Erhöhter Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie)
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Erhöhter Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie)
Der Cholesterinspiegel trifft eine Aussage über die Menge des im Blut enthaltenen Cholesterins. Ein erhöhter Cholesterinspiegel oder Hypercholesterinämie bezeichnet somit eine krankhaft erhöhte Menge an Cholesterin im Blut. Cholesterin ist ein Fettstoff, der für den Aufbau der jede Zelle umgebenden Zellmembranen, für etliche Hormone sowie für die Produktion von Gallensäure bedeutsam ist.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist ein erhöhter Cholesterinspiegel?
HDL-Cholesterin („gutes Cholesterin“), eine bestimmte Cholesterin-Art, entfernt Fettstoffe aus den Blutgefäßen. LDL-Cholesterin („schlechtes Cholesterin“) führt den Blutgefäßen dagegen Fettstoffe zu, die dort gesundheitsschädliche Ablagerungen bilden können. Wird von einem erhöhten Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie) gesprochen, so ist das schädliche LDL-Cholesterin gemeint. Die Einteilung in „gutes“ und „schlechtes“ Cholesterin ist dabei eine starke Vereinfachung; tatsächlich handelt es sich um denselben Stoff, der lediglich von unterschiedlichen Transporteiweißen durch das Blut befördert wird.
Der erhöhte Cholesterinspiegel ist der häufigste Sonderfall der erhöhten Blutfettwerte; neben dem Cholesterin können auch die Triglyzeride erhöht sein.
Welcher LDL-Cholesterinspiegel für den einzelnen Menschen noch gesundheitsverträglich ist, hängt davon ab, ob noch weitere Risikofaktoren existieren, die eine Arteriosklerose fördern können. Solche Risikofaktoren sind zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht und Rauchen.
Einen einheitlichen Zielwert, der für alle Menschen gilt, gibt es daher nicht: Je höher das Gesamtrisiko, desto niedriger muss der LDL-Wert liegen. Bei einem mittleren Risikoprofil wird ein LDL-Cholesterinspiegel von bis zu 115 Milligramm pro Deziliter als unbedenklich angesehen. Bei erhöhtem Risiko sollte der Cholesterinspiegel 100 mg/dl nicht überschreiten. Menschen mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Diabetes mellitus oder einer mindestens mittelschweren, chronischen Nierenschädigung sollten einen Cholesterinspiegel von höchstens 70 mg/dl aufweisen.
Diese Abstufung entspricht einer älteren Fassung der europäischen Leitlinien. Nach heutigem Kenntnisstand werden die Zielwerte für stark gefährdete Patienten noch tiefer angesetzt: Wer bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hat, soll ein LDL-Cholesterin von unter 55 mg/dl erreichen. Welcher Wert im Einzelfall gilt, legt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt anhand des persönlichen Gesamtrisikos fest.
Ursachen
Ein erhöhter Cholesterinspiegel beruht teilweise auf genetischer Veranlagung. Aber auch die individuelle Lebensweise hat Einfluss auf den Cholesterinspiegel: Übergewicht, zu fettreiche Ernährung und zu wenig körperliche Bewegung fördern die Entstehung eines erhöhten Cholesterinspiegels.
Über 50 % der in der westlichen Hemisphäre lebenden Menschen weisen heute einen erhöhten Cholesterinspiegel auf. Bei Patienten, die von Geburt an – ausschließlich erblich bedingt – eine Hypercholesterinämie aufweisen (familiäre Hypercholesterinämie), muss der Cholesterinspiegel medikamentös und durch Einhaltung einer Diät gesenkt werden. Diese Form ist besonders ernst zu nehmen: Unbehandelt kommt es bereits in jungen Jahren zu Herzinfarkten. Erkennbar ist sie an knotigen Fettablagerungen in den Sehnen, etwa an der Achillessehne, und an einer auffälligen Familiengeschichte mit frühen Herzinfarkten. Wird sie bei einem Familienmitglied festgestellt, sollten sich auch die nahen Angehörigen untersuchen lassen.
Die Veranlagung zu einem erhöhten Cholesterinspiegel macht sich dadurch bemerkbar, dass die Körperzellen weniger gut oder gar nicht in der Lage sind, Fettstoffe aus dem Blut aufzunehmen, da ihnen eine ausreichende Anzahl zur Fettaufnahme bereiter, sogenannter Rezeptoren fehlt. Das LDL-Cholesterin verbleibt daher mit gesundheitsschädigenden Auswirkungen im Blut.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ein erhöhter Cholesterinspiegel ruft in aller Regel keine eindeutigen Symptome oder Beschwerden hervor. Das Ungleichgewicht der Blutfettwerte kann nur durch Blutuntersuchungen festgestellt werden. Langfristig kann ein erhöhter Cholesterinspiegel allerdings zu Arterienverkalkung führen. Eine Arteriosklerose äußert sich unter anderem durch Schmerzen in Armen und Beinen, Taubheitsgefühle, Schwindel und Brustenge. Einige Personen leiden an wiederkehrenden Herzschmerzen oder Herzrhythmusstörungen.
Zudem können Ohnmachtsanfälle auftreten, begleitet von Herzrasen, Schweißausbrüchen und einem starken Unwohlsein. Werden erhöhte Blutfettwerte nicht behandelt, können sich im Laufe von Monaten oder Jahren weitere Beschwerden einstellen. Neben dem zunehmenden Krankheitsgefühl, das von den Schmerzen und Sensibilitätsstörungen in den Gliedern und dem dauerhaft erhöhten Blutdruck ausgeht, kann es zu diversen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems kommen.
Äußerlich ist ein erhöhter Cholesterinspiegel meist nicht zu erkennen. Bei sehr hohen Werten, vor allem bei der erblichen Form, können jedoch sichtbare Fettablagerungen auftreten: gelbliche Knötchen an den Augenlidern (Xanthelasmen), derbe Knoten über Sehnen wie der Achillessehne (Xanthome) und ein grauweißer Ring am Rand der Hornhaut des Auges (Arcus lipoides). Treten solche Veränderungen auf, ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich.
Diagnose & Verlauf
Die Auswirkungen eines erhöhten Cholesterinspiegels sind nicht kurzfristig zu bemerken. Auf lange Sicht können allerdings gravierende gesundheitliche Folgen eintreten.
Eine Hypercholesterinämie vergrößert die Gefahr einer Arterienverkalkung, die dann zu einer schwerwiegenden Erkrankung der Herzkranzgefäße führen und ebenso einen Herzinfarkt auslösen kann.
Die Gefahr, dass sich Blutgefäße bei erhöhtem Cholesterinspiegel durch zunehmende Verkalkung verengen, kann aber außer dem Herz z. B. auch die Beine betreffen. Sollte ein Blutgefäß gefährlich stark verengt werden, das für die Versorgung des Gehirns zuständig ist, kommt es zu einem Schlaganfall.
Erreicht der erhöhte Cholesterinspiegel einen Wert von 250 mg/dl, ist das Risiko eines Herzinfarktes um 100 % erhöht. Bei 300 mg/dl hat sich die Gefahr bereits vervierfacht.
Eine Hypercholesterinämie kann sich auch in Form von gelblichen Cholesterin-Ablagerungen zum Beispiel an Sehnen, Augenlidern und in der Haut bemerkbar machen.
Komplikationen
Zu viel Cholesterin im Blut kann dazu führen, dass sich das Cholesterin an den Wänden der Arterien ablagert. Dadurch kann sich Arteriosklerose beschleunigen. Blutgefäße werden in steife, verkalkte Röhren verwandelt, die den Bluttransport immer schlechter unterstützen. Folglich muss das Herz stärker pumpen und der Blutdruck steigt an.
Die Blutversorgung nimmt dort ab, wo Gefäße durch Ablagerungen stark verengt sind. Folglich können Nieren, Gehirnzellen, Herzmuskeln, Muskeln in den Beinen und Zellen der Augen zu wenig Sauerstoff erhalten. Ihre Funktionen lassen nach.
Weiterführende Komplikationen können Demenz, Schmerzen in den Beinen bei Bewegung oder am Herzen bei Belastung sein. Zudem können sich Ablagerungen von den Gefäßwänden lösen. Die Klümpchen werden vom Blutstrom weggetragen und können an anderen Stellen Gefäße komplett verschließen. Geschieht dies am Herzmuskel, kann es zu einem lebensbedrohlichen Herzinfarkt kommen.
Ist das Gehirn von einem Gefäßverschluss betroffen, kann es zu einem Schlaganfall mit gravierenden Folgen kommen. Betroffene können viele Körperfunktionen verlieren und auch an einem Schlaganfall sterben. Mit einem erhöhten Cholesterinspiegel kann auch eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) einhergehen. Zudem können die Nieren in Mitleidenschaft gezogen werden, etwa in Form einer Nierenschwäche (Niereninsuffizienz). Cholesterin kann sich auch in der Haut und in den Sehnen ablagern.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Ein Arztbesuch sollte stattfinden, sobald der Betroffene unter einer starken Gewichtszunahme leidet. Bei Übergewicht oder Fettleibigkeit besteht Grund zur Besorgnis und eine ärztliche Untersuchung sollte eingeleitet werden. Kommt es zu Schweißausbrüchen, verminderten Bewegungsmöglichkeiten oder Bluthochdruck, ist ein Arzt zu konsultieren.
Bei Schlafstörungen, Veränderungen des Herzrhythmus, einem allgemeinen Unwohlsein oder Herzrasen ist ein Arztbesuch notwendig. Treten Knochen- und Gelenkbeschwerden auf, sollte ein Arzt konsultiert werden. Bei Schmerzen, Muskelproblemen sowie Atemnot wird ein Arzt benötigt. Leidet der Betroffene unter Störungen der Durchblutung, besteht Grund zur Besorgnis.
Ein Arzt ist zu kontaktieren, wenn es hormonelle Probleme, Stimmungsschwankungen oder Reizbarkeit vorliegen. Treten Funktionsstörungen einzelner Systeme auf oder kommt es zu Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit, sollte ein Arzt konsultiert werden. Bei Störungen des Bewusstseins, Schwindel sowie Vergesslichkeit ist eine ärztliche Untersuchung notwendig.
Störungen der Erektion sowie des Sehens oder Hörens sind besorgniserregend und müssen von einem Arzt behandelt werden. Ein Druckgefühl im Körperinneren, ein Krankheitsgefühl oder allgemeine Schwäche sind einem Arzt vorzustellen. Schmerzen in den Armen oder Beinen sind von einem Arzt abklären zu lassen. Irritationen auf der Haut, ein Kribbeln in den Gliedmaßen oder Taubheitsgefühle am Körper sollten ebenfalls untersucht und behandelt werden.
Behandlung & Therapie
Vor Beginn einer Therapie eines erhöhten Cholesterinspiegels muss zunächst festgestellt werden, ob weitere, eine Arterienverkalkung begünstigende Risikofaktoren gegeben sind, wie z. B. Übergewicht, zu fettreiche Ernährung, Rauchen, Bewegungsmangel, Bluthochdruck oder Diabetes. Aus diesem Gesamtbild ergibt sich der Zielwert, auf den der Cholesterinspiegel gesenkt werden muss.
Eine erste Maßnahme ist die Umstellung der Ernährung auf cholesterinarme und ballaststoffreiche Kost. Lange Zeit stand dabei der Rat im Vordergrund, möglichst wenig Cholesterin zu essen. Nach heutigem Kenntnisstand beeinflusst das Nahrungscholesterin den Blutspiegel bei den meisten Menschen jedoch nur wenig; entscheidend ist stattdessen, gesättigte Fette und Transfette zu verringern und sie durch pflanzliche Öle zu ersetzen. Außerdem gilt es, den erhöhten Cholesterinspiegel durch körperliche Betätigung zu senken. Andere Krankheiten, wie Diabetes, die eine Hypercholesterinämie begünstigen, werden parallel therapiert.
Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kommen Medikamente hinzu. Mittel der ersten Wahl sind die Statine, die die körpereigene Cholesterinbildung in der Leber hemmen; für sie ist am besten belegt, dass sie Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern.
Sogenannte Cholesterin-Aufnahme-Hemmer – hierzu zählt der Wirkstoff Ezetimib – bewirken bei erhöhtem Cholesterinspiegel, dass das in der Nahrung befindliche Cholesterin vom Dünndarm nicht in den Körper aufgenommen wird. Sie werden meist mit einem Statin kombiniert. Wird der Zielwert damit noch nicht erreicht, stehen die PCSK9-Hemmer zur Verfügung, die als Spritze unter die Haut gegeben werden und das LDL-Cholesterin sehr stark senken, sowie die Bempedoinsäure als weitere Tablette.
Sogenannte Austauscherharze verhindern, dass von der Leber in den Darm ausgeschüttete Gallensäure wieder zurück in den Körper gelangt. Dies führt dazu, dass die Leber die nun fehlende Gallensäure mithilfe des im Blut befindlichen Cholesterins ersetzt, so dass die Hypercholesterinämie reduziert wird. Auch die Nikotinsäure, die das Freisetzen von Fettsäuren aus dem Fettgewebe unterdrückt, wurde früher zu diesem Zweck verordnet. Große Studien haben inzwischen jedoch gezeigt, dass sie das Herzinfarktrisiko nicht senkt, dafür aber erhebliche Nebenwirkungen hat; sie wird deshalb nicht mehr empfohlen. Auch die Austauscherharze spielen heute nur noch eine Nebenrolle.
Pflanzliche Wirkstoffe wie z. B. Knoblauch wurden lange ergänzend gegen den erhöhten Cholesterinspiegel eingesetzt. Nach heutigem Kenntnisstand ist ein nennenswerter Effekt auf den Cholesterinspiegel jedoch nicht belegt, sodass sie eine wirksame Behandlung nicht ersetzen können. Wird eine Hypercholesterinämie diagnostiziert, sind regelmäßige Untersuchungen der Blutfettwerte zu empfehlen.
Aussicht & Prognose
Die Prognose eines erhöhten Cholesterinspiegels ist nach den individuellen Gegebenheiten zu bewerten. Bei vielen Betroffenen genügt eine Veränderung des Lebenswandels und eine Optimierung der Nahrungsmittelzufuhr. Ausreichende Bewegung, sportliche Aktivitäten und die Vermeidung von Übergewicht sind notwendig, um eine Linderung der Beschwerden zu bewirken. Die Lebensmittel sollten nach Möglichkeit keine übermäßigen tierischen Fette beinhalten und auf Schadstoffe wie Nikotin sowie Alkohol sollte verzichtet werden. Liegen keine weiteren Erkrankungen vor, ist mit den beschriebenen Maßnahmen eine gute Prognose gegeben.
Bei einer vorhandenen Grunderkrankung hängt die Prognose vom Zeitpunkt der Diagnose sowie den Behandlungsmöglichkeiten der Krankheit ab. Bei einer chronischen oder einer angeborenen Störung ist nicht mit einer Heilung zu rechnen. Bei einem Diabetes oder einer Stoffwechselerkrankung kommt es in den meisten Fällen zu einer lebenslangen Therapie. In regelmäßigen Abständen müssen Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden. Der Cholesterinspiegel wird gemessen und die Dosis der Medikamente an die aktuellen Werte angepasst.
Obgleich bei den meisten Patienten keine Genesung stattfindet, werden durch die Arzneien deutliche Linderungen der Beschwerden erreicht. Der Betroffene kann trotz des erhöhten Cholesterinspiegels eine gute Lebensqualität haben und ein Leben mit der Erkrankung führen. Ohne eine Behandlung droht eine Verkalkung der Arterien. Es kann sich ein lebensgefährlicher Zustand entwickeln, da die Blutgefäße langsam verstopfen.
Vorbeugung
Um einen erhöhten Cholesterinspiegel zu vermeiden, sollte auf eine gesunde Lebensweise geachtet werden. Dazu zählt eine Ernährung mit fettarmer Mischkost. Fisch und Geflügel enthalten nur einen geringen Anteil an gesättigten Fettsäuren.
Auch ist eine ballaststoffreiche Nahrung (z. B. Vollkornbrot, Früchte und Gemüse) zu präferieren. Olivenöl und Sonnenblumenöl wirken sich positiv auf den erhöhten Cholesterinspiegel aus. Lange galt auch in Maßen genossener Rotwein als förderlich, weil er das HDL-Cholesterin erhöht. Heute überwiegt die Einschätzung, dass sich daraus keine Empfehlung ableiten lässt: Der Schaden durch Alkohol wiegt schwerer als der mögliche Nutzen, und wer keinen Alkohol trinkt, sollte damit auch nicht beginnen.
Fettreiche Milchprodukte, Butter, Sahne und Süßwaren sollten dagegen gemieden werden. Nüsse hingegen dürfen ausdrücklich auf dem Speiseplan stehen – trotz ihres hohen Fettgehalts wirken sie sich günstig auf die Blutfettwerte aus. Auch die früher übliche strenge Warnung vor Eiern gilt heute als überholt, da der Einfluss des Nahrungscholesterins auf den Blutspiegel gering ist. Bewegung in der Form eines regelmäßigen Ausdauertrainings ist zu empfehlen. Auf das Rauchen sollte verzichtet werden, da es das Herzinfarktrisiko vervielfacht.
Nachsorge
Ein leicht erhöhter Cholesterinspiegel muss nicht unbedingt zum Gegenstand der Nachsorge werden. Im Auge behalten müssen die Betroffenen diesen dennoch - vor allem im Zusammenhang mit Übergewicht, Diabetes Typ 2 und Bluthochdruck. Eine Hypercholesterinämie sollte auf jeden Fall überwacht werden. Sie kann sich durch sogenannte Xanthome anzeigen.
Da der Organismus das Cholesterin selbst herstellt, muss ein erhöhter Cholesterinspiegel nicht notgedrungen auf einen zu hohen Verzehr von Eiern und Fleischprodukten hinweisen. In der Nachsorge ist eine Diät meistens nicht notwendig - es sei denn, sie dient dem Gewichtsverlust. Außerdem kann der Patient gefährdeter für alle Folgen einer Arteriosklerose sein. Entsprechende Vorsorgeuntersuchungen sind ratsam.
Einer engmaschigen Überwachung und Nachsorge bedarf eine Hypercholesterinämie jedoch bei Transplantationspatienten. Viele der dort eingesetzten Immunsuppressiva, also der Medikamente zur Unterdrückung der Abstoßungsreaktion, treiben den Cholesterinspiegel in die Höhe. Hier umfasst die Nachsorge allerdings vor allem das Transplantat und die Immunfunktionen. Erst in zweiter Instanz werden die Cholesterinwerte wichtig.
In der Nachsorge einer Hypercholesterinämie sind Gewichtsabbau und viel Bewegung sowie eine Anpassung der Ernährung die am häufigsten verfolgten Ansätze. Alkohol- und Nikotingenuss sollten vermieden werden. Eine medikamentöse Behandlung wird bei anhaltend hohen Cholesterinwerten oder bei hohem Gefäßrisiko vorgenommen; an erster Stelle stehen dabei die CSE-Hemmer (Cholesterinsyntheseenzymhemmer), die sogenannten Statine, gegebenenfalls ergänzt um Ezetimib oder einen PCSK9-Hemmer. Ältere Mittel wie die Anionen-Austauscher Colestyramin oder die Nikotinsäure werden dagegen kaum noch verordnet; Fibrate kommen vor allem bei stark erhöhten Triglyzeriden zum Einsatz. Gegebenenfalls wird bei den Betroffenen eine Blutwäsche vorgenommen, bei der das LDL-Cholesterin direkt aus dem Blut herausgefiltert wird.
Das können Sie selbst tun
Eine Änderung des Lebensstils trägt in vielen Fällen bereits wesentlich zur Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels bei. Bei der Ernährung sollte Wert auf eine fettarme und ballaststoffreiche Kost mit viel frischem Gemüse und Obst sowie Vollkornprodukten gelegt werden. Auf fettes Fleisch wird besser ganz verzichtet, Geflügel und Fisch sind eine gute Alternative zur deftigen Hausmannskost.
Zur Zubereitung empfiehlt sich die Verwendung pflanzlicher Fette, die reich an ungesättigten Fettsäuren sind, wie etwa Oliven-, Sonnenblumen- oder Walnussöl. Viele pflanzliche Öle sowie Lachs, Hering und Makrele weisen einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren auf, die vor allem erhöhte Triglyzeridwerte senken können. Um Übergewicht abzubauen, sollte auch der Konsum von Zucker und Alkohol eingeschränkt werden. Früher wurde dabei häufig eine Ausnahme für Rotwein gemacht, weil er den Anteil des HDL-Cholesterins im Blut steigert. Heute wird davon abgeraten, Alkohol zu diesem Zweck zu trinken: Der Nutzen ist geringer als lange angenommen, die Risiken überwiegen.
Regelmäßige Bewegung, am besten an der frischen Luft, kann ebenfalls zur Senkung der Blutfettwerte beitragen: Die Ausübung einer Ausdauersportart wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren wirkt sich zudem positiv auf Kondition und Körpergewicht aus. Rauchen erhöht in Verbindung mit einer Hypercholesterinämie das Risiko eines Herzinfarktes und anderer Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auf Nikotinkonsum sollte daher vollständig verzichtet werden.
Quellen
- Weber, M. M., Parhofer, K. G. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel.
ISBN: 9783437238574
- Diederich, S., Feldkamp, J., Grußendorf, M., Reincke, M.: Checkliste Endokrinologie und Diabetologie.
ISBN: 9783132454132
- Schäffler, A.: Funktionsdiagnostik in Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel.
ISBN: 9783662685624
- Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
ISBN: 9783662629314
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655

