfindende Akkumulation von Lipiden im Körper verursacht. Die Symptomatik von Morbus Wolman ist durch jene der Cholesterinester-Speicherkrankheit geprägt, wobei jedoch noch eine gewisse Restaktivität in Bezug auf die Lipase vorhanden ist.

Die Symptome von Morbus Wolman zeigen sich bereits zeitig und treten in vielen Fällen schon unmittelbar nach der Geburt des betroffenen Patienten auf. Bei Morbus Wolman können zum Beispiel gastrointestinale Beschwerden in Form von Blähungen, Schwellungen im abdominalen Bereich und einem aufgeblähten Leib, Erbrechen sowie darüber hinaus eine ausgeprägte Vergrößerung der Leber und Milz (medizinische Bezeichnung Hepatosplenomegalie) als mögliche Symptome auftreten.

In der Folge von Nekrosen kann es sowohl zu einer Vergrößerung als auch einer Verkalkung der Nebennieren kommen. Auch können Symptome wie beispielsweise Hypercholesterinämie sowie eine Hyperlipidämie auftreten. Zudem kann es zur Entwicklung von lebensbedrohlichen Komplikationen kommen, die sich in vielen Fällen in früher Kindheit ergeben.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei ersten Symptomen der Erkrankung Morbus Wolman werden sofort eingehende fachärztliche Untersuchungen angeordnet, in deren Rahmen die Stellung einer exakten Diagnose möglich wird. In den meisten Fällen wird eine laborchemische Blutanalyse durchgeführt, bei der Veränderungen in den Lipidmustern festgestellt werden können. Dabei treten meist Schaumzellen auf.

Ein weiteres mögliches Instrument zur Diagnose von Morbus Wolman stellt die Leberbiopsie dar. Hier können ungewöhnlich starke Ansammlungen von Lysosomen in den sogenannten Hepatozyten nachgewiesen werden, die Aufschluss über die Krankheit geben können. Die Abgrenzung von Morbus Wolman zu weiteren lysosomalen Speicherkrankheiten kann mittels enzymatischer Aktivitätstests sowie genetischer Analysen erfolgen, in deren Rahmen Mutationen in den jeweiligen Genen identifiziert werden können.

Als apparative Diagnostik zur Feststellung der Erkrankung Morbus Wolman kommen diagnostische Methoden wie Untersuchungen mittels Röntgen und Sonographie in Betracht. Morbus Wolman führt meist bereits innerhalb des ersten Lebensjahres zum Tod.

Komplikationen

Die Beschwerden des Morbus Wolman können sehr unterschiedlich ausfallen. Aus diesem Grund ist in vielen Fällen eine frühzeitige Behandlung auch nicht möglich, da die Symptome und Beschwerden nicht charakteristisch sind. Die Patienten leiden dabei an Blähungen und an Verstopfung.

Dabei kommt es nicht selten auch zu einer Appetitlosigkeit und zu psychischen Beschwerden aufgrund der dauerhaft auftretenden Probleme in der Magen-Gegend. Nicht selten leiden die Patienten auch an einem aufgeblähten Bauch und an Schwellungen. Weiterhin kann es auch zu einer Übelkeit und zu Erbrechen kommen.

Die Beschwerden des Morbus Wolman können die Entwicklung von Kindern deutlich einschränken. Nicht segeln werden Kinder dabei gemobbt oder gehänselt und können auch dadurch psychische Beschwerden entwickeln. Eine kausale Behandlung oder Therapie dieser Krankheit ist nicht möglich.

Die Beschwerden selbst können dabei symptomatisch behandelt und eingeschränkt werden, wobei es in der Regel nicht zu besonderen Komplikationen kommt. Allerdings sind die Patienten auf eine lebenslange Therapie angewiesen, da ein vollständig positiver Krankheitsverlauf in der Regel nicht eintritt. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch den Morbus Wolman allerdings nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Morbus Wolman manifestiert sich meist schon in den ersten Lebenswochen. Wird es nicht unmittelbar nach der Geburt festgestellt, sollte spätestens beim Auftreten der bekannten Symptome ein Arzt konsultiert werden. So müssen wiederkehrende Bauschmerzen, Durchfall oder Erbrechen beim Kind ärztlich abgeklärt werden, damit es nicht zu Komplikationen kommt und ein etwaiger Morbus Wolman frühzeitig erkannt wird. Sollten sich Wachstumsverzögerungen oder chronisches Fieber einstellen, ist unter Umständen auch eine stationäre Behandlung vonnöten. Die eigentliche Therapie muss in jedem Fall eng überwacht werden.

Die Behandlung erfolgt durch den Hausarzt und verschiedene Fachärzte für Infektionskrankheiten und innere Erkrankungen. Bei einem positiven Verlauf sollten die Eltern des betroffenen Kindes zudem einen Physiotherapeuten in die Behandlung miteinbeziehen. Da Morbus Wolman in den meisten Fällen tödlich verläuft, sollte begleitend zur ärztlichen Behandlung ein Therapeut eingeschaltet werden. Gemeinsam mit dem zuständigen Arzt sind außerdem palliativmedizinische Maßnahmen einzuleiten, um auch im letzten Lebensabschnitt eine umfassende Betreuung des Betroffenen zu gewährleisten.

Behandlung & Therapie

Zur Therapie der Erkrankung Morbus Wolman existieren bislang keine spezifischen behandlungstechnischen Methoden. In der Regel findet die Therapie lediglich symptomatisch statt. Dabei werden dem betroffenen Patienten zum Beispiel sogenannte HMG-CoA-Reduktase-Hemmer verabreicht oder es müssen Inhibitoren der Apolipoprotein-B-Synthese oder der Cholesterinsynthese eingenommen werden.

In den vergangenen Jahren sind im Rahmen diverser klinischer Programme zudem erfolgreiche Enzymersatztherapien entwickelt worden, die für unterschiedliche lysosomale Speicherkrankheiten und auch bei Vorliegen von Morbus Wolman angewendet werden können. Dabei wird das entsprechende Enzym in regelmäßigen Abständen extern zugeführt, wodurch eine Minderung oder gar Umkehrung der Symptomatik erfolgen kann. Als operative Therapie von Morbus Wolman kommt zudem die Entfernung etwaiger Polypen in Frage.

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Vorbeugung

Da es sich bei der Erkrankung Morbus Wolman um eine vererbte Krankheit handelt, bestehen keine Möglichkeiten für vorbeugende Maßnahmen. Sollten entsprechende, für die Erkrankung charakteristische Symptome und Anzeichen auftreten, müssen unmittelbar eingehende fachärztliche Untersuchungen des betroffenen Patienten durchgeführt werden. Somit kann ein eventuelles Vorliegen von Morbus Wolman rasch diagnostiziert und entsprechend behandelt werden.

Dadurch können auftretende Symptome der Krankheit gemindert und die Wahrscheinlichkeit des Auftretens potenziell gefährlicher Komplikationen verringert werden. Generell handelt es sich bei Morbus Wolman jedoch um eine Erkrankung, die überaus selten auftritt, wobei die Häufigkeit auf etwa 1:700.000 geschätzt wird.

Das können Sie selbst tun

Die Therapie der mit Morbus Wolman einhergehenden Symptome findet entweder symptomatisch oder durch eine Enzymersatztherapie statt. Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist die nachweisliche Wirkung dieser Behandlungen jedoch umstritten.

Bei der Krankheit, die sich bereits in den ersten Lebenstagen zeigt, sind Selbsthilfemöglichkeiten durch die Eltern abseits der medizinischen Anwendungen kaum möglich. Als unterstützende Maßnahme kann lediglich versucht werden, die den Kindern verabreichte Nahrung bestmöglich an deren schwerwiegenden gesundheitlichen Zustand anzupassen. So kann eine cholesterinarme Diät in Verbindung mit Cholestyramin zur Linderung der Folgen von Morbus Wolman führen.

Die emotionale und physische Präsenz kann sich für die betroffenen Patienten positiv auf deren Lebensqualität auswirken. Da den Eltern keine Möglichkeiten gegeben sind, ihren Kindern auf andere Weise Abhilfe zu verschaffen, sollte sich auf die psychische Begleitung dieser konzentriert werden. Auch schon Neugeborene haben ein sehr feines Gespür für Veränderungen im Verhalten ihrer Eltern. Durch ein emotional möglichst stabiles Umfeld kann den Kindern somit geholfen werden, trotz den Folgen der Krankheit eine Zeit der Geborgenheit zu erfahren. Dabei ist es wichtig, dass auch Eltern und Angehörige sich nicht davor scheuen, Hilfe bei der Betreuung des Kindes anzunehmen.

Quellen

  • Greten, H., Rinninger, F., Greten, T. (Hrsg.): Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 2. Oktober 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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