Neuritis vestibularis

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Als Neuritis vestibularis bezeichnen Mediziner eine Funktionsstörung des Gleichgewichtsorgans. Dabei leiden die Betroffenen unter Drehschwindel.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Neuritis vestibularis?

Neuritis vestibularis
Als typisches Symptom der Neuritis vestibularis gilt ein heftiger Drehschwindel. Dieser geht in der Regel mit Übelkeit und Erbrechen einher.
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In der Medizin ist die Neuritis vestibularis auch als Neuropathia vestibularis bekannt. Gemeint ist damit eine akut auftretende Störung der Funktion des Gleichgewichtsorgans, das sich im Innenohr befindet. Betroffen ist dabei der Gleichgewichtsnerv, der die Signale aus dem Innenohr zum Gehirn leitet. Weitere Bezeichnungen für die Erkrankung lauten Vestibulopathie, Vestibularis-Neuropathie sowie Neuronitis vestibularis.

Dabei bedeutet Neuronitis übersetzt „Nervenentzündung“. Mitunter wird das Leiden auch „Hörsturz des Gleichgewichtsorgans“ genannt. Die Inzidenz der Neuritis vestibularis liegt bei 3,5 von 100.000 pro Jahr. Der Anteil an den Diagnosen in Spezialkliniken für Schwindel beträgt rund sieben Prozent.

Dabei zählt die Neuropathia vestibularis zu den drei häufigsten Schwindelformen. In den meisten Fällen tritt die Schwindelerkrankung zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr auf. Außerdem zeigt sich die Vestibulopathie oftmals im Frühling oder im Frühsommer.

Ursachen

Welche Ursachen für die Neuritis vestibularis in Betracht kommen, ist noch immer unklar. Es wird vermutet, dass Viren für das Entstehen der Erkrankung verantwortlich sind. So zeigen sich vor Ausbruch der Neuropathia vestibularis nicht selten virale Infekte. Aber auch Durchblutungsstörungen können die Auslöser der Schwindelerkrankung sein.

Diese rufen Funktionsstörungen oder sogar einen Funktionsausfall des Gleichgewichtsorgans auf der Körperseite, die von der Erkrankung betroffen ist, hervor. Während das Gehirn der betroffenen Person auf der gesunden Seite nach wie vor normale Signale erhält, zeigt sich auf der erkrankten Seite überhaupt kein oder nur ein gestörtes Signal. Durch dieses Ungleichgewicht leidet der Patient im Anfangsstadium unter starken Schwindelattacken. Als weitere seltene Ursachen werden Herpes-Infektionen, die Lyme-Borreliose sowie Autoimmunkrankheiten vermutet.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Als typisches Symptom der Neuritis vestibularis gilt ein heftiger Drehschwindel. Dieser geht in der Regel mit Übelkeit und Erbrechen einher. Auch das allgemeine Befinden des Patienten leidet unter der Erkrankung. Nicht selten ist der Schwindel so heftig ausgeprägt, dass die Betroffenen ohne Hilfe nicht imstande sind, zu laufen.

In manchen Fällen tritt eine Besserung der Beschwerden ein, wenn der Patient sich ruhig auf den Rücken legt und dabei die Augen schließt. Werden jedoch selbst leichte Bewegungen ausgeführt, verschlechtert sich der Zustand wieder. Die Symptome der Neuritis vestibularis halten meist einige Tage lang an. Im weiteren Verlauf werden sie jedoch allmählich besser.

Eine weitere Begleiterscheinung der Neuropathia vestibularis stellt der Nystagmus dar, bei dem es zu ruckartigen Augenbewegungen kommt. Dabei bewegen sich die Augen in Richtung der Nerven des Gleichgewichtsorgans, die nicht von der Erkrankung betroffen sind. Als typisch gilt zudem eine Fallneigung im Stehen oder Sitzen zur erkrankten Seite hin. In der Regel nicht beeinträchtigt wird bei einer Neuritis vestibularis das Gehör des Patienten. Ebenso fehlen neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Sprech- oder Schluckstörungen. Treten solche Zeichen doch auf, liegt der Erkrankung eine andere Ursache zugrunde.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Verdacht auf eine Neuritis vestibularis sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Dieser befasst sich zunächst mit der Anamnese (Krankengeschichte) des Patienten und lässt sich von ihm die Symptome beschreiben. Von Interesse sind außerdem mögliche Vorerkrankungen.

Eine wichtige Rolle spielt auch der Nystagmus der Augen. Zu dessen Überprüfung setzt sich der Patient eine spezielle Frenzel-Brille auf. Als wichtigste Untersuchung am Krankenbett gilt heute zudem der Kopfimpulstest: Dabei dreht die Ärztin oder der Arzt den Kopf des Patienten ruckartig zur Seite und beobachtet, ob die Augen den Blickpunkt halten. Ein auffälliger Befund spricht für eine Störung des Gleichgewichtsnervs, ein unauffälliger Befund bei anhaltendem Drehschwindel dagegen für eine Ursache im Gehirn. Nächster Schritt ist das Vornehmen einer Vestibularisprüfung zur Untersuchung des Gleichgewichts. Dabei wird der Gehörgang einer warmen Spülung ausgesetzt. Bei diesem Verfahren werden auch die Augen kontrolliert. Bei einer Neuritis vestibularis bleibt die erwartete Augenbewegung auf der erkrankten Seite ganz aus oder fällt deutlich schwächer aus als auf der gesunden Seite.

Sinnvoll können zudem spezielle Untersuchungen der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde oder bildgebende Diagnoseverfahren sein. Dazu gehören die Sonographie (Ultraschalluntersuchung), die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT). Der Hals-Nasen-Ohrenarzt stellt die Diagnose durch eine Kalorikprüfung des Innenohrs sicher. Soll ein Schlaganfall im Kleinhirn oder im Hirnstamm ausgeschlossen werden, ist dafür die Magnetresonanztomografie erforderlich; eine Computertomografie erkennt frische Durchblutungsstörungen in dieser Region häufig nicht.

Dabei kommt es am Gleichgewichtsorgan zu einer thermischen Untererregbarkeit, die sich bei der Spülung mit warmem beziehungsweise kaltem Wasser oder Luft zeigt. Da Schwindelanfälle außerdem zahlreiche andere Ursachen haben können, ist deren Abgrenzung bei Verdacht auf eine Neuritis vestibularis besonders wichtig. Bei den möglichen Erkrankungen kann es sich um Morbus Meniere oder den gutartigen Lagerungsschwindel handeln.

Die Neuritis vestibularis nimmt in der Regel einen positiven Verlauf. So ist bei den meisten Patienten der Gleichgewichtssinn nach einem Zeitraum von circa zwölf Wochen wiederhergestellt oder zumindest verbessert. Etwa 15 Prozent aller Betroffenen leiden jedoch zusätzlich unter einem gutartigen Lagerungsschwindel.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein plötzlich einsetzender heftiger Drehschwindel kann auch durch einen Schlaganfall im Kleinhirn oder im Hirnstamm verursacht sein. Treten zusätzlich Doppelbilder, Sprech- oder Schluckstörungen, Taubheitsgefühle, Lähmungen, sehr starke Kopfschmerzen oder die Unfähigkeit auf, ohne Hilfe zu stehen, ist das ein Notfall: Dann muss sofort der Notruf 112 gewählt werden. Auch ein Drehschwindel, der sich nicht innerhalb weniger Tage bessert, gehört rasch ärztlich untersucht.

Gangunsicherheiten und ein vermehrtes Auftreten von Unfällen oder Stürzen sind Anzeichen einer bestehenden Unregelmäßigkeit. Sie sind einem Arzt vorzustellen, damit schwere Schäden vermieden werden können. Bei Schwindel, Übelkeit und Erbrechen wird ein Arzt benötigt. Charakteristisch ist ein sogenannter Drehschwindel, der eine Unmöglichkeit des Geradeausgehens auslöst. Kommt es zu einer Schiefhaltung des Körpers bei der Fortbewegung, Bewegungsunsicherheiten oder einem insgesamt sehr instabilen Auftreten, ist ein Arzt aufzusuchen. Werden von umstehenden Personen ungewöhnliche Augenbewegungen des Betroffenen wahrgenommen, ist dies mit einem Arzt zu besprechen.

Charakteristisch für die Neuritis vestibularis ist eine vorübergehende Besserung der Beschwerden. Diese tritt ein, sobald sich der Betroffene in Rückenlage eine Ruhephase gönnt und dabei die Augen schließt. Umgekehrt nehmen die Beschwerden an Intensität zu, sobald leichte Bewegungen ausgeführt werden. Wird Hilfe bei der Fortbewegung benötigt, können die alltäglichen Verpflichtungen nicht mehr allein bewerkstelligt werden oder kommt es zu einem verminderten Hörvermögen, ist ein Arzt aufzusuchen.

Entsteht ein Druckgefühl im Ohr, kommt es zu Ohrgeräuschen oder können bestimmte Frequenzen nicht mehr wie gewohnt gehört werden, spricht das gegen eine Neuritis vestibularis und für eine andere Erkrankung des Ohres; auch das ist ärztlich abzuklären. Eine Fallneigung des Betroffenen im Sitzen oder Stehen gilt als ungewöhnlich. Sie sollte ärztlich abgeklärt werden, damit die Ursache der Beschwerden diagnostiziert werden kann und eine Behandlung eingeleitet wird.

Behandlung & Therapie

Mitunter kann es bei einer Neuritis vestibularis erforderlich sein, die betroffenen Personen stationär in einem Krankenhaus zu behandeln. So halten die Patienten in der Akutphase meist für kurze Zeit Bettruhe ein. Längere Bettruhe wurde früher empfohlen, gilt heute aber als hinderlich: Je früher sich Betroffene wieder bewegen, desto schneller gewöhnt sich das Gehirn an den Ausfall des Gleichgewichtsnervs. Zur Behandlung von Symptomen wie Schwindelgefühlen, Erbrechen und Übelkeit werden ihnen entsprechende Medikamente verabreicht. Solche Schwindelmittel gibt man jedoch nur wenige Tage lang, weil sie die natürliche Anpassung des Gleichgewichtssystems sonst verzögern.

Um die Durchblutung zu verbessern, finden mehrere Infusionen statt. Diese sind auch hilfreich, um Flüssigkeit, die durch Erbrechen verloren geht, zu ersetzen. Früher wurden durchblutungsfördernde Infusionen regelmäßig gegeben; nach heutigem Kenntnisstand ist ihr Nutzen nicht belegt, sodass Infusionen vor allem dem Flüssigkeitsersatz dienen. Als bewährtes Medikament gilt das Glucocorticoid Methylprednisolon. Die Behandlung mit dem Stoff dauert etwa eine Woche. Im Verlauf der Therapie wird die Dosis nach und nach reduziert; die Behandlung soll die Erholung des Gleichgewichtsnervs unterstützen. Der Nutzen der Kortisonbehandlung ist allerdings umstritten: Neuere Untersuchungen konnten keinen sicheren Vorteil für die langfristige Erholung des Gleichgewichtssinns belegen.

Sobald es der Zustand des Patienten erlaubt, finden Trainingsmaßnahmen statt, in deren Rahmen er den Umgang mit seinen Beschwerden erlernt. Im Mittelpunkt steht dabei das intensive Gleichgewichtstraining. Es gilt heute als wichtigste Behandlung der Neuritis vestibularis und sollte bereits in den ersten Tagen beginnen. Es dient dazu, den Heilungsprozess zu beschleunigen. Zu diesem Zweck setzt der Arzt unter kontrollierten Bedingungen das Gleichgewichtssystem Situationen aus, bei denen es zu Schwindelgefühlen kommt. Durch den Reiz lässt sich die Erholung fördern.

Komplikationen

In der Regel ist die Prognose bei Neuritis vestibularis günstig. Schwerwiegende Komplikationen kommen nur vereinzelt vor. Meist ist der Schwindel nach ungefähr einem Vierteljahr wieder vorbei. In seltenen Fällen kann es jedoch zu Rezidiven kommen, die dann aber das andere Ohr betreffen. Des Weiteren tritt bei circa 15 Prozent aller Patienten ein benigner (gutartiger) Lagerungsschwindel im gleichen Ohr auf.

Auch dieser kann gut behandelt werden und stellt nur eine vorübergehende Erscheinung dar. Komplizierter wird es jedoch für Betroffene, die den krankheitsbedingten Drehschwindel als traumatisches Ereignis erleben. In diesen Fällen kann sich zusätzlich ein anhaltender Schwankschwindel entwickeln, der heute als funktioneller Schwindel beziehungsweise als persistierender postural-perzeptiver Schwindel bezeichnet wird. Er ist keine eingebildete Beschwerde: Nach dem abgeklungenen organischen Ausfall bleibt die Gleichgewichtsregulation fehlgesteuert. Behandelt wird er mit Aufklärung, fortgesetztem Gleichgewichtstraining und – wenn eine Angststörung hinzukommt – zusätzlich verhaltenstherapeutisch.

Eine schwerwiegende Komplikation des Drehschwindels ist ein Sturz, der oft mit schweren Verletzungen und Knochenbrüchen verbunden ist. Dieses Risiko betrifft besonders ältere Menschen, deren Knochenstabilität bereits zusätzlich durch Osteoporose herabgesetzt ist. Sehr selten kommt es bei Neuritis vestibularis zu einem chronischen beidseitigen Labyrinthausfall.

Hier ist die Steh- und Gehmotorik bei Dunkelheit oder geschlossenen Augen gestört. Langfristig führt der beidseitige Ausfall häufig zu einer ausgeprägten Unsicherheit bei der räumlichen Orientierung. Die Ausübung von Gefahrberufen oder Risikosportarten ist dann nicht mehr möglich.


Aussicht & Prognose

Verlauf und Prognose einer Neuritis vestibularis sind günstig. Zumeist klingt der akute Drehschwindel innerhalb von zwei bis drei Wochen von selbst ab. Bei der Mehrheit der Betroffenen normalisiert sich der Gleichgewichtssinn nach spätestens 12 Wochen vollständig oder zumindest teilweise. Ein Teil der Betroffenen zeigt allerdings auch nach mehreren Monaten noch Schwindelbeschwerden.

In nur seltenen Fällen geht der Schwindel in andere Formen von Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen über. So zeigt sich bei bis zu 15 Prozent der Betroffenen zusätzlich ein sogenannter benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (gutartiger Lagerungsschwindel) im betroffenen Ohr. Dieser zeichnet sich durch kurze Drehschwindelattacken bei Bewegungen bzw. Lagerungsveränderungen des Kopfes (Hinab- oder Hochschauen, Drehen des Kopfes) oder beim Hinlegen aus. Der anhaltende Drehschwindel kann die betroffene Person zudem so traumatisieren, dass sich durch eine ängstliche Erwartungshaltung vor einer möglichen Schwindelattacke ein phobischer Schwankschwindel entwickelt.

Die individuelle Prognose hängt dabei vor allem davon ab, dass die betroffene Person schnellstmöglich wieder körperlich aktiviert wird. Auch der Allgemeinzustand ist für die Prognose bedeutend. So leiden ältere Betroffene aufgrund ihres vergleichsweise schlechteren Allgemeinzustands häufig länger unter den bestehenden Beschwerden. Rezidive (Wiederauftreten des Schwindels) treten lediglich in sehr seltenen Fällen auf und betreffen dann in aller Regel das zuvor nicht erkrankte Ohr.

Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen gegen die Neuritis vestibularis sind nicht bekannt. So liegen die Ursachen der Schwindelerkrankung noch immer im Dunkeln.

Nachsorge

Bei der Neuritis vestibularis stehen dem Patienten in den meisten Fällen nur sehr wenige und eingeschränkte Möglichkeiten der direkten Nachsorge zur Verfügung. Der Betroffene sollte daher idealerweise frühzeitig einen Arzt aufsuchen und dabei auch eine Behandlung einleiten, um das Auftreten von weiteren Komplikationen und Beschwerden zu verhindern. Die Beschwerden bilden sich häufig auch von selbst zurück; eine ärztliche Abklärung ist dennoch wichtig, um andere Ursachen des Schwindels auszuschließen.

In der Akutphase sind die meisten Patienten auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen. Dabei sollte der Betroffene alle Anweisungen des Arztes beachten und die Medikamente regelmäßig und auch in der richtigen Dosierung einnehmen. Dabei ist bei Fragen oder bei Unklarheiten immer zuerst ein Arzt zu konsultieren.

Weiterhin ist in vielen Fällen die Unterstützung des Betroffenen durch die eigene Familie notwendig. Betroffene sollten viel trinken, um die Beschwerden zu lindern. Die Medikamente selbst können dabei nach Rücksprache mit einem Arzt langsam abgesetzt werden. Wichtigster Bestandteil der Nachsorge ist es, das Gleichgewichtstraining zu Hause fortzuführen, bis der Schwindel im Alltag nicht mehr stört. Häufig kann auch der Kontakt zu anderen Betroffenen der Neuritis vestibularis sehr sinnvoll sein, da es dabei zu einem Austausch an Informationen kommt, wobei diese den Alltag des Patienten deutlich erleichtern können.

Das können Sie selbst tun

Nach der eindeutigen Diagnose einer Neuritis vestibularis können sich Maßnahmen der Alltags- und Selbsthilfe auf eine Verbesserung des Umgangs mit der Erkrankung und auf eine Verkürzung des Heilungsprozesses auswirken. Unabhängig davon, ob die Erkrankung auf Durchblutungsstörungen in den Vestibularorganen beruht oder andere Ursachenfaktoren zugrunde liegen, sind neben der medikamentösen Behandlung praktische Übungen sinnvoll. Sie dienen auch der unmittelbaren Begegnung und Erleichterung der Schwindelattacken und der Übelkeitsgefühle.

Um den Nystagmus, die abgehackte unwillkürliche Augenbewegung, zu überwinden, hilft es beispielsweise, sich aufrecht auf einen Stuhl zu setzen und vor den Augen mit 30 cm bis 50 cm Abstand die Hand mit ausgestrecktem Finger nach rechts und nach links zu führen. Dabei sollten die Augen ohne Kopfdrehung der Hand bzw. dem Finger folgen. Durch die Übung wird die unwillkürliche Augenbewegung (Nystagmus) durch eine willentlich ausgeführte Augenbewegung überlagert und dadurch abgeschwächt.

Andere regelmäßig durchgeführte Übungen, die normalerweise der Stärkung der Vestibularorgane dienen, helfen auch zur Überwindung der Übelkeit infolge der Neuritis vestibularis. Konkret handelt es sich um Übungen wie „auf einem Bein stehen“, „auf einer Linie gehen“ oder „seitwärts und rückwärts gehen“. Solche Übungen sollten anfangs nur mit einer Festhaltemöglichkeit oder in Begleitung ausgeführt werden, weil bei Schwindel Sturzgefahr besteht. Die Durchblutung wird durch körperliche Bewegung gefördert. Besonders wirksam sind Kombinationen von Bewegung und Training des Gleichgewichts wie beispielsweise beim Tanzen.

Quellen

  • Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
    ISBN: 9783131521231
  • Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde.
    ISBN: 9783662581773
  • Guntinas-Lichius, O.; Klußmann, J. P.; Lang, S.: Referenz HNO-Heilkunde.
    ISBN: 9783132422421
  • Hacke, W. (Hrsg.): Neurologie.
    ISBN: 9783662468913
  • Strutz, J., Mann, W. (Hrsg.): Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie.
    ISBN: 9783132454606

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